Archiv für die Kategorie 'Politik'

Fetisch Banalität

Freitag, 19. Februar 2010

Aus der Jungle Worldschen Stimmensammlung zum Dresdenspektakel:

Unser Ziel ist ganz simpel: Wir wollen den Nazis weh tun. Wichtig ist uns vor allem dabei, dass es die richtigen trifft, und nur die richtigen. Kollateralschäden nehmen wir nicht in Kauf. [...] Alles muss dann schnell gehen. Wenn die Gegner weglaufen, um Hilfe schreien oder zurückschlagen, dann haben wir etwas falsch gemacht. [...] Unsere Geduld wird nach einer Weile mit einer zufällig vorbeikommenden Gestalt belohnt, die einen Pullover der Marke Consdaple trägt. [...] Wenig später geht ein völlig überraschter Neonazi schwer angeschlagen zu Boden und verwandelt sich dort in ein wimmerndes Häuflein Elend.

So erklärt »Aldo Regen« Konzept, Vorgehen und Lustgewinn seiner listigen Truppe. Vom Pulloverträger über den nicht in Kauf genommenen Kollateralschaden direkt weiter zum wimmernden Häufchen Elend. Wer auf die selbstbewusst vorgetragene Freude an Verletzung und Demütigung auch heute noch mit verunsichertem Kopfschütteln reagiert, hat vermutlich in den 90ern diesen Vortrag hier verpasst: »Also, ich komme aus dem Osten, und ich muss sagen …« es folgte dann Gewaltporno über tatsächlich furchtbare Zustände und endete bei was mit Notwehr. Es war ja was dran und die Prügelei ganz bestimmt besser als Lichterketten. Heute, wo Opfersprech aus der Mode gekommen ist, läuft allerdings eine andere Platte.

Uns ist klar, dass dem Bedürfnis, andere zu verletzen oder zu bestrafen, nichts Emanzipatorisches innewohnt. Was wir machen, wird als »politisch unbedeutend«, bestenfalls als »Gegenterror« kritisiert werden.

Es wird werden! Man schreibt Geschichte. Erinnert an den Film-Bösewicht, dem sich argumentativ nicht beikommen lässt, weil er sich seiner Widersprüchlichkeit bewusst ist – kämpfend für eine Welt, in der kein Platz mehr für ihn ist, oder so. Von der Überschrift »Inglourious Basterds« an, dreht sich der Text im Brutalo-Gestus um dieses und andere aus Film und Fernsehen bekannte Gebilde. Die Plattheit ist zum Stilmittel erhoben und streitet alles ab, was nach richtigem Leben im falschen klingen könnte. »Wir machen es trotzdem«, heißt an einer Stelle. Und selbst das ist ausgelutscht – bestenfalls die Parodie der (Nicht-)Reflexion. Der frische Wind der Negation ist abgestanden und riecht streng nach Pipi.

Wir begegnen mehrfach aggressiven Nazigruppen, die auf der Jagd nach Linken sind, uns aber nicht als Antifaschisten erkennen.

Tja, wie auch? Mir ist auch nichts aufgefallen.

Kunstkritik

Samstag, 30. Januar 2010

Auf Beatpunk wird ein Bildband von Bernd Langer besprochen: »Er liefert einer anachronistischen Szene das Lebensgefühl des ‚streetfighting man‘, und zementiert die Identität der kompromisslosen Kämpfer auf der Straße. Anstatt also den von ihm so sehr gewünschten Drang zur Veränderung zu schaffen, bietet Bernd Langer Lebensentwürfe an. Das ist grundsolide, aktionistisch und bestimmt auch gut gemeint, nur in irgendeiner Weise progressiv ist es ganz sicher nicht.«

Die Kunstsachverständigen der Polizei waren da – zumindest in der Tendenz – wohlwollender: »L. verwendete sehr kräftige Farben und malte professionel mit Staffelei, Malbrett und Fertigfarben aus Tuben.«

Tödliche Wasserknappheit

Montag, 07. Dezember 2009

Wenn Polizisten über ihre Gerätschaften ins Schwärmen geraten, klingt das immer irgendwie komisch. Auf SpOn erklärt einer, warum er bisher noch keine Demonstranten erschossen hat:

»Was sollen wir da machen? Gummigeschosse einsetzen oder scharf schießen? Das brauchen wir nicht, wenn wir auch mit Wasser zum Erfolg kommen können.«

Mir geht das ganze »Riot« – Gequatsche der Genossen seit Jahren nur noch auf den Geist. Weder »Widerstand« noch »Sport« können mich konzeptionell überzeugen und die Verrohung, der sich Schläger auf allen unterziehen müssen, ist und bleibt ein Problem. So weit. Wenn aber sich aber Menschen wie Karl-Heinz Meyer von der Bundespolizei und Achim Friedl aus dem Innenministerium über ihre »Kunden« in Laune phantasieren, ist  das ohne Brechreiz kaum noch lesbar.

Wer treibt denn hier »Sport« und macht auf Bandenkrieg? In diesem Fall sind es die, die in Nachrichtensprech hinterher immer ausrasten »mussten«. Ein kleines bisschen Vernunft rutscht aber aus Versehen noch in die kindliche Freude übers neue Spielzeug hinein: Müsste man den »Kunden« erschießen, ginge er am nächsten Tag nicht mehr zum Einkaufsladen und wäre Kunde mehr. Ein Hoch auf die nicht-letalen Waffensysteme!

Oldenburg brennt, heißt es

Donnerstag, 26. November 2009

Seit ich nicht mehr an der Uni Oldenburg eingeschrieben bin, war ich nicht mehr oft da. Vor ein paar Wochen für vier Stunden, um eine Klausur für die Fernuni zu schreiben und heute zum zweiten mal, um in der Bibliothek zu arbeiten. Letzteres gestaltet sich erstaunlich entspannt, weil außer mir kaum jemand da ist.

Gegenüber im besetzten Audimax ist auch niemand, weil gerade in der Stadt demonstriert wird. Ich bin kurz durch gelaufen und habe mir ein paar Stellwände angesehen, auf denen ziemlich viel geplant und geschrieben wird. Man hat mir versichert, dass hier sonst »die Hölle los ist« und alle gut drauf wären. »Zu meiner Zeit hätte es das nicht gegeben«, dachte ich mir so und wenn »meine Zeit« nicht gerade mal ein Jahr her wäre, hätte ich mich dieses Gedankens ein auch ein wenig geschämt.

Vielleicht gehe ich gleich nochmal rüber, wenn alle wieder da sind und über irgendwas diskutiert wird. In Bielefeld hat man angeblich Freerk Huisken eigenladen, obwohl der doch eigentlich unser Ehemaliger ist. Dabei geht es hier eigentlich schwerpunktmäßig in erster Linie um »uns« – Studenten, junge Menschen, Oldenburger (unter Ausschluss der BWLer, deren demonstratives Fernbleiben hier parallel zu meinem eigenen abläuft).

Jetzt schnell noch ein paar Kopien, bevor die Demo zurück kommt und mir hoffentlich einen Kaffee zum Solipreis anreht. Soweit.

Im Wahn sogar mit Frankreich

Samstag, 31. Oktober 2009

»Schluss mit dem Kult um die Asterix-Comics!«, fordert Richard Herzinger auf Welt Online und nimmt die rübennasigen Globalisierungsgegner fachgerecht – mit Poliakov – auseinander. Die Forderung ist sympathisch und seine Beobachtungen so offensichtlich, dass es vermutlich ermüdend ist, sie schon wieder irgendwo aufschreiben zu müssen. Oder auch nicht, denn die WELT ist nicht irgendwo, wie das hilfreiche Kommentatorengesindel bereits eine halbe Stunde später klargestellt hat:

Die »Interpretation« sei »falsch«, der Autor hysterisch. »Postmodernes Beliebigkeitsgeschwurbel« ist auch schon wieder erkannt worden und was Poliakov endlich brauche, sei eine »richtige Arbeit«. (Aus dem Kriegsgefangenenlager hatte er sich ja seinerzeit auch schon verdrück, gell?)

Wirklich erstaunlich ist eigentlich nur, dass es diesmal Franzosen sind, die da so verbissen wie hirnlos verteidigt werden. Dass nämlich nicht nur die Deutschen zu völkischem Wahn neigen, stellt der Autor schon im zweiten Satz klar – ja, sie hätten nicht einmal damit angefangen. Der Wahn des Ariertums sei übrigens auch »in ganz Europa, nicht zuletzt in Frankreich« verbreitet gewesen. Aber es reicht offensichtlich nicht, die Deutschen so entgegenkommend aus der Schusslinie zu nehmen, will man ihnen auch nur das allerverdaulichste Häppchen Ideologiekritik schmackhaft machen. Vielleicht sollte es bei Gelegenheit mal jemand mit einem us-amerikanischen Westernheftchen versuchen.

Selbst ist der – Gedanke

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Manchmal braucht es nicht einmal zwei vollständige Sätze:

»Als Broder ein paar Jahre später verlautbarte, wegen des Antisemitismus der Deutschen und speziell der Linken, seiner einstigen Freunde, nach Israel auszuwandern, hätte man denken können: immerhin konsequent für einen, der, weil Eltern und Großeltern Opfer wurden, lieber gleich Täter werden will und nunmehr für den heiligen Boden in den besetzten Gebieten kämpft.«

(Mathias Bröckers über Henryk M. Broder)

Das bedeutet Krieg!

Sonntag, 06. September 2009

»Das bedeutet Krieg! Und ich hasse Krieg!«
»Das tun wir ja auch Muffi – aber in diesem Fall haben wir keine andere Wahl.«

Erinnerung an Teheran und Bremen

Mittwoch, 12. August 2009

Heute ist die Kundgebung in Bremen und in diversen anderen Städten. Mein Versuch, Zeit und Ort in Erfahrung zu bringen, war zwar nicht erfolglos, zwischendurch aber einigermaßen irritierend:

Googlesuche Teheran ist Bremen1, 2 oder 3

.. bis dann.

»Teheran ist Bremen«

Sonntag, 26. Juli 2009

Kundgebung in Bremen zum bundesweiten Aktionstag.

iranplakat»Nieder mit j9%hgf#Iran«

In diesem Zusammenhang soll dann auch noch schnell auf die Vorträge und Diskussion zum Verhältnis von iranischer Protestbewegung und Israelsolidarität in Berlin (8. August) hingewiesen werden.

Nochmal zu Krahl und Mitscherlich

Donnerstag, 09. Juli 2009

Mein mehr oder weniger lustiges Krahl-Pöbel-Video von neulich ist inzwischen gesehen und kommentiert worden. Bei Schorsch ist seit heute nachzulesen, warum es tatsächlich doch eher weniger lustig ist (als mehr):

»In diesem Falle lautet der Vorwurf an Mitscherlich: er betreibe Selbstbefriedigung. Damit wird Krahl nicht nur das „Glück der Erkenntnis“ (Adorno/Horkheimer) meinen, das sich Mitscherlich in seinem Vortrag gönnt, sondern er spielt mit der deutlich sexuellen Konnotation des Wortes. Der Lustgewinn des Intellektuellen wird ihm versagt, betätigt er sich nicht produktiv für die Volksgemeinschaft. Anstatt seine Worte verständlich ins Volk zu reichen, sein Ejakulat gemäß einer vorgestellten Natürlichkeit der Zeugung zuzuführen, wagt es Mitscherlich – und diese Vorstellung steckt in dem antiintellektualistischen Gerede von Selbstbefriedigung – sich als intellektueller Volksfremdling von der Gemeinschaft zu entfernen und im kleinen Kämmerchen sein vermeintlich perverses Denken als Herumgewichse zu praktizieren.«

… weiter dann hier.