Dark Knight, mien Mors

Es war nicht immer ganz einfach, den Anschein zu erwecken, anders als die anderen zu sein. Früher musste man sich wilden Filz in die Haare züchten, ohne Internet an bescheuerte Musik kommen, schwierige Bücher lesen und andere zeitaufwendige Dinge tun. Heute ist das alles bedeutend einfacher und in erster Linie durch Angelegenheiten bestimmt, an denen man gerade nicht partizipiert:

Flaggen ans Auto hängen, George W. scheiße finden oder den neuen Batman gucken. Der Haken an der Sache ist nur, dass die ganze Idee des Andersseins mit dem Aufwand auch ihren Reiz verloren hat. Allein diese Überlegung verschafft mir ein flaues Gefühl im Magen, wo andere in den letzten Wochen doch so engagiert ins Spannungsfeld von Gegenidentifikation und identitärer Sinnsuche getextet haben. War es nun richtig, sich da rauszuhalten? Nur weil man sich nicht angesprochen fühlte? Gut, ich lerne ein wenig Hebräisch und lese gelegentlich Adorno, und ich erkenne einen hoffnungslos bescheuerten Text, auch ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden. Aber trotzdem: Geht mich das alles wirklich nichts an? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch ehrlich gesagt sogar noch weniger als die Sache selbst.

Also wieder zurück zu den einfacheren und interessanten Fragen des Lebens: ‘Dark Knight‘ gucken - oder es doch lieber lassen? Einige Freunde hatten scheinbar Spaß im Kino, und die Kritik von Nichtidentisches hat meine Neugierde geweckt. »Nekrophile Faszination« empfinde ich nicht - das ist eine andere Geschichte, die von der Pubertät aus dem ersten Absatz und ‘The Crow‘ handelt. Daran hängen Film und Kritik aber ja nun auch nicht. …

Andere schreiben über Nolans vermeintlichen Realismus: »Er [Christopher Nolan] führt seinen Helden ein gutes Stück aus dem Comic-Universum sonstiger Superheldenfilme heraus und ein wenig hinein in die wirkliche Welt.«. Oder aber: »Hier liegt dann wohl das unübersehbare Glaubwürdigkeitsproblem. Gerade weil „The Dark Knight“ es sich aufbürdet, unsere Realität, unsere Angst, zu seinem Thema zu machen, ist die banale Scheinseriosität seiner Action-Klischees so unredlich, so hohl, so unnötig.«.

Ob das wirklich die entscheidende Frage ist, kann ich natürlich noch nicht beurteilen. Ich möchte es aber können und werde darum wohl doch ins Kino gehen müssen. Entscheidung getroffen, Mission erfüllt - Danke Karwan Baschi!

Nachtrag: Hier wurde ebenfalls gut geschrieben. Man kann dort auch mit Menschen diskutieren, die klug kommentieren und den Film sogar gesehen haben.

4 Kommentare zu “Dark Knight, mien Mors”

  1. lennart
    September 3rd, 2008 16:26
    1

    An den wilden Filz kann ich mich noch errinern. ;)

  2. classless
    September 3rd, 2008 19:45
    2

    Naja, die Sache ist ganz einfach: Ich werde spätestens morgen was zum Film bloggen, und wenn du das Spoiler-Problem vermeiden willst, mußt du ihn vorher schauen.

    Wenn es irgend möglich ist, schau die Originalversion…

  3. Paule
    September 4th, 2008 12:11
    3

    Hmm .. Das werde ich kaum schaffen, aber notfalls lese ich Deinen Text eben erst am Wochenende, nachdem ich ihn im Originalton gesehen habe.

  4. classless Kulla
    September 4th, 2008 20:24
    4

    The Dark Knight - Asymmetrischer Konflikt Batman vs. Joker…

    Batman, in dem andere einen “antifaschistischen Widerstandskämpfer” oder auch einen “martialisch folternden Faschisten” oder gleich den “Statthalter des Kommunismus” sehen wollen, ist das wandelnde gute Gewissen des…

Kommentar abgeben: