Der Hauptmann von Muffrika II

Nach der Ankündigung nun noch ein paar Worte über den Dokumentarfilm Der Hauptmann von Muffrika. Die Geschichte des Hochstaplers, Kriegsverbrechers und Massenmörders Willi Herold wird von diversen Zeitzeugen erzählt, garniert mit neuen und alten Bildern aus dem emsländischen Ödland. Aam Anfang ist ein Pferdewagen zu sehen, dessen Zugtiere im Matsch versinken, das Emsland ist lebensfeindlich – nicht nur für die Viecher. NS-Propaganda fordert »ganz Deutschland« auf, diesen Volksgenossen in ihrem Elend beizustehen. Die Bilder sind ausgesprochen bedrückend – im Emsland scheint es wirklich ausgesprochen unangenehm gewesen zu sein. Ein Zeitzeuge bemerkt (sich seines Zynismus vermutlich nicht bewusst): »Erst mit den Lagern kam das Leben in die Gegend.« Er meint das Geld.

In den letzten Wochen des Krieges treibt sich der flüchtige Gefreite Willi Herold in der Gegend herum. Er findet eine Hauptmannsuniform und schart weitere Soldaten um sich – zeitweise hat er 80 Mann unter »seinem Kommando«. Sie ziehen durch die Gegend, übernehmen eines der Lager, halte Standgerichte ab. Das Gemetzel ist widerlich, einige der Zeitzeugen haben große Schwierigkeiten, die Geschichten zu erzählen.

Der Hauptmann von MuffrikaDer »Hauptmann« Willi Herold

Wovon handelt die Film? Auf den ersten Blick natürlich von Willi Herold, dessen Geschichte vor dem Hintergrund des deutschen Faschismus zugleich kurios und exemplarisch ist. Was in den Anfängen des NS-Unstaates für alle galt, die sich in der Partei behaupten konnten, wirkt kurz vor seinem Zusammenbruch nur noch grotesk. Interessanter sind im Grunde aber die Zeitzeugen, die ihre Bewunderung für den Hochstapler kaum verbergen können. Selbst ein britische Staatsanwalt, der den 20jährigen Herold unter das Fallbeil gebracht hat, wirkt bis heute wie verzaubert von diesem Mann, dessen gutes Aussehen fast alle ausdrücklich betonen.

Die Interviewer lassen einige der Zeitzeugen auflaufen – die Konstruktion des übernatürlich befähigten Monstrums wird ihnen nicht immer abgenommen. Verführte zeigt der Film nur da, wo man sie nicht unbedingt erwartet – unter den Opfern und den politischen Gegners des »Hauptmanns«. Darüber hinaus portraitiert der Film eine Gesellschaft, der es tatsächlich  aus irgendwelchen Gründen wichtig ist, ob der Schlächter ein echter Hauptmann ist oder nicht. Die sich aus der Verantwortung schleicht und die sich ihrer umfassenden Abartigkeit nicht im Ansatz bewusst ist. Das ist vielleicht das spannendste an diesem Film: Er zeigt die (post)faschistische Normalität durch ungewohnte Filter, rückt eine Täterfigur ins Zentrum und erspart sich jede Verurteilung, die doch nur eine Entlastung für alle anderen bedeutet hätte.

Ein Kommentar zu “Der Hauptmann von Muffrika II”

  1. Plöner CDU kommt nicht zur Ruhe - Kieler Nachrichten | Plöner News -alles um die Kreisstadt
    Januar 29th, 2009 17:43
    1

    [...] Wein-Skandal dürfen Ross und Reiter genannt werden… anders als man denkt. (kanzlei-hoenig.info)Der Hauptmann von Muffrika II… zum Stichwort: Wegopensuse 11.1 ist schrottZOPR – Live-Blogging: Workshop “SEO – Schreiben, um [...]

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