Archiv für Oktober, 2007

Na, immerhin war es kein Anruf

Dienstag, 30. Oktober 2007

Die lustigste Post von heute Abend:

Sehr geehrter Herr Karwan,
am 16. November 2007 wird Studio Braun die erste DVD veröffentlichen. Vielleicht können Sie auf Ihrem Blog über dieses Großereignis berichten.

Klar kann ich das. Ich kann auch über das ‘Pressekit’ berichten, das der Email “beilag”: Viele bunte Bilder und ein paar Texte, die ich jetzt als meinen geistigen Erguss verkaufen würde, wenn ich tatsächlich die Presse wäre. Ein Promovideo, Flyervorlagen, Cover und Klappentext der DVD. … Unglaublich! Eine Art Highlight unter den ‘Pressestimmen’: „Ich hab echt viel von euch geklaut“ (Stefan Raab)

Also: Die DVD heißt ‘20 000 Jahre Studio Braun – Ein Jubiläum feiert Geburtstag‘ und erscheint am 16. November. Jeder soll sie kaufen! In meiner Funktion als Speerspitze der kritischen Fachpresse bin ich übrigens auch geübt im Umgang mit Rezensionsexemplaren.

Morgen, Kinder wird’s was geben

Freitag, 26. Oktober 2007

Morgen ist das Hamburger Plattenrelease - Dings von Egotronic und BRATZE im Hafenklang. Dass ‘Raven gegen Deutschland‘ eine lustvolle Sache ist, kann man bei Gastsänger Classless nachlesen:

“Ein Laden voller verstrahlter Kommunisten, die jede Zeile von Songs mitsingen, die erst morgen rauskommen. Sogar die zweite Strophe von “Der Tausch” ist offensichtlich bekannt, weil ich den Text gebloggt habe. Als eine Weile keine Musik spielt, fangen fast alle an, “Ten German Bombers” zu singen. Zum Schluß stehen einige Zuschauer auf der Bühne und übernehmen die Gesangsparts, während sie aus dem Publikum Pillen gereicht bekommen.”

Heiligenwas? Ach ja, richtig …

Freitag, 26. Oktober 2007

Der G8 - Gipfel liegt nun schon einige Monate zurück. Die Beteiligten sind längst wieder zu Hause und wahrscheinlich ganz zufrieden mit ihren Schlachten für die Weltrevolution (vor dem Zaun) oder den Klimaschutz (hinter dem Zaun). Ich war nicht dabei. Keine Lieder über Paule an den brennenden Mülltonnen der nachkapitalistischen Gesellschaft. Naja …

Nochmal zur Erinnerung: Linksradikaler Größenwahn hat es mit der schlagfertigen Hilfe eines durchgeknallten Polizeiapparates geschafft, eine ausgesprochen erfolgreiche Mobilisierung zu veranstalten. Herbert Grönemeyer und seine Fans mussten tatsächlich kurz auf Sendezeit verzichten, weil die “Radikalen” unterwegs waren. Krawall gab’s auch und so konnte man sich, je nach Geschmack, entweder kräftig austoben oder empört distanzieren.

Ich krame diese Geschichte jetzt wieder hervor, weil sich inzwischen recht viel Material für die Adepten der Linksradikalogie angesammelt hat. Insbesondere für jene, die auch über den (gerechtfertigten) Vorwurf der Sinnlosigkeit hinaus, Kritik an der Kritik leisten wollen:

Schon vor dem Gipfel gab es den Versuch einer Demobilisierung von antideutscher Seite. Für diese Veranstaltungen wurde der Reader ‘why your revolution is no liberation‘ erstellt, der jetzt online verfügbar ist. Auch ganz interessant ist ein Mitschnitt der Diskussionsveranstaltung ‘game the player - play the fight - fight the play, häh?!?‘, auf der sich über Sinn und Unsinn der Mobilisierung gestritten wurde. Das Referat der ‘Gruppe 8. Mai’ ist auch in schriftlicher Form verfügbar. Der neueren Diskussion vom Antifacamp Oberhausen kann man ebenfalls zuhören und der bereits verlinkte Vortrag ‘Antikapitalistisches Kameradschaftstreffen in Heiligendamm‘ von Justus Wertmüller ist auch noch online.

Falls jemand noch mehr hat: Ab in die Kommentare damit!

Nachträge:

  • Ein Interview mit Christian von der ‘Antifetischistischen Aktion’ (Gruppe 8. Mai) bei Radio Corax.

Michael Stein ist tot

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Heute Morgen kam nur eine kurze Mitteilung von den Surfpoeten: Der Vorleser und Freisprecher Michael Stein ist vor wenigen Stunden verstorben. Ich würde gern irgendwas Kluges sagen, aber ich kann nicht. Scheiß Krebs! Zum Abschied nur das ‘Gebet gegen die Arbeit‘, das er uns hinterlassen hat:

Arbeit!
Geißel der Menschheit!
Verflucht seist du bis ans Ende aller Tage
Du, die du uns Elend bringst und Not
Uns zu Krüppeln machst und zu Idioten
Uns schlechte Laune schaffst und unnütz Zwietracht säst
Uns den Tag raubst und die Nacht
Verflucht seist du
Verflucht
In Ewigkeit
Amen

Ein kurzer Nachtrag: Inzwischen haben sich recht viele Menschen zu Wort gemeldet, die mehr über Stein und seinen Tod zu sagen hatten. Bov Bjerg hat eine Sammlung angelegt, die es wert ist, in Ruhe durchgegangen zu werden.

Eine Nacht am Fenster

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Es ist kalt draußen; zu kalt für Spaziergänge, oder um Wege zu anderen Menschen zu bewältigen. Ich bin deutlich zu müde zum Arbeiten, aber noch längst nicht genug, um mich ins Bett zu legen. Eben habe ich eine Weile am Fenster gesessen und versucht, mich mit der ‘White 1′ von ‘Sunn o)))‘ zu befassen. ‘My Wall‘ war großartig, das schnellere ‘The Gates of Ballard’ habe ich dann aber nach etwa zehn Minuten abgebrochen und lieber den Text des ersten Stückes gelesen. Die Wortfetzen, die beim ersten Hören im Kopf angekommen sind, haben durchaus einen interessanten Effekt gehabt - im Ganzen liest sich der Text dann aber leider doch nur wie typische Metal - Grütze.

Naja, vielleicht bin ich auch nicht ganz fair zu dem heidnischen Gerede. Ich werde das morgen nochmal lesen und mich bis dahin einfach weiter über den Sound freuen, während ich jetzt doch versuchen werde, etwas Schlaf zu bekommen.

Ein Blick aus dem Fenster.

עברית

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Mit einigen Startschwierigkeiten bin ich heute wieder in Oldenburg und im Studium angekommen. Das lästige Ritual des Stundenplanschreibens erscheint mir mühseliger denn je, obwohl einige Veranstaltungstitel eigentlich ganz vielversprechend klingen. Am erfreulichsten ist die Möglichkeit, mein Hebräisch wieder aufzufrischen (was leider kaum mehr bedeutet, als noch einmal von vorn zu beginnen).

Der erste Blogeintrag auf Iwrit wird wohl noch länger auf sich warten lassen; Chat- oder VoIP - Tauglichkeit sind die greifbareren Ziele. Der Gedanke an die Lernerei vom ersten Versuch ist zwar eigentlich kein besonders angenehmer, aber vielleicht hilft mir ja die gesteigerte Motivation. Es ist jedenfalls eine angenehme Abwechslung, etwas zu lernen, das sich auch direkt anwenden lässt.

Der Trend geht zum Zweitblog

Montag, 22. Oktober 2007

… und außerdem gibt es Themen, die hier einfach nichts verloren haben. Dass sich hinter dem Begriff “Fantasy” meist etwas ziemlich Hässliches verbirgt, habe ich zwar bereits gesagt (einige Diskussionen später gibt es inzwischen übrigens auch Material für eine Fortsetzung), dabei aber verschwiegen, woher ich das eigentlich so genau weiß.

Um meinem bisher geheimen Zeitvertreib Raum zu geben, habe ich soeben mein Zweitblog Ætherisches Räuspern bei Blogspot eröffnet. Dieser hier ist und bleibt der einzige Rollenspiel - Beitrag auf ‘Karwan Baschi‘ - wer sich für das Thema interessiert, hänge sich einfach den Æther - Feed in den Reader. Da drüben wird es in erster Linie praktisch zugehen. Zorn wegen eskapistischer Aufklärungsgegnerschaft und die oben angesprochene Hässlichkeit bleiben weiterhin hier beheimatet.

Beim fliegenden Abrisskommando

Montag, 22. Oktober 2007

Gestern habe ich einem alten Freund dabei geholfen, sein Kindheits- und Jugendhaus zu zerlegen. In den letzten zwei Jahren war es mehr oder weniger unbewohnt, wodurch Frost und ein schwerer Wasserschaden ungezügelt randalieren konnten. Nach langem Hin und Her wurde das Ding nun aber verkauft und wird demnächst “besenrein” abgegeben. Und genau diese Besenreinheit wollten wir nun herstellen.

Was in den letzten Jahren nicht verkauft oder verschenkt werden konnte, haben wir in Stücke zerlegt und in einen Container geworfen. Einen Großteil der Arbeit hatte der Nochbesitzer bereits in den letzten Wochen erledigt - ich war eigentlich nur noch für die letzten Handgriffe eingeplant. Das eigentliche Drama habe ich darum zwar verpasst, aber schon die Nachbeben lassen das Schlimmste erahnen:

Seit das Haus Anfang der 50er Jahre bezogen wurde, haben sich seine Bewohner darin geübt, unter keinen Umständen etwas wegzuwerfen, wofür man einst bezahlt hatte. Als ich vor einer Weile über meine elektronischen Altlasten geschrieben habe, konnte ich noch gar nicht ahnen, wie richtig meine Überlegungen eigentlich waren. Mehrere Generationen haben sich in gigantischen Schrottsammlungen verwirklicht und ihren abstrusen Hobbys ein gelenkschädigendes Denkmal gesetzt. Kitsch der letzten fünf Jahrzehnte (in Schichten sortiert), scheinbar sinnlose Haushaltsgeräte, skurilles medizinisches Gerät und zur Krönung ein sonderbar verziertes Kutschrad im Wohnzimmer.

Erst nach Stunden ist mir klar geworden, dass ich die Wände einiger Räume noch nie zuvor gesehen hatte, obwohl ich das Haus schon seit Jahren kenne. Es ist ein sonderbares Gefühl, all diese Dinge auf den Müll zu werfen; selbst für mich, der selbst keine persönliche Beziehung zu ihnen hat. Letzten Endes gilt zwar immer noch, was ich schon über den Datenmüll geschrieben habe. Dass so eine Befreiung aber auch sehr schmerzhaft sein kann, muss ich hiermit noch nachreichen.

Das saubere Urmel

Dienstag, 16. Oktober 2007

Vorleser in Osnabrück und aus der Konserve

Dienstag, 16. Oktober 2007

Versteckt hinter dem Namen ‘Blattgold Berlin’ sind die Berliner Literaten Ahne, Spider, Volker Strübing und michaEbeling am Freitag in der Lagerhalle (Osnabrück) aufgetreten. Es war nicht viel los, was vielleicht an dem Nichtnamen lag, vielleicht aber auch andere Gründe hatte. Die Stimmung ist bis zum Ende leider nicht eskaliert, auch wenn es nach der Pause langsam lockerer wurde - kein Vergleich aber mit den orgiastischen Tanzabenden im ‘Mudd Club’. Es würde mich mal interessieren, ob die anderen Auswärtsspiele auch so ruhig verlaufen, oder ob es doch an Osnabrück lag. Bevor ich es aber vergesse: Die Texte waren großartig und gelacht wurde auch!

Und weil es irgendwie dazu passt: Konrad Endler, dem ich neulich eher zufällig zuhören durfte, hat mir gerade sein ‘Midipop Revival’ verkauft. Der erste Testlauf klingt schon gut an und bis morgen überlege ich mir, was ich dafür zahlen möchte. “Mindestens fünf Euro” klingt aber erstmal sehr fair.

Damit sich dieser Kreis zum Ende noch schließt: Volker Strübing hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass der Umgang mancher Leute mit Konrads Endlers Preispolitik blöde ist.