Mittwoch, 16. Juli 2008 05:02
Wer seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, Dinge an andere Menschen zu verkaufen, muss irgendwie mit diesen zurecht kommen, bevor sie als zufriedene Kunden das Weite suchen. Manchmal können solche Erfahrungen lustig sein:
»… und der Scheißtag geht weiter mit Menschen, die es verdienen, hochkant rauszufliegen. Eben betritt eine ältere Dame den Buchladen und begrüßt mich mit heruntergezogenen Mundwinkeln und den Worten: “Ich weiß ja nicht, was für Bücher Sie hier führen, aber gehört dieser Ken Folleh, oder wie auch immer man den ausspricht, dazu?”
Nachdem ich ihr erkläre, dass wir durchaus Bücher von Ken Follet da haben, erklärt sie ihrerseits, ihr Sohn habe ihr den zweiten Band von diesem Kerl geschenkt, was auch immer er ihr damit sagen wolle. Ob wir den Ersten (gemeint war, wie sich herausstellte, “Die Säulen der Erde”) denn nicht antiquarisch da hätten? Ich erkläre, dass das nicht der Fall ist, weil wir eigentlich auf SF und Fantasy spezialisiert sind und historische Romane eher als Ausnahme für besonders wichtige und gute Bücher führen. “Aha.” ich erwarte schon, dass sie jetzt unverrichteter Dinge geht, aber stattdessen knurrt sie: “Na schön. Muss ich auch noch Geld für den Mist ausgeben. Was der sich dabei denkt.”«
… wie Buchhändler Jakob zu berichten weiß; manchmal auch einfach nur zum Kotzen:
»Kundin aus dem Prenzlauer Berg erkundigt sich nach der internationalen Telefonflatrate. Ich zähle einige der enthaltenen Ländernetze auf, darunter, weil regelmäßig nachgefragtes Alleinstellungsmerkmal dieses Angebots, Israel.
Sie: “Ist ja klar, Israel ist drin, die arabischen Länder sind draußen.”
Ich: “Das hat wohl mit den Verbindungspreisen zu tun.”
Sie, aufgeregt: “Das ist die Achse des Bösen. Ich hätte gern eine Achse-des-Bösen-Flatrate.”
Ich: “Muß man sich leisten können.”«
… schreibt Kulla über seine - ausgesprochen lesenswerten - ‘Ökonomischen Gottensdienste‘.
Deutlich weniger sympathisch ist mir hingegen, was in penetranter Regelmäßigkeit unter dem vielsagenden Titel ‘Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn‘ gebloggt wird. Da wird die verständliche Unlust an der Arbeit auf eine Art und Weise auf den Kunden projiziert, dass es weh tut. Ob das nun berichtenswert ist, sei einmal dahingestellt - mich regt es gerade einfach nur auf.