Fünf Klicks

Ich habe mich nach dem Hinweis der Dorfdisco durch ungefähr zwanzig grenzdebile Texte der selbsternannten Polizei-Poeten gequält. Leider war das eher traurig, als dass es den erhofften Spaß gebracht hätte. Egal - die Lektüre hat mich jedenfalls darauf gebracht, YouTube nach einem alten Video über das Hüttendorf an der Startbahn West zu durchsuchen.1 Die Polizisten, die es da zu sehen gab, haben leider nicht gedichtet, sondern nur gebrüllt und sich mit irgendwelchen Idioten geprügelt.

Weil ich das eigentlich nicht sehen wollte, andererseits aber auch noch nicht so wirklich in Frühstückslaune war, bin ich bei YouTube geblieben und habe mich durch die Profile der nervigsten Kommentatoren geklickt. Ein fragwürdiger Zeitvertreib - ich weiß. Tante hat einmal gesagt: »YouTube ist der Ort, an den die Zivilisation geht, wenn sie spürt, dass ihre Zeit gekommen ist.«2

Dieses sinnentleerte Geklicke habe ich bitter bereut: Über irgendein Naziprofil bin ich auf ein Naziblog gestoßen, auf dem die Videos weiterer Nazis zu sehen waren. Eins der Standbilder kam mir irgendwie vor, und - bescheuert wie ich bin - habe ich auf den Play Button geklickt. Jetzt bin ich unfreiwilliger Zeuge einer Enthauptung in close-up und weiß wieder, woher ich das Bild kannte. Das Frühstück musste dann ausfallen, mir ist schlecht und ich habe das abscheuliche Gefühl, Teil dieses unmenschlichen Spektakels zu sein.

Bemerkenswert ist immerhin, dass ich der Frage nach der Echtheit des Videos während der letzten zwei Stunden zunehmend weniger Bedeutung zugestehe. Ist das ein Trick meiner Psyche, mich auf Umwegen aus der (empfundenen) Verantwortung für tatsächlich tote Menschen zu winden? Oder liegt das schlicht in der Warenförmigkeit des Gemetzels? Diese Frage hat mich dann letztlich doch wieder aus dem emotionalen Loch gezogen; wenn auch anders, als ich erwartet hatte:

Warzenform …

  1. Das habe ich dann später beim hr gefunden. []
  2. So ungefähr jedenfalls. []

Ein Kommentar zu “Fünf Klicks”

  1. Arne
    August 11th, 2008 21:25
    1

    Mir ist mal etwas ähnliches in seligen alten KaZaa-Zeiten passiert, irgendein angeblicher Funclip entpuppte sich als Enthauptung eines russischen Soldaten in Afghanistan - dementsprechend gut ging es mir den Abend dann. Ich habe mein Gewissen dann mit stundemlangen Lesen von “Fakten” auf Wikipedia und Co. zu dem Thema beruhigt… naja.

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