Call for Papers (im Duett)

Thursday, 04. September 2008 12:06

Wer hier die Comments im Blick hat, der weiß es schon - wer Nichtidentisches liest, sowieso. An alle anderen: Wir machen uns seit ein paar Wochen Gedanken über kooperatives Bloggen gegen Hartz IV und die »Kontinuität deutscher Krisenbewältigung«. Inzwischen hat sich der Gedanke durchgesetzt, die Debatte gleich zu Anfang auf eine möglichst breite Basis von formvollendeter Widersprücklichkeit zu stellen. Hier noch einmal der Aufruf des geschätzten Nachbarbloggers und »Genossen auf Zeit«:

Call for Papers:

Für eine konzertierte Aktion werden noch BloggerInnen gesucht, die sich auf vielfältige Weise Gedanken zu Hartz-IV, ALG-II, 1-Euro-Jobs oder Sozialsystemen überhaupt machen wollen. Die Beiträge können von literarischen Kurzgeschichten, satirische Hiebe nach allen Seiten über künstlerische Darstellung, Comics, T-Shirt-Entwürfe bis hin zu ausformulierten Analysen des totalen Verblendungszusammenhangs oder auch nur eines Forumsthreads reichen. Es geht dabei nicht darum, theoretische Einstimmigkeit zu verbreiten, sondern vielmehr eine verwirrte Debatte weiter zu verwirren, die Widersprüche auf die Spitze zu treiben und letztlich gerne auch mal ganz individuellen Frust abzulassen. Eine Zensur findet nicht statt, lediglich ein Aussortieren allzu übler Gesinnungen, mit denen man sich nicht gemein machen möchte. Alle Beiträge werden am gleichen Tag gepostet, eine jeweils nach- oder vorzuordnende Linkliste soll alle Beiträge zum interaktiven Online-Reader machen.

Vorschläge können an nichtidentisches@[löschmich]web.de gesandt werden.

Ungefährer Redaktionsschluss ist der 21.9.2008, Beiträge bitte so zeitnah wie möglich anmelden.

DIVIDED WE STAND, UNITED WE FALL!

Dark Knight, mien Mors

Wednesday, 03. September 2008 14:10

Es war nicht immer ganz einfach, den Anschein zu erwecken, anders als die anderen zu sein. Früher musste man sich wilden Filz in die Haare züchten, ohne Internet an bescheuerte Musik kommen, schwierige Bücher lesen und andere zeitaufwendige Dinge tun. Heute ist das alles bedeutend einfacher und in erster Linie durch Angelegenheiten bestimmt, an denen man gerade nicht partizipiert:

Flaggen ans Auto hängen, George W. scheiße finden oder den neuen Batman gucken. Der Haken an der Sache ist nur, dass die ganze Idee des Andersseins mit dem Aufwand auch ihren Reiz verloren hat. Allein diese Überlegung verschafft mir ein flaues Gefühl im Magen, wo andere in den letzten Wochen doch so engagiert ins Spannungsfeld von Gegenidentifikation und identitärer Sinnsuche getextet haben. War es nun richtig, sich da rauszuhalten? Nur weil man sich nicht angesprochen fühlte? Gut, ich lerne ein wenig Hebräisch und lese gelegentlich Adorno, und ich erkenne einen hoffnungslos bescheuerten Text, auch ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden. Aber trotzdem: Geht mich das alles wirklich nichts an? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch ehrlich gesagt sogar noch weniger als die Sache selbst.

Also wieder zurück zu den einfacheren und interessanten Fragen des Lebens: ‘Dark Knight‘ gucken - oder es doch lieber lassen? Einige Freunde hatten scheinbar Spaß im Kino, und die Kritik von Nichtidentisches hat meine Neugierde geweckt. »Nekrophile Faszination« empfinde ich nicht - das ist eine andere Geschichte, die von der Pubertät aus dem ersten Absatz und ‘The Crow‘ handelt. Daran hängen Film und Kritik aber ja nun auch nicht. …

Andere schreiben über Nolans vermeintlichen Realismus: »Er [Christopher Nolan] führt seinen Helden ein gutes Stück aus dem Comic-Universum sonstiger Superheldenfilme heraus und ein wenig hinein in die wirkliche Welt.«. Oder aber: »Hier liegt dann wohl das unübersehbare Glaubwürdigkeitsproblem. Gerade weil „The Dark Knight“ es sich aufbürdet, unsere Realität, unsere Angst, zu seinem Thema zu machen, ist die banale Scheinseriosität seiner Action-Klischees so unredlich, so hohl, so unnötig.«.

Ob das wirklich die entscheidende Frage ist, kann ich natürlich noch nicht beurteilen. Ich möchte es aber können und werde darum wohl doch ins Kino gehen müssen. Entscheidung getroffen, Mission erfüllt - Danke Karwan Baschi!

Nachtrag: Hier wurde ebenfalls gut geschrieben. Man kann dort auch mit Menschen diskutieren, die klug kommentieren und den Film sogar gesehen haben.

Tapetenwechsel

Wednesday, 03. September 2008 00:52

Unsere Fahrt zur komischen Antifa-Konferenz scheitert nun an abgesprungenen Mitfahrern. Und irgendwie das ist auch ganz gut so. Nun kann ich die ermüdende Vorbereitungsliteratur bis auf weiteres unter dem tiefsten aller Stapel vergraben und mich ungehindert diesem (nicht weniger bizarren) Text widmen:

Rainald Grebe: Global Fish

Therefore, a “slashup.”

Monday, 01. September 2008 14:29

Der einzigartige William Shatner hat vor ein paar Jahren den großartigsten aller Pulp-Songs gecovert. Was damals schon ganz weit vorne war, ist spätestens nach diesem Video-Mashup einfach nur noch lieb zu haben:

Drogenpause

Sunday, 31. August 2008 17:29

Während die Blogs immer ruhiger werden - dieses hier und auch ein Großteil der regelmäßig von mir gelesenen - wird die Liste meiner ‘Themen für demnächst‘ immer länger und unübersichtlicher. Neben den akuten (’ROM Hacker‘, ‘Pulp Nazis‘ und ‘Hartz IV‘) hat sich nun auch der Dauerbrenner ‘Rausch’ auf die Tagesordnung geschlichen. Anstatt nun aber weitere Texte anzukündigen, habe ich mich erst einmal bis zum gesegneten Weihnachtsfest auf abstinent geschaltet und meinen Drogenkonsum auf Koffein beschränkt. (Vollkommen wahnsinnig bin ich nicht geworden.)

Wenn ich die Zeit finde, werde ich zwischendurch mit der ein oder anderen Polemik gegen die Entsagungsideologie gegensteuern und ansonsten meine Gedanken sortieren, um gegen Jahresende wieder interessanter zu werden. Wer sich jetzt schon darauf freut, an Weihnachten mit mir ‘Doctor Who‘ zu gucken, muss sich wohl oder übel auch mit einem gelallten Steckel-Vortrag arrangieren. …

Kastrierter Molblin

Monday, 25. August 2008 18:54

Heute gibt es ein kleines Büchlein aus der guten (mittel-)alten Zeit der Videospiele. Das Bilderbuch ‘Molblin’s Magic Spear‘ erzählt eine kurze Episode aus den Abenteuern des Helden Link, der (langfristig gesehen) unterwegs ist, um die bezaubernde Prinzessin Zelda aus den Fängen des Unsympathen Ganon zu befreien. Hier geht es aber zunächst nur um den eher nebensächlichen Kampf gegen Ganons Gefolgsmann Molblin, der irgendwo auf halber Strecke die Gegend unsicher macht.

Darum ist es vielleicht noch etwas zu früh, um auf Eugen Drewermanns Interpretation des Märchens Dornröschen zu verweisen. Ich mache es trotzdem:

»Wer möchte solch ein Prinzgemahl nicht sein? Mutig durchs Gebüsch gedrungen, dann, ansichtig der Schönen, von der alle traumverloren reden, naßforsch die Gunst des Augenblickes nutzend - allein die Paßgenauigkeit, mit der Triebwunsch und und Rettungstat sich ineinander fügen, - o seltene Glückseligkeit!«

Selten - fürwahr! Mir kommt Drewermann in den Sinn, weil sich die »tiefenpsychologische Deutung« auch im Falle des Nintendo-Märchens geradezu aufdrängt. Spätestens, wenn Link das magische Kastrationsbesteck im Uterus-Shop erwirbt, beginnt der sexualisierte Spaß.

… aber lest selbst:

Molblin’s Magic Spear

Künstliche Antifas

Thursday, 21. August 2008 15:54

Gestern habe ich ihn noch einen Frechdachs genannt - heute schreibt Jakob in der ‘Jungle World, wofür man Hellboy schätzen sollte. Wenn er seine Blogabstinenz weiterhin derart produktiv umsetzt, bin ich wieder glücklich und entschuldige mich für meine anmaßende Beschwerde:

»Selbstredend ist »Big Red«, wie ihn seine Freunde nen­nen, aktiver Antifaschist. Seine Faschismusanalyse (»Ach, Kacke!«) mag ein bisschen hinter der von Indiana Jones (»Nazis! Ich hasse diese Typen!«) zurückbleiben, nicht aber sein Engagement.«

Und weil er so recht hat, präsentiere ich noch einmal zustimmend, was es hier schon gab:

Passt ja grad so schön.

Drei mittelgroße Fragen

Wednesday, 20. August 2008 14:55

1. Fahre ich nun zur Antifa Konferenz nach Köln? Spannend könnte es werden, schlimm wird zwischenzeitlich hingegen ganz sicher - vielleicht erst einmal abwarten, wer noch so alles ausgeladen wird. …

2. Wie viel schäbige Kompromissbereitschaft braucht man heutzutage eigentlich für eine (Neben-)Jobsuche? Braucht zufällig noch jemand einen Hilfsarbeiter?

3. Wie frech ist Jakob eigentlich? Kaum habe ich es auch nur ansatzweise verschmerzt, sein Blog an die Lohnarbeit verloren zu haben, da taucht er schon wieder auf und tritt noch einmal kräftig nach. Sein Stiefel heißt ‘Vampires of the Internet‘ und wurde von Robin Hobb (vielleicht bekannt als Autorin der ‘Liveship Traders Trilogy‘) geschustert. Schuld an der allgemeinen Schreibfäule seien weder Wetter noch ökonomischer Zwang, sondern der Blogvampir. Der sitzt da nämlich fies und fett im Internet und lutscht hilflosen Künstlern die Kreativität aus den Fingern. Es gibt aber keinen Grund zur Panik! Frau Hobb ist zum Glück immer noch kreativ und hat sich dieses Schreckgespenst natürlich nur ausgedacht. Eigentlich geht es ja auch um etwas anderes:

»Ah, my writer friend. It is harsh but it must be said. Compared to the studied seduction of the novel, blogging is literary pole dancing. Anyone can stand naked in the window of the public’s eye, anyone can twitch and writhe and emote over the package that was not delivered, the dinner that burned, the friend who forgot your birthday. That is not fiction. That is life, and we all have one. Blogging condemns us to live everyone else’s tedious day as well as our own.«

Fiction, fiction, pumpiction; oder auch: ‘Wie gut, dass ich kein Künstler bin!

Orient, Alder!

Monday, 18. August 2008 19:54

Entschuldigt bitte:

Stemwede vorbei

Sunday, 17. August 2008 22:15

Das war es dann für dieses Jahr mit dem Stemweder Open Air - und wenn es nach mir geht, auch für alle weiteren, die da noch kommen. Um es kurz zu machen: Die wenigen Konzerte, zu denen wir uns aufraffen konnten, waren sterbenslangweilig und die meisten Leute ganz furchtbar schrecklich … Im Grunde könnte ich meinen langweiligen Text vom letzten Jahr einfach noch einmal posten. Einziger Lichtblick waren unsere liebenswerten Platz- und Gesellschaftsspender von Freakquenzy Records, aber die sind in Zukunft einfacher und genussvoller auf ihren eigenen Veranstaltungen zu besuchen.

Erster Einwand: Irgendwer hat behauptet, zumindest Duff Downer seien gut gewesen. Ich habe sie zwar nicht gesehen, gebe das aber mal so weiter - kann gut sein, dass es stimmt. Zum Zweiten wird wohl auch die Mediengruppe Telekommander gerockt haben, aber wir waren am Samstagabend schon längst wieder auf und davon.

Der Festivalbesuch war einfach ein blöder Fehler, und ich sollte vielleicht langsam mal damit anfangen, auf mich zu hören. Das gilt im Übrigen auch für die Polizei, die ihre peinliche Drogenhatz nach der Blamage vom letzten Jahr ebenfalls noch einmal durchziehen musste. 15 Polizisten und zwei Zollbeamte konnten einen mutmaßlichen Speed-Dealer und die unvorstellbare Menge von 12 Gramm Gras einkassieren. Dafür haben sie aber auch einen ganzen Nachmittag in der Sonne gestanden und vielleicht sogar ein wenig Spaß dabei gehabt. Lustig ist das zwar eigentlich nicht, auf der anderen Seite aber ganz bestimmt zu lächerlich, um sich ernsthaft darüber aufzuregen.

Und ab in die nächste Woche …

Nachtrag: Inzwischen gibt es wohl neue Zahlen zu den Drogenfunden. An der Sache ändert das aber natürlich nichts.