Einen trockenen Adorno

Michael Wuliger (der mit dem jüdischen Kitsch) präsentiert in der Cicero einen Auszug aus seinem koscheren Knigge – einem ausgesprochen lehrreichen Leitfaden für den deutsch-jüdischen Dialog. Tatsächlich mal ein Benimmbuch, das ich nicht allein im Auftrag der geschätzten Universität mit Elias zu lesen hatte. Dafür wurde es aber gewissermaßen in seinem Sinne geschrieben und beschreibt mit angemessener Gehässigkeit einen gesellschaftlichen Zustand, in dem wohl leider sogar ein ernst gemeintes Buch seinen Nutzen hätte.

Aber nicht nur der Klezmerabendverpflichtete Bildungsbürger kann sich da locker machen; auch für den ein oder anderen Genossen der Wimpel und Mützchen – Fraktion gibt es wertvolle Tipps:

»Verbreiteten Klischees zum Trotz sind die meisten Kinder Israels genauso dumm wie das Gros der übrigen Menschheit. Die Chancen, dass Ihr Gesprächspartner, weil Jude, Experte für die Frankfurter Schule ist, weil von denen ja auch viele Juden waren, sind relativ gering. Wahrscheinlicher ist, dass er Adorno für einen italienischen Rotwein hält.«

… ganz zu schweigen von denen, dich sich auch beim Schreiben von Texte wie diesem hier nicht ganz wohl fühlen und im Übrigen auch gar nicht so überzeugt davon sind, wie angebracht diese immer wieder eingeforderte »Normalisierung« eigentlich ist. Kurzum: Ein Spaß für die ganze Volksgemeinschaft.

Ein Kommentar zu “Einen trockenen Adorno”

  1. doesn't mind
    August 14th, 2010 21:00
    1

    Ich fürchte, bei der Wimpel und Mützchen Fraktion ist es umgekehrt: Die haben längst selbst festgestellt, dass die meisten Jüdinnen und Juden Adorno eher für einen italienischen Rotwein halten und deswegen beschlossen, dies in Zukunft auch zu tun. Der Fachbergriff dafür lautet Verteidigung des Individuums.

Kommentar abgeben: