Letzte Worte zur EM

… allerdings nicht von mir – ich habe ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, weil ich das Nervthema nun doch stärker mitgetragen habe, als ich wollte. Statt dessen Schlaues von nichtidentisches über die ‘Germanomania‘:

»[...] Die im Kapitalismus erzwungene und antrainierte Kooperationsfähigkeit der Individuen findet sich wieder im Wettkampf auf dem Rasen. Kulturindustrie verdoppelt nur die Formen der Arbeit. So jagt man wie im Beruf dem autonomen Subjekt nunmehr dem Ball hinterher. Verselbstständigte Zufallsprodukte wie Tore beim Elfmeter werden gemäß der bürgerlichen Ideologie als verdienter Erfolg gefeiert, an dem allerdings nun nicht mehr das Individuum seinen Gewinn einfährt, sondern die Masse ihre individuellen Ängste und Nöte kompensiert. [...]«

… und zum Nachtisch der Psychologe Stephan Grünewald im Gespräch mit tagesschau.de:

»[...] Die Deutschen haben Angst vor der eigenen Leidenschaft, sie wird tabuisiert. Vor der WM 2006 hatten wir noch die Sorge, dass wir zu enthusiastisch sein könnten, unsere Gastgeberpflichten verletzen und das hässliche Gesicht Deutschlands wieder hervorbricht. Nach der WM hat sich das gelockert. Insofern war sie eine nationale Lockerungsübung, weil wir gemerkt haben, wir können leidenschaftlich sein und gleichzeitig noch charmante Gastgeber. Das geschichtliche Damoklesschwert, dass Leidenschaft in Deutschland immer zu Kriegen führt, ist dadurch von uns genommen worden.«

Das Interessante an seinem (ansonsten vollkommen überflüssigen) Blödsinn, ist der Kunstgriff, vertraut scheinenden Momentaufnahmen den Anschein zu verleihen, tatsächlich in a galaxy far, far away gemacht worden zu sein. Der Versuch, diese Perspektive zu denken, macht gratis high und dafür nur ein kleines bisschen wütend.

Kommentar abgeben: