Der unsichtbare Türsteher

Ein paar Unterschriftensammler haben es tatsächlich bis vor meine Haustür geschafft. Der ärgerliche Anlass ihrer Aktion sind die Oldenburger Türsteher und ihre rassistischen Auswahlkriterien. An wen mit diesen Zetteln appelliert werden soll, habe ich leider schon wieder vergessen.

Ich kann die Wut der Stimmensammler nachvollziehen, teile sie aber nur im Ansatz. Meine erste Hürde ist eine persönliche (und damit belanglose): Es gibt keinen einzigen “bewachten” Club in Oldenburg, in dem auch nur ansatzweise erträgliche Musik laufen würde. Die zweite ist halte ich für wichtiger: Die an sich berechtigte Kritik trifft die Sache nicht.

Zunächst einmal liegt es im Wesen der Türpolitik, eine Gruppe zu konstruieren, in der sich zahlende Gäste wohl fühlen. Je nach anvisiertem Zielpublikum wird darum gewaltsam ausgegrenzt, wer als störend empfunden werden könnte. Hautfarbe, Kleidung, Brustgröße, Haarlänge oder das vom Staat gesetzte Mindestalter - die Auswahl an Kriterien ist grenzenlos und weitgehend beliebig. Rassistische Kriterien als Sonderfall zu beackern, ist grundsätzlich nichts verkehrtes, bleibt aber eine stinknormale Rechtsauslegerei zwischen Hausrecht und Diskriminierungsverbot, solange die Ausgrenzung als solche, nicht als elementarer Teil des Geschäfts begriffen wird. Dass die Schilderung der Vorfälle, die ich von den Unterschriftensammlern bekommen habe, den “normalen Kleidungsstil” der Ausgegrenzten ausdrücklich betont haben, stützt diesen Einwand.

Für die antirassistische Kritik wäre außerdem notwendig, zu beachten, wessen Interessen der Türsteher eigentlich durchsetzt. Auch wenn es Rassisten unter Gastwirten und Angestellten geben wird, ist es in der Regel wohl der unausgesprochene Wunsch der Gäste, welcher den Ausschlag gibt. Wer im national befreiten Club von »angenehmer Atmosphäre und netten Leuten« schwafelt, zeigt unfreiwillig, wo die Rassisten stecken, mit denen die Betreiber ihr Geld verdienen. Sich ausschließlich an der Person des Türstehers abzuarbeiten, verstellt diesen Blick.

So ist dann auch nicht mehr zu begreifen, wie es zur Ausgrenzung kommt, wo gar kein Türsteher in Sichtweite ist. Auf offener Straße und in jeder Einrichtung (bis hin zum so genannten “Freiraum” Alhambra) wird sich in sortierten Grüppchen bewegt. Die Türsteher bleiben unsichtbar, bis sie im Zweifelsfall die Gestalt eines Polizeibeamten oder eines “couragierten Insiders” annehmen.

Die Feststellung, dass die Forderung eines Rechtes immer den Ruf nach Gewalt beinhaltet, ist so richtig, wie sie trivial ist. Dennoch wird auch die einäugige Kritik an den Akteuren der Gewalt erfolglos bleiben. Ich bin mir nicht sicher, wie der Streit über das Türsteherunwesen außerhalb der provinziellen Käseglocke Oldenburg zu führen ist. Hier jedenfalls würde ich den aktiven Antirassisten empfehlen, die verständliche Empörung etwas abkühlen zu lassen und die Sache grundsätzlicher anzugehen.

Nicht, um das Problem zum Nebenwiderspruch verkommen zu lassen, sondern um eine Strategie zu entwickeln, die der Sache auch gerecht wird. Unterschrieben habe ich trotzdem. …

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