Vorsicht vor Wilsons Bob!
Robert Anton Wilson war ein kluger Mann, der einen beachtlichen Stapel kluger Bücher hinterlassen hat. Dass die Bibliothek der Uni Oldenburg eins davon in ihrem Bestand hat, ist leider keine Selbstverständlichkeit, darum aber umso erfreulicher. Schlägt man es auf, bekommt man es aber erstmal mit dem Schrecken zu tun. Ein sachbeschädigender Anonymus hat uns eine Warnung hinterlassen:

Da hat es jemand gut gemeint.
Das derart verunstaltete Buch heißt ‘Der neue Prometheus – Die Evolution unserer Intelligenz’ und die Bibliothekare haben es in die Philosophie gesteckt. Wilson erklärt darin sehr ausführlich, wie Learys neuronale Schaltkreise funktionieren und bietet dem Evolutionierenden einige Abkürzungen an.
Je nach Lesart und persönlichem Sinn für Humor ist das Buch nun entweder ein Mindfuck unter Anleitung, ein ausgesprochen komplexer Scherz und/oder eine umfangreiche Bibliographie des Abgedrehten. Wer allen Zitaten und Anspielungen folgt, hat nicht nur viel Arbeit vor sich, sondern wäre danach auch ohne weiteres in der Lage, seinen Doktor in Counterculture zu machen.
Ich ahne zwar, warum der Kritzler misstrauisch geworden ist, aber ich verstehe nicht, wo sich sein Verstand dann abgeschaltet hat. Wilsons Übungen haben nun wirklich nicht die geringste Ähnlichkeit mit den Clearings der Scientology und dienen auch einem vollkommen anderen Zweck. Das Spiel mit dem eigenen Verstand dient nämlich nicht dem Aufstieg in der Hierarchie der kosmischen Hutzelmännchen, sondern stellt die radikale Absage an derartige Weltanschauungen dar. Angenommen, irgendjemand würde Wilsons Buch tatsächlich als Ratgeber verwenden, so wäre er wahrscheinlich der Letzte, den man noch vor der Scientology warnen müsste. Wer es aber (wie wohl die meisten) mit humoristischem Interesse gelesen hat, hätte sich dabei wahrscheinlich ebenfalls gegen einen Großteil der gängigen Heilsversprechen immunisiert – gerade weil sich die Konzepte tatsächlich irgendwie ähneln. Diese “Nähe” zwischen Leary/Wilson und Hubbard einmal genauer auszuleuchten, könnte ein interessantes Unterfangen sein. Zeit habe ich dafür zwar leider nicht, aber die ‘Neurologic‘ wandert trotzdem mal wieder auf den Bücherstapel.
Zum Abschluss noch eine von Wilsons Hausaufgaben:
“Lesen Sie Margaret Meads ‘Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften‘. Anschließend schreiben sie einen fünfseitigen Aufsatz über die Frage, warum, objektiv gesehen, die Tabus unseres Stammes sinnvoller sind als die, die Mead während ihrer Studien beobachtete. Nehmen sie diese Aufgabe so ernst wie möglich.“




November 15th, 2007 12:52
Was Wilson und Scientology gemeinsam haben, ist der Bezug zu Aleister Crowley. Während allerdings Hubbard bei Crowley methodisch schlecht geklaut hat, um seine popelige Science Fiction anzureichern, benutzte Wilson Crowley als eine von mehreren Bezugsgrößen, zwischen denen er seine Auffassungen aufspannte.
November 15th, 2007 13:08
Ja, bei Crowley laufen auf jeden Fall einige Fäden zusammen. Aber meinst Du wirklich, dass sich die Frage damit schon erledigt hat? Die Idee einer eigenverantwortlichen geistigen Evolution findet zwar auch in Crowleys Ritualen, aber ich glaube trotzdem, dass sich zwischen Hubbards dianetics und Learys neuroLogic mehr finden lässt, als ein Link nach Thelema.
November 15th, 2007 13:11
Klar, klar, klar. Du hattest nur geschrieben, es gäbe keinerlei Ähnlichkeit zwischen beider Methodik und das stimmt eben nicht.
November 15th, 2007 13:24
Ok, da habe ich wohl etwas missverständlich formuliert. Ich wollte sagen, dass sich die evolutionäre Praxis ganz massiv unterscheidet und außerdem einem anderen Zweck dient. Darum halte ich die Warnung vor “Scientology Sekten” für Quatsch.
Auf die tatsächliche Ähnlichkeit im Konzept (ob nun von Crowley geerbt, oder nicht) wollte ich zum Ende ja gerade hinaus.