Nein, nein, das ist er nicht!

Nun ist es endlich fertig, das lange erdachte und dann »bei verblüffend wenig Gelegenheiten« aufgenommene Album von classless Kulla und Istari Lasterfahrer. Nicht nur der Titel ‘Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!‘ klingt vertraut, auch sonst findet sich reichlich Gebloggtes auf der Platte: Von Trampen, Drogen, Antifa, dem Osten und dem Kommunismus wird gesungen. Textmusik auf jeden Fall, auch wenn das Wort die Sache nicht so wirklich treffen mag.

Überhaupt stellt mich das Schreiben einer Plattenkritik (was hier »Rezension« meint) vor unerwartete Schwierigkeiten. Die Referenzen, an denen sich sonst so schön hangeln lässt, wollen nicht so recht greifen: Eine Szene gibt es nicht, auf Genres oder gar Botschaften lässt sich auch bei viel gutem Willen nichts herunter brechen. Das Spiel mit den Verweisen gelingt der Musik besser, als sich in der Reizwortgattung Musikkritik reproduzieren ließe. Dazu kommt, dass sich keine zwei Lieder einander ähnlich genug wären, um überhaupt einen entsprechenden Ansatz zu formulieren. Wenn das nun nach einem Werbetext für ein austauschbares Produkt der Marke Innovativ klingt, ist das meinem Ungeschick und der Kulturindustrie anzulasten - die Künstler können nichts dafür.

Ganz so einfach will ich mich dann aber doch nicht aus der Affäre ziehen und mich an einer Auswahl der 19 Tracks versuchen: ‘Am Straßenrand der Gesellschaft‘ eröffnet die Platte im Plauderton. Kulla erzählt vom Trampen und lässt sich vom Lasterfahrer mitnehmen, der ihm unterwegs den Lasterfahrianismus erklärt. Ansonsten hält der sich hier allerdings noch sehr zurück und lässt erzählen. Wenn die Zusammenarbeit der beiden einem Konzept folgt, wird es hier erklärt »und wir erkunden nun die Dialektik von getrennt und zusammen.«

Istari Lasterfahrers Communism RemixUplifting Hardcore Communism‘ ballert im Anschluss deutlich härter weiter. Ob das nun Breakcore oder irgendein -derivat ist, weiß ich nicht - tanzbar ist es jedenfalls. Krawalliger kommt ‘Sexist Motherfucker‘, das kurz zeigt, was mit »dance music you can’t dance to« gemeint sein könnte. Schade nur, dass Oona so wenig zu hören ist - Kullas Hektik verläuft sich hier ein wenig in den Chaos-Beats.

Dresden Calling‘ ist in erster Linie lustig und wohl direkt für die Lautiwagen am 13. Februar gedacht; laut Amarok mein »most played song« der ersten Tage und auch bisher der einzige, den ich nicht mehr hören kann.

… Es ist kein Zufall, dass ich gerade zu den interessantesten Songs nichts sagen kann. Texte und Musik werden mich sicher noch eine Weile beschäftigen und vielleicht irgendwann später noch kommentiert. Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt so begeistert von einer CD war und gleichzeitig so wenig sagen konnte. Das heißt, eigentlich weiß ich es schon, aber ich behalte es lieber für mich.

Die Aufmachung der CD kann man sich von Kulla zeigen lassen, das schicke Cover präsentiere ich noch eben selbst:

So schaut es aus.

Der Rezensent kapituliert hiermit vor seine Aufgabe und nimmt es für heute in Kauf, sich mangelhafte Kritikfähigkeit attestieren zu lassen. Es sei allerdings noch zugegeben, dass ich bisher nur mäßigen Erfolg damit hatte, mein Umfeld anzustecken. ‘Buffy The Slayer & The Angel Of Death‘, der wohl eingängigste Track des Albums, ist die Ausnahme, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. Aber trotzdem: Das Album ist großartig; ähnlich intensiv habe ich seit Monaten keins gehört.

Classless Kulla als Beifahrer beim Istari Lasterfahrer - Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!‘ ist seit heute beim Label ‘Sozialistischer Plattenbau‘ erhältlich und kostet 10€. Tourdaten und Hörbeispiele gibt es bei MySpace.

3 Kommentare zu “Nein, nein, das ist er nicht!”

  1. Oona
    September 16th, 2008 14:33
    1

    Ich _wenig_ zu hören, darauf wäre ich nicht gekommen. Dann drängel ich mich nächstes mal eben mehr nach vorne.

    Nicht noch mehr an der Platte auszusetzen? ch fürchte, das steigt dem jungen Mann noch zu Kopf…

  2. Paule
    September 16th, 2008 15:45
    2

    Das Gemecker kommt schon noch - da würde ich mir keine Sorgen machen. Mir fehlt scheinbar noch der Abstand, um mich an irgendwas zu stören. Am Anfang bin ich über den ein oder anderen Akzent gestolpert, aber als ich das gerade aufschreiben wollte, habe ich dann schon wieder irgendeine Absicht dahinter vermutet, die ich dann wieder nicht benennen konnte. Eine Interpretation hätte ich vielleicht schreiben können, aber wen sollte die ein paar Stunden nach der Veröffentlichung schon interessieren?

    Wie gut die Produktion nun ist, was wie tanzbar ist, oder an was mich das nun erinnert interessiert mich alles nicht so besonders. Bleibt der Gesamteindruck, und der haut mich im Moment einfach nur um!

    Und auf deinen Gesang habe ich gespannt gewartet, seit ich »feat. Oona« gelesen habe, und fand’s dann schade, dass es so wenig Text war. Du siehst also, auch welchem Niveau ich hier Wortfindung betrieben habe.

  3. Oona
    September 17th, 2008 13:46
    3

    Ich freue mich aber auch schon ein wenig auf das zu erwartende rumgpöbel, und da sind auf jeden Fall jede Menge Absichten dahinter…

Kommentar abgeben: