Was wirklich wichtig ist im Leben
Das ‘Deutschlandradio Kultur‘ hat ein gut gepflegtes Podcast - Angebot. Unterschiedliche Feeds für die verschiedenen Rubriken ersparen mir wenigstens einen großen Teil der Sortierarbeit, und die gelegentlich interessanten Beiträge sind mir den Restaufwand wert.
Wäre das ‘Politische Feuilleton‘ heute morgen nur im Radio gelaufen, hätte mich mein Feedreader nicht mit der Überschrift ‘Kehrt die Kunst ins Fernsehen zurück?‘ konfrontieren können, und mein Tag wäre weniger verwirrend angelaufen. Mitten im Gerede über die schröckliche Kulturlosigkeit des deutschen Fernsehprogrammes wird es plötzlich interessant:
“[...] Man darf erwartungsvoll gespannt sein - aber besser wohl nicht zu sehr, denn weiterhin werden Völkermord in Afrika oder Internetzensur in China die üblichen Themen in den Kulturmagazinen der Fernsehanstalten sein. Wer was wirklich Wichtiges über Theater oder Malerei erfahren will, muss schon zu ‘Theater heute’ oder zur ‘Kunstzeitung’ greifen. Die allgemeine Unterhaltsamkeit bleibt weiterhin oberstes Programmziel, weshalb ARD und RTL, ZDF und Sat1 einander immer ähnlicher werden. [...]“
Bevor jemand meckert: Natürlich hat er nicht gesagt, die Highlights der aktuelle Theatersaison seien berichtenswerter als ein Völkermord. Die Auswahl der beiden Beispiele für “die allgemeine Unterhaltsamkeit” zeigt allerderdings, warum es gar nicht so schlecht ist, wenn Kulturgeblubber nach Geschmack der Kunstkenner keine Sendezeit im Fernsehen bekommt.
Kultur (oder das, was “Kenner” dafür halten) ans Fernsehpublikum vermitteln zu wollen, ist ja erstmal nichts Schlimmes. Wenn irgendjemand glaubt, Theater an Sitcom-Gucker verkaufen zu können, soll er es meinetwegen versuchen. Hier wurde sich allerdings grundsätzlich gegen die Politisierung der Kulturprogramme ausgesprochen - und das auf eine Art, die nur fertigbringen kann, wer noch nie in tatsächliches Unterhaltungsprogramm gezappt hat.


