Spaßbunker Antifee
Kurz vor Feierabend habe ich gerade bei yay! aka ponyreiten gelesen, dass es bald ein zweites Antifee-Festival in Göttingen geben soll. Im letzten Jahr war ich aus irgendwelchen Gründen verhindert, in diesem weiß ich hingegen nicht, ob ich eigentlich fahren möchte (obwohl die großartigen Woog Riots spielen). Party und Politik haben sicher ihre Schnittmenge; was solche Crossover-Veranstaltungen sollen, will mir aber nicht in den Kopf. Mag sein, dass es Menschen gibt, die sich den Tanzschweiß aus dem Gesicht wischen und wachen Verstandes bei einer »Einführung in feministische Theorien« auflaufen können - ich gehöre aber ganz bestimmt nicht dazu.
Mich erinnert das auf grausliche Weise an die letzte ‘90er Jahre Party’ im Alhambra, zu der ich nicht gegangen bin, weil man dort »selbstironisch abtanzen« wollte. Tun oder lassen, aber dringend mit dem Gerede aufhören! Ganz so schlimm ist es beim Antifee allerdings nicht. Es geht immerhin wider Nationalismus und Sexismus, die für gewöhnlich zu den Ehrengästen gehören, wo sich mehr als drei Deutsche zum Feiern treffen (und Menschen mit Anstand und Geschmack eben davon abhalten). Aber trotzdem: So sinnvoll ich es finde, grundsätzlich nicht mit Chauvinisten jeglicher Art zu feiern, so unsinnig finde ich es, eine Party mit Theorieblöcken zu bestücken. Vorbei ist der Spaß dann aber spätestens nach dem ersten - wenn auch indirekten - Vorgeschmack auf die Inhalte:
»Außerdem sollen Frauen auf dem Gelände geschützt sein vor jeglichem dominanten männlichen Verhalten, Übergriffen und Rumprollerei. Generell gilt auf dem gesamten Festivalgelände Definitionsmacht: Menschen, von denen sich Frauen belästigt fühlen, gehen nach Hause! Wer Täter in Schutz nimmt, ebenfalls.«
Es ist schön, dass Frauen das Festival unbelästigt genießen können sollen und es ist furchtbar, dass solche Drohungen tatsächlich ihre Berechtigung haben. Bei der Art, in der »Menschen«, »Frauen« und »Täter« hier durcheinander geworfen werden, drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, der Türsteher hätte den Text mal eben zwischen Liegestütz und Drückbank getippt. Wo man nicht einmal mehr sagen möchte, um wessen Definitionsmacht es eigentlich geht und man »Rumprollerei« zur weiter unbestimmten Straftat ernennt, macht man sich verdächtig, mehr Interesse an der Gegengewalt als am Problem zu haben. Mir ist schon klar, dass niemand meine Freundin rauswerfen wird, weil sich eine (andere) Frau von ihrer Haarfarbe belästigt fühlt - wahrscheinlich dürfte sogar ich bleiben, wenn ich sie daraufhin in Schutz nähme. Und trotzdem schafft diese »bedingungslos[!] umgesetzten Praxis« ein Klima der willkürlichen Gewalt, das mit »Feiern für ein selbstbestimmtes Leben« nicht mehr viel zu tun haben kann.
Auch wenn mir die Feierlust beim Schreiben dieses Textes vergangen ist, würde mich inzwischen umso mehr interessieren, was für Szenen sich bei dem Workshop ‘Islam vs. westliche Welt‘ abspielen. Ob ich allein dafür (und vielleicht für das ‘Woog Riots‘ - Konzert) nach Göttingen fahren möchte, weiß ich allerdings immer noch nicht.



May 19th, 2008 13:57
Göttingen, wenn ich da mal noch die politischen Grabenzüge auseinanderkriegen würde … wird Antifee nicht maßgeblich von der ALI (http://www.inventati.org/ali/) gemacht? In dem Fall wäre das nicht gerade vielversprechend, denn dümmer&hässlicher als die kann man Antifa heutzutage kaum betreiben, und ein bisschen stumpfe Islamophilie würde in dem Kontext kaum verwundern. Aber vielleicht ist das auch ganz üble Verleumdung des Antifee-Festivals und da stecken doch ein paar klügere Köpfe dahinter … dann korrigiert mich hoffentlich jemand!
May 19th, 2008 14:24
Nee, die A.L.I. hat damit nichts zu tun (zumindest nicht als Gruppe - über die Personen weiß ich nichts). Im letzten Jahr wurden die Workshops wohl von einem ziemlich breiten “Bündnis” gemacht - vom DGB über ‘I can’t relax in Deutschland’ und den Falken bis zu Sonja Eismann. Sieht alles irgendwie nach Uni aus (mit Fachschaften und so weiter).
May 19th, 2008 15:53
üüübrigens, wollen wir blogroll-freundInnen werden?
May 19th, 2008 17:25
FREUNDINNENSCHAFT!
May 19th, 2008 23:04
hast schon recht, dass sind primär uni-gruppen. wenn du wegen der band kommen willst, sei dir gesagt, dass wir direkt “um die ecke” ne fette grillparty machen. mit spanferkel und allem nötigen für ne gute sommergrillparty. also sag bescheid wenn du kommst
May 20th, 2008 11:30
Ahja, das Spanferkel - ich hörte davon …
Mal gucken, ob und wie das alles funktionieren kann. Wenn ich nach Göttingen fahre, würde ich auch gerne noch einen Freundesbesuch machen, der seit sechs Jahren überfällig ist, aber vielleicht gibt’s da ja auch Grilllust. Ich meld mich auf jeden Fall nochmal.
May 20th, 2008 14:57
Na, dann bin ich ja beruhigt, dass ich mit meinem Verdacht falsch lag!
May 22nd, 2008 00:42
Lies mal ein Buch…
May 22nd, 2008 01:02
Gern - ein bestimmtes?
June 6th, 2008 17:16
[...] mein Blog recht viele Besucher von der ‘Geottinger Stadtinfo‘, wo man offensichtlich meinen Kommentar zum Antifee-Festival gelesen hat. In (an sich recht ansprechender Manier) wird das Konzept der Veranstaltung dort im [...]