Archiv für die Kategorie 'Bewegte Bilder'

Konferenz: She Saved the World – A Lot

Samstag, 06. Dezember 2008

Eine Woche ist sie nun schon her, die Berliner Buffy-Konferenz mit dem Titel ‘She Saved the World – A Lot‘. Zuppi hat bereits berichtet, ansonsten ist es eher still geblieben, obwohl doch recht viele Blogbetexter vor Ort waren. Meine eigene Nachbereitung ist an nicht vorhandenen Mitschriften und der immer noch knappen Zeit gescheitert. Hier jetzt nur schnell die wenigen Bruchstücke, die eine leider recht chaotische Woche überstanden haben:

Im recht gut besuchten Roten Salon der Berliner Volksbühne gab es fünf Vorträge und eine Podiumsdiskussion über Buffy the Vampire Slayer. Soweit ich weiß, sind alle Veranstaltung (inkl. reger Publikumsdiskussionen) mitgeschnitten worden, und sollen – wie möglicherweise auch ein Buch zur Veranstaltung – demnächst veröffentlicht werden. Ich werde mir die Zusammenfassungen aus dem Gedächtnis darum ersparen, und noch ein wenig bei dem Drumherum bleiben.

Genauer: Bei der Frage, was das eigentlich für Leute sind, die so eine Konferenz besuchen. Linke / gesellschaftskritische / kommunistische Buffyfans größtenteils, aber auch andere. In den Diskussionen stellte sich heraus, dass einige Besucher Buffy nur vom Vorbeizappen kannten und eher aus Neugierde gekommen waren. Da die Buffylinke bei ihrem ersten öffentlichen Treffen darauf verzichtet hat, ein Grundsatzprogramm vorzulegen, bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob diese Neugier auch tatsächlich gestillt wurde.

Als das Abschlusspodium aus dem Publikum heraus gefragt wurde, worin der Unterschied zwischen »unserer« Buffy-Rezeption und derjenigen der ideologisch denkenden Massen bestünde, bekam der selbsternannte Nichtbürger gleich zwei Antworten. Zunächst gab es eine Entwarnung: Die Zuschauerzahlen der Serie seien genau dann eingebrochen, als es wirklich interessant und kritisch wurde. Die zweite Antwort traf den Punkt dann besser: »Wir« mögen Buffy aus dem gleichen Grund wie »die«, sind uns gar nicht so unähnlich und schätzen Buffy nicht obwohl es Fernsehen ist, sondern weil es gutes Fernsehen ist.

Soweit die sympathische Positionierung. Man könnte fairerweise noch dazu sagen, dass dieses »wir« sich vorher bereits über etwas sonderbare Abgerenzungversuche gegenüber der bürgerlichen Buffy Studies (die den meisten Menschen wahrscheinlich schon rätselhaft genug sein werden) eingeschlichen hatte.

Um es kurz zu machen: Es gab verschiedene sehr spannende Überlegungen zu  der Fernsehserie (und ihrer Fortsetzung im Comic), die sich zentral mit der Spaltung der Welt ins Phantastische und den Alltag zwischen Schule, Beruf und Beziehung befasst haben. In welchem Verhältnis Monstergeprügel und kapitalistischer Normalbetrieb zueinander stehen, war die eine Frage – welche Rolle die Kulturindustrie als (selbst reflektierter) Ursprung dieser Erzählung spielt, die zweite.

Es ist schon sonderbar, wie unvollständig so ein Text ohne die obligatorische Entschuldigung für (oder meinetwegen auch Erklärung der) eigenen Begeisterung für Buffy wirkt. Ich belasse es trotzdem erstmal dabei und vertage das Inhaltliche auf den nächsten Anlass – auf die Lektüre des Buches zum Bespiel.

F*****g Censorship

Dienstag, 18. November 2008

Es tut mir leid Creep, aber Dein YouTube-Fund ist einfach zu gut, um nicht überall gepostet zu werden:

Late-Night-Show

Montag, 17. November 2008

Oliver Polak: »Irgend so’n antisemitisches Nazischwein moderiert halt immer so’ne Late-Night-Show.«

Der Zigeuner-Tatort

Montag, 20. Oktober 2008

Trotz Marcel Reich-Ranickis sympathischen Ausfalls gibt es immer noch deutsches Fernsehen. Weniger niveaulos ist es auch nicht geworden, seit er die »Banalität« (wie er seine Kritik selbst nennt) ausgesprochen und bekräftigt hat. Argumente bringt und braucht er nicht, wo sich doch im Grunde alle einig sind und lediglich über die marktwirtschaftliche Unmöglichkeit der Alternative gestritten wird. Man kann das alles schade finden, oder es lassen. Mir persönlich sind Atze Schröders herzlich egal, auch wenn mich ihre Fans zugegebenermaßen gruseln. Weitaus kritikwürdiger scheint mir dann aber eine Fernsehkultur  zu sein, in der man wissend mit Reich-Ranicki den Kopf schüttelt, bevor man beruhigten Gewissens den Tatort einschaltet.

Gestern Abend lief auf dem Sendeplatz, an dem sich laut Justus Wertmüller »die Nation ausspricht«, wo alles »verhandelt und bewertet (wird), was die Nation bewegen sollte.«, die neue Folge Brandmal – der ausdrückliche Versuch, die Vorurteile gegenüber Sinti und Roma zu thematisieren. Der gute Gedanke kam von Rudolf Sarközi, einem exponierten Sprecher der Roma Österreichs, verbockt hat es die ARD dann aber  ganz ohne fremde Hilfe.

Eine Frau wird in ihrer Kölner Wohnung Opfer einer Brandstiftung, und die Kommissare Schenk und Ballauf ermitteln zunächst anhand einiger Indizien gegen die Bewohner des benachbarten Heimes für  vorübergehend geduldete Roma. Dass deren Täterschaft in einem geradezu panisch auf Political Correctness bedachten Fernsehfilm ausgeschlossen werden kann, dürfte selbst dem naivsten Krimigucker klar sein. Auch wenn sich die »Thematisierung von Vorurteilen« letztlich dann doch in dieser Unschuld erschöpft, werden dem Mitratenden immerhin recht zügig ernsthafte Verdächtige geboten. Da gibt es eine rechtsradikale Initiative besorgter Anwohner, den eifersüchtigen Freund der Toten und einen Kommissar, der das verdächtige »Klau-Kid« bereits kennt und sich schließlich selbst als perfekt assimilierter Rom und – zu allem Überfluss – als geheimer Liebhaber der Toten entpuppt.

Vor diesem Hintergrund wird eine Kriminalgeschichte entwickelt, die so dermaßen langweilig ist, dass sich der Verdacht aufdrängt, man wollte ja nicht mittels Spannung von den sozialen Fragestellungen ablenken, um die es eigentlich geht. Die offensichtlichste Botschaft ist dabei eher unbeabsichtigt in die Dramaturgie gerutscht: Romakinder klauen, obwohl sie es doch eigentlich besser wissen müssten, zünden aber ganz bestimmt keine Menschen an. Dass der Zentralrat deutscher Sinti und Roma die Ausstrahlung der Folge im Vorfeld verhindern wollte, überrascht da wenig. Das ist schlechte Presse für ein Filmteam, das doch eigentlich alles richtig machen wollte. Letztlich unterstreicht das Skandälchen aber den diskursiven Touch, um den man sich augenscheinlich sehr bemüht hat.

Da sind zum einen die beiden Kommissare. Der dicke Schenk bietet angebildeten Toleranzmenschen die Reibungsfläche, an der er sich vorm Heia machen abarbeiten kann; blökt da vom »gesunden Menschenverstand«, singt »lustig ist das Zigeunerleben« oder hilft tatkräftig bei der Zwangsmaßnahme Röntgen zur Feststellung des Alters. Dagegen der kluge Ballauf, der das unnötige Anlegen von Handschellen kritisiert, sich intuitiv auf die Seite der beschuldigten Romni schlägt und die Polizei  somit wieder aus der Schusslinie nimmt – Bühne frei für den kritischen Dialog mit der Gesellschaft. Was man beim Focus »gewitztes Spiel mit den Klischees« nennt, ist der Gipfel dieses durchschaubaren Possenspiels. Die inszenierten Verdachtsmomente gegen den Kollegen von der Klaukids-Abteilung erscheinen parallel zur Offenbarung seiner ethnischen Herkunft, der darüber die erzählerische Bedeutsamkeit verliehen wird. Später wieder unschuldig, offenbart er dem Zuschauer, wie man ihn gerade an der Nase herum geführt hat: »Schon klar, die Rache des Zigeuners. Man weiß schließlich wie unsereins reagiert.«

Das gemeingefährliche Ressentiment zu reproduzieren, um es dann mit »Ätschebätsche, falsch geraten« zu negieren, ist keine Dekonstruktion und schon gar kein »gewitztes Spiel«. Es ist der unterhaltungskonforme Appell an das rassistische Alltagswissen bei gleichzeitigem Umschmeicheln des sozialkritischen Bildungsbürgers. Der politische Hintergrund der von Abschiebung bedrohten Roma ist übrigens der Kosovokrieg und damit ein Leid, das den deutschen Zuschauer in besonderem Maße anspricht: Man erinnert sich noch gut an »unsere Jungs«, die schon einmal für Menschenrecht und völkische Vielfalt ins Felde zogen. Man ahnt auch, dass dort ein uneingelöstes Versprechen im Raume steht, das nach einem moralisch gefestigten Deutschland verlangt; sinnbildlich gemacht in der sexuellen Unterwerfung des unschuldigen Mädchens vor ihrem Retter Ballauf: »Bist Du eigentlich verheiratet? Hast Du Geld? Wenn Du mich heiratest, dann kann ich in Deutschland bleiben. Ich kost’ auch nicht’ viel – höchstens  20.000. Vielleicht kost’ ich auch nichts, weil Du es bist.«

Mit Reich-Ranicki könnte man abschließend festhalten: »Das ist alles falsch, schlecht und übel!«. Man sollte darüber aber nicht vergessen, den Apologeten des öffentlich-rechtlichen Niveaus zu empfehlen, wirklich mal hinzugucken, wenn die Scheiße läuft.

Dark Knight, mien Mors

Mittwoch, 03. September 2008

Es war nicht immer ganz einfach, den Anschein zu erwecken, anders als die anderen zu sein. Früher musste man sich wilden Filz in die Haare züchten, ohne Internet an bescheuerte Musik kommen, schwierige Bücher lesen und andere zeitaufwendige Dinge tun. Heute ist das alles bedeutend einfacher und in erster Linie durch Angelegenheiten bestimmt, an denen man gerade nicht partizipiert:

Flaggen ans Auto hängen, George W. scheiße finden oder den neuen Batman gucken. Der Haken an der Sache ist nur, dass die ganze Idee des Andersseins mit dem Aufwand auch ihren Reiz verloren hat. Allein diese Überlegung verschafft mir ein flaues Gefühl im Magen, wo andere in den letzten Wochen doch so engagiert ins Spannungsfeld von Gegenidentifikation und identitärer Sinnsuche getextet haben. War es nun richtig, sich da rauszuhalten? Nur weil man sich nicht angesprochen fühlte? Gut, ich lerne ein wenig Hebräisch und lese gelegentlich Adorno, und ich erkenne einen hoffnungslos bescheuerten Text, auch ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden. Aber trotzdem: Geht mich das alles wirklich nichts an? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch ehrlich gesagt sogar noch weniger als die Sache selbst.

Also wieder zurück zu den einfacheren und interessanten Fragen des Lebens: ‘Dark Knight‘ gucken – oder es doch lieber lassen? Einige Freunde hatten scheinbar Spaß im Kino, und die Kritik von Nichtidentisches hat meine Neugierde geweckt. »Nekrophile Faszination« empfinde ich nicht – das ist eine andere Geschichte, die von der Pubertät aus dem ersten Absatz und ‘The Crow‘ handelt. Daran hängen Film und Kritik aber ja nun auch nicht. …

Andere schreiben über Nolans vermeintlichen Realismus: »Er [Christopher Nolan] führt seinen Helden ein gutes Stück aus dem Comic-Universum sonstiger Superheldenfilme heraus und ein wenig hinein in die wirkliche Welt.«. Oder aber: »Hier liegt dann wohl das unübersehbare Glaubwürdigkeitsproblem. Gerade weil „The Dark Knight“ es sich aufbürdet, unsere Realität, unsere Angst, zu seinem Thema zu machen, ist die banale Scheinseriosität seiner Action-Klischees so unredlich, so hohl, so unnötig.«.

Ob das wirklich die entscheidende Frage ist, kann ich natürlich noch nicht beurteilen. Ich möchte es aber können und werde darum wohl doch ins Kino gehen müssen. Entscheidung getroffen, Mission erfüllt – Danke Karwan Baschi!

Nachtrag: Hier wurde ebenfalls gut geschrieben. Man kann dort auch mit Menschen diskutieren, die klug kommentieren und den Film sogar gesehen haben.

Therefore, a “slashup.”

Montag, 01. September 2008

Der einzigartige William Shatner hat vor ein paar Jahren den großartigsten aller Pulp-Songs gecovert. Was damals schon ganz weit vorne war, ist spätestens nach diesem Video-Mashup einfach nur noch lieb zu haben:

Fünf Klicks

Montag, 11. August 2008

Ich habe mich nach dem Hinweis der Dorfdisco durch ungefähr zwanzig grenzdebile Texte der selbsternannten Polizei-Poeten gequält. Leider war das eher traurig, als dass es den erhofften Spaß gebracht hätte. Egal – die Lektüre hat mich jedenfalls darauf gebracht, YouTube nach einem alten Video über das Hüttendorf an der Startbahn West zu durchsuchen.1 Die Polizisten, die es da zu sehen gab, haben leider nicht gedichtet, sondern nur gebrüllt und sich mit irgendwelchen Idioten geprügelt.

Weil ich das eigentlich nicht sehen wollte, andererseits aber auch noch nicht so wirklich in Frühstückslaune war, bin ich bei YouTube geblieben und habe mich durch die Profile der nervigsten Kommentatoren geklickt. Ein fragwürdiger Zeitvertreib – ich weiß. Tante hat einmal gesagt: »YouTube ist der Ort, an den die Zivilisation geht, wenn sie spürt, dass ihre Zeit gekommen ist.«2

Dieses sinnentleerte Geklicke habe ich bitter bereut: Über irgendein Naziprofil bin ich auf ein Naziblog gestoßen, auf dem die Videos weiterer Nazis zu sehen waren. Eins der Standbilder kam mir irgendwie vor, und – bescheuert wie ich bin – habe ich auf den Play Button geklickt. Jetzt bin ich unfreiwilliger Zeuge einer Enthauptung in close-up und weiß wieder, woher ich das Bild kannte. Das Frühstück musste dann ausfallen, mir ist schlecht und ich habe das abscheuliche Gefühl, Teil dieses unmenschlichen Spektakels zu sein.

Bemerkenswert ist immerhin, dass ich der Frage nach der Echtheit des Videos während der letzten zwei Stunden zunehmend weniger Bedeutung zugestehe. Ist das ein Trick meiner Psyche, mich auf Umwegen aus der (empfundenen) Verantwortung für tatsächlich tote Menschen zu winden? Oder liegt das schlicht in der Warenförmigkeit des Gemetzels? Diese Frage hat mich dann letztlich doch wieder aus dem emotionalen Loch gezogen; wenn auch anders, als ich erwartet hatte:

Warzenform …

  1. Das habe ich dann später beim hr gefunden. []
  2. So ungefähr jedenfalls. []

Wenn Opa damals gewonnen hätte

Sonntag, 03. August 2008

… wäre Citroëns Werbung für den C5 nicht ganz so lustig:

[via Offensive Selbstverteidigung]

Der Spiegel dazu im Februar: »Die von der britischen Citroën-Dependance beauftragte Werbeagentur EuroRSCG hat es geschafft, eine unfassbare Zahl an Teutonenklischees in ihren 90-sekündigen Spot zu packen – ohne dass der für deutsche Zuschauer beleidigend wirkt.«

Kunststück! Wo die Deutschen doch sonst immer gleich Pippi in den Augen haben, wenn sie als teutonische Prachtkerls in schniekem schwarz dargestellt werden. …

Colbert erklärt: Elite

Mittwoch, 11. Juni 2008

Der ‘Colbert Report‘ ist eine sehr lehrreiche Angelegenheit. Wer keine Lust auf US-Wahlkämpfe hat, kann auch gleich auf 1:42 skippen, um dort zu lernen was diese “Eliten” sind, von denen immer alle reden:

Charlie – ohne Kommentar

Donnerstag, 29. Mai 2008