Das Wetter
Nach zwei Romanen und vier Kurzgeschichten, scheint Sir Arthur Conan Doyle schlagartig aufgefallen zu sein, dass seine Sherlock Holmes Erzählungen vielleicht doch ein kleines bisschen was flavor vertragen könnten. Oder aber – wohlwollender spekuliert – es war Dr. Watson ein wenig schwer ums Herz, als er Die fünf Orangenkerne zu Papier brachte. (Sagt man ja so: »Any studies in Sherlock Holmes must be, first and foremost, studies in Dr. Watson.«) Was auch immer. Jedenfalls gibt es plötzlich Wetter, das mehr tut, als Spuren sichtbar zu machen oder für irgendwelche fragwürdigen De-, Ab- oder Induktionen vorzulegen:
»Er schüttelte uns die Hände und verabschiedete sich. Draußen kreischte der Wind noch immer, und der Regen spritzte und trommelte gegen die Fenster. Diese seltsame, wilde Geschichte schien aus den tobenden Elementen zu uns gekommen – über uns hergeweht wie ein Strang Seetang in einer Bö – und nun von ihnen wieder aufgesogen zu sein.«
Ungefähr so ging es mir heute auch – nur, dass niemand zu mir gekommen ist und ich darum selbst raus ins Scheißwetter musste. Wo ich so darüber nachdenken, war die Geschichte eigentlich auch weder seltsam noch sonderlich wild. Eigentlich war sie nur nervig kaum der Rede wert. Wenn ich sie auf das Wesentliche reduziere, bleibt eigentlich nur stehen, dass ich heute sieben mal über diese Brücke laufen musste und trotz der ungeraden Zahl wieder zu Hause angekommen bin:
Mein Weg in die Zivilisation



Oktober 4th, 2009 08:13
Ich mag ja eigentlich so Herbstwetter…die Formulierung mit dem Seetang in der Bö finde ich übrigens irritierend schön.
Oktober 4th, 2009 09:57
Ich auch. Darum hatte ich sie auf der Brücke über den Kitschkanal auch plötzlich wieder im Kopf. (Gegen das Wetter habe ich auch nichts, nur hat man mich gestern entschieden zu oft da durch gejagt.)