Der Zombie-Präsident
Obama ist gewählt, und alle sind glücklich. Ist man Amerikaner und hat man für ihn gestimmt, versteht sich die Freude von selbst; ist man jemand anderes, freut man sich wahrscheinlich auf die großen Taten, derentwegen Obama von manchen ein »europäischer Zombie« geschimpft wurde. Was von dieser Einschätzung zu halten ist, kann und will ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Dass wir es aber tatsächlich mit einem Untoten zu tun haben, murmelt jetzt sogar der Volksmund, der es von Hause aus am besten wissen muss.
Sogar jene, die noch vor wenigen Wochen wussten, dass »der Ami« niemals »einen Schwarzen« wählen würde, sind irgendwie zufrieden. Gewünscht hat man es ihm ja, und man ist schließlich faktenresistent genug, um sich von einer kleinen Fehleinschätzung nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. »Die werden ihn umbringen!«, murmelt man jetzt in der nekrophilen Gewissheit, dass die Realität schon zurecht biegen wird, was irgendwie anders gelaufen ist. Die Musikerin Ursula Rucker hat es am Montag in der TAZ vorgemacht, heute wusste man sogar schon im Bus und in der Mensa Bescheid.
Aber Totgesagte regieren länger, wie es so schön und ähnlich heißt. Warten wir einfach ab, was es in den nächsten Monaten dann über die Politik zu schreiben gilt. Was so lange bleibt: Freude vielleicht, oder was anderes.



November 6th, 2008 02:24
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