Beim fliegenden Abrisskommando
Gestern habe ich einem alten Freund dabei geholfen, sein Kindheits- und Jugendhaus zu zerlegen. In den letzten zwei Jahren war es mehr oder weniger unbewohnt, wodurch Frost und ein schwerer Wasserschaden ungezügelt randalieren konnten. Nach langem Hin und Her wurde das Ding nun aber verkauft und wird demnächst “besenrein” abgegeben. Und genau diese Besenreinheit wollten wir nun herstellen.
Was in den letzten Jahren nicht verkauft oder verschenkt werden konnte, haben wir in Stücke zerlegt und in einen Container geworfen. Einen Großteil der Arbeit hatte der Nochbesitzer bereits in den letzten Wochen erledigt - ich war eigentlich nur noch für die letzten Handgriffe eingeplant. Das eigentliche Drama habe ich darum zwar verpasst, aber schon die Nachbeben lassen das Schlimmste erahnen:
Seit das Haus Anfang der 50er Jahre bezogen wurde, haben sich seine Bewohner darin geübt, unter keinen Umständen etwas wegzuwerfen, wofür man einst bezahlt hatte. Als ich vor einer Weile über meine elektronischen Altlasten geschrieben habe, konnte ich noch gar nicht ahnen, wie richtig meine Überlegungen eigentlich waren. Mehrere Generationen haben sich in gigantischen Schrottsammlungen verwirklicht und ihren abstrusen Hobbys ein gelenkschädigendes Denkmal gesetzt. Kitsch der letzten fünf Jahrzehnte (in Schichten sortiert), scheinbar sinnlose Haushaltsgeräte, skurilles medizinisches Gerät und zur Krönung ein sonderbar verziertes Kutschrad im Wohnzimmer.
Erst nach Stunden ist mir klar geworden, dass ich die Wände einiger Räume noch nie zuvor gesehen hatte, obwohl ich das Haus schon seit Jahren kenne. Es ist ein sonderbares Gefühl, all diese Dinge auf den Müll zu werfen; selbst für mich, der selbst keine persönliche Beziehung zu ihnen hat. Letzten Endes gilt zwar immer noch, was ich schon über den Datenmüll geschrieben habe. Dass so eine Befreiung aber auch sehr schmerzhaft sein kann, muss ich hiermit noch nachreichen.


December 23rd, 2007 17:38
[...] Ein Blick auf das Strandgut von der Hauszerstörung im Oktober: [...]