Texte anderswo

Friday, 28. November 2008 12:25

Während Karwan Baschi weiter so dahin dümpelt, habe ich anderswo immerhin ein bisschen geschrieben:

Nächste Woche passiert hoffentlich wieder etwas mehr. Jetzt fahre ich erstmal auf Umwegen nach Berlin, schreibe demnach nichts und schalte auch keine Kommentare frei. Schönes Wochenende!

Nachgetragenes zum Minimalismus

Thursday, 27. November 2008 14:21

Das meiste Zeug hat die Wohnung gewechselt, nur mich selbst habe ich scheinbar vergessen. Jetzt sitze ich hier auf drei Wolldecken vor einem Laptop und um mich herum: nichts. Naja, fast nichts. Schön ist das jedenfalls nicht - gut, dass ich diese schwachsinnige auf-das-Wesentliche-beschränken-Sache neulich gar nicht erst zu Ende gedacht habe.

Dinge im Kreis

Tuesday, 25. November 2008 22:02

Wenn ich so darüber nachdenke, was ich heute gemacht habe, kommt nur Murks dabei heraus. Das ist immer der Mist mit Getue, das nicht unmittelbar Resultate abwirft. Zu erzählen gibt es eigentlich auch nur, dass die Fahrt nacht Berlin nun gebucht ist, und die Buffy-Konferenz darum im fest und unwiderruflich im Kalender steht. Ich freue mich auf die Veranstaltung, diverse Mitbesucher und die Musik danach. … Muss die Woche nur noch aufhören, jetzt.

Kühlturm vorm Fenster

Tuesday, 25. November 2008 09:43

Ein Blick aus dem Fenster und schon weiß ich wieder wo der Strom herkommt. Die zweite Folge dann demnächst: Knoppix-CD und Jodtablette - Die oberste Schreibtischschublade.

Ich wohne in Springfield

Finanzkrise und autoritärer Staat

Friday, 21. November 2008 18:16

Ein kurzfristiger Hinweis auf eine interessante Veranstaltung in Berlin: Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt: Von der “Finanzkrise” zum autoritären Staat - Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn (ISF). Mit der Bitte um weitere Verbreitung!

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Gleichwohl: Die Gesellschaft der totalen Konkurrenz ist in heller Panik, sie wird sich zersetzen und zerstören. Unmöglich noch kann sie die Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz aus sich selbst heraus reproduzieren: der vollendet autistische Selbstbezug des Kapitals, die losgelassene Akkumulation um der Akkumulation willen, die »Plusmacherei« (Marx) rutscht ins historische Minus, zerbricht an sich und eben daran, daß die Gesellschaftlichkeit der Individuen als Subjekte bloß auf dem generalisierten Ausschluß aller durch alle gründet, der, eben in den Formen von Wert, Geld, Kapital den totalen Einschluß stiftet, d.h.: die gesellschaftliche Synthesis als vollendet negative. In der Panik wird sich die falsche Gesellschaft ihres eigenen Widersinns inne, allerdings in einer nur noch verrückteren Form, einer Form, die das bankrotte Kalkül der Ökonomie vermittels des Wahns der Politik zu therapieren verspricht, tatsächlich zu überbieten sucht: der Form eines paranoiden Souveräns, der den Triumph des Willens über den kapitalen Sachzwang beschwört und so gerade die Angst vor dem Chaos schürt, darin die Flucht nach vorn anpeitscht und so auf den autoritären Staat provoziert, auf den Ausnahmezustand, d.h. auf die ursprünglich faschistische Situation: denn nichts anderes ist der »Preis des Marktes« als das politisch, vermittels des Gewaltmonopols auf Leben und Tod erzwungene Opfer der Individuen.

Joachim Bruhn ist Mitglied der Initiative Sozialistisches Forum, von ihm erscheint demnächt: Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation (ça ira: Winter 2008).

Mittwoch 26.11. 20:00 Uhr im Tristeza - Pannierstr. 5 Berlin (U Hermannplatz)

F*****g Censorship

Tuesday, 18. November 2008 23:29

Es tut mir leid Creep, aber Dein YouTube-Fund ist einfach zu gut, um nicht überall gepostet zu werden:

Late-Night-Show

Monday, 17. November 2008 21:50

Oliver Polak: »Irgend so’n antisemitisches Nazischwein moderiert halt immer so’ne Late-Night-Show.«

Linke Literaturmesse ohne ça ira

Monday, 17. November 2008 18:06

Die Linke Literaturmesse (Nürnberg) wird in den nächsten Jahren ohne den ça ira Verlag stattfinden. Laut der Jungen Welt hat die »Mehrheit aller Aussteller« gestern den »klaren Beschluß« gefasst, ihrem Publikum in Zukunft keine auf dem Nachbartisch ausliegende Bahamas mehr zumuten zu können. Ob und wie sich die »breite und solidarische Linke« Nürnbergs zu dieser Entscheidung verhält - wenn sie sich nicht gerade »als undogmatisch versteht«, oder »mit der Linkspartei, der DKP, ATTAC und dem Sozialform[sic] zusammenarbeitet« - ist noch unklar. Wie der politische Ausschluss in Freiburg bewertet wird, ist ebenfalls noch nirgendwo zu lesen; dass sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen hält, bleibt ihnen jedenfalls zu wünschen.

Album: Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!

Tuesday, 11. November 2008 04:16

Nach knapp zwei Monaten ausführlichen Hörens bei fast verschwiegener Begeisterung nun endlich die ausführliche Besprechung des Albums ‘Classless Kulla als Beifahrer beim Istari Lasterfahrer - Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!’ (Sozialistischer Plattenbau, 2008)

Das Cover

In Bini Adamczaks Versuch, in kindgerechter Sprache für den Kommunismus zu werben, endete jeder bisherige Versuch mit der gleichen enttäuschten Erkenntnis: »Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!« Es ist egal, wie wenig Begeisterung ich für das Buch aufbringen kann - der Satz ist einer, den ich gerne öfter hören würde. Und da die Freunde (und ein Großteil der Feinde) offensichtlicher Fehlschläge scheinbar nicht dazu in der Lage sind, müssen es eben andere tun. In diesem Fall waren es der Buchautor, Blogger und Musiker Classless Kulla und der »Breakcore«-Produzent und -Labelgründer Istari Lasterfahrer; zwei Vertreter des diskordianischen Kommunismus und des Lasterfahrianismus - in der gemeinschaftlichen Erkundung der »Dialektik von getrennt und zusammen«.

Die 19 Tracks der CD lassen sich nicht einmal über das Ungenre Breakcore auf einen Nenner bringen; gegen jede allgemeine Beschreibung ließe sich problemlos zu einem Gegenbeispiel skippen. Rohe elektronische (Break-)Beats, Samples und unglaublich viel Text machen aber dennoch einen Großteil der Musik aus. Wer Classless bisher nur als Egotronic-Gastsänger kennt, wird sich auf erheblich weniger eingängige Musik einstellen müssen. Und obwohl Bass, Beat und Gesang treiben, sind die Texte - zumindest für mich - das herausragende Element.

Klare Statements gegen Ghetto-Ost-Romantik (’Flucht aus dem Plattenbau‘), Mackertum (’Sexist Motherfucker‘) oder revisionistische Opferfeiern (’Dresden Calling‘) wechseln mit nachdenklichen Texten, die sich nicht so ohne Weiteres auf eine Botschaft runterbrechen lassen. Ein musikalisch und politisch aufpoliertes Revival des altlinken Protestsongs findet hier aber erfreulicherweise in beiden Fällen nicht statt: Selbst wo die Parole in der Luft liegt, demontiert die Musik und lässt den  zappeln, der auf die Idee kommen könnte, Haltung anzunehmen. Spätestens wenn Classless über die Buschtrommel hinweg singt, dass wir es gerade nicht mit einem »ethnischen Beat aus der guten alten Zeit« zu tun haben und sich das Ganze als Vertonung von Eske Bockelmanns ‘Im Takt des Geldes‘ entpuppt, hat sich die Vielschichtigkeit des Albums entwickelt.

Wer sein Hirn-Input ruhig, irgendwie rund und authentisch schätzt, wird seine Schwierigkeiten mit dem Album haben. Wer einfach nur tanzen will, vermutlich ebenfalls. Kulla tut seinen Zuhörer nicht einmal den Gefallen, einen konsistenten Gesangsstil zu entwickeln. Gesungenes ist in diversen Akzenten zu hören, als wollte er sich auf keine sprachliche Identität festlegen. So wie Kulla auch dann ausdrücklich zitiert, wenn er eigene Texte vorträgt, verfährt der Lasterfahrer mit der Musik: Mal klingt sie nach Ragga, mal nach Punk - nie  sie gaukelt sie Autonomie vor. So reizvoll das auch ist, es verlangt dem Zuhörer eine Menge ab. Zumindest im Einspruch mittels Pause- und Skiptaste sollte man geübt sein.

Die CD kommt im schicken Digipak mit (ebenso schick) illustriertem Textheft. Neben den Lyrics sind dort auch die meisten Zitate benannt, was das ein oder andere Gegrübel verkürzt.

Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus‘ ist beim Sozialistischen Plattenbau erhältlich und kostet 10,- €.

Innenzurichtung

Monday, 10. November 2008 14:28

Eine leere Wohnung in Aussicht und anderswo Stauraum zu haben, führt zu gruseligen Gedankenspielen. Ich muss nichts wegwerfen und kann trotzdem dieses lustige Minimalistenspielchen treiben: Handverlesene Bücher und DVDs ins betont kleine Regal stellen oder irgendwelchen Spezialistenscheiß bewusst beiläufig platzieren. Ein paar CDs - vielleicht so zehn bis fünfzehn - neben die Anlage legen, oder besser noch: Den Plattenspieler aufbauen und die Sammlung entstauben. Fehlen wird mir nichts - die Musik kommt eh meist vom Rechner. Hauptsache man sieht, dass ich weiß, was ich vom Leben will und mein Ding durchziehe. Nur nicht die guilty pleasures vergessen! Authentizität ist schließlich wichtig und ich soll mich ja mögen, weil ich so ein bisschen anders bin.

Wirklich schlimm ist an solchen Unsympathen, wie sie gerade aus mir gesprochen haben, dass ihnen kaum etwas entgegen zu setzen ist. Alles vollzumüllen kann es irgendwie nicht sein, und »funktionale Inneneinrichtung« macht als Konzept auch nicht mehr viel her, wenn sich der Witz erstmal abgenutzt hat. Lässig am Sofa lehnende Musikinstrumente oder Demoplakate an der Wand machen mich aggressiv, selbst wenn gelegentlich musiziert wird und die Demo noch keine zehn Jahre her ist. Zum Glück ist wenigstens das eine Geschmacksfrage.

Was macht man aber nun aus der Erwachsenenwohnung, wenn man nicht weiß was man vom Leben will und Kunst scheiße findet, sobald sie zum Einrichtungsdingsi wird? Über zeitlos-funktionale Ökoschlichtheit mit Gewürzmörser auf dem Rattantischchen könnte ich immerhin noch lachen, aber das wird dann auch gleich wieder teuer. Vielleicht sollte ich mir ein Feng Shui Buch kaufen, um der ganzen Sache wenigstens ein  konkretes Regelwerk zu verpassen, mit dem sich dann abenteuerlich brechen ließe. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.