Archiv für die Kategorie 'Veranstaltungen'

Kittkritik-Kongress II

Sunday, 11. May 2008

Der Kongress ist heute so angenehm fortgesetzt worden, wie er gestern begonnen hat. Die Inhalte werde ich nach dem letzten Tag in einem Abwasch bearbeiten, weil ich langsam aber sicher an meine körperlichen Grenzen komme und dringendst ins Bett muss. Bis dahin nur noch so viel:

Es ist - trotz aller Befremdlichkeit - lustig, über Freuds Massenpsychologie zu diskutieren, während sich vor der Tür eine Völkerwanderung ins Weserstadion ereignet. Beim fröhlichen Pausen-Picknick auf dem Deich gab es auch gleich eine illustrative Polizeiaktion gegen hässliche Nazi-Hooligans und damit bin ich auch ohne ersten Mai noch zum Krawallegucken gekommen. Was eine berittene Polizeieinheit allerdings dazu veranlasst, in unter zwei Metern Abstand an sonnenbadenden Menschen vorbei zu galoppieren, verschließt sich meinem Verständnis.

Kittkritik-Kongress I

Saturday, 10. May 2008

Der erste Abend des ‘Deutschlandwunder’ - Kongresses in Bremen ist vorbei und ich nun auf dem Weg ins Bett. Der Auftakt war soweit sehr angenehm - mit einigen bekannten Gesichtern, hervorragendem Wetter und einem angenehmen Veranstaltungsort. Die letzten beiden Punkte könnten sich morgen allerdings noch zu einem unangenehmen Sauerstoffproblem verdichten, falls sich niemand dazu durchringen sollte, die Anweisung der Anwohner des KiOto zu ignorieren und die Fenster zu öffnen. Trotzdem: Es waren noch einige Plätze frei und es könnte sich lohnen, noch kurzfristig nachzukommen.

Inhaltlich ist heute noch nicht ganz viel passiert. Zum Einstieg haben die Veranstalter den kulturindustriellen »Kitt« des neuen Deutschlands und seinen Opferdiskurs in der (gerade noch) aktuellen Generationenkonstellation als theoretischen Ausgangspunkt für die folgenden Tage präsentiert; anschließend hat Tobias Ebbrecht eine allgemeine Einführung über das Bild in der Erinnerungskultur gegeben, die als Grundlage für die kommende Arbeit am Beispiel dienen soll. Beide Vorträge waren noch nicht wirklich spektakulär, aber dennoch sinnvolle Einführungen, die einen erfreulichen Einblick in die konzeptionelle Gestaltung des Kongresses gegeben haben.

Ich ärgere mich ein wenig, meine Kracauer - Lektüre im letzten Jahr voreilig abgebrochen zu haben; Freuds ‘Massenpsychologie und Ich-Analyse‘ einzupacken, war dafür scheinbar eine gute Idee.

Wie man in den Wald … und überhaupt

Monday, 05. May 2008

Eine Gruppe »Konservativ-Subversive Aktion« hat den bescheuerten ‘68er - Kongress der Linkspartei-Jugend(en) dielinke.sds und ['solid] (siehe neulich) überfallen und lässt sich dafür von der Jungen Freiheit abfeiern. Flugblätter und ein Transparent (Leninbild plus »68er Ikonen.10 Millionen Tote für die gute Sache!«) gab es zu sehen, einen spontanen »Hoch … die … internationale Solidarität« - Gegenchor und auch sonst ordentlich was für’s Eintrittsgeld. Ein schlechter Tag für die Querfront, aber gutes Infotainment für den lachenden Dritten. Man kann das aber natürlich auch ernst nehmen und sich fragen, ob die Autonomen Nationalisten semi-intellektuelle Gesellschaft bekommen haben. Vielleicht ein guter Anlass, die Dokumentationen zur Jungen Freiheit demnächst mal zu beackern.

Aufgrund der Fragwürdigkeit aller beteiligten Politkasper verzichte ich auf weitere Links. Google weiß mehr.

Kittkritik-Wochenende in Bremen

Monday, 05. May 2008

Am kommenden Wochenende findet der bereits großflächig beworbene Kongress der Kittkritik - Gruppe in Bremen statt. Ich habe es immer noch nicht geschafft, das Buch zu lesen, werde aber trotzdem (bzw. deshalb) da sein. Mit der Bahamas-Schelte im Hinterkopf werde ich mir von Fußball, Silent Storm, TKKG und arischem Antifaschismus berichten lassen und vielleicht sogar die Party besuchen.

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»Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur«

Den Vortrag über den »postnazistischen Jugendkrimi TKKG« hat Unkultur bereits gehört und für gut befunden und ich habe Lars Quadfasels (Er spricht auf dem Kongress zum Thema ‘Fun, auf Deutsch, heißt Stahlbad‘.) Buffy-Vortrag im Februar gehört. Kommt noch wer?

Erinnerung an und für den 2. Mai

Tuesday, 29. April 2008

Die Propagandamaschine Konrad Endler legt nach und erklärt nebenbei die Geschichte der menschlichen Evolution bis kurz vorm Kommunismus. Ein nachdrücklicher Aufruf, sich der machtvollen Demonstration am Senefelder Platz anzuschließen; am 2. Mai - dem IV. Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen:

Weitersagen, versteht sich!

Heraus zum 2. Mai!

Thursday, 17. April 2008

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Heraus zum 2. Mai!

Weltoffenes Rudolstadt

Thursday, 10. April 2008

Ein Pfarrer flieht mit seiner Famile aus Rudolstadt (Thüringen); wegen rassistischer Übergriffe [via]. In der Stadt erinnert man sich an Mügeln und fürchtet nun um das Image, dem es bisher so gut ergangen ist. Ich kenne die Stadt, weil ich seit Jahren, trotz muffiger Uncoolness, auf das große Tanz- und Folkfest fahre:

Hat man die Auftaktveranstaltung mit ihren Trachtengruppen erfolgreich verpasst, kann man trotz Multikulti-Kitsch gute Musik hören und ein paar nette Tage verbringen. Spätestens am zweiten Vormittag haben sich die Nazis aus der Innenstadt verzogen und die Bürger raunen einem ihre rassistische Scheiße höchstens hinter vorgehaltener Hand über die Ladentheke hinweg zu.

Es bleibt am Ende aber dennoch ein fauler Kompromiss, den der Festivalbesucher eingehen muss. Dass die Folkszene bei ihrer Begeisterung für das Volkstümliche, keine gemeinsame, antifaschistische Position bezieht, wundert vermutlich niemanden. Wie es um ihren Antirassismus bestellt ist, weiß ich nicht, weil die Probe aufs Exempel bisher ausgeblieben ist - erfreulicher Weise.

Es bleibt jedenfalls ein sonderbares Nebeneinander von angereisten Freunden der so genannten Weltmusik und einem kleinen Teil ihrer Gastgeber, der sich offen rechtsradikal gibt. Ein Randphänomen, wie gesagt; aber eines, das nur übersehen kann, wer es auch übersehen will.

In diesem Jahr ist Israel das musikalische Schwerpunktthema des Festivals und ich bin sehr gespannt, wie sich diese Wahl auf die “politische Stimmungslage” des Festivals auswirkt. Familie Neuschäfer wird dem Fest vermutlich fern bleiben und es bleibt, ihr herzlichst zu wünschen, dass sie es schafft, den Terror der weltoffenen Kleinstadt hinter sich zu lassen.

Nachtrag: Im Forum der Festivalseite wird ausführlich der Fall ausführlich diskutiert. Nachbarn der Neuschäfers melden sich zu Wort und so weiter. Angucken, wenn’s interessiert. Auch in Sachen Israel ist man dort einfallsreich:

»Ist Palästina im Länderschwerpunkt “Israel” auch mit inbegriffen? Wenn nicht, wäre es nicht mal die Chance (natürl. LEIDER nur im kleinen Rahmen) gewesen über die Kultur, eben das TFF, einen Beitrag “VERSTÄNDIGUNG” für den ewigen sehr schwierigen, sinnlosen beidseitigen Konflikt zu leisten. Das Künstler aus beiden Gebieten sich mal “Luft” machen können, sich verständigen und uns die Problematik näher bringen. Das was ja leider die Politik auf beiden Seiten in der verfahrenen Sache nicht schafft.«

Der mit dem Geek spielt

Sunday, 30. March 2008

Mit Rückenschmerzen und gemischten Gefühlen bin ich just aus Hannover zurück, wo ich mit (anderen) Spinnern ein berauschendes Nerdfest gefeiert habe: Die Hannover Spielt! - Rollenspielconvention. Meine zentrale Erkenntnis ist, dass ich die Rollenspielerei nach all den Jahren immer noch sehr gerne betreibe, mit der absoluten Mehrheit meiner “Mitspieler” aber nicht mehr viel anfangen kann. Langhaarige Nerds, die sich über ihre fragwürdigen Würfelorgien in Rage reden, gehen mir mittlerweile genauso auf den Geist, wie allen anderen, die schon das Vergnügen hatten, im Bus hinter denen zu sitzen.

Aber immerhin: Ich habe mir vom großartigen Karl-Heinz Witzko vorlesen lassen, der das Pech hat, auf seinen besten Romanen ein ‘Das Schwarze Auge‘ - Logo prangen zu haben, mir die Nacht mit dem großartigen ‘Dogs in the Vineyard‘ um die Ohren gehauen und an einem bisweilen realsatirischen Workshop teilgenommen, über den ich heute Abend nicht mehr nachdenken möchte.

Nachträgliche Feindbildkorrektur: So besonders langhaarig waren die meisten Leute gar nicht. Aber ich denke, der Typus ist trotzdem klar geworden. …

Israels Geburtstagskino in Hamburg

Friday, 28. March 2008

Die hamburger Antifas von Bad Weather und das 3001 Kino zeigen einige Filme anlässlich des 60sten “Geburtstags” des Staates Israel. Da die beiden Filme vom Donnerstag am Wochenende erneut laufen, habe ich tatsächlich die Chance, die ganze Reihe zu sehen. Hat noch jemand Lust? Von wegen zusammen nach Hamburg und so weiter.

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Israel-Filmtage in Hamburg

Laufen sollen die Filme:

FROZEN DAYS
NOODLES
THINGS BEHIND THE SUN
MADE IN ISRAEL
TURN LEFT AT THE END OF THE ROAD
MR. BAUM

Weitere Infos gibt es demnächst bei Bad Weather und dem 3001 Kino.

Swamp Room sagt »Schluss mit lustig«

Thursday, 27. March 2008

Das Swamp Room Happening fällt dies Jahr aus und kommt vielleicht auch nicht mehr wieder. Schuld sind die gestiegenen Kosten, die sich laut Sumpfchef Willem nur über eine (Wieder-)verkleinerung oder eine verschärfte Kommerzialisierung des Festivals bewältigen ließen. Das ist einerseits schade um die sympathische Veranstaltungung, andererseits aber wohl auch der unvermeidliche Preis der reichlich debilen Underground Inszenierung. Wo man sich immer noch gefällt, weil man glaubt, Musik “von Musikern für Musiker” oder zumindest Experten zu hören und via zu viel Gras erleuchtende Kicks zu kassieren, wird es eben langsam enger. Bevor es Ärger gibt: Ich höre immer noch Stoner Rock (oder die anderen Genres, von denen es ca. zwei pro Band gibt), kann das Gesülze der selbsternannten Unterground-Checker aber nur unter Schmerzen ertragen.

Das oben schon angesprochene Kommerzialisierungsgerde nervt mich ganz besonders an. Wer sich einmal die Mühe macht, die mittlerweile kaum mehr zählbaren Netlabels nach “progressiver Gitarrenmusik” zu durchforsten, kann der Wortschöpfung Desert Rock hinterher eine neue Bedeutungsebene verpassen: Gähnende Leere, in der zwei, drei verirrte Kyuss-Klone verstauben. Wo man Geld für seine Musik nimmt, ist man kommerziell und nicht erst auf dem Weg dahin. Um was es hier geht, ist der klandestine Touch, das Bedürfnis, etwas derber als der Rest zu sein und natürlich die paradoxe Sorge, gerade das effektivste Werbemittel zu verlieren.

Aber wieder einen Schritt zurück: Es tut mir aufrichtig leid für den engagierten Willem und seine Leute, um die Stadt Hannover, die damit wohl ihr letztes Kulturgut verloren hätte und ein wenig um mich, weil ich doch auch ganz gerne mal wieder hin gefahren wäre. Der Rest kann mir gestohlen bleiben.