Archiv für Dezember, 2007

Kartoffelkrieg

Montag, 31. Dezember 2007

Heute habe ich gelernt, ein Küchengerät zu hassen. Als ich das Foto gemacht habe, hatte ich dazu noch ein lustiges Lukács-Zitat im Kopf, aber jetzt ist es leider doch wieder weg. Ich würde euch gerne in Ruhe davon erzählen, aber die Suppe ist gleich fertig und ich muss vorher noch schnell meine Hände verbinden.

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Das Corpus Delicti

Robert A. Wilsons erster Todestag

Samstag, 29. Dezember 2007

Wir nähern uns nicht nur einem neuen Jahr, sondern (mit dem 11. Januar) auch dem ersten Todestag von Robert Anton Wilson. Mir ist gerade in den Sinn gekommen, diesem Anlass in irgendeiner unterhaltenden Form ~Respekt zu zollen. Gibt es irgendjemanden in und um Oldenburg, der motiviert wäre, sich mir anzuschließen? Wenigstens eine semiöffentliche Sichtung von Maybe Logic sollte doch wohl auf die Beine zu stellen sein. Kurzfristigkeit hin oder her.

p.s. Wo wir schon bei Jahrestagen sind: Ein Prosit auf Madame de Pompadour, die heute Geburtstag hat!

Sibylle Berg über Neider

Samstag, 29. Dezember 2007

Während ich der Völlerei gefrönt habe, hat sich Sibylle Berg einer anderen Todsünde (oder richtiger: einem anderen Hauptlaster) angenommen: dem Neid. ‘Beim Mümmeln der Mandarine‘ heißt der Text, den sie vor ein paar Tagen in der taz veröffentlicht hat und wenn auch zu sonst nichts, kann man ihn immerhin als Beispiel für ein zünftiges “Ich hab’ ja nichts gegen Heuschrecken, aber …” gebrauchen.

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Haben …

Es geht unspektakulär los: Neid ist so relativ, wie der Reichtum, auf den er schielt. Manche gieren mehr als andere und wer ganz unten ist, tut das vielleicht mit mehr Recht als jemand anderes. Immerhin müssen einige antibürgerliche und lustfeindliche Feindkonstruktionen dran glauben und wir dürfen sogar ein paar dieser Reichen kennenlernen, die wir nicht hassen sollen, weil sie tatsächlich nur Menschen sind. In Zeiten von “Heuschrecken” gehört das wohl tatsächlich zu der Art von Selbstverständlichkeit, an die immer mal wieder erinnert werden sollte.

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… oder nicht haben! </flachwitzillu>

Die Erkenntnis, dass diese Leute in erster Linie trotz ihres Reichtums irgendwie auch Menschen sind, bricht sich schließlich beim “Reichentypus Ackermann” Bahn: Die Anzüge scheißen sie sich voll, weil sie vor Daueranspannung den Schließmuskel nicht kontrollieren können. Roboter ohne Demut vor dem Tod sind sie, jawohl! Da kommt der Kapitalismus also doch noch zu seinem hassenswerten Gesicht, der verunsicherte taz-Leser kann wieder aufatmen und das ganze Gerede vom Menschen kann getrost als verstandene Ironie abgehakt werden.

“Luxus für Alle!” ist der finale Gedanke, aber obwohl mich das eigentlich freuen sollte, bin ich verunsichert. Wer weiß schon, wie der kleine Luxus von Leuten aussieht, die sich an demütigenden, vollgeschissenen Anzughosen aufgeilen? Wahrscheinlich würden sie es sich auch gerne einmal gönnen, der Heuschrecke so richtig die Fresse zu polieren.

Ich will nicht anmaßend herumpsychologisieren und irgendjemandem erklären, was Frau Bergs Motive hinter diesem - immerhin künstlerischen - Text gewesen sein könnten. Es reicht vollkommen, darüber nachzudenken, wie er wohl gelesen worden sein wird, wo man die taz abonniert hat und die Linkspartei wählt.

Herz der Bräsigkeit

Freitag, 28. Dezember 2007

Völlerei und Müßiggang - von mehr könnte ich zur Zeit nicht berichten. Wer dafür einen Soundtrack benötigt, kann es mit Babarzum versuchen. Alle anderen sind eingeladen, mit mir über das Cover zu schmunzeln:

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Großartig, nicht?

Erinnert sich noch jemand an Babar den Elefanten? Ich habe gerade gelesen, dass er ein finsteres Geheimnis haben soll. Weiß jemand mehr darüber?

Das schöne Leben

Montag, 24. Dezember 2007

… steht vor der Tür! Es ist bereits angerichtet: Wein, Bier und Fleisch warten auf mich, den (baldigen Ex-) Abstinenzler. Feiert schön und macht euch ebenfalls was aus dem ollen Fest.

Es geht um Israel.

Montag, 24. Dezember 2007

Die Veranstaltungshinweise nehmen hier zur Zeit unangenehm viel Raum ein und nach diesem hier werde ich daran auch ganz sicher etwas ändern. Ich verbreite mal wieder nur einen fremden Ankündigungstext - mehr steht beim Bündnis gegen Appeasement:

Konferenz gegen Appeasement und Kollaboration
am 25. und 26. Januar 2008 in Berlin

„Amerikas Lügen” titelte im Dezember 2007 die „Zeit” als Reaktion auf die Veröffentlichung der jüngsten National Intelligence Estimate, der Einschätzung der US-Geheimdienste zum Stand des iranischen Atomprogramms. Stoßen normalerweise alle Aktivitäten der amerikanischen Nachrichtendienste auf vollkommenes Misstrauen, kam dieser Bericht der deutschen Öffentlichkeit gerade recht. Was in den USA Gegenstand einer erbitterten politischen Auseinandersetzung um die richtige Strategie im Umgang mit dem Regime der Mullahs ist, ist in Deutschland schon weitgehend entschieden: Nicht der Iran ist die zurzeit weltweit größte Bedrohung, sondern die „unberechenbare” und unilaterale US-Politik. Dabei sagt der Bericht der Geheimdienste lediglich aus, dass - „mit mäßiger Gewissheit” – davon auszugehen sei, dass derzeit im Iran keine Atomwaffen gebaut werden würden. Der gleiche Bericht bestreitet keineswegs, dass das iranische Regime zurzeit fieberhaft an den technischen Voraussetzungen für ein Atomwaffenprogramm arbeitet: an der Urananreicherung und der Entwicklung geeigneter Interkontinentalraketen.

Diese Tatsachen sind seit 2002 bekannt. Die Zeit, die der Iran bis zur Herstellung der Atombombe braucht, verringert sich dramatisch: in frühestens einem, spätestens drei Jahren ist es angesichts der technologischen Fortschritte so weit. Während die Europäer sich bereits auf eine Politik des Appeasements gegenüber dem Iran festgelegt und wirksame Sanktionen und militärische Drohungen ausgeschlossen haben, deutet der jüngste Geheimdienstbericht möglicherweise einen höchst beunruhigenden Kurswechsel in der US-Außenpolitik im Kontext der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen an. Gerade jetzt, wo die Solidarität mit Israel nötiger ist denn je, wächst die Gefahr, dass der jüdische Staat angesichts der ungehindert näher rückenden iranischen Bombe im Stich gelassen wird.

Das Streben nach der Atombombe gehört zur Entschlossenheit des Iran, sich an die Spitze des djihadistischen Weltkrieges zu stellen, der längst begonnen hat. Seine Opfer sind vorläufig überwiegend Menschen, die sich selber als Moslems begreifen und in Darfur, im Irak, in Afghanistan und anderswo für die Herrschaft des wahren Islam hingemetzelt werden. Auch im Iran gilt das Konzept der permanenten Mobilmachung gegen den inneren wie äußeren Feind. Keine Verfolgungsmaßnahme, sei es gegen Homosexuelle oder gegen sündhafte Frauen, kommt ohne den Hinweis aus, dass die Opfer im Bunde mit dem „zionistischen” Weltfeind” stünden. Die permanente Verfolgung im Inneren ist nicht zu trennen vom antisemitischen Krieg gegen Israel und die Juden, der wahnhaft auch nur bis zum Ende, das heißt bis zur angestrebten Vernichtung des jüdischen Staates geführt werden kann. So wird Israel durch ein unberechenbares Schwanken zwischen zermürbendem Kleinkrieg, zerstörerischen Offensiven und dem Griff nach der Wunderwaffe bedroht.

Unterdessen verhandelt Europa über eine „friedliche Lösung” im „Atomstreit”, bescheinigt dem Iran „rationale Interessen” und bemüht sich um den kulturellen Dialog mit dem „gedemütigten” Islam. Appeasement, Faszination und Kollaboration sabotieren nicht nur jeden effektiven Schritt gegen das iranische Regime und die von ihm gesponserten Rackets der Vernichtung, sondern treiben die antisemitische Raserei immer weiter an. Auch hierzulande bedient die permanente islamische Revolution durch ihre ideologische Ausstrahlung ein gesellschaftliches Bedürfnis: sei es durch die unmittelbare Bewunderung des blutrünstigen Aufstands gegen Zivilisation und “Weltjudentum” oder durch die eher vermittelte Zustimmung, die den selbst angeheizten iranischen Krieg und die Gegenwehr durch Israel und die USA nutzt, um die eigene Identität als „Friedensmacht” immer radikaler auf dem eigenen Antizionismus und Antiamerikanismus zu gründen. Was auch kommen mag, nichts wird so sehr verdammt, wie die Intervention für die existentiell Bedrohten, für Israel und gegen die Durchsetzung offen barbarischer Verhältnisse.

Konferenz gegen Appeasement und Kollaboration am 25. und 26. Januar 2008 in Berlin im Kinosaal der Humboldt-Universität

(… ich werde übrigens auch da sein.)

Weisheiten, die keiner braucht

Sonntag, 23. Dezember 2007

Ein Blick auf das Strandgut von der Hauszerstörung im Oktober:

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Quellen lachender Weisheit - Gedanken und Gedichte von Chesterton bis Oscar Wilde. Leobuchhandlung St. Gallen, 1964.

“Der Alkohol ist eine Brücke, aber kein Weg.” So sagt jedenfalls Alexander Sacher-Masoch. Das Bild hat Wilfried Zeller-Zellenberg gemalt. Tjaja …

Kufiya Feigale

Samstag, 22. Dezember 2007

Die Post hat mir vor ein paar Tagen mein erstes Palituch seit vielen Jahren gebracht. Ich bin gespannt, ob es mir damit ähnlich wie dem beschimpften Kulla ergehen wird.

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Kufiya Feigale am Halse.

Über dem (oben sichtbaren) Davidstern ist der Stoff mit Pillen mit Hammer/Sichel - Logo, Butt Plugs, Kondomen und Viagras bedruckt. Gemacht hat’s die Crisco Connection.

»Osnabrück ist nicht Berlin«

Freitag, 21. Dezember 2007

Weil ich gestern ohnehin reisen musste, habe ich mir eine kurze Pause in Osnabrück erlaubt und den, gestern noch kurzfristig angekündigten, Vortrag »Oldenburg ist nicht New York« besucht. Anja Worm und Peter Siemionek sprachen über die Verstrickungen von Antiamerikanismus und Antisemitismus im kulturgeschichtlichen Überblick und anhand der ver.di-Broschüre »Finanzkapitalismus«. Eingeladen wurden die “Antideutschen” vom AStA der Uni Osnabrück (was ich - als Oldenburger - schon recht bemerkenswert finde).

Im ersten Vortrag hat Anja Worm eine überblickshafte Geschichte des deutschen Antiamerikanismus vorgelegt. Von irrsinnigen Biologen und Völkerkundlern, die im 18. Jahrhundert noch wussten, dass allein das Betreten amerikanischen Bodens körperliche Degeneration zur Folge haben müsse, hat sie gesprochen. Außerdem von Karl May, der mit der blutigen Brüderschaft des indianischen Winnetou und des deutschen Old Shatterhand bereits das edle Vorbild antiimperialistischer Völkerfreundschaft gezeichnet hat. Ansonsten gab es ein großes Sammelsurium antiamerikanistischer Stereotype, die den Lauf der Zeit größtenteils unbeschadet überstanden haben.

Den antisemitischen Gehalt antiamerikanistischer Vorstellungen hat Peter Siemionek dann im zweiten Teil analysiert und sich dabei nah am Fallbeispiel der besagten Veröffentlichung von ver.di orientiert. Heuschrecken, personifiziertes Kapital, Verräter am Volkskollektiv - das volle Programm. Ich hätte mir gewünscht, dass hier deutlicher über ver.dis eigene Gegenbroschüre »Mensch, denk weiter!« (gekürzt auch in den aktuellen Konkret zu finden) hinaus gegangen worden wäre. Dass “sie hatten sicher nichts Böses im Sinn” zu nichts und wieder nichts führt, wurde zwar gesagt, die dringende Notwendigkeit weitergehender Kritik aber nicht weiter begründet.

In der Diskussion verschaffte sich dann auch breites Unverständnis Gehör. Eröffnet mit einem lautstarken Schwachsinn über sozial gerechte Kapitalismen, die vor anderen zu verteidigen seien, wurde gleich mehrfach nicht verstanden, dass Antisemitismus sich auch außerhalb eines Pogroms gegen Juden zu manifestieren weiß. Darin findet sich wohl auch die größte Schwäche des zweiten Teils: Als Einführung in die Wahnwelt des modernen Antisemitismus hat er offensichtlich nicht funktioniert, “Fortgeschrittenen” konnte er aber kaum mehr leisten, als ihnen ein ekelhaftes Beispiel des Irrsinns zu zeigen und fachgerecht zu zerlegen.

Vortrag (OS) - Oldenburg ist nicht New York

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Ein Veranstaltungshinweis für ganz Schnelle: Heute Abend geht es in Osnabrück um Antiamerikanismus. Ich gebe direkt ab an den Ankündigungstext [via rock-n-riot]:

Oldenburg ist nicht New York.
Zu Kontinuität und Wandel des Antiamerikanismus

In einer jüngst veröffentlichen Broschüre der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – die den bezeichnenden Titel Finanzkapitalismus. Geldgier in Reinkultur! trägt – hetzen die Autoren gegen amerikanische „Heuschrecken“, die mittels so genannter Hedge-Fonds einen Krieg gegen deutsche Unternehmen führen würden. Im Fall eines Oldenburger Fotodienstleisters konnte die vermeintliche Invasion noch einmal abgewehrt werden: „Diesmal hat noch Oldenburg gegen New York gewonnen. Doch die Angriffe gehen weiter“. Ver.di und die restliche Gemeinschaft der Globalisierungskritiker von attac bis NPD sehen sich und die Welt von einem omnipräsenten und übermächtigen Feind bedroht, den Vereinigten Staaten von Amerika. Im wahnhaften Bewusstsein moralischer Antikapitalisten von rechts bis links werden die USA nicht nur als verantwortlich für die so genannte Globalisierung halluziniert und verteufelt. Vielmehr nehmen sie den Hegemon als universale Bedrohung wahr, der die ganze Welt mit Hollywood-Filmen, McDonald’s-Filialen und Killerspielen „amerikanisiert“, um so der Welt seinen „way of life“ aufzuzwingen. Im Weltbild der Amerikahasser werden alle Übel kapitalistischer Vergesellschaftung personifiziert und den Vereinigten Staaten und ihren Bürgern zugeschrieben.

Im Vortrag wird aufgezeigt, dass die Amerikafeindschaft seit der Gründung der Vereinigten Staaten existiert, und wie die antiamerikanische Ideologie trotz ihrer jeweils spezifisch-historischen Ausdrucksformen seit mehr als 200 Jahren ein hartnäckiges Eigenleben führt. Des Weiteren wird die Rede davon sein, wie antiamerikanische und antisemitische Projektionen ineinander übergehen, wie sehr also der Hass auf Amerika im Innersten mit dem Hass auf die Juden verknüpft ist.

Anja Worm ist Mitherausgeberin der Broschüre „Staatssubjekt Kapital. Texte zur Diskussion um Faschismus, Krieg und Krise“ (Halle/Saale 2004). Peter Siemionek schreibt für die Zeitschrift Bahamas. Beide sind im Diskussionskreis „Materialien zur Aufklärung und Kritik“ assoziiert.

Donnerstag 20.12.2007 / 20.00 Uhr / Osnabrück / EW-Gebäude der Uni, Raum 15/113