‘No way out?’ - Kongress
Das …ums Ganze! - Bündnis hat es zwar nicht vermocht, in Heiligendamm den Kapitalismus zu “smashen”, das Gipfeltreffen aber zumindest vollzählig überstanden. Im Dezember veranstalten sie nun einen Kongress, auf dem zur (innerlinken) Debatte um Theorie zwischen (Post)operaismus und Wertkritik gearbeitet werden soll.
Ein Flyer …
Ich habe meine Skepsis vorläufig auf Eis gelegt und werde mich ebenfalls auf den Weg nach Frankfurt machen. Ein Blick auf den linken Diskussionsstand kann nicht schaden, selbst wenn dabei am Ende nur ein paar Impulse für die aktuelle ‘Empire’ - Lektüre rausspringen sollten.




November 21st, 2007 09:43
Ich weiß ja, dass es niemand wissen will, aber was mich interessieren würde: Welchen Vorteil hat die “Diversifizierung” der anti-kapitalistischen Linken? Mir kommen diese ganzen mehr oder weniger neuen “Ideen”, wie man die Sache erklären oder lösen könnte, entweder nicht neu oder völlig daneben vor. Das hat mit der Sozialdemokratie begonnen, die propagiert hat, dass man den Kapitalismus nur irgendwie sozial verwalten müsse, damit’s erträglich werde. Dass der Kapitalismus schon ganz simpel als Kapitalismus (mit dem Subjekt Kapital und nicht Mensch) nicht ohne Ausbeutung und Unterdrückung und Ausschluss der Massen vom Reichtum etc. gehen kann, ist seit hunderten Jahren klar. Was spricht also heute gegen die Idee des Kommunismus? Man muss sich ja nicht immer so gewaltig vertun, wie Diktaturen das tun.
Welchen Zweck hat es, an einzelnen Teilen der Gesellschaft herumzukritisieren und so zu tun als ob ein bloßes Verteilungsproblem bestehe? Die Verteilung ist so wie sie ist notwendige Voraussetzung des Kapitals und gleichzeitig seine unausweichliche Konsequenz. Da klingt Operaismus ja ganz schlau, ist aber doch auch nicht viel weniger als Revolutionsaufruf - drunter geht’s halt nicht. Mit einem Staat mit Macht am Start wird man das ihm nützliche Wirtschaftssystem nicht los.
November 21st, 2007 11:31
Von dieser “Idee der Kommunsimus” hat sich aber doch auch keine der oben genannten Richtungen verabschiedet. Was Du über den Unsinn einer Diskussion um Verteilungsfragen schreibst, ist zwar richtig, hat aber nichts mit dem Gegenstand des Kongresses zu tun.
Zur Frage nach Perspektive und Subjekt der Revolution wird man doch noch unterschiedliche Positionen beziehen dürfen, ohne sich gleich einer Spaltung schuldig zu machen. Abgesehen davon, geht es bei dem Kongress ja gerade darum, die “neuen” Theoriegebilde in die Kritik zu nehmen.
November 21st, 2007 11:57
Die Frage vor dem Rumgemecker war ja: Welchen Vorteil hat die “Diversifizierung” der anti-kapitalistischen Linken?
Unter immer “neuen” Theorien habe ich doch zumindest etwas an Kritik verstanden. Postoperaismus z.B. ist entweder gar nichts oder klingt zumindest wie ein Ansatz junger Intellektueller die Welt schon wieder neu zu begreifen, die - meiner Meinung nach - dieselbe geblieben ist. Der Kapitalismus ändert sich - High-Tech hin oder her - eben nicht. Seine Gesetze sind dieselben und die fundamentale Kritik auch. Ich weiß von dem so genannten Postoperaismus kaum etwas, aber das, was ich weiß, klingt nach … Ach, lassen wir die bösen Beschimpfungen weg
November 21st, 2007 13:04
Die Diversität der Linken ergibt sich zwingend daraus, dass unterschiedliche Menschen/Gruppen in unterscheidliche Richtungen gearbeitet (oder schwadroniert) haben und ist damit schon der Ausgangspunkt einer möglichen Debatte. Ich sehe keine aktiv betriebene “Diversifizierung” und würde darum eher die Frage nach den Vorteilen einer “Dediversifizierung” stellen (was auf dem Kongress sicher auch passieren wird).
Dass der Postoperaismus pointless (und möglicherweise sogar gefährlich) ist, glaube ich erstmal auch, aber weil ich es gerne genauer wüsste, lese und diskutiere ich ‘Empire’ und fahre zu diesem Kongress. An der Unveränderlichkeit des Kapitalismus habe ich allerdings meine Zweifel. Den Kapitalismus als Kritik an seinen Vorgängern, aber auch an seinen eigenen Durchgangasstadien zu begreifen, heißt ja nicht, seine Grundmuster in Frage zu stellen (oder am Ende gar für reformierbar zu halten). Zumindest aus bewegungspolitischer Sicht ist es aber sogar notwendig, sich mit den heutigen Äußerlichkeiten des Kapitalismus auseinanderzusetzen, wenn man nicht irgendwann agitationswillig vor Fabriktoren rumlungern will, aus denen dann keiner herauskommt.
Man muss sicher nicht mit jedem über Alles diskutieren, und es kann sogar sinnvoll sein, sich ganzen Theoriekomplexen zu verweigern. Ich weiß aber immer noch nicht, worauf Du eigentlich hinaus willst - jede Kritik der politischen Ökonomie zu untersagen, weil sie noch nicht vor 150 Jahren formuliert wurde, ja wohl kaum?
November 27th, 2007 03:30
[...] jemand benutzt, sondern das, was mir gemailt oder über einen Kaffee hinweg zugeraunt wird. Der Hinweis auf den ‘…ums Ganze’ - Kongress und meinen Besuch wäre so ein Fall. Weil ich nicht auf die Idee gekommen bin, auf die [...]