Archiv für die Kategorie 'Alles'

Islamischer Ritus im All

Mittwoch, 23. Juli 2008

Nicht nur Kommunisten machen sich Gedanken über Zukünftiges im Weltraum. Wie in der Nummer 54 des - ansonsten mehr als nur fragwürdigen - Magazins Inamo (Titelthema: ‘60 Jahre Nakba‘ …) zu lesen ist, macht sich auch die islamische Welt für die Final Frontier bereit. Malaysische und ägyptische Rechtsgelehrte haben ‘Richtlinien für die Ausübung islamischer Kulthandlungen im Weltall‘ erarbeitet, die Nils Fischer unter eben diesem Titel erläutert. Das Ergebnis in Kurzform: Mach nur das, was geht, und lass den Rest bleiben. Zu diesem pragmatischen Ansatz gesellt sich auch ein erster Beitrag zur international diskutierten Weltraumethik: »Dort wird gefordert, dass der muslimische Astronaut Verbindung zu Gott halten, in Harmonie mit den Mitreisenden stehen und den Erhalt des Weltraums beachten soll.«

salbader against the machine

Dienstag, 22. Juli 2008

Erinnert sich noch jemand an die ‘Beginner‘? So Rapmusiker aus Hamburg? Als ich damals irgendwann mit Metal durch war, konnte ich - als einer der wenigen Linken™ der Kleinstadtschule - etwas gut finden und ausnahmsweise einmal einer Meinung mit dem Rest sein. Klar hatte man es etwas besser verstanden als der Rest, aber so schlimm war das nicht. Man hatte ja schließlich noch ‘Anarchist Academy‘ in der Hinterhand, um sich notfalls schnell wieder abgrenzen zu können. Legendär natürlich der gefakte Auftritt bei ‘The Dome‘, den ich eben gerade zum ersten mal in kommentierter Form gesehen habe - bei youtube, versteht sich.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Beginner treten bei ‘The Dome‘ auf und schaffen es irgendwie, Doubles an die Micros zu schummeln, während sie selbst, hinter Fuchsmasken versteckt, im Hintergrund abzappeln. Keiner merkt’s und die Aufnahme schafft es bis in die Fernsehübertragung. So weit, so lustig. Gemessen am ansonsten furzlangweiligen Massenpop der 90er (ja, ich finde es heute tatsächlich etwas spannender), war die Aktion ein gelungener Spaß.

Heute dann das Resümee eines Beginners: »Es war auf jeden Fall der größte - also für mich der größte - Triumph gegen die abgekartete Medienmaschine, den je gestartet haben.« Peinlicher waren sie nur noch in ihrem Gemaule über die Conne Island Klos. Nach diesem selbst erbrachten Beweis der eigenen Austauschbarkeit, haben die Beginner ihren Siegeszug gegen die Kulturindustrie dann übrigens noch auf DVD verkauft.

Mein Schaffner ain’t no bounty hunter

Dienstag, 22. Juli 2008

Die Schaffner der Deutschen Bahn bekommen Prämien für erwischte Schwarzfahrer. So ist es heute im Westfalen-Blatt und diversen anderen Zeitungen zu lesen. Was im ersten Moment vielleicht etwas gruselig klingt, ist im Grunde keine besonders große Überraschung. Die Prämie ist Motivation, die aufgetragenen Kontrollen erst einmal durchzuführen und sich im Ernstfall nicht, »Beim nächsten mal aber …« murmelnd, Sympathien zu erschleichen. Wenn ein Bahnsprecher das nun »Entschädigung für entgangene Ticketverkaufs-Provision« nennen möchte, soll er das meinetwegen tun.

Wenn besagter Bahnsprecher dann aber anschließend erklärt, diese platt inszenierte Jagd nach Kopfgeld werde nicht von Kopfgeldjägern durchgeführt, wird die Posse langsam aber sicher unterhaltsam. An diesem Punkt bahnt sich nämlich eine Empörung an, die sich nur noch nicht ganz sicher ist, wogegen sie eigentlich sprechen möchte.

Die deutschen Bahnkritiker (oder -hasser, wie sie sich bisweilen rufen lassen) sind sich im Grunde einig: Die Deutsche Bahn AG ist zur Zeit ein dämlicher Scheißverein; wird sie im Herbst aber den »Heuschrecken« (wie die Linkspartei das nennt) vorgeworfen, droht unweigerlich das Ende aller Tage.

Kopfgeldjagd und Privatisierung haben einen gemeinsamen Bezugspunkt: Die Solidargemeinschaft, die nicht nur existent, sondern auch super ist. Dumm nur, dass die Mächte der Finsternis sich nur schwerlich als Allianz von Schwarzfahrern und Heuschrecken denken lassen. Wo der Verstand nicht mehr kann, wird immerhin die Phantasie erfolgreich gegen einen Teilwiderspruch in Anschlag genommen: »Der offensichtlich unsichere Ortsfremde wird von den Kontrolleuren i. d. R. freundlich auf die Einhaltung der ortsüblichen Regularien hingewiesen.«, dichtet Prof. Dr.-Ing. Adolf Müller-Hellmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Soweit das erste Friedensangebot und der ideelle Volksschädling ist vorerst schon wieder aus der Schusslinie. Im Herbst wird sich dann zeigen, ob dieser Text seinen nachträglichen Sinn bekommt.

Großes weites Netz

Montag, 21. Juli 2008

Ich habe gerade mal wieder nachgesehen, wer mich so alles verlinkt. Da Verweise auf karwan-baschi.net (anstatt karwan-baschi.net/weblog) sich nicht bei Technorati anfinden (und diverse “zu Erledigens” seit der Freischaltung des Blogs brachliegen) , ist das immer ein etwas lästiges Gehampel. Heute waren die Ergebnisse dafür allerdings unterhaltsam und erfreulich. Unterhaltsam, weil sowohl anonym.to als auch anonymouse eine Handvoll Besucher zu mir schleusen und ich mich fragen muss, was ich jetzt schon wieder angestellt habe - erfreulich, weil mir bei dieser Gelegenheit aufgefallen ist, dass ich nun auch auf dem sinistren ‘Planet Olifani‘ ansässig bin:

olifani.jpg

La Familia

Das freut mich sehr und lässt mich heiter beschwingt zum grässlichen Tagesablauf übergehen.

Ich weiß grad nicht mehr

Freitag, 18. Juli 2008

… ob ich das schon mal gepostet habe. Falls ja, schnell noch einmal gucken:

M. A. Numminen (Meister des finnischen Tangos) kann Boogie, Sir!

Stirb für Irland, Erdling!

Donnerstag, 17. Juli 2008

Ich habe gerade einen wirklich wundervollen Film gesehen, was leider nicht viel öfter vorkommt, als ich hier darüber schreibe. Diesmal war es ‘Breakfast on Pluto‘ - ein Film über die Drag Queen (oder besser: Drag Princess) Kitten, die zwischen ihrem irischen Heimatdorf und London auf der Suche nach Liebe, Glück und ihrer Mutter herum irrt.

Die Geschichte ist ein tragikomisches Märchen - sieht bisweilen kitschig aus, ist es aber nicht. Was Geschlechtliches ist, geht im Glamour auf, ohne »das Andere« als Freakshow zu inszenieren. In der Gewissheit, dass Transgender-Theoretiker über treffsichere Vokabeln verfügen, belasse es bei diesem einen Satz. Statt dessen habe ich ein Bild und eine Aufzählung spannender Sachen:

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HeldIn St. Kitten © Sony Pictures

Daleks / Irland / Terroristen / Märchen, in denen es wieder nur ums Geld geht / Sprechende Vögel / Glamrock / Bomben / Drogen / Hardarbeitsunterricht / Der beste Henker Londons / Prostitution / Zauberer / Nette Priester / Böse Stiefmütter / Schwestern / Prügelpolizisten / Sex / Schwangerschaft / Freundschaft / Brandsätze / Astrale Grenzritter

Und doch noch einmal zum Geschlecht der Hauptfigur: Homophobie und die entsprechenden Gewaltausbrüche spielen eine wichtige Rolle im Film, werden dabei aber nicht ansatzweise leitmotivisch. Gerade wenn es um Flirts, Sex oder gar Liebe geht, ist in der Regel vollkommen unklar, ob das Gegenüber von Kittens “Zustand” weiß. Das Spiel mit den Geschlechterrollen macht beim Zuschauer nicht halt, sondern funktioniert gerade über diese Ungewissheit und die Identifikation mit der Hauptfigur in ihrer Trip-Realität. Genug jetzt.

Nachts, wenn es dunkel ist

Donnerstag, 17. Juli 2008

Schlafen ist gut und wichtig - im Grunde weiß ich das. Heute wird es damit aber irgendwie nichts, weil ich Vaporia spielen muss.

vaporia.jpg

Kämpfen wie damals

Wie man auf den Markt schreit, …

Mittwoch, 16. Juli 2008

Wer seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, Dinge an andere Menschen zu verkaufen, muss irgendwie mit diesen zurecht kommen, bevor sie als zufriedene Kunden das Weite suchen. Manchmal können solche Erfahrungen lustig sein:

»… und der Scheißtag geht weiter mit Menschen, die es verdienen, hochkant rauszufliegen. Eben betritt eine ältere Dame den Buchladen und begrüßt mich mit heruntergezogenen Mundwinkeln und den Worten: “Ich weiß ja nicht, was für Bücher Sie hier führen, aber gehört dieser Ken Folleh, oder wie auch immer man den ausspricht, dazu?”
Nachdem ich ihr erkläre, dass wir durchaus Bücher von Ken Follet da haben, erklärt sie ihrerseits, ihr Sohn habe ihr den zweiten Band von diesem Kerl geschenkt, was auch immer er ihr damit sagen wolle. Ob wir den Ersten (gemeint war, wie sich herausstellte, “Die Säulen der Erde”) denn nicht antiquarisch da hätten? Ich erkläre, dass das nicht der Fall ist, weil wir eigentlich auf SF und Fantasy spezialisiert sind und historische Romane eher als Ausnahme für besonders wichtige und gute Bücher führen. “Aha.” ich erwarte schon, dass sie jetzt unverrichteter Dinge geht, aber stattdessen knurrt sie: “Na schön. Muss ich auch noch Geld für den Mist ausgeben. Was der sich dabei denkt.”«

wie Buchhändler Jakob zu berichten weiß; manchmal auch einfach nur zum Kotzen:

»Kundin aus dem Prenzlauer Berg erkundigt sich nach der internationalen Telefonflatrate. Ich zähle einige der enthaltenen Ländernetze auf, darunter, weil regelmäßig nachgefragtes Alleinstellungsmerkmal dieses Angebots, Israel.

Sie: “Ist ja klar, Israel ist drin, die arabischen Länder sind draußen.”

Ich: “Das hat wohl mit den Verbindungspreisen zu tun.”

Sie, aufgeregt: “Das ist die Achse des Bösen. Ich hätte gern eine Achse-des-Bösen-Flatrate.”

Ich: “Muß man sich leisten können.”«

… schreibt Kulla über seine - ausgesprochen lesenswerten - ‘Ökonomischen Gottensdienste‘.

Deutlich weniger sympathisch ist mir hingegen, was in penetranter Regelmäßigkeit unter dem vielsagenden Titel ‘Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn‘ gebloggt wird. Da wird die verständliche Unlust an der Arbeit auf eine Art und Weise auf den Kunden projiziert, dass es weh tut. Ob das nun berichtenswert ist, sei einmal dahingestellt - mich regt es gerade einfach nur auf.

Nutzloses Gewinnspiel

Sonntag, 13. Juli 2008

Ich bin leider pleite und muss Sachen verkaufen. Die Suche nach geeignetem Kram führt sonderbare Dinge ans Tageslicht, wie diese Gestalten hier bezeugen können:

nutzlos.jpg

Nutzlose Dinge

Wer ihre Namen (sofern vorhanden) und ihren vom Hersteller angedachten Verwendungszweck* benennen kann, gewinnt einen garantiert nutzlosen Preis! Der/die Erste jedenfalls.

*Gemeint ist nicht der Verkauf, sondern das, was der Kunde anschließend damit anstellen soll. Der Gebrauch des Wortes “Mehrwert” führt augenblicklich zur Disqualifikation.

Nachtrag: Inzwischen würde es reichen, das Zelt zu identifizieren. Kornel hat gewonnen!

Nichts über Lloret sagen

Samstag, 12. Juli 2008

Wenn ich bei meinem Vater zu Besuch bin, lese ich morgens in seiner taz herum, rege mich danach tierisch über irgendeinen bescheuerten Artikel auf und gehe damit so dermaßen auf die Nerven, dass sich die Gesellschaft meist bis zum Mittagessen vertagt. Heute nicht. Erstens gab es kein Frühstück und zweitens hat mich der Lloret de Mar - Bericht von Hanna Maier so angerührt, dass ich keines bösen Wortes mehr fähig war.

Fragt sich nur, wie das geschehen konnte. Dass die Abitouristen ohne Klassenaufsicht zur reinsten Landplage mutieren, war mir nicht neu. Die Lloret-Fahrt meines eigenen Jahrgangs ekelt mich heute noch an (ohne, dass ich überhaupt mitgefahren wäre) und die »schmerzhaften Abschiedserfahrungen« sind auch ohne Betäubung spurlos an mir vorbei gegangen.

Vielleicht war es die Tatsache, dass ich nicht Hanna bin; dass sich wider besseres Wissen mitmachen lässt; dass ein Bewusstsein über die Verlogenheit der Sache sie nicht zwangsläufig entschärfen muss. Es war wohl keine versehentliche Unschärfe der Kritik, sondern ihre voll und ganz beabsichtigte Belanglosigkeit, die sie so angemessen wie sympathisch ausfallen ließ.