Was mit »Tod«
Ich wüsste ja gerne mal, wie diese Auswahl an Lebensschnipseln eigentlich zustande kommt, die hier im Blog nachzulesen ist. Wenn ich mich durch die einzelnen Beiträge bis zum Anfang zurück klicke, habe ich jedenfalls nicht das Gefühl, es hier mit einem sonderlich repräsentativen Ding zu tun zu haben. Sicher, ein Teil entsteht in (nicht unbedingt durch einen Link dargestellten) Korrespondenz mit anderen Blogs, aber der Rest? Im Moment finde ich es sehr interessant, Texte mit der universitären »Tod des Autors« Vorbildung zu lesen, wenn ich selbst dieser Autor bin.
,,, und das nicht nur, weil Karwan Baschi seit ihrem – auch schon wieder historischen – Ende zu den Untoten zählt. Auch so ein Problem, das ich langsam wirklich mal lösen sollte. Naja.



Januar 23rd, 2009 21:38
Gerade habe ich die Zeile “Autor? Icke? Das müßt ihr doch nur festbinden um zu wissen, wem der Scheck zugestellt werden soll” in einem Song untergebracht. Der Trick scheint zu sein, es als Rollenspiel aufzufassen, ohne es deshalb weniger ernstzunehmen. Oder so.
Januar 23rd, 2009 22:33
Ja, das ist wohl wirklich der Trick dabei.
Schon witzig, wie das geschriebene Wort von hier gelegentlich wieder zu mir zurück kommt. Vor allem wenn das über Leute passiert, die selber nicht bloggen und scheinbar glauben, ich müsste das hier wohl irgendwie ernster meinen, als sie, wenn sie “einfach nur” reden. Ich weiß gar nicht, ob das wirklich nur an der Öffentlichkeit liegt. Es scheint etwas geheimnisvolles an diesem Konzept von Autorenschaft zu liegen, das sich mir noch nicht erschlossen hat.
Januar 24th, 2009 09:14
Es ist auf jeden Fall verblüffend, wie weit sich das Konzept zertrümmern läßt, ohne sich dabei wirklich aufzulösen. Man kann auch irgendwann nur noch in einer freestyle Cut-up bastelnden Runde sitzen und wie die anderen einzelne Sätze oder Fragmente in die Runde werfen, gilt aber immer noch als der Autor.
Januar 24th, 2009 10:59
Meinst du denn, dass es wirklich zertrümmert ist? An der Uni werden die toten Autoren meist als kleiner Einwand gegen biographische Bedeutungssuche begriffen, ohne dass man darum gleich auf poststrukturalistischen “Spurensuchen” umsteigen müsste. Ich bin mir im Moment jedenfalls nicht sicher, wie weit ist das denken kann und will. Interessant fand ich die Überlegung, weil ich plötzlich untoter Autor und geforderter Rezipient zugleich war.
Und hinter der Cut-Up – Runde vermute ich die Warenform durchblitzen: Man will ja hinterher auch sagen und denken können, wessen Veranstaltung man da besucht und wessen Buch man erworben hat. ;)
Januar 24th, 2009 12:01
Das scheint schon vor allem die Warenform zu sein – es gibt immer flachere Hierarchien, ohne daß sie verschwänden; es gibt flexiblere Identitäten, aber es gibt sie; und es gibt kreuz und quer verdrahtete Kommunikation allerorten und trotzdem noch den Autoren.
Der untote Auto bin ich aber nur dann, wenn ich aus dem Auto-Sein bestehe. Die Rolle zu spielen, kommt einem zwar untot vor (wie ja die meiste Arbeit auch), ist es aber gar nicht mehr.
Oder essentialisiere ich mir da was zurecht?
Januar 24th, 2009 20:16
Ich habe die Autorenschaft bisher nicht identitär verstanden, sondern sie rein handlungsbezogen aus einer temporären Sprechsituation heraus gedacht. Dass in dieser dann eine individuelle Identität zu Wort kommt, denke ich auch – wie flexibel sie auch sein mag.
Das war es wohl auch, was ich mich oben gefragt habe, als es um die sprechenden Gestalten ging, die einem Autoren (jetzt als Veröffentlicher) so viel zutrauen und abverlangen – letztlich mit anderen Ansprüchen an ihn heran treten, als an sich selbst. Die Rolle des Autoren zu spielen, hieße in dem Zusammenhang nicht mehr als das was alle tun mit einem selbstbewussteren Anspruch anzugehen.
Wenn schon die Annahme essentialistisch sein sollte, jemand spiele eine Rolle, mache ich jedenfalls ganz bürgerlich mit. Und sei es nur, damit ich die Diskussion überhaupt führen kann. Ist der tote Autor nicht auch schon eine Figur der Moderne gewesen? Der Präpostmoderne, meine ich.
Januar 24th, 2009 22:23
“das was alle tun mit einem selbstbewussteren Anspruch anzugehen.”
Vielleicht mache ich das ja einfach. Eigentlich verstehe ich bloß nicht, warum die anderen das nicht auch machen.