Legende Legende sein lassen

Ich habe mir gestern ‘I am Legend‘ angesehen und mich dabei zunächst recht gut unterhalten gefühlt. Im Verlauf des Abends kamen dann allerdings Zweifel auf, die ich leider noch nicht wirklich benennen kann. Ohne den Versuch, eine ernsthafte Filmkritik zu leisten, sei kurz auf das Ende der Romanvorlage hingewiesen. Spoilerwarnungen müssten nur für angehende Romanleser ausgesprochen werden - der Film geht anders aus.

Die Wikipedia verrät uns das ursprüngliche Ende:

Er blickt aus dem Fenster auf die Vampirmassen und erkennt nun, dass er selbst für die Vampire das abnormale Monster ist. Denn sie haben gelernt, mit dem Virus zu Leben und er ist ein Mythos, der die getötet hat, die sie geliebt haben. Er ist für sie das, was die Vampire früher für die Menschheit waren: Ein Übel, das vernichtet werden muss. Als er im Angesicht der Vampire die Pille schluckt, endet die Handlung mit der titelgebenden Zeile: Ich bin Legende.

Ich will mir demnächst noch einmal die erste Verfilmung ansehen und den Roman lesen, von dem nicht nur Jakob so begeistert ist. Vielleicht hilft das ja gegen die Sprachlosigkeit und bietet nebenbei noch Gesprächsstoff.

9 Kommentare zu “Legende Legende sein lassen”

  1. Jakob
    January 21st, 2008 13:48
    1

    Aber so was darfst du dir doch nicht verraten, indem du wikipedia liest!
    Naja, macht so viel nicht, denn natürlich reduziert sich das Buch nicht auf die Einsicht in das Kommen der “neuen Gesellschaft” oder so. Lies es auf jeden Fall, du kriegst wunderbar komprimierte Ideen-SF geboten. Und man hat den Eindruck, dass Matheson ganz allein (und sicher auch unter dem Eindruck des Holocaust) dem modernen Elend und Dilemma der Aufklärung auf die Spur kommt. Nicht nur, dass bei Neville die rationale Aufklärung ganz unmerklich in den Verrat an eben selbiger kippt: auch die neue Gesellschaft praktiziert eben diesen Verrat schon in ihrer Gründung. Ein bisschen hat das ganze am Ende auch was von Walter Benjamin, “Zum Begriff der Geschichte” und “Kritik der Gewalt”.
    Klar, das ist alles nur “reinprojiziert”, wie es so schön heißt, aber durchaus zurecht. ich denke, Matheson hat sich - eben auf seine Art - erstaunlich ehrlich und ergebnisoffen mit den Widersprüchen seiner Zeit auseinandergesetzt.

    Hier die Lobhudelei übrigens noch mal in variierter Form als Lesetip:

    http://otherland-berlin.corneredchicken.com/contenido/cms/front_content.php?idcat=35

  2. Paule
    January 22nd, 2008 00:15
    2

    Ich habe mich gerade entschieden, den Roman morgen zu kaufen und dem restlichen Bücherstapel vorzuziehen. Mit meinem leider immer noch unfertigen Kommentar zu Children of Men, habe ich ohnehin schon einen Endzeit-Text in Arbeit, der dringend beendet werden möchte. Deine/Jakobs Lobhudelei und Walter Benjamin nehme ich einfach mal (via Hinterkopf) mit in die Lektüre.

  3. isabelle
    January 22nd, 2008 10:42
    3

    ich finde deas ende auch nicht so super, das vom roman klingt da besser, aber insgesamt fand ich den film eigentlich ganz gut. aber ich steh auch auf die art von film mit pseudo-wissenschaftlichem zeugs wie mutaionen oder viren. guck dir “the invasion” mit nicole kidman an - eigentlich genau das selbe, nur dass der virus diesmal au dem all kommt ;)

  4. Jakob
    January 22nd, 2008 12:58
    4

    Na, dann musst du aber auch mindestens eine der beiden Vorangegangenen Verfilmungen des “Invasion”-Stoffs gucken (ich mag besonders Don Siegels “Invasion der Körperfresser”, von, ich glaube, 1979). Habe den neuen “Invasion” nicht gesehen, der soll aber im Vergleich recht dürftig sein.
    Übrigens hat George Romero selbst gesagt dass sein “Night of the Living Dead”, der Zombiefilm, mit dem das Genre im modernen Sinne überhaupt erst erfunden worden ist, stark von Mathesons “I Am Legend” inspiriert war. Und Romeros Zombiefilme sind ja heutzutage schon anerkanntermaßen Filmkunst, ganz großes (irres) Kino.
    Auch ganz sehenswert, wenn auch nur entfernt mit Mathesons Buchvorlage verwandt, ist der skurill-verstörende “Omega-Mann” mit Charlton Heston, auch irgendwann aus den 70ern. Schaurig-überdreht und mit ganz viel sonderbar-religiösen Bildern.
    Das muss man eigentlich alles im großen Zusammenhang eingebettet sehen, also fünf nächte nur mit “I Am Legend”-Verfilmungen, Romero-Zombiefilmen und diversen “Invasion der Körperfresser”-Versionen verbringen. Zum Ausklang vielleicht noch “Resident Evil”. Und danach ist man dann mit sich selbst und der Gesellschaft am Ende.

  5. Paule
    January 22nd, 2008 14:27
    5

    Ich weiß noch nicht, womit ich nach dem Roman weitermache und wahrscheinlich werde ich das auch erst entscheiden, wenn ich soweit bin. Gesehen habe ich die Filme, abgesehen vom neuen Invasion, alle schon irgendwann mal; also erstmal abwarten, ob und was ich wieder auffrischen müsste, um meine noch nicht formulierte Frage zu beantworten. ;)

    Danke aber trotzdem für die Tipps und die “Pseudowissenschaftlichkeit” - über das “wie und warum” der Katastrophe(n) hatte ich bisher nur am Rande nachgedacht.

  6. isabelle
    January 22nd, 2008 16:17
    6

    die klassischen zombie-filme am besten noch mit so splatter-zeugs mag ich gar nicht.
    ich finde das pseudo-wissenschftliche gibt dem ganze noch so pseudo-realismus. wer weiß, was diese forscher da in ihren laboren machen! und so. und die nächste vogelgrippe kommt bestmmt.

  7. Jasper
    January 22nd, 2008 16:47
    7

    Vor dem Film in der Schlange hat mir ein Freund verschwörerisch zugeraunt, er habe es aus erster Hand von seinem Bruder, der bei Schering eine Schulung gemacht habe, dass nämlich keineswegs die Frage sei, ob die Epidemie käme, sondern nur wann, und dass man sich zu diesem Zweck mit Mineralwasserkisten bevorraten müsste, weil dann nämlich laut der Power-Point-Präsentation der anwesenden Schering-Wissenschaftler 50% der Bevölkerung krank seien oder mit Krankenpflege beschäftigt seien und deshalb Strom usw. plopp-weg wären. Man müsse sich nicht übertrieben sorgen, es würden nur etwa 13 Millionen Deutsche sterben und nicht etwa alle, denn man sei ja technisch schon weiter als bei der Spanischen Grippe, und immerhin Roche in der Schweiz könne (als einzige Firma!) das Gegenmittel herstellen, aber die Verteilung durch die Bundesregierung könne halt dauern. Er sage mir das ganz im Vertrauen, denn das sei eigentlich nur für Schering-Mitarbeiter bestimmt. Dann kam er darauf, dass Peter Struck sein Held sei, weil der gesagt hatte, dass die CUD ihn am Arsch lecken könne. Es war sehr voll im Kinofoyer und ich konnte nicht weg. Mir erschien es plötzlich, als kennte ich den Mann gar nicht und fragte mich, ob rund um mich alle von diesem wahnhaften Wissen ergriffen seien und ich als einziger immun…na, aber das ist eine andere Geschichte.

  8. Paule
    January 23rd, 2008 03:12
    8

    … so, jetzt habe ich das Buch gelesen und ärgere mich nun doch über den (neuen) Film. Später mehr.

  9. I am Legend, die 2te | Karwan Baschi | Paules Blog
    February 2nd, 2008 03:04
    9

    [...] zweite Hälfte des Films ist wirklich totaler Müll; zumindest so viel habe ich seit dem letzten Versuch gelernt. Wer Lust hat, sich demnächst anzugucken, wie sich Vincent Price und Charlton Heston [...]

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