Archiv für die Kategorie 'Politik'

Im Wahn sogar mit Frankreich

Samstag, 31. Oktober 2009

»Schluss mit dem Kult um die Asterix-Comics!«, fordert Richard Herzinger auf Welt Online und nimmt die rübennasigen Globalisierungsgegner fachgerecht – mit Poliakov – auseinander. Die Forderung ist sympathisch und seine Beobachtungen so offensichtlich, dass es vermutlich ermüdend ist, sie schon wieder irgendwo aufschreiben zu müssen. Oder auch nicht, denn die WELT ist nicht irgendwo, wie das hilfreiche Kommentatorengesindel bereits eine halbe Stunde später klargestellt hat:

Die »Interpretation« sei »falsch«, der Autor hysterisch. »Postmodernes Beliebigkeitsgeschwurbel« ist auch schon wieder erkannt worden und was Poliakov endlich brauche, sei eine »richtige Arbeit«. (Aus dem Kriegsgefangenenlager hatte er sich ja seinerzeit auch schon verdrück, gell?)

Wirklich erstaunlich ist eigentlich nur, dass es diesmal Franzosen sind, die da so verbissen wie hirnlos verteidigt werden. Dass nämlich nicht nur die Deutschen zu völkischem Wahn neigen, stellt der Autor schon im zweiten Satz klar – ja, sie hätten nicht einmal damit angefangen. Der Wahn des Ariertums sei übrigens auch »in ganz Europa, nicht zuletzt in Frankreich« verbreitet gewesen. Aber es reicht offensichtlich nicht, die Deutschen so entgegenkommend aus der Schusslinie zu nehmen, will man ihnen auch nur das allerverdaulichste Häppchen Ideologiekritik schmackhaft machen. Vielleicht sollte es bei Gelegenheit mal jemand mit einem us-amerikanischen Westernheftchen versuchen.

Selbst ist der – Gedanke

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Manchmal braucht es nicht einmal zwei vollständige Sätze:

»Als Broder ein paar Jahre später verlautbarte, wegen des Antisemitismus der Deutschen und speziell der Linken, seiner einstigen Freunde, nach Israel auszuwandern, hätte man denken können: immerhin konsequent für einen, der, weil Eltern und Großeltern Opfer wurden, lieber gleich Täter werden will und nunmehr für den heiligen Boden in den besetzten Gebieten kämpft.«

(Mathias Bröckers über Henryk M. Broder)

Das bedeutet Krieg!

Sonntag, 06. September 2009

»Das bedeutet Krieg! Und ich hasse Krieg!«
»Das tun wir ja auch Muffi – aber in diesem Fall haben wir keine andere Wahl.«

Erinnerung an Teheran und Bremen

Mittwoch, 12. August 2009

Heute ist die Kundgebung in Bremen und in diversen anderen Städten. Mein Versuch, Zeit und Ort in Erfahrung zu bringen, war zwar nicht erfolglos, zwischendurch aber einigermaßen irritierend:

Googlesuche Teheran ist Bremen1, 2 oder 3

.. bis dann.

»Teheran ist Bremen«

Sonntag, 26. Juli 2009

Kundgebung in Bremen zum bundesweiten Aktionstag.

iranplakat»Nieder mit j9%hgf#Iran«

In diesem Zusammenhang soll dann auch noch schnell auf die Vorträge und Diskussion zum Verhältnis von iranischer Protestbewegung und Israelsolidarität in Berlin (8. August) hingewiesen werden.

Nochmal zu Krahl und Mitscherlich

Donnerstag, 09. Juli 2009

Mein mehr oder weniger lustiges Krahl-Pöbel-Video von neulich ist inzwischen gesehen und kommentiert worden. Bei Schorsch ist seit heute nachzulesen, warum es tatsächlich doch eher weniger lustig ist (als mehr):

»In diesem Falle lautet der Vorwurf an Mitscherlich: er betreibe Selbstbefriedigung. Damit wird Krahl nicht nur das „Glück der Erkenntnis“ (Adorno/Horkheimer) meinen, das sich Mitscherlich in seinem Vortrag gönnt, sondern er spielt mit der deutlich sexuellen Konnotation des Wortes. Der Lustgewinn des Intellektuellen wird ihm versagt, betätigt er sich nicht produktiv für die Volksgemeinschaft. Anstatt seine Worte verständlich ins Volk zu reichen, sein Ejakulat gemäß einer vorgestellten Natürlichkeit der Zeugung zuzuführen, wagt es Mitscherlich – und diese Vorstellung steckt in dem antiintellektualistischen Gerede von Selbstbefriedigung – sich als intellektueller Volksfremdling von der Gemeinschaft zu entfernen und im kleinen Kämmerchen sein vermeintlich perverses Denken als Herumgewichse zu praktizieren.«

… weiter dann hier.

Schanzenfest bei den anderen

Dienstag, 07. Juli 2009

Alle Jahre wieder gehe ich nicht aufs Schanzenfest – das war schon so, als ich noch in bequemer Fußmarschweite gewohnt habe und wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. Am Folgetag Indymedia zu lesen, kann ich mir dann allerdings doch nie verkneifen; wie in diesem verbrauchten Spruch mit dem Unfall und der Wegguckerei.

»Wir wollten doch nur …«, »Die Bullen!«, »Politisch, politisch, politisch, ein Fest!«. Tatsächlich spannend ist es dann erst in der bloggenden Nachbarschaft geworden: Der Starblog ist über die »Mutantenarmee tätowierter Autonomenriesen« ganz klein und sentimental geworden, die Riotpropaganda zu Recht entrüstet und informativ über die Verhältnismäßigkeit eutiner Mittel und der zornige Lasterfahrer hat Bild und Ton von dem Spuk.

Mitscherlich gekrahlt

Mittwoch, 27. Mai 2009

Ich möchte Hans-Jürgen Krahl die Brille von der Nase schlagen – frei nach …But Alive. Eine der Vatermord-Szenen, die wohl den interessantesten Anteil an der Dokumentation Was war links? stellen:

Worum es da eigentlich ging, lässt sich auch dem vollständigen Film nicht entnehmen, ist aber auch egal. Brille und Gestus als Mahnung an die neue Krahl-Rezeption, die es angeblich irgendwo geben soll. ..

Was es sonst über die Doku zu sagen gibt, stand schon zu ihrer Erstausstrahlung in der Jungle World.

Konferenztexte in der neuen Bahamas

Freitag, 10. April 2009

Hätte ich geahnt, dass Justus Wertmüller noch auf H. G. Wells’ Zeitmaschine zu sprechen kommen würde, hätte ich die ideologiekritische Konferenz der Bahamas vermutlich nicht so frühzeitig wegen eines versprochenen Abendessens verlassen.

Das Arkadien, das sich der Europäer herbeiwünscht, ist ohne die Morlocks nicht zu haben. Das Delegieren der Selbstverwaltung an ein ewiges Prinzip, das der Kritik entzogen ist, gebiert Menschenfresser.

Dieser Text (und einige andere, derer Lesungen ich dank der gruseligen Anreise nur im Halbschlaf folgen konnte) ist vor ein paar Tagen in der neuen Ausgabe der Bahamas veröffentlicht worden. Wer ebenfalls müde oder gar nicht anwesend war, kann nun nachlesen, was dort vorgetragen wurde.

Aus der Mehrwertschmiede

Freitag, 03. April 2009

Auf irgendwelchen sonderbaren Kanälen scheint auch der letzte Vollhorst den Gewaltcharakter geschäftlichen Miteinanders zu empfangen. Besonders in den Abendstunden wird diese Erkenntnis spürbar. Gestern Abend habe ich versucht, einem Kunden zu erklären, dass er zwar recht mit seiner Annahme hat, meinem Chef ein wenig seiner Verfügungsgewalt über mich abgekauft zu haben, gleichzeitig aber den Rahmen falsch einzuschätzen. So richtig verstanden hat er das nicht.

Auch ein Verweis auf die Höflichkeitsgeschichte wollte nicht so recht ankommen; »Verpiss dich«, hat dann aber funktioniert. Ich habe die Pointe vergessen.