Ernst Jünger ist kein Schlangennest
Einen halben Tag lang Jünger zu lesen, ist ein zweifelhaftes Vernügen. Für einen Moment hatte ich das Gefühl, eine Passage aus ‘Der Kampf als inneres Erlebnis’ auf die Lektüre selbst beziehen zu können:
»Lauschten wir nicht alle als Kinder lange Winterabende unheimlichen Geschichten? Da bebten alle Fibern, man hätte sich in eine sichere Höhle verkriechen mögen und konnte doch nicht genug bekommen. Das war, als ob man, in Schilf und Schlamm verirrt, auf ein Nest gefleckter Schlangen gestoßen wäre und könnte nicht fliehen aus Lust, das scheußliche Geringel zu betrachten.«
… aber dann hat sich doch nichts mehr geringelt. Morgen geht es dann an seine LSD-Texte - vielleicht passiert dann ja nochmal was. Bis dahin nehme ich noch einen Satz aus dem gleichen Text mit nach Hause, der so ganz ohne Kontext direkt mal zu unterschreiben ist:
»An Stätten, wo das Volk gesteigertes Leben sucht, auf jedem Jahrmarkt, jedem Schützenplatz lockt auf bemalter Leinwand das Grauen in grellen Farben.«
Jetzt aber Feierabend und nichts wie raus aus der Bücherhalle …

