Archiv für die Kategorie 'Musik'
Totgetreten
Donnerstag, 26. November 2009»In August 2007, Sophie Lancaster was kicked to death, simply for dressing differently. Two years on, and in tribute to the outgoing, bubbly girl who was denied the chance to live life her way, cult new British make-up brand Illamasqua has commissioned a short film by award-winning French director, Fursy Teyssier.
Produced by creative agency Propaganda, in association with iconic British band, Portishead, Dark Angel is a beautifully haunting rendition of Sophies story.
The aim of the film is to raise awareness of The Sophie Lancaster Foundation and generate £500,000 to help educate young people about tolerance. Since Sophies death, weve been working with behavioural experts Huthwaite International, to put together an interactive youth workshop that does just that.«
[via]
Verpasste Konzerte
Mittwoch, 22. Juli 2009… hat man in unserer schönen neuen Welt nicht mehr einfach nur verpasst, sondern bekommt das bei YouTube auch noch ganz frech unter die Nase gerieben. Hat man sich erst von der blöden Idee des Ereignisses verabschiedet, kann man dann auch so tun, als wären die Bilder keine drei Jahre alt.
Lifestyle
Samstag, 28. März 2009Egotronic auf dem Dorf – auf meinem, um genau zu sein. Die Feierei an und für sich war ganz lustig, alles andere eher verstörend. Viele Pali-Tücher um mich herum (irgendwer hat das neulich mal als Realsatire bezeichnet). Nach der Veranstaltung wurden wir draußen von Sprechchören in Empfang genommen: »Nieder, nieder mit den Antideutschen«. Gesprechchort wurde auch drinnen; irgendwas mit »Hurensohn«, glaube ich. Genau verstanden habe ich es nicht. Torsun wird es besser wissen, immerhin hat er zwischendruch angemerkt, selten so dämliche Geschichten aus seinem Publikum gehört zu haben. Auf einer komatösen Wanderung durch die Lingener Innenstadt gab es noch (im Grunde ganz nette) Auseinandersetzungen mit den Eingeborenen und ich habe nun erstmals das Gefühl, tatsächlich an meinem neuen Wohnort angekommen zu sein. Kann nicht sagen, dass es vorher schlechter gewesen wäre. …
Nachtrag: Diese »Auseinandersetzungen« waren selbstverständlich friedlicher Art. Ich weiß auch nicht, warum mir so ein Krawallwort in den Sinn gekommen ist.
Früher mal, die Dorfdisco
Freitag, 13. Februar 2009Verzichtet man auf dieses und jenes unterhaltsame Detail, bleibt von jedem Gerede über »damals« nur ein faseliger Brei, der irgendwann selbst diejenigen zu Tode langweilt, die dabei gewesen sind. Ein ganz besonders beliebtes Thema sind die kleinen alternativen Dorfdiscos, von denen es auf dem norddeutschen Flachland früher tatsächlich mal mehr als heute gab. Bei uns zwischen Bremen und Osnabrück sind der Lindenhof (Wetschen), der Pleasure Dome (Oppenwehe) oder der Circus Musicus (Märschendorf) heute so legendär, wie sie pleite und geschlossen sind; und auch weiter westlich im Emsland sind die vergleichbaren Läden größtenteils ins Museum und die Geschichts-Doku umgezogen.
Man könnte sagen, wir hätten in den 90ern das Ende einer Ära erlebt – zwischen Krautrock-Resten, Hippielala und MTV-Metal an unseren adoleszenten Identitäten gestrickt. Ich kenne einige, die das tatsächlich so oder so ähnlich sagen und noch einige mehr, die eher wortlos auf ihren entsetzlichen »Revival Partys« herum oxidieren. Als die Läden vor ein paar Jahren wegstarben, habe ich die kollektive Traurigkeit noch für ein lokales Phänomen gehalten, für ein weiteres Mosaikteilchen Diepholzer Provinz-Tristesse. Später in der großen Stadt musste ich dann feststellen, dass es diesen weinerliche Irrsinn auch anderswo gab. Und nicht nur, dass alle mal wieder jung sein wollten (bei Anfang-20-jährigen ein erstaunlich verbreitetes Bedürfnis) – nein, es war immer wieder die Dorfdisco, um die es ging.
Lindenhof in Wetschen
Und das sonderbarste: Als die Tempel noch standen, waren auch schon alle traurig! Die Hippies wollten die 70er zurück, die Gruftis die 80er und ich selbst meist den letzten Sommer (oder manchmal auch die 70er). So ganz verstehe ich das alles noch nicht. Natürlich ist auch dieser Text hier Teil des beschriebenen Geredes, und natürlich manifestiert sich das Hängenbleiben auch negativ. Nur erklären tut das noch nichts – insbesondere nicht die Ausstellung oder die DVD aus dem ersten Absatz. Es steckt doch etwas mehr dahinter, als die freche und dümmliche Behauptung, dass früher alles besser gewesen sei. Ich werde das im Auge behalten. …
Das revolutionäre Subjekt klampft wieder
Sonntag, 04. Januar 2009In Oldenburg soll es mal einen Nazi gegeben haben, der – wie die Legende weiß – folgendes auf seinen Rucksack geschrieben hatte: »Die Indianer haben sich nicht gegen Einwanderer gewehrt. Heute leben sie in Reservaten.« Ob es diesen Spaßvogel wirklich schon gegeben hat, bevor die NPD den Spruch an ihr Zielpublikum verschleudert hat, weiß ich nicht. Auf jeden Fall macht die Geschichte Stimmung, wo die altlinken Begeisterung für autochthone Völker im Aufstand noch lange nicht Historie geworden ist. Über »Istrumentalisierung« habe ich schon Flüche gehört, sogar den längst verschalten Spruch mit dem Raub »unserer« Codes habe ich schon vernommen.
Dabei sind die Indianer (im Gegensatz zu den weniger greifbaren native americans) schon lange die Freunde aller Deutschen – auch und gerade derer, die nicht zu »uns« gehören. Früher sind sie in blutsbrüderlicher Eintracht mit Old Shatterhand durch die Landschaft geritten, später standen sie uns als Belastungszeugen zur Seite, als es galt den Holocaust auf der ganzen Welt – nur nicht in Deutschland – nachzuweisen.
Die tatsächlichen Menschen können freilich nicht sonderlich viel für diese Freundschaft. Nicht einmal dann, wenn sie sich von ihren deutschen Brüdern und Schwestern bejubeln lassen, wie es die (Ethno-)Punkband Blackfire seit ihrem ersten Konzert auf dem Tanz- und Folkfest in Rudolstadt immer mal wieder tut. Der Folker berichtet anlässlich ihrer Europatournee über die Band aus »den sogenannten Vereinigten Staaten«, und lässt die Musiker einen softcore-völkischen Quark palavern, wie es außerhalb der Folkszene nur ganz spezielle Menschen tun: Ohne Identität sei alles nutzlos … vielleicht sogar die Musik, die wie ein Gebet Energien zur Heilung produziere … voller Kraft und Schnelligkeit wie bei einem Pferd, das außer Kontrolle sei. (Nachzulesen auf den Seiten 22-23 des Folker 01.09, der spätestens morgen in Bahnhofsbuchhandlung und Musikgeschäft liegen sollte.)
Im Jahr 2002 waren Blackfire für viele Besucher das Highlight auf dem TFF Rudolstadt. Auf zwei Konzerten habe ich vollkommen begeisterte Menschen gesehen, die ansonsten eher weniger Freude an härterer Musik haben dürften. Ein etwas übermotivierter Konzertbesucher ist sogar noch auf die Bühne geklettert, um die Botschaft der Musiker ins Deutsche zu übersetzen. Endlich gab wieder einen Kronzeugen gegen die schreckliche Macht der USA abzufeiern; attraktive junge Menschen im Antiglobalisierungslook, fest entschlossen, das Kriegsbeil gegen die Weltmacht zu erheben. Vielleicht werde ich mir sogar ansehen, was sich über die Jahre getan hat. In Hamburg vielleicht, wo witzigerweise im Museum für Völkerkunde aufgespielt wird.
F*****g Censorship
Dienstag, 18. November 2008Es tut mir leid Creep, aber Dein YouTube-Fund ist einfach zu gut, um nicht überall gepostet zu werden:
Album: Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!
Dienstag, 11. November 2008Nach knapp zwei Monaten ausführlichen Hörens bei fast verschwiegener Begeisterung nun endlich die ausführliche Besprechung des Albums ‘Classless Kulla als Beifahrer beim Istari Lasterfahrer – Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!’ (Sozialistischer Plattenbau, 2008)
Das Cover
In Bini Adamczaks Versuch, in kindgerechter Sprache für den Kommunismus zu werben, endete jeder bisherige Versuch mit der gleichen enttäuschten Erkenntnis: »Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!« Es ist egal, wie wenig Begeisterung ich für das Buch aufbringen kann – der Satz ist einer, den ich gerne öfter hören würde. Und da die Freunde (und ein Großteil der Feinde) offensichtlicher Fehlschläge scheinbar nicht dazu in der Lage sind, müssen es eben andere tun. In diesem Fall waren es der Buchautor, Blogger und Musiker Classless Kulla und der »Breakcore«-Produzent und -Labelgründer Istari Lasterfahrer; zwei Vertreter des diskordianischen Kommunismus und des Lasterfahrianismus – in der gemeinschaftlichen Erkundung der »Dialektik von getrennt und zusammen«.
Die 19 Tracks der CD lassen sich nicht einmal über das Ungenre Breakcore auf einen Nenner bringen; gegen jede allgemeine Beschreibung ließe sich problemlos zu einem Gegenbeispiel skippen. Rohe elektronische (Break-)Beats, Samples und unglaublich viel Text machen aber dennoch einen Großteil der Musik aus. Wer Classless bisher nur als Egotronic-Gastsänger kennt, wird sich auf erheblich weniger eingängige Musik einstellen müssen. Und obwohl Bass, Beat und Gesang treiben, sind die Texte – zumindest für mich – das herausragende Element.
Klare Statements gegen Ghetto-Ost-Romantik (’Flucht aus dem Plattenbau‘), Mackertum (’Sexist Motherfucker‘) oder revisionistische Opferfeiern (’Dresden Calling‘) wechseln mit nachdenklichen Texten, die sich nicht so ohne Weiteres auf eine Botschaft runterbrechen lassen. Ein musikalisch und politisch aufpoliertes Revival des altlinken Protestsongs findet hier aber erfreulicherweise in beiden Fällen nicht statt: Selbst wo die Parole in der Luft liegt, demontiert die Musik und lässt den zappeln, der auf die Idee kommen könnte, Haltung anzunehmen. Spätestens wenn Classless über die Buschtrommel hinweg singt, dass wir es gerade nicht mit einem »ethnischen Beat aus der guten alten Zeit« zu tun haben und sich das Ganze als Vertonung von Eske Bockelmanns ‘Im Takt des Geldes‘ entpuppt, hat sich die Vielschichtigkeit des Albums entwickelt.
Wer sein Hirn-Input ruhig, irgendwie rund und authentisch schätzt, wird seine Schwierigkeiten mit dem Album haben. Wer einfach nur tanzen will, vermutlich ebenfalls. Kulla tut seinen Zuhörer nicht einmal den Gefallen, einen konsistenten Gesangsstil zu entwickeln. Gesungenes ist in diversen Akzenten zu hören, als wollte er sich auf keine sprachliche Identität festlegen. So wie Kulla auch dann ausdrücklich zitiert, wenn er eigene Texte vorträgt, verfährt der Lasterfahrer mit der Musik: Mal klingt sie nach Ragga, mal nach Punk – nie sie gaukelt sie Autonomie vor. So reizvoll das auch ist, es verlangt dem Zuhörer eine Menge ab. Zumindest im Einspruch mittels Pause- und Skiptaste sollte man geübt sein.
Die CD kommt im schicken Digipak mit (ebenso schick) illustriertem Textheft. Neben den Lyrics sind dort auch die meisten Zitate benannt, was das ein oder andere Gegrübel verkürzt.
‘Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus‘ ist beim Sozialistischen Plattenbau erhältlich und kostet 10,- €.



