Der unbekannte Polizist
Dass der Besuch einer Antifa-Demo ein gewisses Risiko für das leibliche Wohl darstellt, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten. Dass immer wieder auch die, in linker Manöverkritik etwas überstrapazierten, »gewaltfrei Protestierenden« durch den Einsatz von Polizeibeamten zu Schaden kommen, schon eher. Diese Zweifel haben allerdings nur eine geringe Lebenserwartung. Spätestens, wenn sich das Ereignis im nächsten Jahr in Zeitgeschichte verwandelt hat, werden Fehler eingeräumt und irgendwelche Konsequenzen gezogen, die dann wiederum helfen, die nächste Prügelei zu erklären: »Damals – ja! Aber heute gibt es doch so Deeskalationsprogramme.«
Dieses Spielchen ist so dermaßen bescheuert, dass es kaum noch jemanden gibt, der noch Lust darauf hätte. Die Linken wissen, worauf sie sich einlassen (auch wenn sie das aus guten Gründen nur selten zugeben), der linksliberale Bürger hat es längst in der taz oder der Süddeutschen gelesen, und selbst das Fernsehen hat immer mal wieder auch zeitgenössische Polizeikritik im Angebot. Kurzum: Keiner ist mehr wirklich überrascht, wenn was passiert – die einzig spannende Frage bleibt, ob der einzelne Kommentator das »Einzelfall« – Wort benutzt, oder gleich in die Vollen geht. Soweit die Spielregeln.
Trotz oder wegen dieser allgemeinen Übereinkunft, klingt ein Polizist, der mit dem Messer auf Demonstranten einsticht, im ersten Moment nach einer Gruselgeschichte, die junge Antifas am Abend ihren Eltern erzählen. Tatsächlich ist die Geschichte, die sich am 5. Juli in Oldenburg ereignet haben soll, inzwischen auch bundesweit erzählt worden und hat sogar eine Art Nachspiel gehabt: Die »aus Objektivitätsgründen« eingeschaltete Polizeiispektion Diepholz hat postwendend Entwarnung gegeben und die Vorwürfe als »völlig unberechtigt« zurück gewiesen. Die Oldenburger Rechtshilfe hat nun einen eigenen Bericht veröffentlicht, der zu einem anderen Ergebnis kommt.
Ich weiß nicht, was auf dieser Demonstration passiert ist. Solche Sätze klingen beunruhigend: »Ein Pathologe des Instituts für Rechtsmedizin am Klinikum Bremen-Mitte hat ihre Wunde am 7. Juli untersucht und fotografiert. Auf Anfrage teilte das Institut jedoch mit, die Polizei habe untersagt, Auskünfte über das Untersuchungsergebnis zu erteilen.«. Solche Bilder machen es nicht besser:

Abbildung aus dem Bericht der Rechtshilfe OL.
Der Satz mag mit »laufenden Verfahren« oder ähnlichem Juristenkrams zu tun haben, und das Bild zeigt eine Narbe – keinen Tathergang. Trotzdem bleiben Zweifel und eine unschöne Situation, in der scheinbar jeder mehr weiß, als er wissen kann. Gegen die verletzte Sanitäterin wird nun wegen »Vortäuschung einer Straftat« ermittelt und ich hoffe, dass sie die Unterstützung bekommt, die sie braucht. Bleibt noch der unbekannte Polizist, der vielleicht zu Unrecht beschuldigt wurde, aber zu dem fällt mir nicht viel ein.
Mir fällt insgesamt nicht mehr viel dazu ein. Nicht einmal die eigene Affiziertheit bekomme ich anständig reflektiert. Ich lasse es trotzdem so stehen.



September 12th, 2008 12:53
[...] versehentlich. Ein Typ in meiner Einheit fuhr mit seinem Panzer über eine Familie», so Hicks. Trotz oder wegen dieser allgemeinen Übereinkunft, klingt ein Polizist, der mit dem Messer auf Demon… Diese vagabundierenden Datensätze sind nicht wieder einzufangen. Er empfiehlt den Wechsel von [...]