Leseabend uff’m Wedding

Im Großen und Ganzen lief mein Berlinbesuch (ganz nach Plan) auf ein dreitägiges Dauergespräch hinaus. Am Sonntag haben wir allerdings kurz pausiert, und sind ins Café Barrikade gefahren, um Thilo Bock und Konrad Endler beim Vorlesen und -singen zuzuhören. Ich hatte Thilos Namen vorher schonmal irgendwo gelesen - im ‘Salbader‘ wahrscheinlich - aber eigentlich kaum mehr als eine grobe Ahnung vom Programm des Abends. Andererseits war dies auch nicht mein erster Besuch bei einer Berliner Lesebühne, die sich dann ja nun doch irgendwo recht ähnlich sind.

Eigentlich war mein Bild auch gar nicht so falsch, wenn man mal davon absieht, dass kaum jemand da war: Als wir etwas verspätet ankamen, haben wir die Zuschauerzahl damit auf zwölf erhöht. Eine sehr überschaubare Veranstaltung also - eine unterhaltsame aber dennoch. Die meisten Texte waren kurze Alltagsgeschichten, die man so oder so ähnlich auch auf der ‘reformbühne heim & welt‘ oder bei den ‘Surfpoeten‘ zu hören bekommt.

Das “Singen” hatte ich in der Ankündigung irgendwie überlesen und entsprechend überrascht war ich, als Konrad plötzlich aufstand und in beachtlicher Lautstärke losschmetterte. Seine grenzdebilen Schlager über den “Strand der Tränen” oder das “Baby ohne Augen” waren eine nette Abwechslung zu den Erzählungen über Haustiere, die ihren Besitzern beim Sex zusehen, Kneipenabende mit Freund und Partnerin oder bekloppten Werbetexte, in denen das Wort “Mineralwasser” gegen “Bier” ausgetauscht wurde - mit deutlichem Spaßgewinn.

Die Veranstaltung abschließend zu bewerten, ist gar nicht so einfach. Wer grundsätzlich Spaß an Tresenliteratur hat, kann den beiden gut zuhören. Das Genre neu zu erfinden, haben sie an diesem Abend aber weder geschafft noch versucht. Ich frage mich allerdings gerade mal wieder, wo genau eigentlich der Reiz dieser Erzählungen liegt (und das auch bis hin zu Wladimir Kaminer, Ahne oder Horst Evers). Gibt es so etwas wie eine Komik der Banalität oder eine Ästhetik des Normalen? Ich kann es nicht sicher sagen, aber es freut mich, dass die Kneipenlesung den Hype offensichtlich überlebt hat und noch immer auch in klein funktioniert.

Ein Kommentar zu “Leseabend uff’m Wedding”

  1. Vorleser in Osnabrück und aus der Konserve | Karwan Baschi | Paules Blog
    October 16th, 2007 15:42
    1

    [...] weil es irgendwie dazu passt: Konrad Endler, dem ich neulich eher zufällig zuhören durfte, hat mir gerade sein ‘Midipop Revival’ verkauft. [...]

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