Pulp Nazis Must Die II
Wie ich es gestern versprochen habe, gibt es heute ein paar Ergänzungen zu Tantes Gedanken über die Nazi - Bösewichte in Filmen wie ‘Indiana Jones’ oder ‘Hellboy’. Seine beiden Texte sind die Grundlage, auf der ich zwei bisher ungenannte Aspekte beleuchten möchte.
I Pulp - Nazis im Wandel der Zeit: Der Typus des Nazivillain hat bereits einen langen Weg durch die Popkultur hinter sich, was nicht ganz spurlos an ihm vorbei gegangen ist. Er ist nicht etwa im Rahmen einer erzählerischen Rückbesinnung auf mystifizierte alte Zeiten entstanden, sondern im ausgesprochen akuten Kontext des zweiten Weltkriegs: US - amerikanische Superhelden waren während des so genannten Goldenen Zeitalters der Comics sehr engagiert im antifaschistischen Kampf - insbesondere in der Mobilisierung ihrer Fans für den realen Waffengang in Europa. Aber auch nach Kriegsende blieben die Nazis gern gesehene Gegenspieler diverser Superhelden, bis ihr Platz Anfang der 60er von atomar bewaffneten Sowjets eingenommen wurde.
Diese Comicfiguren sind der eine Elternteil unserer Pulp - Nazis, auch wenn diese (oft auch ironischen) Zitate in Deutschland wohl längst nicht von jedem Kinogänger identifiziert werden können. Spätestens für die (meines Wissens) neusten Pulp - Nazis aus dem Spiel ‘Tannhäuser‘ ist der intertextuelle Verweisraum so engmaschig gestrickt, dass ihre Verbindung zu ‘Hellboy’ als “wirklicher” angesehen werden muss, als die zu ihrem historischen Vorbild. Trotzdem ist festzuhalten, dass sich der fiktive Nazischurke aus einer literarischen Figur entwickelt hat, die schon während des Krieges vorhanden und ausgesprochen populär war.
II Der Hokuspokus echter Nazis: Dass Okkultismus im nationalsozialistischen Deutschland mehr war, als ein mäßig cooles Hobby sinnsuchender Teenager, ist wohl allgemein bekannt. Über die Frage, wie wichtig der Glaube an das Übersinnliche nun tatsächlich war, wird noch immer gestritten, eine große Rolle spielt sie in meinem Zusammenhang aber nicht. Sicher ist jedenfalls, dass Hellboys Zaubernazis und Indys braune Kollegen ihr historisches Vorbild im Ahnenerbe, haben: Den pseudowissenschaftlichen Zulieferern der NS - Ideologieschmieden. Der Wunsch der Nazis, eine historisch - mythische Legitimation für ihr pangermanisches Projekt zu (er)finden und Himmlers magische Phantastereien waren dabei durchaus kompatibel. Die Schnittmenge dieser beiden Denkmuster bietet den Nährboden für allerlei Spekulation; von Hitlers angeblichem Wunsch, den ‘Speer des Schicksals‘ im Krieg einzusetzen, bis hin zu Feldzügen, die unter Berücksichtigung von Ley-Linien geplant worden sein sollen.
Entscheidend ist dabei nicht, ob es diese Pläne gegeben hat, sondern vielmehr, dass sie sich im Bereich des Vorstellbaren befinden. Nicht die Zauberei ist das zweite Element meiner Überlegung, sondern der den Nazis unterstellte Glaube an sie.
Wo Himmlers Hofdruide Wiligut und Captain Nazi dann schließlich zueinander kommen und was ihr Treffpunkt mit Geschichtenerzählen zu tun hat, verrate ich beim nächsten mal. …



November 17th, 2007 09:20
Laaangweilig! Du hättest es doch nicht so spannend machen müssen, oder?
Ich habe eine Frage bzw. einen Einwand:
meintest Du “antifaschistischen Kampf” ironisch oder ernst?
Wenn ernst, dann:
1. dass die Kriegsgegner Nazis waren, war für den Krieg nebensächlich. Wieso hätte “der Ami”, wie meine Großeltern zu sagen pflegten ;), sonst so lange warten sollen und am Ende kaum Interesse an der Entnazifizierung haben sollen? Das scheinen mir deutliche Indizien zu sein, dass die falsche Ideologie nicht der “Grund für’n Krieg” war. Ich hoffe, das ist nicht zu ketzerisch - mir scheint’s offensichtlich.
2. Anti*faschistisch* war der Kampf ja wohl unmöglicherweise, da der Faschismus im eigenen Land ja auch herrschte und herrscht. Wenn man Faschismus mit Nationalsozialismus identifiziert, dann geht einem die Bedeutung verloren und man braucht auch eigentlich nur noch eins der beiden Wörter. Mehr dazu, wenn ich weiß, dass Du anderer Meinung bist.
November 18th, 2007 16:08
Doch, doch - der Cliffhanger musste schon sein. Sonst hätt’s doch wieder keiner bis zum Ende gelesen, oder es gäbe zumindest Mecker, weil der Beitrag nicht “bloggy” genug geworden wäre.
Den antifaschistischen Charakter der US-Invasion wollte ich - ehrlich gesagt - weder ironisch (im einfach nur verneinenden Sinne), noch ernsthaft (im analytisch attestierenden Sinne) verstanden wissen. Ich habe mich bewusst unkritisch auf die (Selbst)darstellung in den Comics bezogen, die eben auch antifaschistisch codiert war und nicht bloß nationalen Interessen folgend, imperialistisch oder sonstwie.
Das bis weit in die Linke praktizierte Geheule um “uns deutsche Opfer”, die zu gleichen Teilen unter den bösen Nazis und den bösen Alliierten zu leiden hatten, hat mich zu dem “bewusst unkritischen” verführt. In diesem Sinne wäre der Kommentar dann vielleicht doch “ironisch” zu verstehen, wenn auch weniger im das Gegenteil meinenden, als im provokativen Sinne.
Dich (bzw. deine Position) sollte es jedenfalls nicht treffen, auch wenn unsere Faschismus - Definitionen sich scheinbar deutlich unterscheiden. Auch meine beinhaltet mehr als die Identifikation mit dem Nationalsozialismus, aber ich würde sie (genau wie die Entnazifizierung) ungern hier diskutieren, wo es mir eigentlich um Pulp - Nazis ging.
November 18th, 2007 20:02
Sind Comics dann nicht auch anti-pulp-faschistisch, wenn es doch Pulp-Nazis geht?
Ich akzeptiere, dass hier nicht weiter über die Definition von Faschismus diskutiert werden muss und soll. An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit geht’s dann weiter.
November 18th, 2007 20:54
Ein guter Einwand, der mit dem dritten Teil hoffentlich beantwortet sein wird. Um genau dieses [irgendwas], zwischen realen Nazis (ich erspare uns den “Faschismus” vorerst) und ihren fiktiven Gegenstücken, soll es nämlich gehen. Mit deinem neuen Begriff hätte es oben heißen können: “Der anti-pulp-faschistische Kampf der Superhelden hat für den realen Krieg gegen Nazideutschland mobilisiert.”
Vielleicht lege ich anschließend noch eine Diskussionsgrundlage für den Faschismusdisput vor - oder wir machen das beizeiten offline (und lösen uns damit von meinen medialen Vollmachten). Mir wäre beides recht.
November 18th, 2007 21:30
welche Vollmachten? Dass Du hier frei editieren kannst, was ich schreibe?
Offline ist mir lieber. Zuviel online sein, verdirbt den Charakter und macht eine schlechter Verdauung, vermute ich.
November 18th, 2007 21:42
Zum Beispiel. Eigentlich meinte ich aber hauptsächlich die diskussionsbeeinflussende Macht der argumentativen Grundsteinlegung (… den Eröffnungstext).
Machen wir das offline - auch recht.