Archiv für April, 2008

Erinnerung an und für den 2. Mai

Dienstag, 29. April 2008

Die Propagandamaschine Konrad Endler legt nach und erklärt nebenbei die Geschichte der menschlichen Evolution bis kurz vorm Kommunismus. Ein nachdrücklicher Aufruf, sich der machtvollen Demonstration am Senefelder Platz anzuschließen; am 2. Mai - dem IV. Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen:

Weitersagen, versteht sich!

1:0 für die Killerspiele

Montag, 28. April 2008

Bisher hatte ich zu Killerspielen nichts zu sagen. Eine Meinung natürlich, aber keine Lust, sie öffentlich zu bekunden, da man sich beim derzeitigen Stand der Debatte nur in ganz schlechte Gesellschaft begeben kann. Jetzt sind die bekloppten Nerds im Tarnanzug allerdings überraschend in Führung gegangen - durch ein Eigentor der EU-Kommissarin Kuneva:

»Wir können nicht vorgehen wie Super-Mario, der Schreiner, der alle Hindernisse aus dem Weg räumt.«

Und weiter: »Die Kommissarinnen betonten, es komme vor allem darauf an, Eltern und Kinder über sogenannte Killerspiele zu informieren.«

Eltern, Kinder und die Kommission - sehr richtig! Bei Story Entertainment kann man dem sinistren Malermeister dabei zusehen, wie er auf einem besiegten Hindernis thront:

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Gefährlich.

Insektenplage

Montag, 28. April 2008

Der Sommer ist zurück - und mit ihm die Insektenpest: Viecher, die ich für Wespen halte, versuchen die Saatsgründung an meinem Fenster, kleineres Gezuppel will in Schwärmen eingeatmet werden und zu allem Überfluss müsste ich soeben die erste Zecke entfernen. Mit der Kombizange (die ihrem Namen alle Ehre macht), weil nichts anderes greifbar war.

Stiftung Warentest hat angeblich verkündet, dass ein Großteil der Mittelchen gegen die Biester nicht funktioniert. Dem werde ich nach dem Frühstück nachgehen und dann wird aufgerüstet. Zunächst mit einer Zeckenzange, dem besten Freund des Menschen.

Mittag

Sonntag, 27. April 2008

Sonntag. Mittag. Spargel. Gut.

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Der Spargel letzten Endes siegreich.

Irrsinn von allen Seiten

Samstag, 26. April 2008

Bücher zum Geburtstag! Schwerpunktthema Wahnsinn, ohne dass sie wirklich etwas miteinander zu tun hätten. Trotzdem irgendwie irritierend:

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Wahnsinn im Doppelpack

Dementophobia. Wahn und geistiger Verfall.
Kritische Psychologie. Eine Einführung.

Guten Morgen

Donnerstag, 24. April 2008

Alle sind heute träge - ich vorne weg. Ich habe mein eskapistisches Rollenspielblog wieder aktiviert und mein allererstes selbst gebasteltes Kassettencover aus dem Festplattenmüll geborgen:

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… Good Morning, You’re Braindead!

Etwas dünne, aber der Tag ist ja noch was länger. Heute Abend gibt es immerhin Muffins.

Frustrierende Erkenntnis

Dienstag, 22. April 2008

Halbwaisenrente ist eine gute Sache aus schlechtem Anlass. Solange man nicht den unverzeihlichen Fehler begeht, den Stundenlohn für das Formulargezuppel auszurechnen, hat man gelegentlich sogar richtige Freude daran. Lästig wird es aber spätestens dann, wenn ein und das selbe Formular in der mittlerweile fünften Kopie angefordert wird. Die erschreckende Erkenntnis beim Versuch einer Problembeschreibung via IM:

(11:26:05) paule: … die wissen, dass ich weiß, dass die wissen, dass die den Mist schon haben.

Und auf geht’s in die nächste Runde. Immerhin mit halbwegs gefülltem Geldbeutel, was - wie gesagt - eine gute Sache ist.

Und nun zum Süßkram

Sonntag, 20. April 2008

Während die Spargeldebatte in Berlin und Internet zum -krieg (Kulla präziser: “antinationalistischer Gemüsekrieg“) eskaliert ist, und der Scheckkartenpunk bereits die Assoziation der Freien und Gleichen am Buffet wähnte, fanden an der provinziellen Heimatfront ganz andere kulinarische Truppenbewegungen statt:

Unermessliche Kuchenberge wurden in der heimischen Küche zubereitet und soeben zum örtlichen Ökofest transportiert. Für Außenstehende uninteressant, ist es meine gesuchte Ausrede, mich für heute von Nahrungsmitteln und Kommunismus zu verabschieden.

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… let them eat cake!

Im Namen des Spargels

Freitag, 18. April 2008

Ivo Bozic ist zu weit gegangen! Dieses eine Mal kann ich nicht anders, als mich auf die Seite seiner Gegner zu stellen. Er hat den goldenen Spargel der Zwietracht bis weit in die Kreise seiner Sympathisanten gerollt, die nun ratlos und allein darstehen. Warum nur?! Die Bewegung, die nie eine sein wollte, von einem Gemüse entzweit. Schweren Herzens nun, was kommen musste - die Petition gegen Ivo Bozic:

[…] Skandalös ist schon allein der politische Gehalt seiner selbsternannten Argumentation: unter dem Deckmantel des Antifaschismus verortet er den Spargel in der “national befreiten märkischen Sandwüste”. Bozic leugnet implizit die Existenz des französischen oder des besonders zarten thailändischen Spargels und ergeht sich zugleich in Fantasien von “blühenden Tomaten[in] vernünftigem Erdreich” - wahrscheinlich braunem, stinkendem Lehm. Auf gut doitsch: eine Scholle, eine Wurzel, ein Gemüse! Umso mehr lässt der in Adjektiven versteckte, gleichsam codierte Subtext von Bozics Hasspredigt aufhorchen: der blasse, bleiche, fade, delikate, edle, die Sonne scheuende, wurzellose aber phallisch-harte Spargel - wer fühlte sich nicht an das Stereotyp des abstrakten, nicht fassbaren, unverwurzelten und doch omni-präsenten, verwöhnt-schwächlichen und genussfixierten wie zugleich übermenschlich-starken Juden in der Propaganda von “Stürmer” bis “junge welt” erinnert!?

Ähnlich durchsichtig, manipulativ und reaktionär sein aufgesetzter Antisexismus, der sich an Marginalien grammatikalischer Natur und physiognomischen Merkmalen - “klar ist er männlich, sehr männlich sogar, dieses phallische urgermanische Bleichgesicht” - festmacht.
Bozic baut hier einen Popanz vom Sexisten-Spargel auf, anstatt die schmackhafte Stange im Sinne eines gender-bending zu decodieren. So bietet gerade die weiche Spitze Ansatzpunkte zur queeren Umdeutung der zugegebenermaßen hegemonial heteronormativen Spargel-Ess-Praxis: drängt sich doch ausgiebiges Schmecken, Lutschen und anschließendes genussvolles Abbeissen - die Kastration, der Königsmord - geradezu auf.
[…]

Der unsichtbare Türsteher

Donnerstag, 17. April 2008

Ein paar Unterschriftensammler haben es tatsächlich bis vor meine Haustür geschafft. Der ärgerliche Anlass ihrer Aktion sind die Oldenburger Türsteher und ihre rassistischen Auswahlkriterien. An wen mit diesen Zetteln appelliert werden soll, habe ich leider schon wieder vergessen.

Ich kann die Wut der Stimmensammler nachvollziehen, teile sie aber nur im Ansatz. Meine erste Hürde ist eine persönliche (und damit belanglose): Es gibt keinen einzigen “bewachten” Club in Oldenburg, in dem auch nur ansatzweise erträgliche Musik laufen würde. Die zweite ist halte ich für wichtiger: Die an sich berechtigte Kritik trifft die Sache nicht.

Zunächst einmal liegt es im Wesen der Türpolitik, eine Gruppe zu konstruieren, in der sich zahlende Gäste wohl fühlen. Je nach anvisiertem Zielpublikum wird darum gewaltsam ausgegrenzt, wer als störend empfunden werden könnte. Hautfarbe, Kleidung, Brustgröße, Haarlänge oder das vom Staat gesetzte Mindestalter - die Auswahl an Kriterien ist grenzenlos und weitgehend beliebig. Rassistische Kriterien als Sonderfall zu beackern, ist grundsätzlich nichts verkehrtes, bleibt aber eine stinknormale Rechtsauslegerei zwischen Hausrecht und Diskriminierungsverbot, solange die Ausgrenzung als solche, nicht als elementarer Teil des Geschäfts begriffen wird. Dass die Schilderung der Vorfälle, die ich von den Unterschriftensammlern bekommen habe, den “normalen Kleidungsstil” der Ausgegrenzten ausdrücklich betont haben, stützt diesen Einwand.

Für die antirassistische Kritik wäre außerdem notwendig, zu beachten, wessen Interessen der Türsteher eigentlich durchsetzt. Auch wenn es Rassisten unter Gastwirten und Angestellten geben wird, ist es in der Regel wohl der unausgesprochene Wunsch der Gäste, welcher den Ausschlag gibt. Wer im national befreiten Club von »angenehmer Atmosphäre und netten Leuten« schwafelt, zeigt unfreiwillig, wo die Rassisten stecken, mit denen die Betreiber ihr Geld verdienen. Sich ausschließlich an der Person des Türstehers abzuarbeiten, verstellt diesen Blick.

So ist dann auch nicht mehr zu begreifen, wie es zur Ausgrenzung kommt, wo gar kein Türsteher in Sichtweite ist. Auf offener Straße und in jeder Einrichtung (bis hin zum so genannten “Freiraum” Alhambra) wird sich in sortierten Grüppchen bewegt. Die Türsteher bleiben unsichtbar, bis sie im Zweifelsfall die Gestalt eines Polizeibeamten oder eines “couragierten Insiders” annehmen.

Die Feststellung, dass die Forderung eines Rechtes immer den Ruf nach Gewalt beinhaltet, ist so richtig, wie sie trivial ist. Dennoch wird auch die einäugige Kritik an den Akteuren der Gewalt erfolglos bleiben. Ich bin mir nicht sicher, wie der Streit über das Türsteherunwesen außerhalb der provinziellen Käseglocke Oldenburg zu führen ist. Hier jedenfalls würde ich den aktiven Antirassisten empfehlen, die verständliche Empörung etwas abkühlen zu lassen und die Sache grundsätzlicher anzugehen.

Nicht, um das Problem zum Nebenwiderspruch verkommen zu lassen, sondern um eine Strategie zu entwickeln, die der Sache auch gerecht wird. Unterschrieben habe ich trotzdem. …