Archiv für die Kategorie 'Erzählungen'
Musste wissen, nech?
Montag, 22. November 2010Für den leider ungedruckten Abreißkalender ‘Wiki-Sinnsprüche für jeden Tag‘ würde ich richtig gutes Geld auf den Tisch legen. Für heute vielleicht dieser hier:

Was der da wohl so denken mag?
Katholischer Buchtipp
Dienstag, 28. September 2010»Im Blick durch Jakobs Kinderaugen ist die Welt wieder eine verzauberte, in der Melancholie und infantiler Kitsch nicht nur den Ton sondern auch den Sinn angeben. Und da die Erzählung all ihren Akteuren gewissermaßen Recht gibt, bleibt am Ende nur eine einzelne verbindliche Aufforderung: Um jeden Preis bis zum bitteren Ende durchzuhalten und im Angesicht des falschen Ganzen zu funktionieren.«
.. habe ich neulich über den Comic Jakob geschrieben. Als ob sie das gelesen hätten, hat der katholische Borromäusverein den Band nun in seinen Bücherdienst übernommen, der seinen »kompetenten Überblick über die Neuerscheinungen des Marktes« am »christlichen Menschenbild« orientiert. Sind wir uns also doch noch einig geworden.
Quelle: Cross Cult auf Facebook
Texte außer Haus
Samstag, 14. August 2010Auch wenn hier alles ein wenig ausgestorben ist, habe ich doch ab und zu ein wenig geschrieben in der letzten Zeit. Um das nicht völlig aus den Augen zu verlieren, werde ich das demnächst mal irgendwo gebündelt verlinken. Den Anfang machen jetzt die Rezensionen auf Beatpunk und dem Rollenspiel Alamach in einer phantastischen Liste.
Sogar zum Kiffen zu blöd
Sonntag, 14. Februar 2010Sicherlich überflüssig, sich darüber aufzuregen – aber etwas lustig ist er schon, dieser unzufriedene Leser von Walter Benjamins Haschischbuch:
Oder war das ein Witz?
Im Wahn sogar mit Frankreich
Samstag, 31. Oktober 2009»Schluss mit dem Kult um die Asterix-Comics!«, fordert Richard Herzinger auf Welt Online und nimmt die rübennasigen Globalisierungsgegner fachgerecht – mit Poliakov – auseinander. Die Forderung ist sympathisch und seine Beobachtungen so offensichtlich, dass es vermutlich ermüdend ist, sie schon wieder irgendwo aufschreiben zu müssen. Oder auch nicht, denn die WELT ist nicht irgendwo, wie das hilfreiche Kommentatorengesindel bereits eine halbe Stunde später klargestellt hat:
Die »Interpretation« sei »falsch«, der Autor hysterisch. »Postmodernes Beliebigkeitsgeschwurbel« ist auch schon wieder erkannt worden und was Poliakov endlich brauche, sei eine »richtige Arbeit«. (Aus dem Kriegsgefangenenlager hatte er sich ja seinerzeit auch schon verdrück, gell?)
Wirklich erstaunlich ist eigentlich nur, dass es diesmal Franzosen sind, die da so verbissen wie hirnlos verteidigt werden. Dass nämlich nicht nur die Deutschen zu völkischem Wahn neigen, stellt der Autor schon im zweiten Satz klar – ja, sie hätten nicht einmal damit angefangen. Der Wahn des Ariertums sei übrigens auch »in ganz Europa, nicht zuletzt in Frankreich« verbreitet gewesen. Aber es reicht offensichtlich nicht, die Deutschen so entgegenkommend aus der Schusslinie zu nehmen, will man ihnen auch nur das allerverdaulichste Häppchen Ideologiekritik schmackhaft machen. Vielleicht sollte es bei Gelegenheit mal jemand mit einem us-amerikanischen Westernheftchen versuchen.
Das Wetter
Sonntag, 04. Oktober 2009Nach zwei Romanen und vier Kurzgeschichten, scheint Sir Arthur Conan Doyle schlagartig aufgefallen zu sein, dass seine Sherlock Holmes Erzählungen vielleicht doch ein kleines bisschen was flavor vertragen könnten. Oder aber – wohlwollender spekuliert – es war Dr. Watson ein wenig schwer ums Herz, als er Die fünf Orangenkerne zu Papier brachte. (Sagt man ja so: »Any studies in Sherlock Holmes must be, first and foremost, studies in Dr. Watson.«) Was auch immer. Jedenfalls gibt es plötzlich Wetter, das mehr tut, als Spuren sichtbar zu machen oder für irgendwelche fragwürdigen De-, Ab- oder Induktionen vorzulegen:
»Er schüttelte uns die Hände und verabschiedete sich. Draußen kreischte der Wind noch immer, und der Regen spritzte und trommelte gegen die Fenster. Diese seltsame, wilde Geschichte schien aus den tobenden Elementen zu uns gekommen – über uns hergeweht wie ein Strang Seetang in einer Bö – und nun von ihnen wieder aufgesogen zu sein.«
Ungefähr so ging es mir heute auch – nur, dass niemand zu mir gekommen ist und ich darum selbst raus ins Scheißwetter musste. Wo ich so darüber nachdenken, war die Geschichte eigentlich auch weder seltsam noch sonderlich wild. Eigentlich war sie nur nervig kaum der Rede wert. Wenn ich sie auf das Wesentliche reduziere, bleibt eigentlich nur stehen, dass ich heute sieben mal über diese Brücke laufen musste und trotz der ungeraden Zahl wieder zu Hause angekommen bin:
Mein Weg in die Zivilisation
Konferenztexte in der neuen Bahamas
Freitag, 10. April 2009Hätte ich geahnt, dass Justus Wertmüller noch auf H. G. Wells’ Zeitmaschine zu sprechen kommen würde, hätte ich die ideologiekritische Konferenz der Bahamas vermutlich nicht so frühzeitig wegen eines versprochenen Abendessens verlassen.
Das Arkadien, das sich der Europäer herbeiwünscht, ist ohne die Morlocks nicht zu haben. Das Delegieren der Selbstverwaltung an ein ewiges Prinzip, das der Kritik entzogen ist, gebiert Menschenfresser.
Dieser Text (und einige andere, derer Lesungen ich dank der gruseligen Anreise nur im Halbschlaf folgen konnte) ist vor ein paar Tagen in der neuen Ausgabe der Bahamas veröffentlicht worden. Wer ebenfalls müde oder gar nicht anwesend war, kann nun nachlesen, was dort vorgetragen wurde.
Motorisiertes Lustwandeln
Samstag, 07. März 2009Mit dem Auto über die Dörfer – die Bundesstraße so sicher meidend wie der Kohltourist. Vorbei an Häusern, die jünger sind als sie aussehen. Ab und zu anhalten, wo einmal Freunde gewohnt haben – nicht alle davon sind ausgezogen.
Ich grüße zurückgelassene Eltern, bin heute freundlicher als früher, wo es ums Benehmen ging. Ich meide die Gegend, in der ich die alte Kommune vermute. Ich habe die Allee vor noch Augen, erinnere mich an Hunde, die seit wohl zwanzig Jahren tot sein werden.
So tot wie die Menschen, derentwegen ich den Umweg nehme. Ich besitze ein Foto von einem dieser Gespenster. Es schiebt einen Kinderwagen, in dem ich liege – behaupten die Überlebenden hartnäckig. Conan der Cimmerier soll sein Lieblingsbuch gewesen sein; er sieht ihm auch ein bisschen ähnlich. Wäre die Kassette nicht eh schon durch, müsste ich Menschen machen Fotos von dem Sommer jetzt abschalten.
Auf dem Acker pisst ein Bauer hinter seinen Trecker. There is no prophet in the desert? Ich lasse die Gegend, in der ich gar nicht war, hinter mir und schalte die Musik wieder an. I was the first – back on the farm – Fahr zur Hölle, Synchronizität – und nimm Luke Haines bitte gleich mit.
… Your spineless mass and your spineless man
This is the hate socialist collective
- all mental health corrected
Ganz bestimmt! An der Kreuzung (wo auch sonst?) biegt der Mystiker rechts ab und ich überhole ein paar Arschlöcher auf Fahrrädern. Meine Lust auf schlechte Laune ist vorerst aufgebraucht. Ich fahre nach Hause, koche mir einen Kaffee und schaue nach, ob irgendwo Sponge Bob läuft.
Lasst doch den Bernd da raus!
Freitag, 23. Januar 2009Alle reden vom besetzten Haus in Erfurt, jetzt auch die BILD. Nicht unbedingt wegen der Sache selbst, sondern weil Bernd das Brot entführt wurde. Bernds Papa sagt, Bernd sympathisiere vorrangig mit sich selbst. »Und ich glaube, er zöge Mieten dem Besetzen vor.« Da Hausbesetzungen in meiner Familie früher auch nicht ganz unüblich waren, weiß ich natürlich, dass Eltern und Kinder in solchen Angelegenheiten nicht zwangsläufig einer Meinung sind. Bernd selbst spricht öffentlich nicht mehr darüber, weil:
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Copy-, sample-, Wohn- und Nutzungsright – es ist einfach für jeden was dabei! Wird jetzt wieder über Aktionsformen und Kommunikationsguerilla debattiert? Nein, denn morgen ist ja Demo und das ist erst einmal wichtiger. Die Polizei rechnet mit einer Eskalation der Gewalt und ohne vollends auf den gut-böse-Zug aufspringen zu wollen vermute ich mal, dass sie das aus bestimmten Gründen am besten wissen wird.
Ich kenne das Haus nicht und weiß auch ehrlich gesagt gar nicht so wirklich, was da getrieben wurde. Etwas heiser bin ich allerdings noch vom Hamburger Bambule-Herbst 2002 (»BAMM BUH LEH, WOO HOO«) und seit dem auch etwas vorsichtiger mit dem Geschrei. Vielleicht erklärt es mir ja noch jemand und ansonsten: Passt alle gut auf euch auf!
… mit Dank an creep für den Link zur BILD.




