Archiv für die Kategorie 'Musik'

Ich glaub, ich bin ein Symptom

Freitag, 06. Juni 2008

Dieser Tage bekommt mein Blog recht viele Besucher von der ‘Geottinger Stadtinfo‘, wo man offensichtlich meinen Kommentar zum Antifee-Festival gelesen hat. In (an sich recht ansprechender Manier) wird das Konzept der Veranstaltung dort im Spiegel der Kritik erläutert. So heißt es unter der Überschrift »Was gibts inhaltlich an Programm?«:

»Geboten wird ein Mix von Musik und subkultureller Politiktheorie. Das gefällt nicht allen wie z.B. dem im Folgenden zitierten Blogger [ich]: “Mag sein, dass es Menschen gibt, die sich den Tanzschweiß aus dem Gesicht wischen und wachen Verstandes bei einer »Einführung in feministische Theorien« auflaufen können – ich gehöre aber ganz bestimmt nicht dazu.” (Wie ein Leser richtig bemerkt hat, handelt es sich bei diesem Blog anscheinend um jemanden mit Sympathie zu antideutscher Performance. Das fanden wir auch bemerkenswert, weil wir von dieser Seite eher Zustimmung zu den Haupttehmen des Festivals erwartet hätten. Somit fällt die ideologische Differenz als Grund für die Kritik eigentlich weg.) Hierzu hat der selbe Leser in seiner Zuschrift eine nachdenkenswerte Erklärung hinzugefügt: “Diese Haltung, mit der Theorie im eigenen Leben nicht konfrontiert zu werden, ist gerade in den Soft- und Hardcore antideutschen Zusammenhängen sehr verbreitet. Hier ist die vermeintliche Systemkritik bereits so weit aus dem unmittelbaren Lebensumfeld herausgelöst, das beides als gänzlich unterschiedliches erscheint. [Hervorhebungen von mir]«

Nochmal: Dieser Typ, der nicht verschwitzt ins Seminar gehen möchte, ist ein Antideutscher™ und sollte darum eigentlich kein Problem mit dem Hauptthema der Veranstaltung haben. Da er sich zu diesem Hauptthema gar nicht geäußert hat, muss weiter ausgeholt werden, und eigentlich ist es ja auch der Mangel an Systemkritik in seinem Alltag, die ihn so schwatzen lässt. Und das betrifft sie alle – auch die Softies.

Später im Text werde ich erneut zitiert; dann zu meinem Ärger über die Definitionsmacht-Phrase. Hier wird das Zitat meines Textes einem veränderten “Original” gegenübergestellt – grob unsportlich, auch wenn das “trotzdem” immerhin erahnen lässt, dass da vielleicht noch etwas mehr stand.

Zum Abschluss noch ein paar kleine Ergänzungen: Mein Blog ist kein “jemand” und hat darum noch weniger Sympathien mit irgendwelchen “Performances”, als ich es habe. Dieses “Hauptthema der Veranstaltung” habe ich erfreut zur Kenntnis genommen, und das Festivalkonzept darum auch aus der Perspektive eines potentiellen Besuchers kritisiert. Das Betexten dieses Blogs ist keine politische Arbeit, sondern ein kleiner Aspekt meines oben angesprochenen Alltags, was mir keinesfalls “als gänzlich unterschiedlich erscheint”.

Aber sei’s drum. Ich wünsche euch trotzdem viel Vergnügen und anregendere Diskussionen, als hier im Vorfeld geführt wurden. Lasst euch nicht ärgern, habt Spaß an der Musik und macht was aus dem Wochenende. Den Spanferkelgrillern in der Nachbarschaft wünsche ich außerdem noch einen guten Appetit.

Spaßbunker Antifee

Montag, 19. Mai 2008

Kurz vor Feierabend habe ich gerade bei yay! aka ponyreiten gelesen, dass es bald ein zweites Antifee-Festival in Göttingen geben soll. Im letzten Jahr war ich aus irgendwelchen Gründen verhindert, in diesem weiß ich hingegen nicht, ob ich eigentlich fahren möchte (obwohl die großartigen Woog Riots spielen). Party und Politik haben sicher ihre Schnittmenge; was solche Crossover-Veranstaltungen sollen, will mir aber nicht in den Kopf. Mag sein, dass es Menschen gibt, die sich den Tanzschweiß aus dem Gesicht wischen und wachen Verstandes bei einer »Einführung in feministische Theorien« auflaufen können – ich gehöre aber ganz bestimmt nicht dazu.

Mich erinnert das auf grausliche Weise an die letzte ‘90er Jahre Party’ im Alhambra, zu der ich nicht gegangen bin, weil man dort »selbstironisch abtanzen« wollte. Tun oder lassen, aber dringend mit dem Gerede aufhören! Ganz so schlimm ist es beim Antifee allerdings nicht. Es geht immerhin wider Nationalismus und Sexismus, die für gewöhnlich zu den Ehrengästen gehören, wo sich mehr als drei Deutsche zum Feiern treffen (und Menschen mit Anstand und Geschmack eben davon abhalten). Aber trotzdem: So sinnvoll ich es finde, grundsätzlich nicht mit Chauvinisten jeglicher Art zu feiern, so unsinnig finde ich es, eine Party mit Theorieblöcken zu bestücken. Vorbei ist der Spaß dann aber spätestens nach dem ersten – wenn auch indirekten – Vorgeschmack auf die Inhalte:

»Außerdem sollen Frauen auf dem Gelände geschützt sein vor jeglichem dominanten männlichen Verhalten, Übergriffen und Rumprollerei. Generell gilt auf dem gesamten Festivalgelände Definitionsmacht: Menschen, von denen sich Frauen belästigt fühlen, gehen nach Hause! Wer Täter in Schutz nimmt, ebenfalls.«

Es ist schön, dass Frauen das Festival unbelästigt genießen können sollen und es ist furchtbar, dass solche Drohungen tatsächlich ihre Berechtigung haben. Bei der Art, in der »Menschen«, »Frauen« und »Täter« hier durcheinander geworfen werden, drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, der Türsteher hätte den Text mal eben zwischen Liegestütz und Drückbank getippt. Wo man nicht einmal mehr sagen möchte, um wessen Definitionsmacht es eigentlich geht und man »Rumprollerei« zur weiter unbestimmten Straftat ernennt, macht man sich verdächtig, mehr Interesse an der Gegengewalt als am Problem zu haben. Mir ist schon klar, dass niemand meine Freundin rauswerfen wird, weil sich eine (andere) Frau von ihrer Haarfarbe belästigt fühlt – wahrscheinlich dürfte sogar ich bleiben, wenn ich sie daraufhin in Schutz nähme. Und trotzdem schafft diese »bedingungslos[!] umgesetzten Praxis« ein Klima der willkürlichen Gewalt, das mit »Feiern für ein selbstbestimmtes Leben« nicht mehr viel zu tun haben kann.

Auch wenn mir die Feierlust beim Schreiben dieses Textes vergangen ist, würde mich inzwischen umso mehr interessieren, was für Szenen sich bei dem Workshop ‘Islam vs. westliche Welt‘ abspielen. Ob ich allein dafür (und vielleicht für das ‘Woog Riots‘ – Konzert) nach Göttingen fahren möchte, weiß ich allerdings immer noch nicht.

Bahnhofsromantik

Donnerstag, 15. Mai 2008

Es ist soweit! Ich habe meinen »Sommerhit 2008« gefunden – ist zwar eigentlich schon aus dem letzten Jahr, dafür aber auch auch voll retro und überhaupt. Stereo Total sind und bleiben die besten von der ganzen Welt. Das ist der Stricherjunge mit der Raucherlunge:

Via Ignaz, wo man noch Freude an YouTube haben kann.

Der Tonspion hat den Song für umme gefunden.

Guten Morgen

Donnerstag, 24. April 2008

Alle sind heute träge – ich vorne weg. Ich habe mein eskapistisches Rollenspielblog wieder aktiviert und mein allererstes selbst gebasteltes Kassettencover aus dem Festplattenmüll geborgen:

braindead.jpg

… Good Morning, You’re Braindead!

Etwas dünne, aber der Tag ist ja noch was länger. Heute Abend gibt es immerhin Muffins.

Weltoffenes Rudolstadt

Donnerstag, 10. April 2008

Ein Pfarrer flieht mit seiner Famile aus Rudolstadt (Thüringen); wegen rassistischer Übergriffe [via]. In der Stadt erinnert man sich an Mügeln und fürchtet nun um das Image, dem es bisher so gut ergangen ist. Ich kenne die Stadt, weil ich seit Jahren, trotz muffiger Uncoolness, auf das große Tanz- und Folkfest fahre:

Hat man die Auftaktveranstaltung mit ihren Trachtengruppen erfolgreich verpasst, kann man trotz Multikulti-Kitsch gute Musik hören und ein paar nette Tage verbringen. Spätestens am zweiten Vormittag haben sich die Nazis aus der Innenstadt verzogen und die Bürger raunen einem ihre rassistische Scheiße höchstens hinter vorgehaltener Hand über die Ladentheke hinweg zu.

Es bleibt am Ende aber dennoch ein fauler Kompromiss, den der Festivalbesucher eingehen muss. Dass die Folkszene bei ihrer Begeisterung für das Volkstümliche, keine gemeinsame, antifaschistische Position bezieht, wundert vermutlich niemanden. Wie es um ihren Antirassismus bestellt ist, weiß ich nicht, weil die Probe aufs Exempel bisher ausgeblieben ist – erfreulicher Weise.

Es bleibt jedenfalls ein sonderbares Nebeneinander von angereisten Freunden der so genannten Weltmusik und einem kleinen Teil ihrer Gastgeber, der sich offen rechtsradikal gibt. Ein Randphänomen, wie gesagt; aber eines, das nur übersehen kann, wer es auch übersehen will.

In diesem Jahr ist Israel das musikalische Schwerpunktthema des Festivals und ich bin sehr gespannt, wie sich diese Wahl auf die “politische Stimmungslage” des Festivals auswirkt. Familie Neuschäfer wird dem Fest vermutlich fern bleiben und es bleibt, ihr herzlichst zu wünschen, dass sie es schafft, den Terror der weltoffenen Kleinstadt hinter sich zu lassen.

Nachtrag: Im Forum der Festivalseite wird ausführlich der Fall ausführlich diskutiert. Nachbarn der Neuschäfers melden sich zu Wort und so weiter. Angucken, wenn’s interessiert. Auch in Sachen Israel ist man dort einfallsreich:

»Ist Palästina im Länderschwerpunkt “Israel” auch mit inbegriffen? Wenn nicht, wäre es nicht mal die Chance (natürl. LEIDER nur im kleinen Rahmen) gewesen über die Kultur, eben das TFF, einen Beitrag “VERSTÄNDIGUNG” für den ewigen sehr schwierigen, sinnlosen beidseitigen Konflikt zu leisten. Das Künstler aus beiden Gebieten sich mal “Luft” machen können, sich verständigen und uns die Problematik näher bringen. Das was ja leider die Politik auf beiden Seiten in der verfahrenen Sache nicht schafft.«

Berliner Jung, hässlich

Samstag, 22. März 2008

Konrad Endlers Midipop-Revival hat inzwischen die hässlichen Studiokosten eingespielt und ist darum nun zum freien Download verfügbar. Außerdem ist der Musiker und Textschreibmensch seit einer Weile Mitglied der großartigen Surfpoeten und Haber zweier Videos.

Zu guter Letzt scheint sein Blog seit Anfang des Jahres einen neuen RSS-Feed zu betexten, weshalb ich diesen ganzen Schnee von gestern gerade als geballten Newsflash aufgesogen haben.

Synchronizität in Drone

Dienstag, 04. März 2008

Nach Monaten (fast) ununterbrochenen Elektrogefiepses, schlägt die handgemachte Musik gleich zweifach zurück. Zum Ersten wurde mir gestern die vollständige Diskographie von Das Bluul zugesteckt. Ich habe bisher nur kurz reinhören können, aber das klang schon sehr erfreulich an und wird mich wohl in der nächsten Zeit beschäftigt halten.

bluul_alben.jpg

Meine neue ‘Das Bluul’ – Sammlung

Etwas akuter ist das Konzert von Earth und Sir Richard Bishop (der schon via Last.fm abgeht) morgen in Groningen. Wird gut! Mehr dann doch erst hinterher. /Text

»Zu eitel für ‘ne Glatze«

Montag, 04. Februar 2008

Was soll man dazu noch sagen? Muss diese “Kunst” sein, von der immer alle reden:


Die Bandbreite – Der Antideutsche

Video via Phex; Ivo hat noch Links gesammelt.

Du bist seit Jahren Aktivist in der Antifa
Und bist für Ausländerrechte auf die Straße gegang’
“Mach meinen Kumpel nicht an”
Dat war deine Devise

Dann bist du damals aus dem autonomen Zentrum marschiert
Und an der Bushaltestelle ist es dir dann passiert
Et waren drei oder vier
Sie nahmen dir dein Handy und deine Würde

In dir hat sich die Wut gestaut
Du hast es tausend mal durchgekaut
Warum beklau’n dich die Menschen,
denen du dein Leben schenkst?

Du hattest für die Typen keine Empathie
Eher Sympathien für die NPD
Wolltest dein Leben zurück und am Ende gab’s für dich doch noch ‘ne Lösung
Jetzt bist Du Antideutscher
Jetzt bist Du Antinational

Nennst dich links, doch bist in Wahrheit ein Fascho
Ja, jetzt bist Du Antideutscher
Und bist ein Moslemhasser
Denn Zions Feinde sind schließlich auch deine
Sag et doch offen raus, datt du Türken hasst,
Datt der Libanese dir nicht in dein Stadtbild passt,
Datt Du Palästinensertücher am liebsten verbrennen willst

Schlag doch vor, hier die Moscheen wieder einzureißen
Und alle Muslime aus dem Land zu schmeißen
Gib es doch zu du Feigling, du bist ein Faschist
Doch du nennst dich Antideutscher
Und nennst dich antinational
Hälst dich für links, doch bist wahrhaft ein Fascho
Ja du nennst dich Antideutscher, denn du kommst mit deinem Leben nicht klar
Du bist ein Faschist, der zu eitel für ‘ne Glatze ist

Du bist einer, mit dem man nicht mehr reden kann,
denn jedes Wort nagt bei dir an deinem Lebensplan
Du prügelst dich ab und an gern mit den alten Kollegen

Du hast das Reden leider aufgegeben
Jeder mit ‘ner andern Meinung ist nicht wert zu leben
Erinnerst du dich noch daran, wie sowat damals geendet ist
Ich kann ja gut verstehn datt es einfach is,
Wenn man jeden Morgen weiß, wer der Böse is
Nur ist dat nicht ein stück weit ne lösung die endlich zum frieden führt?
Warum bist du Antideutscher und nennst dich antinational?
Ey, komm hör doch auf mit dem Faschogehabe

Warum bist du Antideutscher
Doch nur für einen Augenblick klar
Bist du dazu denn nich in der Lage?
Das hier geht an all die Leute, die mal vorhatten unsere Gesellschaft zum Besseren zu wandeln
Wascht euch mal die ganze Scheiße aus dem Gehirn und konzentriert euch auf die wirklich wichtigen Sachen, die hier anstehn
Oder macht’s wie’n guter Nazi und verpisst euch aus Deutschland
Faschos raus!

“♥” – Zitat Ende

Dienstag, 22. Januar 2008

Ich kann leider nicht anders, als schon wieder meine bloggende Nachbarschaft zu berauben. Irgendwann werde ich auch selbst mal was finden – ganz bestimmt! Bis dahin aber erst einmal viel Vergnügen mit diesem wundervollen Video:

Die schlaue Wikipedia weiß: “Im Gegensatz zu vielen anderen Texten Gainsbourgs birgt das Lied kaum anrüchige Doppelbödigkeit. Gall singt, sie sei bloß eine blonde Wachspuppe (poupée de cire) oder aber eine mit Sägemehl gefüllte Puppe (poupée de son), die ihr Herzblut in ihre Lieder stecke. Während andere Lumpenpuppen um sie herum zu ihren Liedern tanzen und sich verführen lassen, singt sie einsam ihre Lieder, ohne etwas über Jungen zu wissen (chanter ainsi l’amour sans raison / sans rien connaître des garçons).

… nur zur Entwarnung.

8 Bit und eine Gitarre

Mittwoch, 16. Januar 2008

Als Oldenburger ist man es gewohnt, gelegentlich weite Strecken zu bewältigen, um ein nettes Konzert zu besuchen. Für disasterPEACE (inzwischen eigentlich “Disasterpeace“, aber man muss ja nicht gleich auf jeden Trend aufspringen) nach Massachusetts zu fliegen, war mir allerdings auch nach Jahren der Zwangsmobilität noch zu viel des Guten. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich diese Aufnahmen bei youtube gefunden habe:

Und weiter: