Archiv für die Kategorie 'Politik'

Zur Sache

Dienstag, 11. Oktober 2011

Jim Raggi mit dem Wort zum Mittwoch:

occupy carcosa

Der falsche Hase von Ratekau

Donnerstag, 31. März 2011

Steinzeitwochen-Projektwoche an der César-Klein-Schule in Ratekau: Der Steinzeitanimateur betäubt ein Kaninchen mit dem Hammer, schneidet ihm die Kehle auf, zerlegt es (hoffentlich) fachgerecht, legt es auf den Grill und serviert es den heulenden Fünftklässlern. Eine (zugegebenermaßen nicht sehr steinzeitliche) Unterschriftensammlung der Schüler haben die Teamleiter abgelehnt und in den Lübecker Nachrichten erläutert: »Wir haben diese Form der Petition zurückgewiesen. Man kann ja auch keine Unterschriften gegen eine Mathe-Arbeit vorlegen.« Da haben sie fast recht. Vorlegen kann man zwar so einiges, abgesehen von einem Entschuldigungsschreiben der Eltern hilft aber kaum was. Und da diese gar nicht erst informiert wurden, wäre sogar die allseits beliebte Fälschung einigermaßen unglaubwürdig gewesen.

Die Spielregeln, nach denen Elternschaft und Staat das Wohl der lieben Kleinen verhandeln, interessiert in diesem Fall allerdings nur am Rande. Spannender ist die verbreitete Sorge, jemand könnte ernsthaft glauben, das schmackhafte Fleisch käme aus dem Supermarkt und nicht aus dem eigens getöteten Körper eines Tieres. Wie fast jeder Schwachsinn hat auch dieser etwas richtiges an sich: Die Entfremdung als ein erfreuliche Errungenschaft der Moderne abzufeiern, führt nicht zur Wahrheit. Das Schnitzel scheidet der Metzger aus dem Schwein, das Telefon kleben eifrige Kinderhände in Übersee zusammen und selbst die neue Marxausgabe wird vom Proletarier und seinem Leimerdingsi gebastelt. Wer das nicht gerade verdrängt oder verdrängen muss, weiß das auch.

Was der Steinzeitanimateur und seine vermutlich verbeamteten Auftraggeber vermitteln wollten, ist nicht eine Information, sondern ein Bewusstsein. (Übrigens nicht für den Kaninchenknecht, der mühsam mit dem Hammer zuschlagen muss, sondern für das Gemetzel und dessen vermeintliche Natürlichkeit.) Die Methode ist zumindest sonderbar: Die Kinder hatten das Kaninchen vor dessen Schlachtung noch einmal streicheln dürfen. “Das war so etwas wie Abschiednehmen. Die Kinder sagten ,Tschüs, liebes Kaninchen und danke, dass wir dich essen dürfen‘“, erinnert sich der Landwirt, der das Tier tötete. Dem Tier erst einen Verstand anzudichten, der mit Dankbarkeit für den Tötungs- und Verzehrungsakt etwas anzufangen wüsste, ist in Form einer Aufklärungsaktion fragwürdig, ihm direkt im Anschluss den Gar auszumachen, hingegen barbarisch. Eine solche Dialektik von Nutz- und Kuscheltier ist nicht neu, hat sicher ideologische Tradition und lässt sich vielleicht sogar leichter rechtfertigen als die Ware aus dem Kühlregal.

Auf die Idee aber, dass diese aberwitzige Konstruktion schon einleuchten werde, wenn man sie mal eben so vormache, kann nur kommen, wer sich erst tief genug festgefahren hat in seinem ideologischem Sumpf aus unreflektierter Entfremdung, hilflosen Rechtfertigungsstrategien und dem dringenden Bedürfnis, sich in der halbgaren Restnaturhaftigkeit des Menschen widerspruchsfrei einzurichten.

Mir ist nicht wohl dabei, einem solchen Projekt noch mit Ratschlägen zur Seite zu stehen, aber dennoch: Macht eine eurer »Unterrichtseinheiten«, problematisiert das Mensch-Natur-Verhältnis so gut, wie das mit Fünftklässlern eben geht und fahrt dann auf einen Bauernhof oder in Schlachthaus raus, wenn ihr dafür Anschauungsobjekte benötigen solltet. Das ist der kleine aber feine Unterschied zwischen dem Bambi-Kill und der Vorbereitung eines schmackhaften Wildgelages. Toll ist beides nicht, aber wo das eine nichts als Trauma, Schmerz und Verrohung anzubieten hat, lässt sich auf die andere Weise immerhin dieses Öko-Konsumentenbewusstsein formen, mit dem die Kinder im falschen Ganzen wenigstens was anfangen können (und das ihr vermutlich auch im Sinn hattet).

Nachtrag: Bei SpOn klingt die Geschichte etwas anders – ändern tut das aber nichts.

Gegen Standpunktdenken

Donnerstag, 17. März 2011

Lars Quadfasel referiert am 19. April bei der Antinationalen Gruppe Bremen über den Gegenstandpunkt und dessen »Argumente«:

Gegen Standpunktdenken
Zur Kritik des Marxismus-Positivismus von MG und Gegenstandpunkt

Sicherlich hat sowohl die Welt als auch die deutsche Linke Schlimmeres hervorgebracht als die selige »Marxistische Gruppe« und ihr Nachfolgeprojekt, die Zeitschrift Gegenstandpunkt. Ihre Anhänger betreiben weder Globalisierungskritik noch Volxküchen, kritisieren Linksnationalismus und Proletkult und haben auch für Demokratie, Menschenrecht, Weltfrieden und ähnlich Herzerwärmendes nicht arg viel übrig. Wenn es aber allemal Schlimmeres gibt, so doch wenig Nervigeres als die patenten Jungs mit dem unverwechselbaren Jargon. Denn mögen sie auch noch so ernsthaft Theorie betreiben – heraus kommt stets nur die sattsam bekannte Armada zeitlos »tauglicher Argumente«, welche, einmal eingeleuchtet, sich zu jedem nur denkbaren Gegenstand (und am besten im Dialekt der bayrischen Chefdenker) abspulen lassen.
Das große Versprechen des GSP, mit ein paar Schulungen direkten Wegs zum absoluten marxistischen Wissen, bezeichnet eben zugleich seine größte Schwäche. Das vollständige System der kapitalistischen Gesellschaft, fertig ausgebreitet auf ein paar hundert Seiten »Resultate«-Bände, eliminiert notwendig jeden Begriff vom Kapital als prozessierenden Widerspruch. Was dem Rechnung trägt, die dialektischen Kategorien der »Realabstraktion« und der »negativen Vergesellschaftung«, gar die paradoxe Rede von den »metaphysischen Mucken der Ware« und vom Kapital als »automatischem Subjekt«, kann der GSP, weil es in seinen Kategorienapparat nicht passt, bloß noch als ‚Dichtung‘ denunzieren. Weil das Kapital aber, ob‘s dem Gegenstandpunkt passt oder nicht, prozessierender Widerspruch ist, zerlegt es noch das ausgeklügelteste System. [...]

infoladen bremen | st.pauli str.10 | 19.30

Rollenspiel und Seelenfrieden

Donnerstag, 03. März 2011

Gerade wo ich ernsthaft Gefahr laufe, im muffigen Nerd-Sump heimisch zu werden, kommt Rettung von unerwarteter Seite. Wo von »Heuschrecken«, »Lebensadern« und finsterem »Profit« ist die Rede ist, habe ich gelernt, die Füße vom Tisch zu lassen und anstatt mit dem Rest der Old School ein Stück vom Kuchen zu stibitzen, bringe ich doch lieber meinen Brocken vom Teig in Sicherheit. Mag sein, dass die Metaphernwelt der Backwaren eine harmloseres Spielfeld als biologistische Wirtschaftsphantasien sind, aber witzig ist das trotzdem nur noch höchstens »irgendwie«:

»[...] Hinzu kommt, daß vom Kuchen, von dem die neuen 4E-Produkte eigentlich wieder einen größeren Teil abschneiden sollten, auch noch die Old-Schooler knabbern. Diese ULTRA-Konservativen, diese Reaktionärs-Fanatiker-Extremisten-Anti-Dice-Control-Rednecks sind es, die mit uralten Spielen, mit auf uralt gemachten Spielen und neuen Inhalten für alte Systeme, die noch mit Dampf oder gar mit Muskelkraft betrieben werden müssen, auch am großen D&D-Kuchen nagen.

[...] System-Versionen wie OD&D, die man in den Achtzigern nicht einmal als völlig gestörter NERD noch spielen wollte, weil sie so alt, muffig und SCHLECHT waren, die kommen jetzt mit einer nostalgischen Verklärung ans Tageslicht, die schon fast etwas Esoterisches hat. Die alten Fetzen hätte man Anfang der Achtziger in die Tonne getreten – nein, man HAT sie in die Tonne getreten.

Wer an solchen Teilen heute noch so sklavisch klammert, der kommt mit der modernen VIELFALT im Hobby vermutlich nicht klar und wendet sich in einer Trotzreaktion „alten, reineren Werten“ wie Save-or-Die, 1st Level Clerics haben keine Spells, usw. zu. – Wenn es sie glücklich macht, dann …

Ja, was dann?

Dann wenden sie sich von der LEBENSADER des D&D als dem ZENTRALEN Produkt des GESAMTEN Rollenspielhobbys ab! – Das dann!

Je mehr Leute sich ABWENDEN, je mehr RESIGNIERTE Fans sich ihren alten Scheiß vom Dachboden holen und ihre Würfel wieder selbst schnitzen und mit Muttis Mascara-Stift die Zahlen nachziehen, desto mehr VERGREIST D&D an sich – und wird siech, welk und alt.

Heute kommt die Innovationskraft NICHT MEHR VON INNEN, nicht mehr von den Fans, den Spielern, sondern heute läßt man die „Innovationen“ von den KONZERN-MANAGERN per Profit-Margen-Vorgaben steuern!«

- Szenerumpelstilzchen Zornhaus Beitrag zu einer Editionsdebatte

Kriegsgötter

Donnerstag, 06. Januar 2011

NOXE: »Ein als Neptun Verkleideter stößt mit Mitgliedern der Reichsmarine aufs Gelingen des Krieges an«:

Neptun bei der Reichsmarine

Fetziges Nachempfinden:

Assangistische Dichtung

Dienstag, 14. Dezember 2010

In der WELT erscheint ein Artikel über Openleaks und der Pöbel kommentiert drauf los. Beeindruckend punktgenau formuliert ein Idiot namens »freie meinungaq«:

»‘Openleaks’ ist ein Witz und wiederspricht der schonungslosen Veröffentlichung von ‘geheimen’ Informationen bei WikiLeaks.«

Davon ausgehend, dass beide Projekte irgendetwas veröffentlichen, lässt sich der Wi(e)derspruch einerseits an meinungaqs Begriff der Schonungslosigkeit festmachen, womit er das »Modell Assange« vermittels der Gewaltvokabel gegen die versprochene Offenheit der vermeintlichen Konkurrenz in Stellung brächte. Andererseits zielt er auch auf den in Anführungsstreichen geheimen Charakter der Informationen, wobei die Uneigentlichkeitszeichen auf ein Interesse an gerade den Fakten verweisen, die ohnehin schon jeder kannte. freie meinungaq dichtet einen harten – nur auf den ersten Blick leicht verständlichen – Satz der sich nicht so recht zwischen leichtfertiger Absurdität und naivem Faschismus entscheiden kann.

Und genau dieses giftige Gebräu spritzt einem entgegen, der doch nur einen kurzen Blick unter die Guy-Fawkes-Maske erhaschen wollte.

Der dritte Mann

Dienstag, 07. Dezember 2010

Mit jeder Wende des Mobs zwischen »die hat es doch nicht anders gewollt!«, »Schwanz abschneiden oder gleich vergasen!« und »alles Lüge!« scheint es noch ein wenig ekelhafter zu werden. Die Assange-Variante wird jetzt gerade dadurch unerträglich, dass die Möglichkeit der geschehenen Vergewaltigung nicht einmal mehr ausgesprochen, sondern schon vorab durch »Zwinker-zwinker, jaja, alles klar ..« negiert wird. Mit »Vielleichts« zu kontern, verursacht nach einer Weile das gleiche Ohnmachtsgefühl, wie das Beharren auf »Mutmaßlichkeit« in der ewigen  Definitionsmachtsdebatte.

Und wie ist damit nun umzugehen? Sich unbetroffen heraus zu halten, scheint mir keine Möglichkeit zu sein. Da  nerven zu wollen, wo sich die Assange-Fans bei ihrer Herumsublimiererei auch noch besonders »kritisch« vorkommen, mag zwar lohnend sein, beantwortet die Frage nach dem Wie aber noch nicht. Bis dahin ist es wohl eher noch der eigene Affekt, über den sich vielleicht wenigstens noch begreifen ließe, warum dieses Thema so viel mehr Mühe und Wut in sich trägt als alle anderen Aspekte der Aufklärung (oder wie man das auch nennen will).

20 Jahre Deutschland

Montag, 06. Dezember 2010

Heute vor 20 Jahren verstarb Amadeu Antonio Kiowa in Folge eines  Naziangriffs. »Mindestens einer der Täter sprang dem am Boden liegenden Kiowa mit beiden Beinen auf den Kopf, wodurch der 28-Jährige schwerste Kopfverletzungen erlitt.« Er war einer der ersten unter vielen – weit davon entfernt, ein Einzelfall zu bleiben.

Auch über die unübersehbarste Blödsinnigkeit heutiger Antifa-Tätigkeiten, sollte nur schwätzen dürfen, wer in der Lage war, das und auch solche »Details« in Erinnerung zu behalten: »Während der Tat hielten sich 20 voll ausgerüstete Polizisten in der Nähe auf, ohne einzugreifen, weil sie sich den Angreifern nicht gewachsen fühlten. Drei bewaffnete Zivilpolizisten, die der Gruppe gefolgt waren, griffen ebenfalls nicht in das Geschehen ein.«

Was damals »Übertreibung« und »Verleumdung« hieß, nennt sich heute »echt schlimm« und »lange her«. Ich habe heute keinen Hass mehr auf das Gerede von der »Gewalt auf beiden Seiten«, auf das Herausgehalte, die Lichterketten oder die so bedingungs- wie hirnlose Parteinahme für die Polizei. All dies ist immer noch falsch und dumm, aber letztlich vermutlich doch vor allem ein Streit um die Geschichtsschreibung, für den es noch zu früh ist. Vermutlich.

WikiLeaks hat aufgedeckt, aufgedeckt, aufgedeckt

Montag, 29. November 2010

Ich hätte die allgemeine Begeisterung über die jüngsten »WikiLeaks-Enthüllungen« ohne die verdrehte Lesart der WELT nicht verstanden. Dass die Wahrheit gut und der Ami schlecht ist, wusste ich zwar vom Hörensagen, aber der richtige Hitgarantie scheint mir eher hier zu stecken:

»Nikel wies seinen zudringlichen Gesprächspartner auf die Unabhängigkeit der deutschen Justiz hin. Die Kanzlerin sei sich aber der „politischen Implikationen des Falles“ bewusst. Sie versuche deshalb „so konstruktiv wie möglich“ zu agieren. Wegen des Drucks des Parlaments und der Presse werde dies aber nicht einfach, und er, Nikel, könne daher nicht versprechen, „dass sich alles zum Guten wenden“ werde.«

Unabhängige Justiz, kritische Presse, ein funktionierendes Parmalement und trotz allem genug politischer Sachverstand, dem zudringlichen Cowboy ein Abwägen zu versprechen: WikiLeaks hat aufgedeckt, wie großartig Deutschland ist! Und besser noch: Die Bananenrepublikaner von Moskau bis Rom bekommen auch noch richtig einen drüber. Nun wird gedruckt, wie schmierig und korrupt die alle  so drauf sind und auf diesem Wege noch der Amerikaner bloßgestellt – ein Traum.

Das Geheimnis deutscher Wahrheitsliebe liegt nicht in der Aufdeckung unerwarteter und möglicherweise unangenehmer Fakten, sondern in der Bestätigung dessen, was man schon immer zu wissen glaubte. Das gefühlte Sprechverbot wird für einen kurzen Moment ausgehebelt und das tagtägliche Geschwätz – heute mit einer Quelle geschmückt – etwas lauter. Dass die Veröffentlichung der diplomatischen Interna tatsächlich Leben gefährdet, verursacht wohlige Schauer am Tagesthemenabend und dient zugleich als definitive Bezeugung us-amerikanischer Unmenschlichkeit. Denn dass die Schuld für abgeschlachtete Informanten, Soldaten oder Journalisten nicht bei ihren Mördern oder WikiLeaks, sondern in Washington ausgemacht werden wird, ist so sicher wie das Amen in der Dingsda.

Ich habe keine Angst

Mittwoch, 24. November 2010

Schreibt grad einer in seine Soup: »und der nächste Bombenalarm. Kommen gleich die Notstandsgesetze?« (Tags: junta, terror, hype) Redical-Ruhr hat keine Angst – und viele andere auch nicht. Diese Behauptung beinhaltet erstmal keine Einschätzung der tatsächlichen Terrorgefahr. Ich habe beim oberflächlichen Lesen dieser versammelten Gelassenheit kaum jemanden gefunden, der sich inhaltlich auf die Warnungen bezieht, dafür aber viele, die sie in Nebensatz oder tag als Hype, Panikmache oder Bullshit einsortieren. Es ist die bereits im Vorfeld gemachte Setzung, dass so etwas hier niemals passieren wird, die jetzt nur noch möglichst witzig oder schmissig in Szene gesetzt wird.

An der Oberfläche ist die Sache einfach: Die penetrante Versicherung, keine Angst zu haben, führt ziemlich sicher dazu, sie auch wirklich loszuwerden. Ob das Strategie, Symptom oder beides ist, könnte man im Einzelfall untersuchen – oder es auch lassen. Auch die eher nüchterne Variante der Stochastiker (»Selbst wenn ein Anschlag passiert, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass es mich oder meine Freunde trifft. Viel wahrscheinlicher ist der Autounfall ..«) ist auch nicht mehr als eine in Form gebrachte Verdrängungsleistung. Angst zeichnet sich nun gerade dadurch aus, dass rationale Kontrollversuche nicht mehr funktionieren und was bleibt ist: Ich habe keine Angst, weil ich keine Angst habe.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist wahrscheinlich das Webphänomen, nebst dem anhängenden Drang erstens irgendwo verlinkt zu werden und zweitens einer von denen gewesen zu sein, die damals keine Angst hatten. (Und das ist wahrscheinlich noch die sympathischste Variante.)

Interessant wird es, wenn die Analysen ausgepackt werden und die Angst verschoben wird. Nicht den Terroristen fürchten zu müssen, sondern den Staat, ist in dieser Form ein besonders deutscher Luxus. Die Kumpanei mit dem Islamismus – von Schröders Deutschem Weg über die andauernde Unterwanderung der Saktionen gegen Iran bis zur einstimmigen Resolution gegen Israel – hat »uns« bisher tatsächlich recht erfolgreich aus der Schusslinie gehalten und so ist es nur konsequent, den Ausruf der Angstfreiheit mit der Forderung eines Bundeswehrabzugs aus Afghanistan zu garnieren.

Ich habe übrigens auch keine Angst – nicht vor Islamisten und auch nicht vor der konformistischen Skeptikermeute, die im Grunde auch ahnt, was für offene Türen sie da einrennt. Dass ich ebenfalls keine akute Angst vor »Notstandsgesetzen« habe, liegt vermutlich daran, dass  ich im Gegensatz zu diesen Maulhelden noch zwischen diesem hässlichen Staat und einer noch viel hässlicheren »Junta« unterscheiden kann. (Und das sage ich auch nach nervigen Demokontrollen und einem hysterischen Hausbesuch zur Gefahrenabwehr ..)

Ich habe keine Angst, aber ich mache mir Sorgen, weil ihr über »Panikmache« schwadroniert, während die Bomben, an die ihr nicht glaubt, in Afghanistan, dem Irak oder Israel beinahe täglich explodieren. Zu den intelligenteren Beiträgen der Kampagne gehören die Hinweise auf den Willen der Terroristen, gerade diese Angst zu verbreiten. (BKA und Kanzlerin sind sich in Sachen »Don’t Panic!« ja auch einig mit ihren Kritikern.) Was allerdings noch fehlt, ist die Ergänzung, dass ihnen die derzeitige Verharmlosung und das Gewährenlassen auch ganz gut in den Kram passen.