Archiv für die Kategorie 'Erzählungen'

Drei mittelgroße Fragen

Mittwoch, 20. August 2008

1. Fahre ich nun zur Antifa Konferenz nach Köln? Spannend könnte es werden, schlimm wird zwischenzeitlich hingegen ganz sicher – vielleicht erst einmal abwarten, wer noch so alles ausgeladen wird. …

2. Wie viel schäbige Kompromissbereitschaft braucht man heutzutage eigentlich für eine (Neben-)Jobsuche? Braucht zufällig noch jemand einen Hilfsarbeiter?

3. Wie frech ist Jakob eigentlich? Kaum habe ich es auch nur ansatzweise verschmerzt, sein Blog an die Lohnarbeit verloren zu haben, da taucht er schon wieder auf und tritt noch einmal kräftig nach. Sein Stiefel heißt ‘Vampires of the Internet‘ und wurde von Robin Hobb (vielleicht bekannt als Autorin der ‘Liveship Traders Trilogy‘) geschustert. Schuld an der allgemeinen Schreibfäule seien weder Wetter noch ökonomischer Zwang, sondern der Blogvampir. Der sitzt da nämlich fies und fett im Internet und lutscht hilflosen Künstlern die Kreativität aus den Fingern. Es gibt aber keinen Grund zur Panik! Frau Hobb ist zum Glück immer noch kreativ und hat sich dieses Schreckgespenst natürlich nur ausgedacht. Eigentlich geht es ja auch um etwas anderes:

»Ah, my writer friend. It is harsh but it must be said. Compared to the studied seduction of the novel, blogging is literary pole dancing. Anyone can stand naked in the window of the public’s eye, anyone can twitch and writhe and emote over the package that was not delivered, the dinner that burned, the friend who forgot your birthday. That is not fiction. That is life, and we all have one. Blogging condemns us to live everyone else’s tedious day as well as our own.«

Fiction, fiction, pumpiction; oder auch: ‘Wie gut, dass ich kein Künstler bin!

Anarchistin – Bumm Bumm

Donnerstag, 31. Juli 2008

Obwohl ich das Singen nicht sonderlich schätze, besitze ich einige Liederbücher. Eins davon heißt ‘Frauenliederbuch‘ und ist ein paar Jahre vor meiner Geburt im ‘Frauenverlag‘ erschienen. Es stehen lustige Lieder in diesem Buch; manche sind auch traurig, ein paar etwas blöde – romantisch ist natürlich keins.

Eines dieser Lieder ist ‘Die Moritat von der Anarchistin‘, und es beginnt mit einem Problem:

Es liebte ein feuriger Jüngling
Ein zärtliches Mädchen gar sehr.
Doch leider war sie Anarchistin
Und er Polizeikommissär.

Dumm gelaufen! Ganz so hoffnungslos wie in dem – wahrscheinlich bekannteren – Deutschpunk Gassenhauer ‘Ganz in schwarz (mit einem Pflasterstein)‘ geht es allerdings nicht weiter. Er verhaftet sie nicht, weil sein liebendes Herz im entscheidenden Augenblick »bumm bumm« macht, und auch sie zeigt sich für Zugeständnisse bereit:

Sie hätte ihn töten müssen,
Nach anarchistischer Pflicht,
Doch weil sie ihn ebenfalls liebte,
Da tat sie es ebenfalls nicht.

Beide hängen Job und Überzeugung an den Haken, um den gemeinsamen Rückzug ins Private anzutreten. Das Gewissen rumort nur leise – lauter das Herz: »bumm bumm«. Klar, dass das nicht lange gut geht:

Er öffnet’ ihr glühend die Arme,
Sie wehrt’ ihm länger nicht mehr.
Da küßte die Anarchistin
-    den Polizeikommissär.
Doch wie er ans Herze sie drücket,
Da kracht es plötzlich und pufft
Im entscheidenden Augenblicke,
Da flogen sie beide in die Luft.
Denn sie trug unter ihrem Herzen
Eine Höllenmaschine herum,
Die kracht’ durch die starke Umarmung
So starben sie beide: bumm, bumm.

Ja, schade. Was daraus zu lernen wäre, bleibt jedem selbst überlassen. Der Kommentar der Herausgeberinnen ist schon mal nicht sonderlich hilfreich:

»Die Moritat von der Anarchistin und dem Polizeikommissär bezieht sich auf die Ende des 19. Jahrhunderts in Rußland aktiven Anarchistinnen. Über sie wurden wilde Gerüchte gesponnen und verbreitet, genährt von der Männerphantasie über radikale Frauen, wie sie auch das abgedruckte Moritatenlied widerspiegelt.«

Genug jetzt – Bumm Bumm …

Freud soll Blut saufen

Mittwoch, 30. Juli 2008

Mein leichtfertig dahingesagter Kommentar auf den neuen (und sehr lesenswerten) Text bei ‘Das Morgen von Gestern schon heute hat mich gerade auf den Gedanken gebracht, meine Regale nach Peter Priskils ‘Freuds Schlüssel zur Dichtung. Drei Beispiele: Rilke, Lovecraft, Bernd‘ zu durchsuchen. Gefunden habe ich es dann leider erst deutlich später – in der Google Buchsuche. Inzwischen ist es mir zwar zu spät für die angedachte Lektüre geworden; das erste Überfliegen hat mich aber bereits über ein schmissiges Lovecraft-Zitat stolpern lassen, an das ich mich gar nicht mehr erinnern konnte (oder wollte):

»Yah! Wie spucke ich auf dieses verrottete Zeitalter mit seinen schwächlichen Bequemlichkeiten und seinen vergeudeten Energien – seinen Freuds und Wilsons, Augustini und Heliogabali – Pöbel und Perversionen! Alles, was diese Schweine mit ihren Skrupeln und Problemen, Veränderungen und Rebellionen brauchen, ist ein kräftiger Schluck Blut aus dem Schädel eines Feindes auf den Zinnen einer Bergfeste!«

… vom ersten Lesen war lediglich hängen geblieben, dass Lovecraft der Psychoanalse »eher skeptisch« gegenüber stand. Umso interessanter die Analyse, auf die ich mich nun aber bis zum Frühstück gedulden muss.

Kinderlieder für Lenin

Samstag, 26. Juli 2008

Meine Schwester hat mir neulich die erste Seite von Richard David Prechts ‘Lenin kam nur bis Lüdenscheid‘ unter die Nase gehalten. Dieses »revolutionäre Gegenstück zu ‘Generation Golf’« (Die Berliner MoPo meinte das wohl als Kompliment …) war trotz Erfolg und Verfilmung vollkommen an mir vorbei gegangen. Auf dieser ersten Seite beschreibt Precht ein Kinderzeltlager von DKP und Naturfreundejugend, und obwohl dieser Krug an mir vorbei gegangen ist – die Gnade der etwas späteren Geburt und nicht so garstig gestörter Eltern – habe ich mich trotzdem aus biographischen Empfindlichkeiten heraus gegruselt:

»Von der Wiese her klimperten schon die Gitarren von Christiane und Fredrik Vahle, eine kleine Schar Kinder hatte einen Kreis um sie gebildet, die anderen schliefen noch in den Zelten. Wieder und wieder hatten wir gestern Abend ihre Lieder gesungen: das Lied von der Rübe, die der kleine Paul nur mit Hilfe der »Italiener-Kinder« aus der Erde ziehen kann, vom Hasen Augustin, der den dicken Jäger verarscht, und vom Fisch Fasch, dem faulen Nutznießer, dem die erbosten Arbeiten den weißen Hintern versohlen. Wir kannten sie alle von der Kinderplatte.«

Hauruck zieht der Paul, und hauruck zieht der Fritz – mir wird ganz anders zu Mute. Lesen werde ich das Buch aber wahrscheinlich trotzdem nicht.

Gaiman, Lovecraft, Sherlock Holmes

Freitag, 20. Juni 2008

Wo wir gestern schon bei der bunten Welt der Unterhaltungsdinge waren: Neil Gaimans Sherlock Holmes – Pastiche ‘A Study in Emerald‘ steht als kostenloser Download zur Verfügung; zum Lesen und zum Hören. [via omnia exeunt in mysterium]. Die Geschichte ist erstmals in der Anthologie ‘Shadows Over Baker Street: New Tales of Terror!‘ erschienen, über deren Konzept sich wohl am einfachsten erklären lässt, warum die grüne Studie so wundervoll ist.

Am Anfang stehen zwei Autoren, deren immenser Einfluss auf die phantastische Unterhaltungsliteratur unbestreitbar ist: Sir Arthur Conan Doyle und Howard Phillips Lovecraft. Obwohl sich in der Rezeptionsgeschichte der beiden Großmeister einige Ähnlichkeiten aufzeigen ließen, sind es doch die geradezu spiegelbildlichen Unterschiede in Biographie und Werk, die sich dem Betrachter aufdrängen. Während der Atheist Lovecraft seinen Cthulhu-Mythos als widersprüchliches Chaos des kosmischen Grauens komponiert, ist Sherlock Holmes – die Hauptfigur des Spiritisten und Feierabendmystikers Conan Doyle – ein Mann der Ratio. Die Holmes-Fälle sind sorgsam konstruierte Puzzle, die vom Logiker Holmes deduktiv aufgedröselt werden; Lovecrafts Figuren hingegen sind kaum mehr als Platzhalter – Objekte ihres Wahnsinns – deren Scheitern unausweichlich ist. Der Cthulhu-Mythos ist inkonsistent, widersprüchlich und (trotz der Versuche diverser Fans und Rollenspieler) nicht zu erklären. Die beiden literarischen Systeme, Holmes-Chronologie wie Cthulhu-Mythos, sind von unzähligen Autoren erweitert worden, und die Suche nach einem verbindlichen Kanon ist in beiden Fällen Gegenstand erbitterter Streitereien.

Zu diesen Erweiterungen (oder besser: Pastiches) zählen auch die Geschichten in ‘Shadows Over Baker Street‘. Der Witz ist nur, dass diese Geschichten in beiden Welten zugleich spielen und als Holmes/Cthulhu Crossover daher kommen. Die oben angerissenen Differenzen fordern den Autoren eine gründliche Auseinandersetzung mit ihren Vorlagen ab und zwingen sie, mit dem Paradoxon zu spielen. Das gelingt ihnen unterschiedliche gut; Gaiman macht es mit Abstand am besten. Spoiler gibt es keine – wer sich mit diesem Konzept anfreunden kann, wird seine Freude an ‘A Study in Emerald‘ haben. Versprochen!

p.s. Ja, ich weiß noch, was ich gestern geschrieben habe.

Selbst ist der Kritiker

Donnerstag, 19. Juni 2008

Literaturkritiker sind in der angebildeten Konsumentenschaft nicht sonderlich beliebt. Sie verdienten ihr Geld mit dem, was eh schon jeder (besser) wisse, indem sie Geschmacksfragen künstlich aufblähten, einen pseudointellektuellen Begriffsapparat pflegten und zu allem Überfluss als nützliche Idioten der finsteren Kulturindustrie hofiert würden. Zugestehen könne man ihnen bestenfalls einen gewissen Überblick über den tatsächlich unüberschaubaren Markt, den sie allerdings nur als Referenzfundus missbrauchten, um »normal gute« Autoren wie Ken Follet, Dan Brown oder Henning Mankell zu verunglimpfen. »Gut, dass uns diese Klugscheißer egal sind, und wir einfach so lesen können, was wir gut finden, eben weil wir es gut finden!«

Vergleichbare Urteile werden in ermüdender Regelmäßigkeit über Restaurant-, Film- oder Musikkritiker gefällt. Verziehen wird bestenfalls dem Sportkommentator, dem sich der Fachmann daheim in Kompetenzfragen zwar zumindest ebenbürtig wähnt, der aber immerhin mit Volkes Stimme spricht und unseren Jungs zuverlässig die Stange hält. Die ignorante Großherzigkeit des individuierten Denkers liegt letztlich in seinem Mitleid begründet; hat er doch nur zu genau begriffen, was Georg Kreisler (immerhin auf unterhaltsame Art) besungen hat:

»Es gehört zu meinen Pflichten,
Schönes zu vernichten als Musikkritiker,
Sollt ich etwas Schönes finden,
Muß ich’s unterbinden als Musikkritiker.
Mich kann auch kein Künstler überlisten,
Da ich ja nicht verstehe, was er tut.
Drum sag ich von jedem Komponisten:
Erst nachdem er tot ist, ist er gut!
«

Im Grunde ist der Kritiker nämlich eine arme Sau; hat von Kunst nichts begriffen, geschweige denn etwas anständiges gelernt. Und genau hier setzt die narzisstische Ermächtigung des Kritikgegners ein: Ist der Experte erst mittels einer explosiven Mischung aus gesundem Menschenverstand, küchenpsychologischen Einschätzungen und (optional) Adorno-Klappentexten demontiert, wird selbst in die Bresche gehüpft. Was dort ankommt, ist ein absurdes Spiegelbild seiner eigenen Wahnvorstellung: Die Subjekt gewordene Parodie auf den zuvor entmachteten Kritker. Die – selbstverständlich gut sortierte – DVD-Sammlung wird verbindlicher Kanon, die akribisch erlernten Namen Begriffsapparat und die Weltanschauung Motivarsenal für die interpretatorische Schnitzeljagd.

Das Beschriebene ist nicht verwerflich, betrifft letztlich jeden, der sich inhaltlich mit kulturindustrieellen Produkten auseinandersetzt und liegt in der Natur der Sache – was wohl am wichtigsten ist. Das kaum begrenzte Warenangebot verlangt entscheidungsfähige Konsumenten, die nicht gleich kapitulieren, wenn sie zwischen zwei TV-Sendungen wählen müssen. Diese banale Erkenntnis macht das Geschwätz von [insert favorite artist here] – Fans auf der anderen Seite aber auch nur unwesentlich erträglicher. Das Expertentum (ob nun professionell dem autonomen Kunstwerk nachtrauernd oder der in der selfmade-Variante nach dem heimischen Videoabend) ist Selbstbetrug – ist nervig – ist Ideologie.

Auflösen kann ich das Problem leider auch nicht, obwohl ich bisher sogar noch verschwiegen habe, dass die Warenvielfalt an und für sich eine tolle Sache ist. Gelegentlich bereitet mir sogar das Gespräch über diese Dinge Freude. Bis zum Kommunismus bleibt wohl nichts besseres, als öfter mal wegzuhören und ab und an zu klicken, wenn Amazon »Rezension unzumutbar?« fragt – im übertragenden Sinne aufs Ganze zielend, versteht sich.

Michael Endes ‘Momo’ in der BAHAMAS

Montag, 02. Juni 2008

Die neue Bahamas ist erschienen und während mein Exemplar in einem fernen Briefkasten wartet, habe ich mit den online verfügbaren Artikel begonnen. Ganz besonders erfreulich ist Peter Siemioneks ‘Phantasie und Vernichtung – „Momo“ und die autoritäre Sehnsucht des Michael Ende’; eine Kritik mit Seltenheitswert, die weit über den ästhetischen Charakter dieses Lieblingsbuches aller Eltern hinaus geht: »Vielleicht wagt schon deshalb keiner, auf die Drittklassigkeit des Autors und die Leblosigkeit seines Hauptwerks, seinen bedrückenden Mangel an Phantasie und die fade Schablonenhaftigkeit seiner Gestalten hinzuweisen, weil alle insgeheim wissen, dass Momo gar nicht als literarisches Kunstwerk, sondern als hochideologisches Traktat den Deutschen generationenübergreifend so unentbehrlich geworden ist.«

Als solches wird es dann auch untersucht, dem Vergleich mit Goethes Vorlage ausgesetzt, auf sein Gesellschafts- und Arbeitsideal befragt und mitsamt seiner bildungsbürgerlichen Erfolgsgeschichte (auch bekannt als “Deutschunterricht”) als »gefährlicher Schund« entlarvt. Durch das Programm führt der alte Tocotronic-Text, auch wenn die Band selbst nur bis zur vierten Fußnote unbeschaded bleibt.

Ein Lied mehr zur Lage der Nation
Und zur Degeneration meiner Generation
Zur Unentschlossenheit der Jugend
Zur Vedrossenheit der Tugend
Zu meiner aussichtslosen Lage
Und zur Klärung der Schuldfrage

Und darum klag’ ich an

Michael Ende nur du bist schuld daran
Daß aus uns nichts werden kann
Du hast uns mit deinen Tricks
Aus der Gesellschaft ausgeXt
Mit den Eltern aller Schichten
Willst du uns vernichten

Michael Ende du hast mein Leben zerstört

Ich erlaube mir noch einen etwas unsportlichen Kunstgriff, indem ich den Schlusssatz auf Einleitungsposition drehe, und empfehle die Lektüre. Dringed.

»Angesichts einer praktizierten Gemeinschaftserziehung, die ihre wesentlichen Motive aus einem antisemitischen Kinderbuch zieht, wirken Adornos Forderungen nach einer „Erziehung zur Entbarbarisierung“, die in erster Linie Aufgabe der Schule sein sollte, scheinbar naiv. Und doch sind Adornos Forderungen gegen Lehrer, die mit „Momo“ in der Hand die gesamtgesellschaftliche Regression beschleunigen, aktueller denn je. Die professionellen Lehrer in ihrer Mehrheit kommen als Adressaten dieser Kritik, gar als Akteure, die in ihrem Bereich aktiv gegen den Rückfall in die Barbarei kämpfen würden, allerdings nicht in Betracht. Eine Erziehung gegen „Momo“ wird sich notwendig gegen die Schule zu richten haben.«

Nachtrag: Nichtidentisches hat in seinem (annähernd gleichzeitig verfassten) Kommentar auf den Bahamas-Artikel auf einen eigenen Text über Michael Ende verwiesen. Es lohnt sich, den ebenfalls zu lesen, da der Nachweis der antisemitschen Stereotype (im ‘Wunschpunsch‘) in der Bahamas nur am Rande erfolgt.

Sprechende Frisuren

Mittwoch, 21. Mai 2008

Lange gesucht und endlich gefunden – Pasolini über ‘Die Sprache der Haare‘ (in ‘Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft.’):

Was sagten sie jetzt? Sie sagten: »Ja, es stimmt, wir drücken linke Inhalte aus; unsere Aussage ist – auch wenn sie die verbalen Botschaften lediglich begleitet – eine linke Aussage … Aber … Aber …«
An diesem Punkt verstummten die langen Haare. Den Rest mußte ich selbst ergänzen. Mit dem »Aber« wollten sie offensichtlich zwei Dinge sagen: 1. »Unsere Wortlosigkeit erweist sich zunehmend als irrational und pragmatisch. Der Primat der Aktion, den wir unausgesprochen behaupten, hat einen subkulturellen und damit einen im wesentlichen rechten Charakter.« 2. »Wir sind inzwischen auch von faschistischen Provokateuren, die sich unter die Verbalrevolutionäre mischen, unterwandert worden (der Verbalismus kann ja auch zur Aktion führen, vor allem, wenn er sie zum Mythos macht); und wir bilden eine perfekte Maske, nicht nur rein äußerlich (unser ungeordnetes Wallen und Haargewoge macht tendenziell alle Gesichter gleich), sondern auch in kultureller Hinsicht: Eine rechte Subkultur läßt sich nämlich ohne weiteres mit einer linken Subkultur verwechseln.«
Kurz und gut, ich verstand, daß die Sprache der langen Haare nicht mehr ein »Etwas« von linken Inhalten ausdrückte, sondern ein Zwiespältiges, etwas Rechts-Linkes, was das Auftreten von Provokateuren ermöglicht.

Sehr zu empfehlen das Buch. Überhaupt: Pasolini lesen!

Jon ganz alleine

Freitag, 07. März 2008

Ich bin gerade auf ein wirklich deprimierendes und unglaublich lustiges Webcomic aufmerksam gemacht worden. Es geht ausschließlich um Garfield, oder besser: Um das, was bleibt, wenn man den dicken Kater aus den Garfield-Strips entfernt.

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Garfield ohne Garfield

“Who would have guessed that when you remove Garfield from the Garfield comic strips, the result is an even better comic about schizophrenia, bipolar disorder, and the empty desperation of modern life? Friends, meet Jon Arbuckle. Let’s laugh and learn with him on a journey deep into the tortured mind of an isolated young everyman as he fights a losing battle against loneliness in a quiet American suburb.”

Nachtrag: Via creep, der es im sablog gefunden hat.

Zitierte Hunde im Klassenkampf

Dienstag, 26. Februar 2008

Kurze Zwischenfrage an die Auskenner unter euch: Im Vorwort zur Neuauflage wennvon Cosmic Banditos zitiert Allan C. Weisbecker ein “riesiges politisch angehauchtes Buch“, in dem einige Referenzen auf sein Werk zu finden sein sollen. Gibt es das tatsächlich und wie heißt es? Oder andersrum gefragt: Woher stammt dieses abstruse Zitat ursprünglich?

Der Weg der Befreiung aus dem Klassenkampf zeigt sich darin, daß man nicht über alle Dinge in derartigen Begrifflichkeiten nachdenkt und sich einer Utopie entsinnt, die ein Ende des Klassenkampfes hat, innerhalb eines besonderen Bewußtseins aus dem er entstanden ist. Dies ist das grundlegende Einstellungsproblem der marxistischen Banditos (in dem Buch) und der Grund, warum sie mit ihren kosmischen Kollegen nicht weiterkommen. »Sie mögen auch keine Hunde« (eine Bemerkung des Autors), ist sogar ein weiteres Beispiel von etwas sehr wichtigem. Sie können es nicht mit ihrer Ideologie vereinbaren, Hunde zu mögen, da sich Hunde nach ihrem Verständnis nicht am Klassenkampf beteiligen. Die Wahrscheinlichkeit, daß die Geschichte, die in Cosmic Banditos beschrieben ist, tatsächlich geschehen könnte, ist sehr gering; doch nicht unmöglich. Cosmic banditos ist zwar eine unwahrscheinliche Geschichte, aber keine unwahrscheinliche. Es ist eine humoritistische Arbeit mit psychedelischen Bestandteilen. Ebenso ist es eine philosophische Arbeit über das menschliche Wissen und die Wahrnehmung der Realität. Man könnte es einen groschenromanartigen »Tzeuberg« der Postmoderne nennen.

Der genaue Wortlaut wird natürlich etwas anders sein, falls Weisbeckers Übersetzer und der des “riesigen Buches” nicht Teil einer gemeinsamen Schwarmintelligenz sein sollten. …