Du bist, was du isst

Die kleine Schwester meiner Nachbarin findet mich nicht attraktiv. Das ist nicht weiter problematisch, hat mich aber eben für ein paar Sekunden an meiner Selbst zweifeln lassen. Nicht grundsätzlich, versteht sich; aber immerhin an der Gestalt, die da gerade bei offener Tür zu Abend aß (Aas aß, um genau zu sein), als sie vorbei gelaufen ist und neugierig um die Ecke spähte. Ihren Ausdruck nackten Entsetzens werde ich so bald nicht vergessen.

Bratwurst, Kartoffelbrei, Sauerkraut und jede Menge Senf. Sie hätte es vielleicht »Herrenspeise« genannt, würde das nicht eigentlich etwas anderes meinen, und wäre ihr dieser vorwurfsvoll-ironische Begriff in den Sinn gekommen. Statt dessen hat sie nur gestarrt.

Ich habe den Fehler natürlich sofort bei mir gesucht und dank meines langjährigen Vegetarierdaseins auch gefunden. Flashback: Hass auf die Nahrung, auf den Metzger und auf mich – für mindestens 10 Sekunden. Sie war natürlich längst wieder verschwunden und weiß vermutlich nichts von unserer intimen Verbindung. Trotzdem bin ich ihr sehr dankbar für diese lustig Spiel mit meinem Gehirn. Vielleicht kommt sie ja noch einmal wieder, und ich bekomme die Chance, mich angemessen zu bedanken. Ich werde vorbereitet sein.

4 Kommentare zu “Du bist, was du isst”

  1. classless
    Oktober 2nd, 2008 18:04
    1

    Ich glaube, ich mag dich.

  2. Paule
    Oktober 2nd, 2008 18:13
    2

    :D

    Genau das richtige Gegengift. Mal sehen, was das jetzt auslöst. …

  3. Jasper
    Oktober 2nd, 2008 20:19
    3

    Wer Bratwurst mit Senf isst, kann kein schlechter Mensch sein!

  4. classless
    Oktober 6th, 2008 03:24
    4

    Äh, doch.

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