Die Ruhe vor dem Sturm

… ist gar nicht so ruhig. Auf dem Weg zurück nach Oldenburg werde ich heute drei mal gefragt, wo ich denn heute Fußball gucke. Schlimmer allerdings die Backpfeifengesichter, die sich eben diese Frage bereits beantwortet haben, und darum geschmückt und besoffen hinter mir im Zug sitzen: Raus aus dem Dorf, rein ins Stahlbad – nur nicht zurechnungsfähig beim Public Viewing aufschlagen!

Die fünf Flaumbärte führen im Zeitraffer vor, was Regression bedeutet. Anfangs lümmeln sie noch brav – fast verklemmt – auf dem Vierersitz; nach einem Bier und zwei Kurzen (Zitat eines Sechzehnjährigen: »Ich vertrag die Kurzen nicht mehr so wie früher!«) werden sie mutiger: Ein Kronkorken fliegt in meine Richtung und trifft. Ich nehme eine Flagge als Geisel und erbitte mir Ruhe, was für’s Erste auch funktioniert. Jetzt versichern sie sich gegenseitig, dass die gemeinsame Rückfahrt natürlich nur erfolgen wird, wenn man es nicht schaffen sollte, bei »einer geilen Fotze« in Bremen zu nächtigen. Zum Bier gibt es nun auch Musik: »Poldi – Poldi – Halleluja« und die anderen Fahrgäste werden zum Mitsingen aufgefordert (erfolglos).

Der Schaffner verzichtet darauf, seine sonst so geschätzte Ruhe einzufordern und belässt es debil grinsend bei einem »Prost!«. Die Rasselbande fühlt sich ermutigt und geht zu Deutschlevel II über: »Japsen« und »Pimmelweiber« auf dem Syker Bahnsteig werden mittels Fensterklopfern begrüßt. Ich denke noch über unblutige Lösungsansätze nach, als sich die allgemeine Aufmerksamkeit zwei knutschenden Jungs im Türvorraum zuwendet. Doch die aufkeimenden Pöbeleien werden von den »Bartleckern« selbst beendet. Ein einfaches »Alles klar?« gebietet Einhalt und bis Bremen ist Fressehalten angesagt.

Auf dem Bahnsteig werden sie wieder munter, aber meine Geschichte endet trotdzem an dieser Stelle, weil die Jungs schlagartig mit dem Mob verschmelzen und nicht mehr vom übrigen Pack zu unterscheiden sind. Wie es weiter geht, ist draußen auf der Straße oder live im TV zu verfolgen. Einen schönen Abend, allseits.

Kommentar abgeben: