Kinderlieder für Lenin
Meine Schwester hat mir neulich die erste Seite von Richard David Prechts ‘Lenin kam nur bis Lüdenscheid‘ unter die Nase gehalten. Dieses »revolutionäre Gegenstück zu ‘Generation Golf’« (Die Berliner MoPo meinte das wohl als Kompliment …) war trotz Erfolg und Verfilmung vollkommen an mir vorbei gegangen. Auf dieser ersten Seite beschreibt Precht ein Kinderzeltlager von DKP und Naturfreundejugend, und obwohl dieser Krug an mir vorbei gegangen ist – die Gnade der etwas späteren Geburt und nicht so garstig gestörter Eltern – habe ich mich trotzdem aus biographischen Empfindlichkeiten heraus gegruselt:
»Von der Wiese her klimperten schon die Gitarren von Christiane und Fredrik Vahle, eine kleine Schar Kinder hatte einen Kreis um sie gebildet, die anderen schliefen noch in den Zelten. Wieder und wieder hatten wir gestern Abend ihre Lieder gesungen: das Lied von der Rübe, die der kleine Paul nur mit Hilfe der »Italiener-Kinder« aus der Erde ziehen kann, vom Hasen Augustin, der den dicken Jäger verarscht, und vom Fisch Fasch, dem faulen Nutznießer, dem die erbosten Arbeiten den weißen Hintern versohlen. Wir kannten sie alle von der Kinderplatte.«
Hauruck zieht der Paul, und hauruck zieht der Fritz – mir wird ganz anders zu Mute. Lesen werde ich das Buch aber wahrscheinlich trotzdem nicht.




Juli 26th, 2008 16:14
Oh Gott, oh Gott, ich kenne das auch alles noch! Grausam.
Juli 27th, 2008 18:52
“Seht mal, wer da rennt…”, haha, das kenn’ ich auch noch.
Bloss: Gruselig? Sind halt Kinderlieder (die im Übrigen überhaupt keinen Revi-Verdacht rechtfertigen).
Gegen “Schnappi, das kleine Krokodil” war das doch noch gold. ;)
Juli 28th, 2008 01:42
Naja, wenn es mir ums Denunzieren gegangen wäre, hätte ich das auch deutlicher getan. Zwischen roten Fahnen auf einem Zeltlager der DKP vom Schmarotzerfisch Fasch zu singen, ist aber trotzdem etwas anderes als »halt ein Kinderlied« zu trällern.