Das Bekenntnis vor dem Kongress
Manchmal ist es wirklich sonderbar, welche Beiträge sich nach ihrer Veröffentlichung als Resonanzmagnet entpuppen. Ich meine weniger die Kommentarfunktion, die leider kaum jemand benutzt, sondern das, was mir gemailt oder über einen Kaffee hinweg zugeraunt wird. Der Hinweis auf den ‘…ums Ganze’ - Kongress und meinen Besuch wäre so ein Fall. Weil ich nicht auf die Idee gekommen bin, auf die innerlinke Diskussion um die Veranstaltung hinzuweisen, wird mir allen Ernstes unterstellt, zum globalisierungsfreindlichen Postmodernisten mutiert zu sein. Mal ernsthaft: Die eine Hälfte meiner Leser liest ihre eigene ‘Jungle World’ und die andere interessiert sich einen Scheiß für linke Stellungskriege (was wahrscheinlich gar nicht mal das Dümmste ist).
Aber wenn es denn ein Bekenntnis sein soll, gibt es meinetwegen eins: Ich bin sehr gespannt auf den Kongress und freue mich auf die Streitereien, obwohl ich weiß, dass Stephan Grigat Recht hat, wenn er Clemens Nachtmann sprechen lässt:
»Eine jede Staatskritik wird daran zu messen sein, ob sie mit dem Staat Israel, jener prekären Nothilfemaßnahme gegen die antisemitische Raserei, sich bedingungslos solidarisch erklärt, was die Solidarität mit dessen bewaffneter Selbstverteidigung selbstverständlich einschließt. Und jede Kritik am Kapital ist daran zu messen, ob sie, als ihr theoretisches Zentrum, dessen negative Selbstaufhebung in manifester Barbarei als eine wiederholbare Konstellation auf den Begriff zu bringen vermag und zum Angelpunkt der Agitation macht.«


November 27th, 2007 13:14
Um jetzt doch mal die Kommentarfunktion zu bemühen: Ich finde den Grigath Text sehr lustlos hingeklatscht. Ich denke das Argument uaf das er hinauswill ist heutzutage entweder verstanden und akzeptiert worden oder verstanden und nicht akzeptiert worden.
November 27th, 2007 13:41
Das hinge ganz davon ab, wer da verstanden haben sollte. Wahrscheinlich spricht die Provinz aus mir, aber zumindest hier auf dem westdeutschen Lande rennt massenhaft linker Nachwuchs herum, der noch nie etwas von “antideutscher Kritik” gehört hat.
Grundsätzliche gebe ich dir aber recht: Trotz seiner Richtigkeit ist Grigats Text eher lahm. Mein “Bekenntnis” galt auch in erster Linie seiner Intention.
November 27th, 2007 14:16
Mir kommen die Argumemte auch bekannt vor, und dennoch bin ich überrascht, wie viele von meinen sonst ganz vernünftigen Freunden sich immer mal wieder ganz überraschend als plumpeste Amerika- und Israelfeine entpuppen, meist ohne große Reflektion. Auf Einwände von meiner Seite zeigen sie sich erstaunt, dass “ausgerechnet ich” das nicht gut finde und schlackern in eventuell folgenden Diskussionen mit den Ohren, weil ihnen solche Standpunkt (und ich halte mich noch nicht mal für einen besonders radikalen Wertmüller-Jünger oder so) noch nie zu Ohren gekommen sind, schon gar nicht von Linken.Tja.
November 27th, 2007 21:58
Hier in MV scheint “antideutsch” so etwas wie die neue Linie in der Antifa zu sein. Das ist mit einem Mal gekippt und nun gibt es kaum noch Debatten darum. Das Thema ist hier zumindest nicht mehr heiß.
November 27th, 2007 22:23
“Aus Erfahrung antideutsch”, habe ich gerade erst gestern in der aktuellen Bahamas gelesen. Es scheint jedenfalls regionale Unterschiede zu geben. …
Was Diskussionen mit nicht-Linken angeht, geht es mir auch regelmäßig so wie Jasper.