Swamp Room sagt »Schluss mit lustig«

Das Swamp Room Happening fällt dies Jahr aus und kommt vielleicht auch nicht mehr wieder. Schuld sind die gestiegenen Kosten, die sich laut Sumpfchef Willem nur über eine (Wieder-)verkleinerung oder eine verschärfte Kommerzialisierung des Festivals bewältigen ließen. Das ist einerseits schade um die sympathische Veranstaltungung, andererseits aber wohl auch der unvermeidliche Preis der reichlich debilen Underground Inszenierung. Wo man sich immer noch gefällt, weil man glaubt, Musik “von Musikern für Musiker” oder zumindest Experten zu hören und via zu viel Gras erleuchtende Kicks zu kassieren, wird es eben langsam enger. Bevor es Ärger gibt: Ich höre immer noch Stoner Rock (oder die anderen Genres, von denen es ca. zwei pro Band gibt), kann das Gesülze der selbsternannten Unterground-Checker aber nur unter Schmerzen ertragen.

Das oben schon angesprochene Kommerzialisierungsgerde nervt mich ganz besonders an. Wer sich einmal die Mühe macht, die mittlerweile kaum mehr zählbaren Netlabels nach “progressiver Gitarrenmusik” zu durchforsten, kann der Wortschöpfung Desert Rock hinterher eine neue Bedeutungsebene verpassen: Gähnende Leere, in der zwei, drei verirrte Kyuss-Klone verstauben. Wo man Geld für seine Musik nimmt, ist man kommerziell und nicht erst auf dem Weg dahin. Um was es hier geht, ist der klandestine Touch, das Bedürfnis, etwas derber als der Rest zu sein und natürlich die paradoxe Sorge, gerade das effektivste Werbemittel zu verlieren.

Aber wieder einen Schritt zurück: Es tut mir aufrichtig leid für den engagierten Willem und seine Leute, um die Stadt Hannover, die damit wohl ihr letztes Kulturgut verloren hätte und ein wenig um mich, weil ich doch auch ganz gerne mal wieder hin gefahren wäre. Der Rest kann mir gestohlen bleiben.

2 Kommentare zu “Swamp Room sagt »Schluss mit lustig«”

  1. classless
    March 27th, 2008 19:22
    1

    Kennst du eigentlich Los Natas?

  2. Paule
    March 28th, 2008 01:33
    2

    “Kennen” nicht so wirklich, leider. In die München Sessions habe ich mal reingehört, aber das war’s dann auch.

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