Archiv für Mai, 2008

Abgehakt: Indy IV gucken

Samstag, 31. Mai 2008

Jetzt habe ich auch endlich den vierten Indiana Jones gesehen (und gut gefunden). Mir ist schon bei der abschließenden Manöverkritik keine sinnvolle Ergänzung eingefallen und daran hat sich bis jetzt auch noch nichts geändert. Darum schweige ich lieber und empfehle den Kinogang vollkommen unbegründet. Jakob hatte mehr zu sagen.

Charlie - ohne Kommentar

Donnerstag, 29. Mai 2008

Früher

Mittwoch, 28. Mai 2008

Heute war ein schlechter Tag, auch wenn ich das erst vor wenigen Minuten bemerkt habe. Es war wahrscheinlich einfach nicht die beste Idee, mich an der trüben Mischung von früher-Musik, früher-Wein und Studi.VZ-Profilen von früher-Menschen zu besaufen, aber nun ist es zu spät. Ich bekomme den Gedankengang leider nicht mehr voreinander, der mich von Menschen, die heute tot sind, über andere, die ähnlich weit weg zu sein scheinen, bis zu dem hier geführt hat:

finster.jpg

Manches war immerhin lustig.

Zwar nur ein Scherz - aber immerhin ein ausgesprochen gelungener; jedenfalls für früher-Verhältnisse. Sauerkrauts Feed platzt mir mit einem Albtraum in den Gedanken. Immerhin ist sein Rechner (im Gegensatz zu meinem) schnell genug einsatzbereit. … Ich habe keine Lust mehr.

Konferenzmitschnitt: ‘Business as usual?’

Montag, 26. Mai 2008

Zumindest in einer Hinsicht fühle ich mich in der Auswahl “meiner” Iran-Konferenz bestätigt. Während die von mir besuchte Veranstaltung des ‘Bündnisses gegen Appeasement‘ ihre Audio-Mitschnitte (seit Ende Januar) »demnächst« online stellen will, sind die des ‘Mideast Freedom Forum Berlinbereits verfügbar (via). Der Titel der Konferenz:

»Business as usual? - Das iranische Regime, der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen und die deutsche Reaktion«

Alles wieder weg

Sonntag, 25. Mai 2008

Ich habe mich gerade aus dem Bett gequält, um über einen üblen Albtraum zu schreiben, der mich gerade zum zweiten mal geweckt hat. Eine halbe Ewigkeit später ist der Rechner endlich hochgefahren und ich habe alles wieder vergessen. Es reicht nicht einmal mehr für ein Stichwort. Schade eigentlich. Ich leg mich wieder hin. …

Katholikentag in Osnabrück

Freitag, 23. Mai 2008

Die osnabrücker Straßen sind voll wie selten. Zum Katholikentag (tatsächlich sind es gleich fünf davon) gibt es zahlreiche Bühnen, Fressbuden und Infostände voller Menschen zwischen Bekenntniswahn und Missionierungsambition. Irgendwie hat das alles was von Mittelaltermarkt, nur dass die Besucher etwas weniger bescheuert und in der Regel hübscher angezogen sind. Da mir Papst und Bratwurst auf eine etwas verquere Weise nicht ganz unsympathisch sind und das Wetter zudem großartig ist, haben wir uns einen kleinen Rundmarsch erlaubt und uns dieses Straßenfest aus der Nähe angesehen.

Kritik an Christentum und Katholizismus erspare ich uns an dieser Stelle (es hat ja eh jeder eine schärfere und außerdem sehe ich es auch nicht ein, hier dem Atheisten nach dem Maul zu reden). Zwei Härtefälle will ich aber trotzdem nicht verschweigen. Der erste war harmlos und ausgesprochen unterhaltsam:

katholikentag.jpg

Da hatte einer was zu sagen …

Als ich das Schild und seinen Träger erreicht habe, war es bereits von einer Horde diskussionswiller Menschen umringt, die dem Mann energisch Paroli boten. Mit so genannten “Argumenten” wurde um Jesus, Kirche und vor allem die Hölle gestritten. Ich habe mir das kurz angehört, mich nicht entscheiden können, wer hier der beklopptere ist und bin dann weitergezogen. Der Schildbürger scheint jedenfalls eine Art Kirchenkritiker zu sein, dem nur die Bibel etwas bedeutet. Wortgetreue Lektüre oder Höllenfeuer - soweit verständlich. Was die anderen wollten, habe ich nicht so genau verstanden.

Die anderen Fundamentalisten sind weniger lustig und hätte ich sie persönlich getroffen, wäre wahrscheinlich eine ganz weltliche Hölle losgewesen. Eine Initiative ‘Nie wieder’ (und die ‘Christilich-Soziale-Arbeitsgemeinschaft Österreich’) haben Flyer gegen Abtreibung verteilt. Zwischen diversen Splatterfotos wird das Recht auf Leben in irritierenden Fragen beackert:

»Vor 1945: Der Mord war zwar nach deutschem Strafgesetzbuch rechtswidrig, aber das Leben der Menschen war damals der Willkür des Staates ausgeliefert. Wurden in Auschwitz die Menschen getötet oder ermordet?«

Diese Begriffsarbeit folgt keinem (nachvollziehbaren) argumentativen Textaufbau, sondern dem wahnsinnigen Versuch, den Holocaust und moderne Abtreibungspratik gleichzusetzen. Spätestens mit der Webadresse www.Babycaust.at (WARNUNG: Die Illustrationen folgen diesem Ziel ebenfalls sehr konsequent und sind kaum zu ertragen!) offenbart sich dieser Dreh- und Angelpunkt der Propaganda. Dieser ekelhafte Mist ist nicht repräsentativ für das, was so auf dem Katholikentag passiert. Trotzdem hinterlässt es einen fragwürdigen Eindruck von den (ansonsten harmlosen) Christenspinnern, dass die weiten Arme der »großen Gemeinschaft« auch diese - vollkommen indiskutablen - Strömungen umfassen und nicht vom Platz jagen.

Sprechende Frisuren

Mittwoch, 21. Mai 2008

Lange gesucht und endlich gefunden - Pasolini über ‘Die Sprache der Haare‘ (in ‘Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft.’):

Was sagten sie jetzt? Sie sagten: »Ja, es stimmt, wir drücken linke Inhalte aus; unsere Aussage ist - auch wenn sie die verbalen Botschaften lediglich begleitet - eine linke Aussage … Aber … Aber …«
An diesem Punkt verstummten die langen Haare. Den Rest mußte ich selbst ergänzen. Mit dem »Aber« wollten sie offensichtlich zwei Dinge sagen: 1. »Unsere Wortlosigkeit erweist sich zunehmend als irrational und pragmatisch. Der Primat der Aktion, den wir unausgesprochen behaupten, hat einen subkulturellen und damit einen im wesentlichen rechten Charakter.« 2. »Wir sind inzwischen auch von faschistischen Provokateuren, die sich unter die Verbalrevolutionäre mischen, unterwandert worden (der Verbalismus kann ja auch zur Aktion führen, vor allem, wenn er sie zum Mythos macht); und wir bilden eine perfekte Maske, nicht nur rein äußerlich (unser ungeordnetes Wallen und Haargewoge macht tendenziell alle Gesichter gleich), sondern auch in kultureller Hinsicht: Eine rechte Subkultur läßt sich nämlich ohne weiteres mit einer linken Subkultur verwechseln.«
Kurz und gut, ich verstand, daß die Sprache der langen Haare nicht mehr ein »Etwas« von linken Inhalten ausdrückte, sondern ein Zwiespältiges, etwas Rechts-Linkes, was das Auftreten von Provokateuren ermöglicht.

Sehr zu empfehlen das Buch. Überhaupt: Pasolini lesen!

Spaßbunker Antifee

Montag, 19. Mai 2008

Kurz vor Feierabend habe ich gerade bei yay! aka ponyreiten gelesen, dass es bald ein zweites Antifee-Festival in Göttingen geben soll. Im letzten Jahr war ich aus irgendwelchen Gründen verhindert, in diesem weiß ich hingegen nicht, ob ich eigentlich fahren möchte (obwohl die großartigen Woog Riots spielen). Party und Politik haben sicher ihre Schnittmenge; was solche Crossover-Veranstaltungen sollen, will mir aber nicht in den Kopf. Mag sein, dass es Menschen gibt, die sich den Tanzschweiß aus dem Gesicht wischen und wachen Verstandes bei einer »Einführung in feministische Theorien« auflaufen können - ich gehöre aber ganz bestimmt nicht dazu.

Mich erinnert das auf grausliche Weise an die letzte ‘90er Jahre Party’ im Alhambra, zu der ich nicht gegangen bin, weil man dort »selbstironisch abtanzen« wollte. Tun oder lassen, aber dringend mit dem Gerede aufhören! Ganz so schlimm ist es beim Antifee allerdings nicht. Es geht immerhin wider Nationalismus und Sexismus, die für gewöhnlich zu den Ehrengästen gehören, wo sich mehr als drei Deutsche zum Feiern treffen (und Menschen mit Anstand und Geschmack eben davon abhalten). Aber trotzdem: So sinnvoll ich es finde, grundsätzlich nicht mit Chauvinisten jeglicher Art zu feiern, so unsinnig finde ich es, eine Party mit Theorieblöcken zu bestücken. Vorbei ist der Spaß dann aber spätestens nach dem ersten - wenn auch indirekten - Vorgeschmack auf die Inhalte:

»Außerdem sollen Frauen auf dem Gelände geschützt sein vor jeglichem dominanten männlichen Verhalten, Übergriffen und Rumprollerei. Generell gilt auf dem gesamten Festivalgelände Definitionsmacht: Menschen, von denen sich Frauen belästigt fühlen, gehen nach Hause! Wer Täter in Schutz nimmt, ebenfalls.«

Es ist schön, dass Frauen das Festival unbelästigt genießen können sollen und es ist furchtbar, dass solche Drohungen tatsächlich ihre Berechtigung haben. Bei der Art, in der »Menschen«, »Frauen« und »Täter« hier durcheinander geworfen werden, drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, der Türsteher hätte den Text mal eben zwischen Liegestütz und Drückbank getippt. Wo man nicht einmal mehr sagen möchte, um wessen Definitionsmacht es eigentlich geht und man »Rumprollerei« zur weiter unbestimmten Straftat ernennt, macht man sich verdächtig, mehr Interesse an der Gegengewalt als am Problem zu haben. Mir ist schon klar, dass niemand meine Freundin rauswerfen wird, weil sich eine (andere) Frau von ihrer Haarfarbe belästigt fühlt - wahrscheinlich dürfte sogar ich bleiben, wenn ich sie daraufhin in Schutz nähme. Und trotzdem schafft diese »bedingungslos[!] umgesetzten Praxis« ein Klima der willkürlichen Gewalt, das mit »Feiern für ein selbstbestimmtes Leben« nicht mehr viel zu tun haben kann.

Auch wenn mir die Feierlust beim Schreiben dieses Textes vergangen ist, würde mich inzwischen umso mehr interessieren, was für Szenen sich bei dem Workshop ‘Islam vs. westliche Welt‘ abspielen. Ob ich allein dafür (und vielleicht für das ‘Woog Riots‘ - Konzert) nach Göttingen fahren möchte, weiß ich allerdings immer noch nicht.

Indy für Debile

Samstag, 17. Mai 2008

Während andere Leute an meinem “richtigen Rechner” sitzen, um ihre Diplomarbeiten zu drucken, trinke ich Bier im Nebenzimmer und erfreue mich am neuen Level des Indiana Jones Lego - Werbespiels. Ganz großer Spaß, auch wenn es im Grunde ziemlich dümmlich ist: Mit dem Mauscursor über Schätze fahren und gelegentlich auf rote oder grüne Dingsis klicken, um irgendwas zu peitschen oder zu springen. Das eigentliche Problem ist nur, wieder damit aufzuhören.

Die Spaßbremse im Kopf

Freitag, 16. Mai 2008

Überall wird gefeiert. Am 8. Mai sogar in der oldenburger Fußgängerzone, wo die Kapitulation Deutschlands bei Sekt und Muffins in Alliierten - Zuckerguss - Design gefeiert wurde. Ich war leider nicht dabei (wüsste aber wirklich gerne mal, wer sich diesen Spaß erlaubt hat). Mein Kalender ist angefüllt mit ‘60 Jahre Israel‘ - Veranstaltungen; vom DIG-Straßenfest in Hamburg über das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm bis zu den Folkern in Rudolstadt.

Es ist zwar keine große Überraschung, dass die Kapitulation Deutschlands und das Bestehen des israelischen Staates nicht alle Menschen in Feierlaune zu versetzen vermag - die verhältnismäßige Ruhe aus dem Lager der Antisemiten und ihrer friedensbewegten Freunde hingegen schon. Mag sein, dass es einige Gregor Gysi und seiner »Staatsräson« gleich tun und aus den falschen Gründen das Richtige tun (nämlich ihre Klappen halten), vielleicht sind es aber auch nur meine überzogenen Erwartungen an den Aufstand der Wahnsinnigen, die gerade enttäuscht werden. Wie auch immer. Eigentlich wollte ich über jene schreiben, die ihre Klappen gerade nicht halten und uns in einem offenen Brief erklären, warum es nichts zu feiern gebe:

»In short, celebrating “Israel at 60” is tantamount to dancing on Palestinian graves to the haunting tune of lingering dispossession and multi-faceted injustice.«

Mit Augusto Boal und Judith Butler sind gleich zwei “Helden” meiner düsteren Zeit auf der gymnasialen Oberstufe unter den Unterzeichnern und ich frage mich ernsthaft, wie viel dämlichen Mist ich damals eigentlich ungestraft in die Gegend erzählt habe. Ich weiß, dass niemand mehr Lust auf diese »Jaja, ich war auch mal so ein Linker« - Texte hat und ich möchte auch auf etwas anderes hinaus: Den größten Unfug habe ich mir nämlich nicht selbst ausgedacht, sondern ganz normal im Unterricht gelernt - wie alle anderen auch.

  • Boals »Unsichtbares Theater« und meine antiimperialistische Interpretation - eine 1 im Fach ‘Darstellendes Spiel’
  • Ein hemmungslos menschenverachtender Aufsatz über die westlichen »Missinterpretationen des Kopftuches im Islam« - eine 1 in ‘Werte und Normen’
  • Mein Referat über die »völkerrechtswidrigen Kriege des Zionismus« - eine 1 im Leistungskurs Politik (meine einzige, glaube ich)

Und all diese Erfolge als staatlich geprüfter Vollidiot auch noch in Rebellenattitüde mit Wursthaaren, Marihuana und (größtenteils ausgedachten) Demogeschichten. Ich habe keine Ahnung, warum mir das gerade heute in den Sinn kommt. Vielleicht ist es meine Verwirrung über die angeblich Israel-solidarischen Nazis oder eine ganz banale Schilddrüsenunterfunktion.