Archiv für die Kategorie 'Alles'

Assangistische Dichtung

Dienstag, 14. Dezember 2010

In der WELT erscheint ein Artikel über Openleaks und der Pöbel kommentiert drauf los. Beeindruckend punktgenau formuliert ein Idiot namens »freie meinungaq«:

»‘Openleaks’ ist ein Witz und wiederspricht der schonungslosen Veröffentlichung von ‘geheimen’ Informationen bei WikiLeaks.«

Davon ausgehend, dass beide Projekte irgendetwas veröffentlichen, lässt sich der Wi(e)derspruch einerseits an meinungaqs Begriff der Schonungslosigkeit festmachen, womit er das »Modell Assange« vermittels der Gewaltvokabel gegen die versprochene Offenheit der vermeintlichen Konkurrenz in Stellung brächte. Andererseits zielt er auch auf den in Anführungsstreichen geheimen Charakter der Informationen, wobei die Uneigentlichkeitszeichen auf ein Interesse an gerade den Fakten verweisen, die ohnehin schon jeder kannte. freie meinungaq dichtet einen harten – nur auf den ersten Blick leicht verständlichen – Satz der sich nicht so recht zwischen leichtfertiger Absurdität und naivem Faschismus entscheiden kann.

Und genau dieses giftige Gebräu spritzt einem entgegen, der doch nur einen kurzen Blick unter die Guy-Fawkes-Maske erhaschen wollte.

Der dritte Mann

Dienstag, 07. Dezember 2010

Mit jeder Wende des Mobs zwischen »die hat es doch nicht anders gewollt!«, »Schwanz abschneiden oder gleich vergasen!« und »alles Lüge!« scheint es noch ein wenig ekelhafter zu werden. Die Assange-Variante wird jetzt gerade dadurch unerträglich, dass die Möglichkeit der geschehenen Vergewaltigung nicht einmal mehr ausgesprochen, sondern schon vorab durch »Zwinker-zwinker, jaja, alles klar ..« negiert wird. Mit »Vielleichts« zu kontern, verursacht nach einer Weile das gleiche Ohnmachtsgefühl, wie das Beharren auf »Mutmaßlichkeit« in der ewigen  Definitionsmachtsdebatte.

Und wie ist damit nun umzugehen? Sich unbetroffen heraus zu halten, scheint mir keine Möglichkeit zu sein. Da  nerven zu wollen, wo sich die Assange-Fans bei ihrer Herumsublimiererei auch noch besonders »kritisch« vorkommen, mag zwar lohnend sein, beantwortet die Frage nach dem Wie aber noch nicht. Bis dahin ist es wohl eher noch der eigene Affekt, über den sich vielleicht wenigstens noch begreifen ließe, warum dieses Thema so viel mehr Mühe und Wut in sich trägt als alle anderen Aspekte der Aufklärung (oder wie man das auch nennen will).

20 Jahre Deutschland

Montag, 06. Dezember 2010

Heute vor 20 Jahren verstarb Amadeu Antonio Kiowa in Folge eines  Naziangriffs. »Mindestens einer der Täter sprang dem am Boden liegenden Kiowa mit beiden Beinen auf den Kopf, wodurch der 28-Jährige schwerste Kopfverletzungen erlitt.« Er war einer der ersten unter vielen – weit davon entfernt, ein Einzelfall zu bleiben.

Auch über die unübersehbarste Blödsinnigkeit heutiger Antifa-Tätigkeiten, sollte nur schwätzen dürfen, wer in der Lage war, das und auch solche »Details« in Erinnerung zu behalten: »Während der Tat hielten sich 20 voll ausgerüstete Polizisten in der Nähe auf, ohne einzugreifen, weil sie sich den Angreifern nicht gewachsen fühlten. Drei bewaffnete Zivilpolizisten, die der Gruppe gefolgt waren, griffen ebenfalls nicht in das Geschehen ein.«

Was damals »Übertreibung« und »Verleumdung« hieß, nennt sich heute »echt schlimm« und »lange her«. Ich habe heute keinen Hass mehr auf das Gerede von der »Gewalt auf beiden Seiten«, auf das Herausgehalte, die Lichterketten oder die so bedingungs- wie hirnlose Parteinahme für die Polizei. All dies ist immer noch falsch und dumm, aber letztlich vermutlich doch vor allem ein Streit um die Geschichtsschreibung, für den es noch zu früh ist. Vermutlich.

Erfurt

Sonntag, 05. Dezember 2010

Das war ein langes Wochenende in Erfurt. In der Stadt, wo

- wegen eines Weihnachtsmarktes alles Hotels ausgebucht waren.
- Berliner Atzen ihre jährliche »Klassenfahrt, zwinker« eskalieren lassen.
- die Straßenbahnen still stehen, weil »schon wieder« jemand ins Gleisbett gefahren ist.
- dieser jemand auch mit Saalfelder-Kennzeichen ein »Wessi« sein muss.
- man bei Subway besseres Englisch spricht als im Emsland.
- eigentlich alle Einheimischen irgendwie freundlich waren.
- ich offenbar zu beschäftigt war, um hier noch was anzuhängen.

WikiLeaks hat aufgedeckt, aufgedeckt, aufgedeckt

Montag, 29. November 2010

Ich hätte die allgemeine Begeisterung über die jüngsten »WikiLeaks-Enthüllungen« ohne die verdrehte Lesart der WELT nicht verstanden. Dass die Wahrheit gut und der Ami schlecht ist, wusste ich zwar vom Hörensagen, aber der richtige Hitgarantie scheint mir eher hier zu stecken:

»Nikel wies seinen zudringlichen Gesprächspartner auf die Unabhängigkeit der deutschen Justiz hin. Die Kanzlerin sei sich aber der „politischen Implikationen des Falles“ bewusst. Sie versuche deshalb „so konstruktiv wie möglich“ zu agieren. Wegen des Drucks des Parlaments und der Presse werde dies aber nicht einfach, und er, Nikel, könne daher nicht versprechen, „dass sich alles zum Guten wenden“ werde.«

Unabhängige Justiz, kritische Presse, ein funktionierendes Parmalement und trotz allem genug politischer Sachverstand, dem zudringlichen Cowboy ein Abwägen zu versprechen: WikiLeaks hat aufgedeckt, wie großartig Deutschland ist! Und besser noch: Die Bananenrepublikaner von Moskau bis Rom bekommen auch noch richtig einen drüber. Nun wird gedruckt, wie schmierig und korrupt die alle  so drauf sind und auf diesem Wege noch der Amerikaner bloßgestellt – ein Traum.

Das Geheimnis deutscher Wahrheitsliebe liegt nicht in der Aufdeckung unerwarteter und möglicherweise unangenehmer Fakten, sondern in der Bestätigung dessen, was man schon immer zu wissen glaubte. Das gefühlte Sprechverbot wird für einen kurzen Moment ausgehebelt und das tagtägliche Geschwätz – heute mit einer Quelle geschmückt – etwas lauter. Dass die Veröffentlichung der diplomatischen Interna tatsächlich Leben gefährdet, verursacht wohlige Schauer am Tagesthemenabend und dient zugleich als definitive Bezeugung us-amerikanischer Unmenschlichkeit. Denn dass die Schuld für abgeschlachtete Informanten, Soldaten oder Journalisten nicht bei ihren Mördern oder WikiLeaks, sondern in Washington ausgemacht werden wird, ist so sicher wie das Amen in der Dingsda.

Lovecraft: Fear of the Unknown

Donnerstag, 25. November 2010

Ein gutes Jahr nach ihrer Veröffentlichung auf DVD ist die Dokumentation Lovecraft: Fear of the Unknown in Deutschland noch immer nur als selbstgemachter Import erhältlich. Dafür lässt sich nun ganz umsonst auf SnagFilms ansehen, was illustre Gestalten wie John Carpenter, Guillermo Del Toro, Neil Gaiman, Stuart Gordon und Caitlin Kiernan über H.P. Lovecraft zu berichten haben. Hier ein Preview:

Watch more free documentaries

Ich habe keine Angst

Mittwoch, 24. November 2010

Schreibt grad einer in seine Soup: »und der nächste Bombenalarm. Kommen gleich die Notstandsgesetze?« (Tags: junta, terror, hype) Redical-Ruhr hat keine Angst – und viele andere auch nicht. Diese Behauptung beinhaltet erstmal keine Einschätzung der tatsächlichen Terrorgefahr. Ich habe beim oberflächlichen Lesen dieser versammelten Gelassenheit kaum jemanden gefunden, der sich inhaltlich auf die Warnungen bezieht, dafür aber viele, die sie in Nebensatz oder tag als Hype, Panikmache oder Bullshit einsortieren. Es ist die bereits im Vorfeld gemachte Setzung, dass so etwas hier niemals passieren wird, die jetzt nur noch möglichst witzig oder schmissig in Szene gesetzt wird.

An der Oberfläche ist die Sache einfach: Die penetrante Versicherung, keine Angst zu haben, führt ziemlich sicher dazu, sie auch wirklich loszuwerden. Ob das Strategie, Symptom oder beides ist, könnte man im Einzelfall untersuchen – oder es auch lassen. Auch die eher nüchterne Variante der Stochastiker (»Selbst wenn ein Anschlag passiert, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass es mich oder meine Freunde trifft. Viel wahrscheinlicher ist der Autounfall ..«) ist auch nicht mehr als eine in Form gebrachte Verdrängungsleistung. Angst zeichnet sich nun gerade dadurch aus, dass rationale Kontrollversuche nicht mehr funktionieren und was bleibt ist: Ich habe keine Angst, weil ich keine Angst habe.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist wahrscheinlich das Webphänomen, nebst dem anhängenden Drang erstens irgendwo verlinkt zu werden und zweitens einer von denen gewesen zu sein, die damals keine Angst hatten. (Und das ist wahrscheinlich noch die sympathischste Variante.)

Interessant wird es, wenn die Analysen ausgepackt werden und die Angst verschoben wird. Nicht den Terroristen fürchten zu müssen, sondern den Staat, ist in dieser Form ein besonders deutscher Luxus. Die Kumpanei mit dem Islamismus – von Schröders Deutschem Weg über die andauernde Unterwanderung der Saktionen gegen Iran bis zur einstimmigen Resolution gegen Israel – hat »uns« bisher tatsächlich recht erfolgreich aus der Schusslinie gehalten und so ist es nur konsequent, den Ausruf der Angstfreiheit mit der Forderung eines Bundeswehrabzugs aus Afghanistan zu garnieren.

Ich habe übrigens auch keine Angst – nicht vor Islamisten und auch nicht vor der konformistischen Skeptikermeute, die im Grunde auch ahnt, was für offene Türen sie da einrennt. Dass ich ebenfalls keine akute Angst vor »Notstandsgesetzen« habe, liegt vermutlich daran, dass  ich im Gegensatz zu diesen Maulhelden noch zwischen diesem hässlichen Staat und einer noch viel hässlicheren »Junta« unterscheiden kann. (Und das sage ich auch nach nervigen Demokontrollen und einem hysterischen Hausbesuch zur Gefahrenabwehr ..)

Ich habe keine Angst, aber ich mache mir Sorgen, weil ihr über »Panikmache« schwadroniert, während die Bomben, an die ihr nicht glaubt, in Afghanistan, dem Irak oder Israel beinahe täglich explodieren. Zu den intelligenteren Beiträgen der Kampagne gehören die Hinweise auf den Willen der Terroristen, gerade diese Angst zu verbreiten. (BKA und Kanzlerin sind sich in Sachen »Don’t Panic!« ja auch einig mit ihren Kritikern.) Was allerdings noch fehlt, ist die Ergänzung, dass ihnen die derzeitige Verharmlosung und das Gewährenlassen auch ganz gut in den Kram passen.

Entnerdungstechnologie

Dienstag, 23. November 2010

Wer das Rollenspielzeug nicht lesen (oder gar in seinem Planeten haben mag), nehme dies hier als Zeichen meines guten Willens:

http://karwan-baschi.net/weblog/feed/?cat=-437

(Ein phantastischer neuer Feed, der nur die Sorte Quatsch durchschleift, die mit Rollenspielen nichts zu tun hat.)

Musste wissen, nech?

Montag, 22. November 2010

Für den leider ungedruckten Abreißkalender ‘Wiki-Sinnsprüche für jeden Tag‘ würde ich richtig gutes Geld auf den Tisch legen. Für heute vielleicht dieser hier:

»Ob man der Deutung von Marie Bonaparte folgen mag, die im Hause Usher und in der Madeline die sich für den Treubruch des Sohnes rächende tote Mutter sieht, ist von der Einstellung zur Psychoanalyse abhängig.«

usher

Was der da wohl so denken mag?

Intruders!!

Mittwoch, 17. November 2010

Die Posts aus meinem alten Rollenspiel-Blog verstecken sich seit heute hier zwischen den anderen. Die werden wohl auch hier bleiben und sich demnächst sogar noch vermehren. Ein Klick auf den Würfel zeigt nur die Rollenspiel-Texte – ob es unter WordPress eine Möglichkeit gibt, alles außer einer bestimmten Kategorie anzuzeigen, kann mir wahrscheinlich keiner sagen, was?