Und wir so …

Freitag, 05. Februar 2010 20:23

Kunstkritik

Samstag, 30. Januar 2010 16:01

Auf Beatpunk wird ein Bildband von Bernd Langer besprochen: »Er liefert einer anachronistischen Szene das Lebensgefühl des ‚streetfighting man‘, und zementiert die Identität der kompromisslosen Kämpfer auf der Straße. Anstatt also den von ihm so sehr gewünschten Drang zur Veränderung zu schaffen, bietet Bernd Langer Lebensentwürfe an. Das ist grundsolide, aktionistisch und bestimmt auch gut gemeint, nur in irgendeiner Weise progressiv ist es ganz sicher nicht.«

Die Kunstsachverständigen der Polizei waren da – zumindest in der Tendenz – wohlwollender: »L. verwendete sehr kräftige Farben und malte professionel mit Staffelei, Malbrett und Fertigfarben aus Tuben.«

Tödliche Wasserknappheit

Montag, 07. Dezember 2009 11:28

Wenn Polizisten über ihre Gerätschaften ins Schwärmen geraten, klingt das immer irgendwie komisch. Auf SpOn erklärt einer, warum er bisher noch keine Demonstranten erschossen hat:

»Was sollen wir da machen? Gummigeschosse einsetzen oder scharf schießen? Das brauchen wir nicht, wenn wir auch mit Wasser zum Erfolg kommen können.«

Mir geht das ganze »Riot« – Gequatsche der Genossen seit Jahren nur noch auf den Geist. Weder »Widerstand« noch »Sport« können mich konzeptionell überzeugen und die Verrohung, der sich Schläger auf allen unterziehen müssen, ist und bleibt ein Problem. So weit. Wenn aber sich aber Menschen wie Karl-Heinz Meyer von der Bundespolizei und Achim Friedl aus dem Innenministerium über ihre »Kunden« in Laune phantasieren, ist  das ohne Brechreiz kaum noch lesbar.

Wer treibt denn hier »Sport« und macht auf Bandenkrieg? In diesem Fall sind es die, die in Nachrichtensprech hinterher immer ausrasten »mussten«. Ein kleines bisschen Vernunft rutscht aber aus Versehen noch in die kindliche Freude übers neue Spielzeug hinein: Müsste man den »Kunden« erschießen, ginge er am nächsten Tag nicht mehr zum Einkaufsladen und wäre Kunde mehr. Ein Hoch auf die nicht-letalen Waffensysteme!

same procedure

Sonntag, 06. Dezember 2009 13:26

Fast jeder Jahrgang fast jeden Gymnasiums unterhält eine Kasse für seine Anschaffungen, und muss die irgendwie mit Geld befüllen. Auf meiner alten Schule werden zu diesem Zweck mehr oder weniger lustige Partys ausgerichtet – viele andere machen das wohl auch so. Drum herum gibt es allerlei Diskussion, weil die Feiern erstens extrem wichtig für das soziale Klima der Dorfschule sind und es zweitens ziemlich schnell um ziemlich viel Geld geht.

Ein Klassiker, der scheinbar nicht tot zu kriegen ist, bleibt der Kommerzialisierungsstreit. Die immer gleiche Ausgangssituation: »Bis ganz kurz vor jetzt waren unsere Partys immer irre authentisch und jetzt geht es nur noch ums Geld.« Oder: »Die andere Schule (der andere Jahrgang) da verdient mehr Geld als wir, ist dafür aber nicht so irre authentisch.« Langweilig? Stimmt. Aber es ist trotzdem lustig, diesem Wiedergänger bei der Arbeit zuzugucken. Besonders, wenn er sowas macht:

Gästebuch»Liebe Sonja« box den um. Der taugt nichts.

Totgetreten

Donnerstag, 26. November 2009 21:14

»In August 2007, Sophie Lancaster was kicked to death, simply for dressing differently. Two years on, and in tribute to the outgoing, bubbly girl who was denied the chance to live life her way, cult new British make-up brand Illamasqua has commissioned a short film by award-winning French director, Fursy Teyssier.

Produced by creative agency Propaganda, in association with iconic British band, Portishead, Dark Angel is a beautifully haunting rendition of Sophies story.

The aim of the film is to raise awareness of The Sophie Lancaster Foundation and generate £500,000 to help educate young people about tolerance. Since Sophies death, weve been working with behavioural experts Huthwaite International, to put together an interactive youth workshop that does just that.«

[via]

Oldenburg brennt, heißt es

Donnerstag, 26. November 2009 15:00

Seit ich nicht mehr an der Uni Oldenburg eingeschrieben bin, war ich nicht mehr oft da. Vor ein paar Wochen für vier Stunden, um eine Klausur für die Fernuni zu schreiben und heute zum zweiten mal, um in der Bibliothek zu arbeiten. Letzteres gestaltet sich erstaunlich entspannt, weil außer mir kaum jemand da ist.

Gegenüber im besetzten Audimax ist auch niemand, weil gerade in der Stadt demonstriert wird. Ich bin kurz durch gelaufen und habe mir ein paar Stellwände angesehen, auf denen ziemlich viel geplant und geschrieben wird. Man hat mir versichert, dass hier sonst »die Hölle los ist« und alle gut drauf wären. »Zu meiner Zeit hätte es das nicht gegeben«, dachte ich mir so und wenn »meine Zeit« nicht gerade mal ein Jahr her wäre, hätte ich mich dieses Gedankens ein auch ein wenig geschämt.

Vielleicht gehe ich gleich nochmal rüber, wenn alle wieder da sind und über irgendwas diskutiert wird. In Bielefeld hat man angeblich Freerk Huisken eigenladen, obwohl der doch eigentlich unser Ehemaliger ist. Dabei geht es hier eigentlich schwerpunktmäßig in erster Linie um »uns« – Studenten, junge Menschen, Oldenburger (unter Ausschluss der BWLer, deren demonstratives Fernbleiben hier parallel zu meinem eigenen abläuft).

Jetzt schnell noch ein paar Kopien, bevor die Demo zurück kommt und mir hoffentlich einen Kaffee zum Solipreis anreht. Soweit.

Digital Doofian

Mittwoch, 25. November 2009 10:01

Ich kenne das Buch nicht und der Cursor ist nicht einmal in die Nähe des Links auf die Rezension gekommen. Ich habe also keine Ahnung, worum es da eigentlich geht, freue mich aber trotzdem über Unkultur:

»Der Blödian-Begriff der “digitalen Boheme” bringt hier entgegen der Intention seiner Erfinder die Idiotie auf den Punkt: snobistisches Überlegenheitsgefühl aufgrund der Kenntnisse der neuesten Moden. Wenn der heutige status quo nicht ein ganz altes Prinzip der Kulturindustrie ist, dann weiß ich auch nicht. Fashion Victims der besonders blöden Art.«

… und leiden kann ich diese Leute auch nicht.

Im Wahn sogar mit Frankreich

Samstag, 31. Oktober 2009 18:49

»Schluss mit dem Kult um die Asterix-Comics!«, fordert Richard Herzinger auf Welt Online und nimmt die rübennasigen Globalisierungsgegner fachgerecht – mit Poliakov – auseinander. Die Forderung ist sympathisch und seine Beobachtungen so offensichtlich, dass es vermutlich ermüdend ist, sie schon wieder irgendwo aufschreiben zu müssen. Oder auch nicht, denn die WELT ist nicht irgendwo, wie das hilfreiche Kommentatorengesindel bereits eine halbe Stunde später klargestellt hat:

Die »Interpretation« sei »falsch«, der Autor hysterisch. »Postmodernes Beliebigkeitsgeschwurbel« ist auch schon wieder erkannt worden und was Poliakov endlich brauche, sei eine »richtige Arbeit«. (Aus dem Kriegsgefangenenlager hatte er sich ja seinerzeit auch schon verdrück, gell?)

Wirklich erstaunlich ist eigentlich nur, dass es diesmal Franzosen sind, die da so verbissen wie hirnlos verteidigt werden. Dass nämlich nicht nur die Deutschen zu völkischem Wahn neigen, stellt der Autor schon im zweiten Satz klar – ja, sie hätten nicht einmal damit angefangen. Der Wahn des Ariertums sei übrigens auch »in ganz Europa, nicht zuletzt in Frankreich« verbreitet gewesen. Aber es reicht offensichtlich nicht, die Deutschen so entgegenkommend aus der Schusslinie zu nehmen, will man ihnen auch nur das allerverdaulichste Häppchen Ideologiekritik schmackhaft machen. Vielleicht sollte es bei Gelegenheit mal jemand mit einem us-amerikanischen Westernheftchen versuchen.

Lynch im Museum

Donnerstag, 29. Oktober 2009 10:30

Wenn David Lynch nicht gerade Filme macht oder auf dem Teufelsberg »Universitäten des unbesiegbaren Deutschlands errichtet«, produziert er allerlei Kunst zum Angucken. Das Max Ernst Museum Brühl nennt sie »bildkünstlerischen Arbeiten« und stellt sie unter dem Titel Dark Splendor aus – vom 22.11.2009 bis zum 21.03.2010. Mehr dann später, wenn ich die Ausstellung gehen habe. …

[via]

Selbst ist der – Gedanke

Mittwoch, 28. Oktober 2009 19:09

Manchmal braucht es nicht einmal zwei vollständige Sätze:

»Als Broder ein paar Jahre später verlautbarte, wegen des Antisemitismus der Deutschen und speziell der Linken, seiner einstigen Freunde, nach Israel auszuwandern, hätte man denken können: immerhin konsequent für einen, der, weil Eltern und Großeltern Opfer wurden, lieber gleich Täter werden will und nunmehr für den heiligen Boden in den besetzten Gebieten kämpft.«

(Mathias Bröckers über Henryk M. Broder)