Kittkritik III – Schlusswort

Inzwischen ist der Deutschlandwunder-Kongress vorbei und ich nicht nur zu Hause angekommen, sondern auch ausgeschlafen genug, um einen abschließenden Kommentar zu schreiben. Die positiven Eindrücke vom ersten Abend haben sich weitestgehend bestätigt: Die Einführungstexte von Sonja Witte (»Am “Punkt, wo die Psychoanalyse abdankt”: Freuds Rätsel der Massenbildung«) und Tobias Ebbrecht (»Die Liebe zum Bild – Nostalgie, Fetisch, Dialektik. Das Bild in der Erinnerungskultur«) haben zwar wenig Neues geboten, zogen sich aber durch die meisten Fallanalysen und haben so das Verständnis befördert und lästigen Wiederholungen vorgebeugt. Bemerkenswert war Sonja Wittes Anmerkungen zum freudschen Urvater-Mythos, der zwar zu problematisieren sei, dessen einfache Auslassung aber dazu führen könne, in eine ebenfalls bedenkliche Völkerpsychologie zu verfallen; eine Tendenz, die durchaus ihre Beispiele in antideutschen Texten findet. Ich werde demnächst noch einmal genauer nachlesen – hier sei es aber zumindest schon einmal erwähnt.

Die folgenden Vorträgen drehten sich dann um einzelne Beispiele des neuen Erinnerungs- bzw. Opferdiskurses. Für mich gab es sehr viel Neues, weil ich mich sowohl dem WM-Spektakel als auch den »Wir sind Opfer« – Filmen der öffentlich-rechtlichen Propagandamaschinerie verweigert habe. Es ging weniger um den basisbanalen Nachweis, dass diese Filme die Shoah relativieren und den Mythos der Stunde Null zementieren, sondern viel mehr um die Frage, wie das genau funktioniert. Das bleibt – trotz seiner offensichtlichen politischen Dimension – ein primär kulturwissenschaftliches Anliegen. Es ist sicher nichts Falsches daran, eine Gesellschaft, die sich über ihren kulturindustriellen Schrott formiert, auch über diesen zu kritisieren. Dass damit noch keine Kapitalismuskritik geleistet (oder gar ersetzt ist), ist klar und wurde auch von niemandem behauptet. Es hätte der Veranstaltung (und scheinbar auch dem Buch) aber dennoch nicht geschadet, den alt-neuen Deutschlandwahn auch als deutsches »Krisenmanagement« zu lesen.

Aber trotzdem: Es war ein gutes (im besten Sinne) antideutsches Basisprogramm zu einem Gegenstand, den ich mir bisher – aus Gründen des guten Geschmacks – nicht antun wollte und darum scheinbar zu sehr vernachlässigt habe. (Und zudem ein angenehmes Wiedersehen mit netten Bekannten.) Wer das Buch aus irgendwelchen Gründen nicht kaufen möchte, kann mit mir darauf hoffen, dass die Mitschnitte vom hamburger FSK etwas geworden sind. Sollten sich noch irgendwelche Blogger finden, die den einzelnen Vorträgen mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen, werde ich vielleicht noch ein paar Links anhängen. Dass ich keine Lust zum Abtippen meiner Notizen habe, soll nicht heißen, dass die Texte es nicht wert wären. …

5 Kommentare zu “Kittkritik III – Schlusswort”

  1. phex
    Mai 13th, 2008 18:31
    1

    bis zum nächsten Kongress! :)

  2. ri0t
    Mai 14th, 2008 01:35
    2

    oder im Kino :)

  3. phex
    Mai 14th, 2008 12:21
    3

    achja, Kino hatte ich ganz vergessen! :)

  4. Paule
    Mai 14th, 2008 12:26
    4

    Lauter glückliche Gesichter hier. :)

    Bis zum Kino.. Oder zum DIG-Fest.. Oder wo auch immer.

  5. „Deutsche Normalitätseuphorie“ in Bremen und Frankfurt « vorstellungsrepraesentanzen
    Mai 17th, 2008 18:31
    5

    [...] engagierten Vorträgen und Diskussionen in bester Erinnerung bleiben wird (ausführlicherer comment hier). Bestens war auch das Wetter; dass wir an der Weser chillend fast von einer knappen Hundertschaft [...]

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