Archiv für Februar, 2008

Aufräumen gut

Freitag, 29. Februar 2008

Mittlerweile nehmen meine Fortschritte in Sachen ‘Ordnung schaffen’ langsam auch sichtbare Formen an. Auf diesem verhältnismäßig übersichtlich sortierten Tisch befindet sich tatsächlich fast alles, woran ich in den nächsten Wochen arbeiten werde. Das sieht für den ungeübten Betrachter wahrscheinlich nicht wirklich spektakulär aus, ist aber dennoch ein ungeheurer Fortschritt. Anfang der Woche waren die Biester noch vollkommen unsortiert auf zwei Wohnungen verteilt. Es geht voran.

schreibtisch1.jpg
Bücher in einer Art Ordnung.

Zitierter Suff im Klassenkampf

Mittwoch, 27. Februar 2008

Es bleibt weiterhin ruhig hier, während ich abarbeite, was sich in den letzten Monaten so angestaut hat. Das Ende ist inzwischen allerdings wenigstens in Sichtweite. Unterhaltsames am Rande gab es heute in Manfred Hübners Zwischen Alkohol und Abstinenz:

Aus Anlaß des 1. Mai 1904 beschäftigte er [Der abstinente Arbeiter] sich mit den drei »Großmächten«, der »Allianz von Kapital, Kirche und Kneipe«. Da hier nur der Ausschank von Alkohol als Funktion der Kneipe gesehen wurde, schlußfolgerte der Verfasser des Artikels, »daß auch die Kneipe ein Machtmittel des Kapitalismus ist«, denn jede »Kneipe ist ein Herd des Siechtums, aus jeder Spritbrennerei und Brauerei fließt ein Strom von Gift über das deutsche Volk«. Auch wenn der Artikel mit der Forderung, den »ersten Maientag … ohne Betäubung unter der roten Fahne« zu feiern, abschließt und damit ein allgemeines Interesse der Arbeiterschaft formuliert, wurde doch andererseits mit der radikalen und einseitigen Verketzerung der Kneipe ein wesentliches Element proletarischer Organisationskultur in Frage gestellt.

»Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!« … und wird es auch nicht werden.

Zitierte Hunde im Klassenkampf

Dienstag, 26. Februar 2008

Kurze Zwischenfrage an die Auskenner unter euch: Im Vorwort zur Neuauflage wennvon Cosmic Banditos zitiert Allan C. Weisbecker ein “riesiges politisch angehauchtes Buch“, in dem einige Referenzen auf sein Werk zu finden sein sollen. Gibt es das tatsächlich und wie heißt es? Oder andersrum gefragt: Woher stammt dieses abstruse Zitat ursprünglich?

Der Weg der Befreiung aus dem Klassenkampf zeigt sich darin, daß man nicht über alle Dinge in derartigen Begrifflichkeiten nachdenkt und sich einer Utopie entsinnt, die ein Ende des Klassenkampfes hat, innerhalb eines besonderen Bewußtseins aus dem er entstanden ist. Dies ist das grundlegende Einstellungsproblem der marxistischen Banditos (in dem Buch) und der Grund, warum sie mit ihren kosmischen Kollegen nicht weiterkommen. »Sie mögen auch keine Hunde« (eine Bemerkung des Autors), ist sogar ein weiteres Beispiel von etwas sehr wichtigem. Sie können es nicht mit ihrer Ideologie vereinbaren, Hunde zu mögen, da sich Hunde nach ihrem Verständnis nicht am Klassenkampf beteiligen. Die Wahrscheinlichkeit, daß die Geschichte, die in Cosmic Banditos beschrieben ist, tatsächlich geschehen könnte, ist sehr gering; doch nicht unmöglich. Cosmic banditos ist zwar eine unwahrscheinliche Geschichte, aber keine unwahrscheinliche. Es ist eine humoritistische Arbeit mit psychedelischen Bestandteilen. Ebenso ist es eine philosophische Arbeit über das menschliche Wissen und die Wahrnehmung der Realität. Man könnte es einen groschenromanartigen »Tzeuberg« der Postmoderne nennen.

Der genaue Wortlaut wird natürlich etwas anders sein, falls Weisbeckers Übersetzer und der des “riesigen Buches” nicht Teil einer gemeinsamen Schwarmintelligenz sein sollten. …

Drei Filme

Montag, 25. Februar 2008

… auf die ich mich freue, ohne so ganz genau sagen zu können, warum das eigentlich der Fall ist. Wenn ich so darüber nachdenke, fallen mir eigentlich nur diverse Gründe ein, das Geld für die Kinokarten zu sparen.

  • Das Waisenhaus ist ein Gruselding und für gewöhnlich gucke ich sowas gar nicht.  Außerdem habe ich gerade gelernt, dass Guillermo del Toro nur der Produzent ist und gar nicht Regie führt - mein erster Erklärungsversuch ist damit gescheitert.
  • Wenn ich ehrlich bin, interessiert mich You Don’t Mess With the Zohan gar nicht so besonders - ganz im Gegensatz zu den Kritiken, die er bekommen wird. Und um die entsprechend “würdigen” zu können, sollte ich den Film dann wohl auch gesehen haben. Das erklärt meine (tatsächlich vorhandene) Vorfreude allerdings mal so gar nicht.

Buffy Studies in Bremen

Mittwoch, 20. Februar 2008

Ich war gestern im Bremer Infoladen, um mir frische Buffy-Spoiler abzuholen. Lars Quadfasel und Carmen Dehnert, von der Gruppe Ratio Rausch Revolution, haben unter dem Titel »Buffy the Vampire Slayer – Slayer Grrrl Power!« über “ödipale Vampire und die Allegorese der Kulturindustrie” gesprochen. Ich habe zwar tatsächlich mal ausführlich mitgeschrieben, werde mich hier nun aber doch ein wenig zusammenreißen, weil der vorgetragene Text bald im Extrablatt erscheinen soll.

Der Einstieg:
Ich habe schon in der Tür des Infoladens auf den DVD-Player geschielt. Es soll ja Leute geben, die lieber ohne Filmbeispiele durchreden; meine Referenten gehörten zum Glück nicht dazu. Kulturindustrie, Psychoanalyse und Buffy - klingt nach Infotainment im besten (und nie gebrauchten) Sinne des Wortes. Los ging’s wie folgt: ‘Buffy’ breche zwar mit einigen Regeln des Unterhaltungsgrusels, habe starke weibliche Charaktere und stelle halbwegs komplexe ethische Fragen, halte sich aber dennoch meist an die Genrekonventionen. Und das sei nicht nur zu verschmerzen, sondern mache sogar den eigentlichen Reiz der Erzählung aus. ‘Buffy’ sei Fernsehen, wolle auch gar nichts anderes sein und fliege darum auch nicht auf die “arte-Kulturschrottschnauze”. Keine Überraschung, dass das erste Adornozitat nicht lange auf sich warten lässt. Was der über den Komponisten Mahler schrieb, ließe sich ohne große Schwierigkeiten auch auf Joss Whedon beziehen:

“Sie nennen ihn unschöpferisch, weil er ihren Begriff des Schaffens selber suspendiert. Alles, womit er umgeht, ist schon da. er nimmt es hin in der Gestalt seiner Depravation; seine Themen sind enteignete. Dennoch klingt keines, wie man es gewohnt war: alle sind wie durch einen Magneten abgelenkt.”

- Theodor W. Adorno: Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt

Die ‘Buffy Studies’ hätten die Fragen nach der Form bisher sträflich vernachlässigt, um sich dafür in den Inhalten zu verbeißen. Die Referenten wollten es anders machen, da die Buffybotschaften an der Oberfläche verhandelt würden und nicht in der Tiefe. Der Körpertausch von Buffy und Faith mit seinen Spätfolgen für Faiths Psyche sei beispielsweise ein Moment, an dem sich die Spielregeln direkt ablesen ließen.

Das überdeutliche Metaphernspiel sei keine blöde Plattheit, sondern selbst Allegorie: Im Überzogenen zeige sich die Realität von Teenagern, deren erste Liebe ebenfalls im Mittelpunkt der Welt stehe und mindestens die Größe von Romeo und Julia, oder eben Buffy und Angel habe.

Der kastrierte Vampir:
In der zweiten Hälfte ging es den Charakteren Angel und Spike mit Lacans Psychoanalyse an den Kragen, respektive den Phallus. Der Mangel, das Begehren und die Machtlosigkeit waren die Kategorien, in die insbesondere Spike (der sich solchen Operationen gerne entzieht) zerlegt wurde. Zahlreiche Filmszenen, in denen der sexuelle Gehalt von Spikes Beißverbot (sein “internalisiertes Nein”) überdeutlich zum Vorschein kommen, haben die meisten Lacher des Abends provoziert. Wer meiner Erinnerung nicht traut, oder die ganze Geschichte vom mikroelektronischen Nom/n-du-Père hören möchte, muss sich von hier an gedulden und auf das Extrablatt warten. (Oder mich fragen, wenn ich mal wieder irgendwo sein sollte.)

Was der Abend gebracht hat:
… ist gar nicht so leicht zu sagen. Einige Details waren durchaus interessant und ich hatte auch meinen Spaß an den Filmszenen; eine Message™ ist aber leider nicht bei mir angekommen. Vielleicht sollte aber auch “nur” ein Erkenntnisprozess angeregt werden, der sich bei mir schon beim Gucken der Serie vollzogen hatte. Mag sein, dass der - dank DVD-Player Hickhack - nicht ganz reibungslose Ablauf daran schuld war, aber bei mir sind letztlich leider nur ein wenig Kulturindustrie hier und etwas Lacan da hängen geblieben. Als ich gehört habe, dass der “führende Hamburger Anti-Deutsche”, wie Lars Quadfasel einst so lustig denunziert wurde, über Buffy sprechen wird, hatte ich jedenfalls etwas mehr erwartet. Bleibt zu Hoffen, dass der Vortrag eher ein Aufwärmen für den Kittkritik-Kongress war, als schon alles, was da passieren wird.

Drei Hinweise zum Schluss:

  • Ich habe erst kurz vor der Fahrt nach Bremen von ‘Buffy Studies’ gehört und bin beim schlaumachen auf das Magazin ‘Slayage‘ gestoßen: “The Online International Journal of Buffy Studies”. In der kommenden Ausgabe (Nummer 25) wird es ausnahmsweise nicht um ‘Buffy‘, sondern um ‘Firefly‘ und ‘Serenity‘ gehen. Ein erfreulicher Fund am Rande!
  • Ähnlich spannend wird das neue buffylinke-Blog werden, das ich aus irgendwelchen Gründen noch gar nicht verlinkt hatte. Jetzt aber.

Verordneter Mafia-Filmabend

Samstag, 16. Februar 2008

Wie es immer so ist: Gestern habe ich hier noch die große Schweigsamkeit verkündet, weil ich feiernd und nachdenklich abwesend sein wollte - heute lungere ich mit angeschlagener Gesundheit vor dem Computer herum und ärgere mich. Ein Gutes hat der Mist immerhin: Ans beheizte Haus gefesselt, kann mir in verordneter Ruhe die Francesco Rosi - Filme auf Bayern 3 ansehen, wie Uli Krug es vor zwei Wochen empfohlen hat.

Also gibt es gleich düstere Mafia-Krimis statt ausgelassener Feste. Um 20.15 Uhr kommt ‘Die Macht und ihr Preis‘, um 22:15 Uhr ‘Lucky Luciano‘ und Mitternacht dann die Dokumentation ‘Momente der Wahrheit‘ - mal sehen, wie lange ich durchhalte. Der Videorekorder läuft jedenfalls vorsichtshalber mit.

Ich bin eigentlich gar kein großer Krimifreund, aber die Begeisterung von Uli Krug (der vor ein paar Monaten schon einen interessanten Artikel über die »ehrenwerte Gesellschaft« geschrieben hat) scheint ansteckend zu sein. Schnell noch zur Einstimmung:

Die Geschichte zeigt, warum Italien in den Siebzigern von gar nicht so unberechtigten Ängs­ten beherrscht war: Angst vor der mächtigen Mafia, vor einem rechtsextremen Staatsstreich, aber auch vor den Brigate Rosse. Das Klima brachte eine einzigartige Blüte des Genrekinos hervor: Beklemmende Krimis (so genannte ­Gialli), harte Polizeistreifen und Mafia­filme setzten den Boom der italienischen Filmindustrie fort. […] In »Cadaveri Eccellenti«, der in Deutschland »Die Macht und ihr Preis« heißt, verfilmte der Regisseur einen der großen Thriller des sizilianischen Erfolgsautors Leonardo Sciascia, »Il Contesto« von 1971, auf Deutsch »Der Zusammenhang« bzw. »Tote Richter reden nicht«. Im Film verstrickt sich ein Kriminalbeamter tödlich in eine Mordserie, deren Opfer ausschließlich Strafrichter sind. Die Umrisse einer riesigen Verschwörung werden sichtbar, die römische Politik erscheint als bloße Kulisse mafiöser Herrschaft.

Schade nur, dass dieser Hinweis wohl nur einige wenige Feed-Leser rechtzeitig erreichen wird.

PING

Freitag, 15. Februar 2008

Tjaja, etwas still ist es hier geworden und über die nächsten paar Tage wird sich daran wohl auch nichts ändern. Kurze Pause zum Umdenken und -lenken und danach geht es dann wieder weiter. Bis dahin die fröhlichen Fehlfarben:

Hey, soll ich euch sagen wohin ich heut geh?
Wen ich heut Abend wieder alles seh?
Für mich Sound nach Wahl, Musik von Geschmack
Raconteure und Flaneure trotzen dem Pack.

- Der Club der schönen Mütter

Für Tante

Mittwoch, 13. Februar 2008

Tante neulich so: “Wenn ich ne Katze hätte, würde ich jetzt ein Bild von ihr posten.” Ich dann mal so:

jakob.jpg

Das ist Jakob. Tja nu.

Besinnliches über den Hauptfeind

Samstag, 09. Februar 2008

Die eigenen Affekte sind doch immer noch die schönsten - der Möglichkeit zur Reflexion sei Dank. Bei denen des Gegners sieht es schon anders aus, zumal, wenn er mehr dazu neigt, den lästigen Teil mit der Reflexion auszulassen und gleich zur manifesten Gewalt überzugehen. Wirklich gruselig wird es allerdings erst bei denen der eigenen Bundesgenossen, wo Loyalität, Herdentrieb oder gar die gemeinsame Strategie Rücksichtnahme einfordern.

Dieser Gedanke hat mich umgetrieben, als ich anfing, einen Text über Atheisten zu schreiben, die - in ihrer überwältigenden Mehrheit - erheblich größeren Schwachsinn verbreiten, als es Pfaffen, Mystiker oder die Katholischen Hochschulgruppe tun.

Dabei wurde ich zunächst von meinem Feedreader und anschließend von besagten Affekten unterbrochen: Tofu hat festgestellt, dass eine Art “antideutsche Datenantifa“, so das unterstellte Selbstverständnis, einen bescheuerten Demoaufruf gehackt und umgedichtet hat:

“Liebe Antiimps und andere Fotzen, wenn ihr meint ihr seid Antifa, dann habt ihr euch geschnitten ihr Islam-Lovers!”

Als hätte ich es bestellt. Danke! Im Moment bin ich zwar maßlos wütend, aber das geht schon wieder vorbei. Manchmal lernt man eben auch von Idioten und ihren Ausbrüchen - der Atheistengedanke wird davon sicher profitieren, auch wenn er jetzt warten muss bis ich mich wieder abgeregt habe. Für heute ist jedenfalls Feierabend.

Der etymologische Zirkel (light)

Samstag, 09. Februar 2008

genestealer.jpg

Gelangweilte Geeks spielen Space Hulk.

So weit, so naja. Aber die Wikipedia (wer auch sonst?) hat mich gerade mal wieder stutzig gemacht. Zusammenhänge? In jedem Fall unterhaltsam, wenn man es nicht eh schon weiß:

“Das englische Wort „geek“ bezeichnete im frühen Mittelalter Menschen, die auf den Jahrmärkten lebendigen Tieren den Kopf abbissen.”