Schreibt grad einer in seine Soup: »und der nächste Bombenalarm. Kommen gleich die Notstandsgesetze?« (Tags: junta, terror, hype) Redical-Ruhr hat keine Angst – und viele andere auch nicht. Diese Behauptung beinhaltet erstmal keine Einschätzung der tatsächlichen Terrorgefahr. Ich habe beim oberflächlichen Lesen dieser versammelten Gelassenheit kaum jemanden gefunden, der sich inhaltlich auf die Warnungen bezieht, dafür aber viele, die sie in Nebensatz oder tag als Hype, Panikmache oder Bullshit einsortieren. Es ist die bereits im Vorfeld gemachte Setzung, dass so etwas hier niemals passieren wird, die jetzt nur noch möglichst witzig oder schmissig in Szene gesetzt wird.
An der Oberfläche ist die Sache einfach: Die penetrante Versicherung, keine Angst zu haben, führt ziemlich sicher dazu, sie auch wirklich loszuwerden. Ob das Strategie, Symptom oder beides ist, könnte man im Einzelfall untersuchen – oder es auch lassen. Auch die eher nüchterne Variante der Stochastiker (»Selbst wenn ein Anschlag passiert, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass es mich oder meine Freunde trifft. Viel wahrscheinlicher ist der Autounfall ..«) ist auch nicht mehr als eine in Form gebrachte Verdrängungsleistung. Angst zeichnet sich nun gerade dadurch aus, dass rationale Kontrollversuche nicht mehr funktionieren und was bleibt ist: Ich habe keine Angst, weil ich keine Angst habe.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist wahrscheinlich das Webphänomen, nebst dem anhängenden Drang erstens irgendwo verlinkt zu werden und zweitens einer von denen gewesen zu sein, die damals keine Angst hatten. (Und das ist wahrscheinlich noch die sympathischste Variante.)
Interessant wird es, wenn die Analysen ausgepackt werden und die Angst verschoben wird. Nicht den Terroristen fürchten zu müssen, sondern den Staat, ist in dieser Form ein besonders deutscher Luxus. Die Kumpanei mit dem Islamismus – von Schröders Deutschem Weg über die andauernde Unterwanderung der Saktionen gegen Iran bis zur einstimmigen Resolution gegen Israel – hat »uns« bisher tatsächlich recht erfolgreich aus der Schusslinie gehalten und so ist es nur konsequent, den Ausruf der Angstfreiheit mit der Forderung eines Bundeswehrabzugs aus Afghanistan zu garnieren.
Ich habe übrigens auch keine Angst – nicht vor Islamisten und auch nicht vor der konformistischen Skeptikermeute, die im Grunde auch ahnt, was für offene Türen sie da einrennt. Dass ich ebenfalls keine akute Angst vor »Notstandsgesetzen« habe, liegt vermutlich daran, dass ich im Gegensatz zu diesen Maulhelden noch zwischen diesem hässlichen Staat und einer noch viel hässlicheren »Junta« unterscheiden kann. (Und das sage ich auch nach nervigen Demokontrollen und einem hysterischen Hausbesuch zur Gefahrenabwehr ..)
Ich habe keine Angst, aber ich mache mir Sorgen, weil ihr über »Panikmache« schwadroniert, während die Bomben, an die ihr nicht glaubt, in Afghanistan, dem Irak oder Israel beinahe täglich explodieren. Zu den intelligenteren Beiträgen der Kampagne gehören die Hinweise auf den Willen der Terroristen, gerade diese Angst zu verbreiten. (BKA und Kanzlerin sind sich in Sachen »Don’t Panic!« ja auch einig mit ihren Kritikern.) Was allerdings noch fehlt, ist die Ergänzung, dass ihnen die derzeitige Verharmlosung und das Gewährenlassen auch ganz gut in den Kram passen.