Archiv für die Kategorie 'Sachen machen'

Motorisiertes Lustwandeln

Samstag, 07. März 2009

Mit dem Auto über die Dörfer – die Bundesstraße so sicher meidend wie der Kohltourist. Vorbei an Häusern, die jünger sind als sie aussehen. Ab und zu anhalten, wo einmal Freunde gewohnt haben – nicht alle davon sind ausgezogen.

Ich grüße zurückgelassene Eltern, bin heute freundlicher als früher, wo es ums Benehmen ging. Ich meide die Gegend, in der ich die alte Kommune vermute.  Ich habe die Allee vor noch Augen, erinnere mich an Hunde, die seit wohl zwanzig Jahren tot sein werden.

So tot wie die Menschen, derentwegen ich den Umweg nehme. Ich besitze ein Foto von einem dieser Gespenster. Es schiebt einen Kinderwagen, in dem ich liege – behaupten die Überlebenden hartnäckig. Conan der Cimmerier soll sein Lieblingsbuch gewesen sein; er sieht ihm auch ein bisschen ähnlich. Wäre die Kassette nicht eh schon durch, müsste ich Menschen machen Fotos von dem Sommer jetzt abschalten.

Auf dem Acker pisst ein Bauer hinter seinen Trecker. There is no prophet in the desert? Ich lasse die Gegend, in der ich gar nicht war, hinter mir und schalte die Musik wieder an. I was the first – back on the farm – Fahr zur Hölle, Synchronizität – und nimm Luke Haines bitte gleich mit.

Your spineless mass and your spineless man
This is the hate socialist collective
- all mental health corrected

Ganz bestimmt! An der Kreuzung (wo auch sonst?) biegt der Mystiker rechts ab und ich überhole ein paar Arschlöcher auf Fahrrädern. Meine Lust auf schlechte Laune ist vorerst aufgebraucht. Ich fahre nach Hause, koche mir einen Kaffee und schaue nach, ob irgendwo Sponge Bob läuft.

Stunden sparen

Freitag, 06. März 2009

»Ich sah Rentner mit Gurken im Gesicht«, hat Dichterfürst Rainald Grebe über sein Wellness-Hotel gesungen. Gestern habe ich  sie nun auch gesehen – auf der Arbeit allerdings, wo es noch Tomaten, Salat und Zwiebeln dazu gab. Es ist eine heftige und bisweilen schmerzhafte Erfahrung, das irrwitzigen Wirken unserer(!) Corporate Identity – Ideologie am Personalsockel zu beobachten. Als ich zum ersten mal von einem Mitarbeiter gehört habe, wir sollten immer auch an das Unternehmen denken, habe ich das noch für einen etwas unbeholfenen Scherz gehalten. Inzwischen habe ich aber Kollegen gesehen, die freiwillig vorzeitig zur Lochkarte greifen, um »Stunden zu sparen« – also ein, zwei Stunden gratis zu arbeiten, um »auch mal etwas zurück zu geben«, und das dabei tatsächlich auch so zu formulieren. Herzlich willkommen in der Arbeitswelt! Ich kannte sie ja schon vom Hörensagen, aber erst so langsam bekomme ich eine Idee vom Ausmaß der Angelegenheit.

Es ist übrigens nicht so, dass vor Unter-Chef mit dem freiwilligen Lohnverzicht geprahlt wird. Eine derartige »Investition« hätte ich verstanden. Es geht tatsächlich um einen stillen (und selbstverständlich einseitigen) Freundschaftsdienst – bestenfalls hilfreich dabei, das eigenen Wahngebilde von der Firma, die sich »auch hinter mich stellt, wenn es mal eng wird«, zu unterfüttern. Es sind die schlimmsten Seiten des vorzeitlichen Familienbetriebes, die hier durchbrechen. Und das nicht etwa in einer kleinen irgendwas-Agentur, die zu Zeiten der irgendwas-Blase aus einem Freundeskreis entstanden ist, sondern in einem anonymen Riesenkonzern schneeballhafter Weltmarktpräsenz.

Wo ist Walter? Und warum?

Donnerstag, 26. Februar 2009

Im Hinterzimmer dieses Blogs verstauben einige Texte, an denen mir zwischenzeitlich die Lust vergangen ist. Einer davon besteht nur aus einer Illustration:

Wo ist Walter?

Wo ist Walter?

Was ich damit ursprünglich fragen (oder gar: sagen) wollte, ist spurlos verschwunden. Einfach so.

Reden ist Silber

Samstag, 21. Februar 2009

Wer berichtenswerte Geschichten erlebt, hat in der Regel keine Zeit, sie aufzuschreiben.

… auch wenn ich diese Regel leichtfertig aus dem Ärmel einer gerade mal einwöchigen Selbstbeobachtung geschüttelt habe, ist vermutlich irgendwas dran – sicher kann ich es nicht sagen, weil für Gegenproben und ähnliche Spielchen natürlich Zeit und Kraft fehlen.

Es hat mich tatsächlich in die finsteren Dimensionen der Lohnarbeit verschlagen. Bevor die Routine (vor der ich mich jetzt schon fürchte) eingesetzt hat, behalte ich den Rest der Geschichte allerdings lieber für mich.

Früher mal, die Dorfdisco

Freitag, 13. Februar 2009

Verzichtet man auf dieses und jenes unterhaltsame Detail, bleibt von jedem Gerede über »damals« nur ein faseliger Brei, der irgendwann selbst diejenigen zu Tode langweilt, die dabei gewesen sind. Ein ganz besonders beliebtes Thema sind die kleinen alternativen Dorfdiscos, von denen es auf dem norddeutschen Flachland früher tatsächlich mal mehr als heute gab. Bei uns zwischen Bremen und Osnabrück sind der Lindenhof (Wetschen), der Pleasure Dome (Oppenwehe) oder der Circus Musicus (Märschendorf) heute so legendär, wie sie pleite und geschlossen sind; und auch weiter westlich im  Emsland sind die vergleichbaren Läden größtenteils ins Museum und die Geschichts-Doku umgezogen.

Man könnte sagen, wir hätten in den 90ern das Ende einer Ära erlebt – zwischen Krautrock-Resten, Hippielala und MTV-Metal an unseren adoleszenten Identitäten gestrickt. Ich kenne einige, die das tatsächlich so oder so ähnlich sagen und noch einige mehr, die eher wortlos auf ihren entsetzlichen »Revival Partys« herum oxidieren. Als die Läden vor ein paar Jahren wegstarben, habe ich die kollektive Traurigkeit noch für ein lokales Phänomen gehalten, für ein weiteres Mosaikteilchen Diepholzer Provinz-Tristesse. Später in der großen Stadt musste ich dann feststellen, dass es diesen weinerliche Irrsinn auch anderswo gab. Und nicht nur, dass alle mal wieder jung sein wollten (bei Anfang-20-jährigen ein erstaunlich verbreitetes Bedürfnis) – nein, es war immer wieder die Dorfdisco, um die es ging.

LindenhofLindenhof in Wetschen

Und das sonderbarste: Als die Tempel noch standen, waren auch schon alle traurig! Die Hippies wollten die 70er zurück, die Gruftis die 80er und ich selbst meist den letzten Sommer (oder manchmal auch die 70er). So ganz verstehe ich das alles noch nicht. Natürlich ist auch dieser Text hier Teil des beschriebenen Geredes, und natürlich manifestiert sich das Hängenbleiben auch negativ. Nur erklären tut das noch nichts – insbesondere nicht die Ausstellung oder die DVD aus dem ersten Absatz. Es steckt doch etwas mehr dahinter, als die freche und dümmliche Behauptung, dass früher alles besser gewesen sei. Ich werde das im Auge behalten. …

Im Lateran brennt noch Licht

Donnerstag, 05. Februar 2009

Auch ich lasse die Kerne in den Oliven, oder stecke sie zumindest heimlich wieder hinein. Die überflüssigen letzten Beiträge habe ich zwar gelöscht, zumindest das schöne Bild soll der Nachwelt aber erhalten bleiben:

Fuck Schorsch!

Ansonsten sammle ich weiter Quellen zu diesem päpstlichen Kasperletheater und äußere mich vielleicht später, wenn alle Beteiligten über ihr »Entsetzen« hinweg sind.

Wissen unter Kontrolle

Samstag, 31. Januar 2009

Das Schönste an Read It Later – Bookmarks ist, dass sich der ganze Ordner löschen lässt, ohne auch nur einen einzigen Text »später« gelesen zu haben. Bei der Unmenge an Ausgedrucktem, die hier herum liegen, ist es leider nicht ganz so einfach. Anstatt das ganze Papier nun einfach in den Müll zu geben, habe ich mich eben daran versucht, es zu sortieren.

Ein paar Texte habe ich mit der Post verschickt. Vielleicht um sie ruhigen Gewissens loszuwerden, vielleicht aber auch, damit sie irgendwann als Gespräch zurück kommen.

Wirklich unangenehm sind mir aber erst die Texte, die ich tatsächlich gelesen habe, an die ich mich aber von Tag zu Tag weniger erinnern kann. Ich wüsste gerne mal, woher dieses Bedürfnis kommt, den ganzen Mist im Kopf zu behalten. Sollte irgendwas davon tatsächlich noch einmal wichtig werden, würde ich das entsprechende Exzerptheft binnen Stundenfrist ausfindig machen – so viele habe ich davon nun auch wieder nicht. Nur reicht diese Sicherheit scheinbar nicht aus.

Gestern wollte ich die Technik zur Hilfe nehmen und habe mir ein offline-wiki eingerichtet. Hätte ich es nicht mit dem dritten Eintrag wieder gelöscht, und wollte ich eines Tages tatsächlich wissen, was Tolkien gegen Campbell zu sagen hatte – dort hätte ich es nachlesen können. Der Aufwand war mir aber letztlich zu groß.

Die vorläufig einzige Erkenntnis: Ich pflege einen fetischistischen Umgang mit Arbeitstechniken. Morgen denke ich vielleicht weiter über ein Lektüreblog nach – bis dahin nehme ich mir vor, irgendwas zu vergessen und mich nicht darüber zu ärgern.

Nachtrag aus den Welten des Wahns:

Was mit »Tod«

Freitag, 23. Januar 2009

Ich wüsste ja gerne mal, wie diese Auswahl an Lebensschnipseln eigentlich zustande kommt, die hier im Blog nachzulesen ist. Wenn ich mich durch die einzelnen Beiträge bis zum Anfang zurück klicke, habe ich jedenfalls nicht das Gefühl, es hier mit einem sonderlich repräsentativen Ding zu tun zu haben. Sicher, ein Teil entsteht in (nicht unbedingt durch einen Link dargestellten) Korrespondenz mit anderen Blogs, aber der Rest? Im Moment finde ich es sehr interessant, Texte mit der universitären »Tod des Autors« Vorbildung zu lesen, wenn ich selbst dieser Autor bin.

,,, und das nicht nur, weil Karwan Baschi seit ihrem – auch schon wieder historischen – Ende zu den Untoten zählt. Auch so ein Problem, das ich langsam wirklich mal lösen sollte. Naja.

Freizeithelden – Level 0

Freitag, 16. Januar 2009

Ein Auszug aus einem älteren Text, den ich beim Warten auf ein gemeinschaftlich genutztes Gamepad in Stichworten aufgeschrieben habe. Man bemerke die Freude an bekloppten Formulierungen, hinter denen sich der Zorn über das (eigene) schlechte Spiel nur notdürftig versteckt – ganz abgesehen davon, dass man nur schwer überlesen kann, was ich damals gerade gelesen und so halb verstanden hatte:

Die erste und vielleicht wichtigste Basisbanalität einer Kritik des konventionellen Computerspiels zielt auf das Angebot der Identifikation und streng reglementierten Interaktion mit dem (simulierten) Ganzen. Wird die spielerische Herausforderung angenommen, also beispielsweise auf einen möglichst hohen Punktestand gespielt, wird die Reflexion auf das Verhältnis des Individuums zum Gegebenen verhindert, und gegebenenfalls durch Punktabzug bestraft, weil nicht optimal gespielt wurde. In Highscore-Listen und in der außerspielerischen Interaktionen mit anderen erfährt dieser Mechanismus seine Verdoppelung und seine Schnittstelle zu den Verkehrformen der realen Welt. Da die Realtät des Spiels Erfolge nur in klar definierten Erscheinungsformen kennt, ist der Bruch mit dem Regelwerk ein notwenigerweise hoffnungsloses Unterfangen. [...]

Wenn man wollte, könnte man mit rocket jumping oder ähnlichen Spirenzchen dagegen halten, auch wenn ich sgoar heute noch meine Zweifel am Sinn einer solchen Argumentation hätte. Ich habe mich gerade an den Text erinnert, weil ich mich vom großartigen Burn the Rope verarschen lassen habe. Ich habe ihn erst mal auf den Zelda-Stapel gelegt; vielleicht kann ich ja doch noch was damit anfangen.

Zelda III – A Link to the Past

Montag, 12. Januar 2009

Seit ich mich neulich im Scherz dafür rechtfertigen musste, mir die wirklich große Zelda III – Karte aus dem Video Game Atlas an der Wand zu wünschen, kommen jetzt langsam auch ernsthafte Gründe für meine gut fünfzehnjährige Begeisterung auf den Plan. Verraten werde ich davon noch keinen – nur eben mitteilen, warum es hier trotz anhaltenden Untodes so ruhig ist: Ich spiele die ganze Zeit. (Zumindest in der so genannten Freizeit, in der ich sonst womöglich tolle Texte tippen täte. …)

Niemand da.