Geisterhaus, digital

(Edit: Wie diese eigentlich eher komische Geschichte plötzlich doch noch spannend wurde und warum das Video unten nicht mehr da ist, kann man hier nachlesen.)

Vor sieben oder acht Jahren, als die erste Welle der Killerspiel-Hysterie von Columbine über Erfurt in mein eigenes Provinznest gerollt kam, war einer meiner Freunde über Wochen damit beschäftigt, unsere Schule zu vermessen und abzufotografieren. Er hat Texturen für eine möglichst realitätsnahe Half-Life-Map unserer Schule gesammelt – ein Bedarf, den man einem passionierten Spieler kaum wird erklären müssen, der sich einer Restwelt auf der Suche nach Skandal und Ausnahmezustand aber ganz anders darstellen musste:

»Stets habe ich an einen Mehrspielerlevel, völlig ohne NPCs (Non-Player Characters = vom Programm gesteuerte Charaktere), gedacht – nie hingegen an ein Szenario, in dem man abschießbare Nachbildungen, real existierender Lehrer antrifft. Letztere Idee haben mir allerdings verblüffend viele Mitschüler kundgetan.«

Ich habe diese Map gestern zum ersten mal bespielt und kann die Triphaftigkeit dieser 20 Minuten kaum beschreiben. Anstatt es trotzdem zu versuchen, habe ich mich nun mit dem Designer dieses Geisterhauses verabredet, um seiner Schöpfung einen gemeinsamen Besuch abzustatten und auf dem Spaziergang über dies und das zu sprechen. Den dann traditionsgemäß doch nicht eingehaltenen Termin verkneife ich mir ausnahmsweise mal, einen kleinen Teaser gibt es aber schon:

3 Kommentare zu “Geisterhaus, digital”

  1. Jakob
    September 14th, 2009 09:47
    1

    Puh, ziemlich schaurig. Mich überkommen schon beim zusehen Beklemmungen … ich glaube, das ist ne gute Idee, wenn ich auch nicht genau weiß, wofür gut …

  2. schorsch
    September 16th, 2009 23:46
    2

    Die Schultüren sehen wohl überall gleich aus.

  3. Nichtidentisches
    Oktober 12th, 2009 11:48
    3

    Irgendjemand hat in den 70-ern diese Schulen alle nach dem gleichen Modell erbaut. Orange Schultüren sind die reinste Grausamkeit.
    Das könnte ebensogut in Osterburken wie in Göttingen sein.
    Da passt die beklemmende traumhafte Stimmung, die sich aus der völligen Abwesenheit anderer Individuen, d.h. Menschlichkeit, ergibt. Es wäre doch auch ein tolles “Escape the room”-Spiel. Dann würde eine Lustebene dazukommen: Im Physiksaal mit dem Uran-Brocken und dem Geigerzähler eine Uhr bauen, die dann im Chemiesaal die Nitroverdünnung zündet, die das Tor zum Sportsaal aufsprengt wo man dann mit dem Fussball eine Scheibe im Direktorat einschießen kann und so ins Freie gelangt.

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