Eine Neuigkeit ist es wahrscheinlich schon nicht mehr, aber vollkommen unkommentiert wollte ich es trotzdem nicht lassen: Ingmar Bergman ist heute Morgen im Alter von 89 Jahren auf Fårö gestorben.
(Der Tod (Bengt Ekerot) und der Ritter Antonius Block (Max von Sydow) spielen Schach in Bergmans Film ‘Das siebente Siegel’)
Wenn mich meine verworrenen Erinnerungsfetzen nicht täuschen, war ‘Das siebente Siegel‘ mein erster Anlass, mich mit Tod und Sterben zu beschäftigen. Ich weiß noch, dass ich zwar nächtelang schlecht geschlafen habe, den Film aber trotzdem unbedingt wieder sehen wollte. Als Kind hatte ich natürlich keine Möglichkeit, einen Film aufzutreiben und es irgendwann auch wieder vergessen. Erst in diesem Jahr bin ich rein zufällig über die ‘Ingmar Bergman Edition‘ von Arthaus gestolpert und habe damit zwanzigjährige Erinnerungen geweckt.
Als ich eben gehört habe, dass Ingmar Bergman heute morgen gestorben ist, hatte ich ein komisches Gefühl. Ich war nicht unbedingt traurig, aber zumindest nachdenklich - mit Ingmar Bergman sind einer meiner liebsten Filmemacher und ein wichtiger Impulsgeber meiner kindlichen Entwicklung verstorben.
Eine Woche des Müßigganges neigt sich ihrem Ende entgegen, und es ist langsam an der Zeit, die Arbeit der nächsten Wochen anzugehen. Drei besonders hohe Stapel ragen aus dem Papiersumpf hervor und werden mich wahrscheinlich auch am intensivsten beschäftigen:
Den Anfang macht meine (immer noch unfertige) Untersuchung des Films ‘Das Cabinet des Dr. Caligari’ unter der Frage, inwieweit sich im Motiv des ferngesteuerten Cesare „deutsche Verhältnisse“ erkennen lassen, und wo sich diese Elemente auch im postmodernen Verweisraum noch verorten lassen. Durch das Programm führt Siegfried Kracauer – der Großvater einer antideutschen Kulturtheorie.
Den zweiten Block machen dann die Vilemíten aus: Eine italienische Häretikerkommune, an deren Beispiel ich einen skeptischen Blick auf den „theologisch vermittelten Feminismus des Mittelalter“ werfen möchte. Die Quellenlage ist nicht gerade berauschend, aber im Moment sieht es hier trotzdem noch am entspanntesten aus.
Damit bliebe noch der Bar-Kochba-Aufstand in der rabbinischen Literatur. Meine ursprüngliche Leitfrage nach einem antiken Antisemitismus habe ich inzwischen abgehakt und stehe damit leider wieder ziemlich am Anfang. Ich habe noch ein wenig Literatur über die israelische Rezeption des Aufstandes – möglich, dass ich darüber weiterkomme.
Sollte ich damit schneller fertig werden, als ich mir gerade vorstellen kann, würde ich mich noch mit ‚Hellboy’ befassen, aber dazu dann später mehr. Aufgeschrieben sieht das zwar überschaubarer aus als auf meinem Schreibtisch (und in meinem Kopf), aber langweilen werden ich mich in der nächsten Zeit wohl trotzdem nicht.
Nach dem Bericht über ‘Das Bluul‘ geht es jetzt schon wieder um cthuloides Filmwerk. Der Animations- Kurzfilm Ryleh von Gaëtan Boutet und Mikaël Genachte-Le Bail zeigt eine sehr ruhige und - wie ich finde - bedrückende Version der Geschichte um die versunkende Stadt R’lyeh, in welcher der monströse, tot-träumende Cthulhu begraben liegt.
Ähnlich der literarischen Vorlage, zeigt die Film die subjektive Perspektiv eines Menschen, der mehr erfährt, als gut für ihn ist. Wer keine Lust hat, sich den Film hier im Blog anzusehen, könnte ihn sich auch hier in unterschiedlichsten Formaten und Dateigrößen herunterladen.
Einmal darf ich noch, bevor mein Blog als Plattform für unbezahlte Werbung abgehakt werden sollte:
Zelten und dabei Kurzfilme gucken in der Beinahewildnis vor Osnabrück. In der Nacht vom 17. auf den 18. August kann man das für 5 € machen - Programm, Wegbeschreibung und Kontaktadresse gibt es nach Klick auf das Logo.
Wie schon angekündigt, noch ein paar Worte zum ‘Freakquenzy Roundup 2007‘, der diesjährigen Episode des Party-Urgesteins. Insgesamt war es ein wirklich schöner Abend, auch wenn diverse Leute, mit denen ich felsenfest gerechnet hatte, scheinbar irgendwo verschollen sind. Hier soll es jetzt aber um die Musik gehen - genauer gesagt um eins der vielen Konzerte.
Zumindest für mich hat das Festival gleich mit dem absoluten Highlight losgelegt: ‘Das Bluul‘ haben sich dem ‘The Call of Cthulhu‘ - Stummfilm der H.P. Lovecraft Historical Society angenommen und ihn live neu vertont. Dabei wurde nicht einfach eine Musik gegen eine andere getauscht, sondern gleich der ganze Film umgekrempelt. Die ursprüngliche Musik zielt darauf ab, den Film glaubwürdig als Relikt der 20er Jahren wirken zu lassen (er ist von 2005) und dramatisiert die Story von ‘The Call of Cthulhu’ auf diesem Wege ausgesprochen gut. Hier im Trailer zu sehen und zu hören:
‘Das Bluul’ machen nun etwas ganz anderes: Sie kümmern sich weniger um die Geschichte, dafür aber umso intensiver um die Stimmung des Films. Das kosmische Chaos bricht über scheinbar vertraute Welt herein und lässt nicht viel übrig vom Verstand derjenigen, die im Weg stehen. Das ist im Film zu sehen und wird von der Musik eindrucksvoll unterstrichen, während die Handlung im Hintergrund verschwindet. Das Alles passiert nach den Regeln des Drone: Diverse Instrumente und elektrische Soundspielzeuge werden dazu gebracht, ein Dröhnen zu erzeugen, das Körper und Geist der Zuhörer mit verstörender Kraft packt und betäubt und aufgelöst zurück lässt. Eher untypisch für das Genre - aber darum nicht weniger passend - waren Carstens (’Chronicle of Tyrants‘) Drums, die den kultischen Exzessen auf der Leinwand noch mehr Nachdruck verliehen haben, während sich das übrige Programm als dunkler Soundteppich durch den Abend gewalzt hat.
Schade, dass es keine CDs gab - Ich hätte mich gerne nochmal ohne fremde Bilder mit ‘Das Bluul’ befasst. Im Moment laufen hier gerade der Film und die neue Sunn O))), was interessanterweise auch ganz gut funktioniert. Die enge Verwandtschaft dieser beiden Bands unterstreicht auf der anderen Seite allerdings auch ihre Unterschiede: ‘Das Bluul’ klang aggressiver, gehetzter und wenig dumpf …
… oder, wie schon der Namensgeber beschrieben worden ist: “Das Bluul streckte schwankende Pseudopodien aus. Die lichtgrauen Gebilde stiegen gleich riesenhaften Rüsseln empor. Ihre verdickten Enden verfärbten sich schwarz, als sie in das Vakuum des Raumes hinausstießen. Eine Weile wogten sie wie unentschlossen hin und her. Dann hatten sie ihr Ziel gefunden. Sie richteten sich auf ein grünlich blinkendes Etwas und empfingen die Botschaft über den trennenden Abgrund der Nacht hinweg.“
Der Start in den Tag war etwas mühsam nach dem schönen, aber langen ‘Freakquenzy Roundup‘ (dazu später mehr). Bei dem Gewitter war eh nicht ans Rausgehen zu denken, und ich habe die Zeit genutzt, um mich endlich mal mit Kornels Kaffeebohnen zu befassen:
Der Geruch beim Rösten war tatsächlich alles andere als lecker, mit offenem Fenster und Dunstabzug aber zu ertragen - roch ein wenig wie verbranntes Popcorn. In der gusseisernen Pfanne habe ich die Bohnen (natürlich ohne Fett) eine gute Viertelstunde unter Dauerrühren geröstet, bis alle dunkelbraun waren. Hinterher habe ich die Bohnen ein paar Mal von Schüssel zu Schüssel gekippt, damit sie schneller abkühlen und das verbrannten Gebrösel verlieren.
Insgesamt habe ich eine gute halbe Stunde vom Rohkaffee zur dampfenden Kanne gebraucht, und die hat sich auch wirklich gelohnt. Ich kann den “selbstgemacht” - Effekt natürlich nicht wegdenken, aber ich glaube, gerade wirklich einen sehr guten Kaffee getrunken zu haben. Besser als die üblichen Fertiggemahlenen war er in jedem Fall. Ich werde demnächst mal ein paar verschiedene Sorten auftreiben und die Koffeinjunkies zum Vergleichen und Mischen einladen.
Für heute wird es aber erstmal bei diesem großartigen Frühstück bleiben. Vielen Dank an Kornel für die Idee und den Rohkaffee!
Das ‘Fantasy Filmfest‘ startet in den ersten Städten bereits nächste Woche, die bestellten Programmhefte sind so gut wie ausgeliefert und so langsam sollten die Zeitplanungen mal anlaufen. Ich habe schon angefangen, eine Trailersammlung anzulegen, die man sich entweder hier oder hinter dem “Ganzen Beitrag lesen” - Link ansehen kann. Die offizielle Filmliste ist zwar deutlich informativer, aber dafür sind die Trailer oft nicht verlinkt, was etwas schade ist .
Ich werde die Liste noch fertigstellen und hier und da auch noch einen Trailer austauschen. Die meisten sind ohne Untertitel im Originalton und eigentlich hätte ich sie gerne in der Version, die dann auch auf dem Festival gezeigt wird:
Vier arbeitsintensive Wochen haben heute Mittag endlich zu ihrem Ende gefunden. Ganz zufrieden bin ich mit dem Ausgang zwar nicht, aber es ist trotzdem ein unglaublich gutes Gefühl, mal wieder ohne drohende Bücherstapel im Blickfeld vor dem Computer zu sitzen! Ein schöner Abend ist das: Die Hitze ist weg, das Bier kalt und die Musik hervorragend.
So langsam könnte ich dann auch mal anfangen, mich um den ganzen Kram zu kümmern, für den in diesem Sommer noch keine Zeit war: Ein paar Briefe schreiben, meine Saisonkarte fürs Freibad (die erste seit 12 Jahren) ausnutzen, ‘Second Person‘ zu Ende lesen…
Ich glaube, ich beginne mit einem äußerst ungesunden Spaghetti-Snack!
Der Haegi und seine ‘Freakquenzy’ - Compañeros machen Partys für Leute mit Spaß an Livemusik der gedröhnten Art. Nächstes Wochenende steht das Labelfestival in Drebber auf dem Plan und das könnte sich durchaus lohnen. Ich werde ziemlich sicher da sein und kann diese Landpartie ruhigen Gewissens weiterempfehlen. Das hier ist eine Abendplanung, die in der GoogleGroup bestimmt noch aktualisiert wird:
Basics:
Termin: 21.07.07
Beginn: 18:00 Uhr (pünktlich!)
Eintritt: VOR 20:00 Uhr: 6 Euro — NACH 20:00 UHR: 8 Euro