Archiv für die Kategorie 'Politik'

Islamischer Ritus im All

Mittwoch, 23. Juli 2008

Nicht nur Kommunisten machen sich Gedanken über Zukünftiges im Weltraum. Wie in der Nummer 54 des - ansonsten mehr als nur fragwürdigen - Magazins Inamo (Titelthema: ‘60 Jahre Nakba‘ …) zu lesen ist, macht sich auch die islamische Welt für die Final Frontier bereit. Malaysische und ägyptische Rechtsgelehrte haben ‘Richtlinien für die Ausübung islamischer Kulthandlungen im Weltall‘ erarbeitet, die Nils Fischer unter eben diesem Titel erläutert. Das Ergebnis in Kurzform: Mach nur das, was geht, und lass den Rest bleiben. Zu diesem pragmatischen Ansatz gesellt sich auch ein erster Beitrag zur international diskutierten Weltraumethik: »Dort wird gefordert, dass der muslimische Astronaut Verbindung zu Gott halten, in Harmonie mit den Mitreisenden stehen und den Erhalt des Weltraums beachten soll.«

Mein Schaffner ain’t no bounty hunter

Dienstag, 22. Juli 2008

Die Schaffner der Deutschen Bahn bekommen Prämien für erwischte Schwarzfahrer. So ist es heute im Westfalen-Blatt und diversen anderen Zeitungen zu lesen. Was im ersten Moment vielleicht etwas gruselig klingt, ist im Grunde keine besonders große Überraschung. Die Prämie ist Motivation, die aufgetragenen Kontrollen erst einmal durchzuführen und sich im Ernstfall nicht, »Beim nächsten mal aber …« murmelnd, Sympathien zu erschleichen. Wenn ein Bahnsprecher das nun »Entschädigung für entgangene Ticketverkaufs-Provision« nennen möchte, soll er das meinetwegen tun.

Wenn besagter Bahnsprecher dann aber anschließend erklärt, diese platt inszenierte Jagd nach Kopfgeld werde nicht von Kopfgeldjägern durchgeführt, wird die Posse langsam aber sicher unterhaltsam. An diesem Punkt bahnt sich nämlich eine Empörung an, die sich nur noch nicht ganz sicher ist, wogegen sie eigentlich sprechen möchte.

Die deutschen Bahnkritiker (oder -hasser, wie sie sich bisweilen rufen lassen) sind sich im Grunde einig: Die Deutsche Bahn AG ist zur Zeit ein dämlicher Scheißverein; wird sie im Herbst aber den »Heuschrecken« (wie die Linkspartei das nennt) vorgeworfen, droht unweigerlich das Ende aller Tage.

Kopfgeldjagd und Privatisierung haben einen gemeinsamen Bezugspunkt: Die Solidargemeinschaft, die nicht nur existent, sondern auch super ist. Dumm nur, dass die Mächte der Finsternis sich nur schwerlich als Allianz von Schwarzfahrern und Heuschrecken denken lassen. Wo der Verstand nicht mehr kann, wird immerhin die Phantasie erfolgreich gegen einen Teilwiderspruch in Anschlag genommen: »Der offensichtlich unsichere Ortsfremde wird von den Kontrolleuren i. d. R. freundlich auf die Einhaltung der ortsüblichen Regularien hingewiesen.«, dichtet Prof. Dr.-Ing. Adolf Müller-Hellmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Soweit das erste Friedensangebot und der ideelle Volksschädling ist vorerst schon wieder aus der Schusslinie. Im Herbst wird sich dann zeigen, ob dieser Text seinen nachträglichen Sinn bekommt.

Hilfe gesucht

Donnerstag, 10. Juli 2008

Während sich der Rest der Welt zur Zeit wahlweise am vermeintlichen Rassismus der Jungle World abarbeitet, oder (im Geiste) gemeinsam mit Lothar Matthäus das frisch bestandene Abitur seiner Geliebten feiert, ärgere ich mich mit einem lästigen Quellenproblem herum. Es geht noch immer um die Pulp Nazis aus dem letzten November: Kann mir jemand eine Bibliothek verraten, in der sich Comics aus den 40ern (insbesondere von Marvel) einsehen lassen? Oder mir einen anderen Tipp geben, wie ich an sowas kommen kann, ohne astronomische Sammlerpreise zu bezahlen?

Sozialpsychologie in Hannover

Dienstag, 08. Juli 2008

Der akademische Betrieb und die »universitären Kämpfe« gehören aus gutem Grund nicht gerade zu meinem engeren Themenkreis. Wo der aktivistische Schwachsinn angerufen wird, um die Verteidigung des althergebrachten Schwachsinns gegen den aufkeimenden neuen Schwachsinn zu propagieren ohne den übergeordneten Gesamtschwachsinn der Kritik zu unterziehen, gehe ich für gewöhnlich auf Abstand und halte mich fein heraus.

Heute nun die unvermeidliche Ausnahme von dieser ignoranten und wenig hilfreichen Regel. Die kritische Sozialpsychologie der Unversität Hannover steht vor (bzw. hinter) dem praktischen Aus, was auch einem grundsätzlichen Gegner des akademischen Betriebs Anlass zur Besorgnis sein sollte. Ohne gleich Loblieder auf die Arbeit des Institutes singen zu müssen, verweise ich auf die Petition der ‘Assoziation Kritische Sozialpsychologie‘, bitte um Kenntnisnahme und um Unterschriften. Der Begleittext ist nicht gerade ein kritisches Meisterwerk, in seinem Anliegen aber dennoch zu unterstützen.

People who like GegenStandpunkt …

Montag, 23. Juni 2008

Die Musikmöger - Community Last.fm lebt davon, dass ihre Mitglieder dem System automatisiert mitteilen, was für Musik auf ihrem PC und/oder MP3-Player läuft. Die Ergebnisse werden abgeglichen und den Benutzern allerlei Krams empfohlen, der ihnen eventuell gefallen könnte. Die heimischen Audioplayer spielen nun allerdings nicht nur Musik, was manchmal unterhaltsame Folgen haben kann:

People who like GegenStandpunkt also like GegenStandpunkt - Dr. Peter Decker, GegenStandpunkt - Dr. Freerk Huisken, GegenStandpunkt auf RadioX, plemo, Mediengruppe Telekommander, Egotronic.

Zappelnde MGler müssen ein Bild für die Götter sein. Fragt sich nur noch, wer ihnen das bunte Profil gebastelt hat.

Selbst ist der Kritiker

Donnerstag, 19. Juni 2008

Literaturkritiker sind in der angebildeten Konsumentenschaft nicht sonderlich beliebt. Sie verdienten ihr Geld mit dem, was eh schon jeder (besser) wisse, indem sie Geschmacksfragen künstlich aufblähten, einen pseudointellektuellen Begriffsapparat pflegten und zu allem Überfluss als nützliche Idioten der finsteren Kulturindustrie hofiert würden. Zugestehen könne man ihnen bestenfalls einen gewissen Überblick über den tatsächlich unüberschaubaren Markt, den sie allerdings nur als Referenzfundus missbrauchten, um »normal gute« Autoren wie Ken Follet, Dan Brown oder Henning Mankell zu verunglimpfen. »Gut, dass uns diese Klugscheißer egal sind, und wir einfach so lesen können, was wir gut finden, eben weil wir es gut finden!«

Vergleichbare Urteile werden in ermüdender Regelmäßigkeit über Restaurant-, Film- oder Musikkritiker gefällt. Verziehen wird bestenfalls dem Sportkommentator, dem sich der Fachmann daheim in Kompetenzfragen zwar zumindest ebenbürtig wähnt, der aber immerhin mit Volkes Stimme spricht und unseren Jungs zuverlässig die Stange hält. Die ignorante Großherzigkeit des individuierten Denkers liegt letztlich in seinem Mitleid begründet; hat er doch nur zu genau begriffen, was Georg Kreisler (immerhin auf unterhaltsame Art) besungen hat:

»Es gehört zu meinen Pflichten,
Schönes zu vernichten als Musikkritiker,
Sollt ich etwas Schönes finden,
Muß ich’s unterbinden als Musikkritiker.
Mich kann auch kein Künstler überlisten,
Da ich ja nicht verstehe, was er tut.
Drum sag ich von jedem Komponisten:
Erst nachdem er tot ist, ist er gut!
«

Im Grunde ist der Kritiker nämlich eine arme Sau; hat von Kunst nichts begriffen, geschweige denn etwas anständiges gelernt. Und genau hier setzt die narzisstische Ermächtigung des Kritikgegners ein: Ist der Experte erst mittels einer explosiven Mischung aus gesundem Menschenverstand, küchenpsychologischen Einschätzungen und (optional) Adorno-Klappentexten demontiert, wird selbst in die Bresche gehüpft. Was dort ankommt, ist ein absurdes Spiegelbild seiner eigenen Wahnvorstellung: Die Subjekt gewordene Parodie auf den zuvor entmachteten Kritker. Die - selbstverständlich gut sortierte - DVD-Sammlung wird verbindlicher Kanon, die akribisch erlernten Namen Begriffsapparat und die Weltanschauung Motivarsenal für die interpretatorische Schnitzeljagd.

Das Beschriebene ist nicht verwerflich, betrifft letztlich jeden, der sich inhaltlich mit kulturindustrieellen Produkten auseinandersetzt und liegt in der Natur der Sache - was wohl am wichtigsten ist. Das kaum begrenzte Warenangebot verlangt entscheidungsfähige Konsumenten, die nicht gleich kapitulieren, wenn sie zwischen zwei TV-Sendungen wählen müssen. Diese banale Erkenntnis macht das Geschwätz von [insert favorite artist here] - Fans auf der anderen Seite aber auch nur unwesentlich erträglicher. Das Expertentum (ob nun professionell dem autonomen Kunstwerk nachtrauernd oder der in der selfmade-Variante nach dem heimischen Videoabend) ist Selbstbetrug - ist nervig - ist Ideologie.

Auflösen kann ich das Problem leider auch nicht, obwohl ich bisher sogar noch verschwiegen habe, dass die Warenvielfalt an und für sich eine tolle Sache ist. Gelegentlich bereitet mir sogar das Gespräch über diese Dinge Freude. Bis zum Kommunismus bleibt wohl nichts besseres, als öfter mal wegzuhören und ab und an zu klicken, wenn Amazon »Rezension unzumutbar?« fragt - im übertragenden Sinne aufs Ganze zielend, versteht sich.

Fußball

Donnerstag, 12. Juni 2008

Keine Lieder über die EM - zumindest nicht von mir. Lizas Welt hat eine EM-Kolumne, die man lesen kann, und Riot Propaganda hat bereits gesammelt. Dass mich dieser ganze Dreck nur noch ankotzt, wird vermutlich niemanden überraschen. Erklärungen gibt es keine. Verschwiegen werden soll allerdings nicht, dass es sich hier tatsächlich zum Großteil um eine Geschmacksfrage handelt, die gar nicht unbedingt politisch in Anschlag genommen werden muss. Wer darum allerdings glaubt, sich beim Public Viewing rumtreiben, und sich hinterher schlau von den Ekelfahnen distanzieren zu können, befindet sich im Irrtum.

Nachtrag (via creep): Der unerträgliche Franz Josef Wagner hat gestern ebenfalls Fußball gesehen:

»Zweite Halbzeit. Schnell fällt das 2:0. Dieser Schuss war für mich, wie wenn die Blumen nicht mehr blühen. Es ist die Illusion gestorben, dass wir eine große Mannschaft sind. Wir sind eine Mannschaft von Träumen der Fans.«

Colbert erklärt: Elite

Mittwoch, 11. Juni 2008

Der ‘Colbert Report‘ ist eine sehr lehrreiche Angelegenheit. Wer keine Lust auf US-Wahlkämpfe hat, kann auch gleich auf 1:42 skippen, um dort zu lernen was diese “Eliten” sind, von denen immer alle reden:

Ich glaub, ich bin ein Symptom

Freitag, 06. Juni 2008

Dieser Tage bekommt mein Blog recht viele Besucher von der ‘Geottinger Stadtinfo‘, wo man offensichtlich meinen Kommentar zum Antifee-Festival gelesen hat. In (an sich recht ansprechender Manier) wird das Konzept der Veranstaltung dort im Spiegel der Kritik erläutert. So heißt es unter der Überschrift »Was gibts inhaltlich an Programm?«:

»Geboten wird ein Mix von Musik und subkultureller Politiktheorie. Das gefällt nicht allen wie z.B. dem im Folgenden zitierten Blogger [ich]: “Mag sein, dass es Menschen gibt, die sich den Tanzschweiß aus dem Gesicht wischen und wachen Verstandes bei einer »Einführung in feministische Theorien« auflaufen können - ich gehöre aber ganz bestimmt nicht dazu.” (Wie ein Leser richtig bemerkt hat, handelt es sich bei diesem Blog anscheinend um jemanden mit Sympathie zu antideutscher Performance. Das fanden wir auch bemerkenswert, weil wir von dieser Seite eher Zustimmung zu den Haupttehmen des Festivals erwartet hätten. Somit fällt die ideologische Differenz als Grund für die Kritik eigentlich weg.) Hierzu hat der selbe Leser in seiner Zuschrift eine nachdenkenswerte Erklärung hinzugefügt: “Diese Haltung, mit der Theorie im eigenen Leben nicht konfrontiert zu werden, ist gerade in den Soft- und Hardcore antideutschen Zusammenhängen sehr verbreitet. Hier ist die vermeintliche Systemkritik bereits so weit aus dem unmittelbaren Lebensumfeld herausgelöst, das beides als gänzlich unterschiedliches erscheint. [Hervorhebungen von mir]«

Nochmal: Dieser Typ, der nicht verschwitzt ins Seminar gehen möchte, ist ein Antideutscher™ und sollte darum eigentlich kein Problem mit dem Hauptthema der Veranstaltung haben. Da er sich zu diesem Hauptthema gar nicht geäußert hat, muss weiter ausgeholt werden, und eigentlich ist es ja auch der Mangel an Systemkritik in seinem Alltag, die ihn so schwatzen lässt. Und das betrifft sie alle - auch die Softies.

Später im Text werde ich erneut zitiert; dann zu meinem Ärger über die Definitionsmacht-Phrase. Hier wird das Zitat meines Textes einem veränderten “Original” gegenübergestellt - grob unsportlich, auch wenn das “trotzdem” immerhin erahnen lässt, dass da vielleicht noch etwas mehr stand.

Zum Abschluss noch ein paar kleine Ergänzungen: Mein Blog ist kein “jemand” und hat darum noch weniger Sympathien mit irgendwelchen “Performances”, als ich es habe. Dieses “Hauptthema der Veranstaltung” habe ich erfreut zur Kenntnis genommen, und das Festivalkonzept darum auch aus der Perspektive eines potentiellen Besuchers kritisiert. Das Betexten dieses Blogs ist keine politische Arbeit, sondern ein kleiner Aspekt meines oben angesprochenen Alltags, was mir keinesfalls “als gänzlich unterschiedlich erscheint”.

Aber sei’s drum. Ich wünsche euch trotzdem viel Vergnügen und anregendere Diskussionen, als hier im Vorfeld geführt wurden. Lasst euch nicht ärgern, habt Spaß an der Musik und macht was aus dem Wochenende. Den Spanferkelgrillern in der Nachbarschaft wünsche ich außerdem noch einen guten Appetit.

Neue Flaggen braucht das Land

Montag, 02. Juni 2008

Ich war gerade auf Nationalflaggen.com, um zu überprüfen, ob die Bekloppten tatsächlich alle Tibet-Flaggen aufgekauft haben. Dem war zwar nicht so, aber dafür bin ich unter »historische Flaggen« auf folgendes Kleinod gestoßen, das ich in Zukunft auf all euren Demos sehen möchte:

c-doppelstander.png

Der C-Doppelstander

Oder habe ich mal wieder alles verpasst und das Ding ist schon längst auf den Straßen unterwegs?