Covergemixe

Saturday, 13. September 2008 09:44

Über zwei Jahre alt, aber immer noch ganz lustig: ‘(New) Photoshop Challenge: RPGs go to the movies‘. Ein Beispiel:

Tripleutnant Blueberry vs. Deadlands

Spannender sind natürlich Kombinationen, die nicht ganz so offensichtlich nach einander schreien.

Der unbekannte Polizist

Friday, 12. September 2008 02:16

Dass der Besuch einer Antifa-Demo ein gewisses Risiko für das leibliche Wohl darstellt, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten. Dass immer wieder auch die, in linker Manöverkritik etwas überstrapazierten, »gewaltfrei Protestierenden« durch den Einsatz von Polizeibeamten zu Schaden kommen, schon eher. Diese Zweifel haben allerdings nur eine geringe Lebenserwartung. Spätestens, wenn sich das Ereignis im nächsten Jahr in Zeitgeschichte verwandelt hat, werden Fehler eingeräumt und irgendwelche Konsequenzen gezogen, die dann wiederum helfen, die nächste Prügelei zu erklären: »Damals - ja! Aber heute gibt es doch so Deeskalationsprogramme.«

Dieses Spielchen ist so dermaßen bescheuert, dass es kaum noch jemanden gibt, der noch Lust darauf hätte. Die Linken wissen, worauf sie sich einlassen (auch wenn sie das aus guten Gründen nur selten zugeben), der linksliberale Bürger hat es längst in der taz oder der Süddeutschen gelesen, und selbst das Fernsehen hat immer mal wieder auch zeitgenössische Polizeikritik im Angebot. Kurzum: Keiner ist mehr wirklich überrascht, wenn was passiert - die einzig spannende Frage bleibt, ob der einzelne Kommentator das »Einzelfall« - Wort benutzt, oder gleich in die Vollen geht. Soweit die Spielregeln.

Trotz oder wegen dieser allgemeinen Übereinkunft, klingt ein Polizist, der mit dem Messer auf Demonstranten einsticht, im ersten Moment nach einer Gruselgeschichte, die junge Antifas am Abend ihren Eltern erzählen. Tatsächlich ist die Geschichte, die sich am 5. Juli in Oldenburg ereignet haben soll, inzwischen auch bundesweit erzählt worden und hat sogar eine Art Nachspiel gehabt: Die »aus Objektivitätsgründen« eingeschaltete Polizeiispektion Diepholz hat postwendend Entwarnung gegeben und die Vorwürfe als »völlig unberechtigt« zurück gewiesen. Die Oldenburger Rechtshilfe hat nun einen eigenen Bericht veröffentlicht, der zu einem anderen Ergebnis kommt.

Ich weiß nicht, was auf dieser Demonstration passiert ist. Solche Sätze klingen beunruhigend: »Ein Pathologe des Instituts für Rechtsmedizin am Klinikum Bremen-Mitte hat ihre Wunde am 7. Juli untersucht und fotografiert. Auf Anfrage teilte das Institut jedoch mit, die Polizei habe untersagt, Auskünfte über das Untersuchungsergebnis zu erteilen.«. Solche Bilder machen es nicht besser:

Abbildung aus dem Bericht der Rechtshilfe OL.

Der Satz mag mit »laufenden Verfahren« oder ähnlichem Juristenkrams zu tun haben, und das Bild zeigt eine Narbe - keinen Tathergang. Trotzdem bleiben Zweifel und eine unschöne Situation, in der scheinbar jeder mehr weiß, als er wissen kann. Gegen die verletzte Sanitäterin wird nun wegen »Vortäuschung einer Straftat« ermittelt und ich hoffe, dass sie die Unterstützung bekommt, die sie braucht. Bleibt noch der unbekannte Polizist, der vielleicht zu Unrecht beschuldigt wurde, aber zu dem fällt mir nicht viel ein.

Mir fällt insgesamt nicht mehr viel dazu ein. Nicht einmal die eigene Affiziertheit bekomme ich anständig reflektiert. Ich lasse es trotzdem so stehen.

Schwarzrosa Schmutzromantik

Monday, 08. September 2008 13:53

Jeder Versuch, einen fairen Text über die mittelalterlich inszenierte Rockmusik von heute zu schreiben, wird unweigerlich an ihren Fans scheitern. Nicht unbedingt an den unzähligen Menschen, die ‘Subway to Sally‘ oder ‘In Extremo‘ in die Albumcharts kaufen oder an die Spitze des ‘Bundesvision Song Contest‘ telefonieren - sondern an denen, die eben darum »Ausverkauf« und »Mainstream« krakelen oder ihre authentische Trauer in süffigem Met ertränken.

Es ist kein großes Kunststück, diese Leute der Lächerlichkeit preiszugeben, und auch ernsthafte Kritik an Mystizismus, Todesbimborium oder Volkstümelei geht leicht von der Hand. Leider ist es fast ebenso einfach, den Gegenstand der Kritik zu verfehlen. Schnell ist die Schnittmenge von Karnevalsverein, Neofolk, Nazi-Dark Wave und Nazimetal ausgemacht und auf monströse Größe halluziniert. Damit ist nichts gegen die Berechtigung von Wachsamkeit, Aufklärung und Aktion gesagt, zumindest aber vor dem Ressentiment gewarnt.

Subway to Sally‘, die ich oben leichtfertig als Beispiel genannt habe, passen eigentlich nicht so recht ins Bild. Mittelalterliches spielt auf den zweiten Blick eine untergeordnete Rolle und für Metal und Gothic bleiben sie eher eine Randerscheinung - wenn auch eine ausgesprochen erfolgreiche. Als eine Art auf Linie gebrachte ‘Inchtabokatables‘ veranstalten sie eine Show, die sich nur schwerlich beschreiben lässt. Freund, Ex-Produzent und Sympath Sven Regener schrieb dem Gedichtband des Subway-Texters Bodenski ins Vorwort:

»Es geht hier nicht ums Mittelalter. Jedenfalls nicht primär. Und auch nicht einfach bloß um Texte, damit man beim Singen was zum Singen hat. Was Bodenski geschaffen hat, ist große Poesie und der kann man den Respekt niemals versagen.«

Mit der letzten Behauptung befindet er sich allerdings im Irrtum, wie unlängst von anderer Seite bewiesen wurde: Der Comic-Verlag ‘Schwarzer Turm‘ hat ein ‘Subway to Sally Storybook‘ herausgegeben, in dem dieser Respekt sehr anschaulich versagt wurde. 19 Songtexte, umgesetzt als Deutschmangas; einem Genre, das mir schon allein deshalb sympathisch ist, weil es sich einen Dreck um kulturelle Identität schert, eine fließende Grenze zwischen Fanart und Professionellem unterhält und auch nicht den leisesten Versuch unternimmt, als autonomes Kunstwerk daher zukommen. Dass ich die meisten Comics hässlich finde, steht auf einem anderen Blatt.

Die Leseproben des Bandes und ein Animexx-Fanart-Wettbewerb geben einen guten Einblick in den dekonstruktiven Kitsch. Keine Spur von Melancholie, Extase, triefender Erotik, oder was auch immer die Vorlagen im Einzelnen ausmacht; nicht ein Hauch von »beseelter Echtheit«. Die rosa Kolorierung (der Verlag nennt es »rubinrot«) ist nichts für schwarze Seelen, sondern Emo-Chic im besten Sinne des Wortes. Ich bin schlichtweg begeistert, obwohl es mir eigentlich nicht sonderlich gefällt.

Call for Papers (im Duett)

Thursday, 04. September 2008 12:06

Wer hier die Comments im Blick hat, der weiß es schon - wer Nichtidentisches liest, sowieso. An alle anderen: Wir machen uns seit ein paar Wochen Gedanken über kooperatives Bloggen gegen Hartz IV und die »Kontinuität deutscher Krisenbewältigung«. Inzwischen hat sich der Gedanke durchgesetzt, die Debatte gleich zu Anfang auf eine möglichst breite Basis von formvollendeter Widersprücklichkeit zu stellen. Hier noch einmal der Aufruf des geschätzten Nachbarbloggers und »Genossen auf Zeit«:

Call for Papers:

Für eine konzertierte Aktion werden noch BloggerInnen gesucht, die sich auf vielfältige Weise Gedanken zu Hartz-IV, ALG-II, 1-Euro-Jobs oder Sozialsystemen überhaupt machen wollen. Die Beiträge können von literarischen Kurzgeschichten, satirische Hiebe nach allen Seiten über künstlerische Darstellung, Comics, T-Shirt-Entwürfe bis hin zu ausformulierten Analysen des totalen Verblendungszusammenhangs oder auch nur eines Forumsthreads reichen. Es geht dabei nicht darum, theoretische Einstimmigkeit zu verbreiten, sondern vielmehr eine verwirrte Debatte weiter zu verwirren, die Widersprüche auf die Spitze zu treiben und letztlich gerne auch mal ganz individuellen Frust abzulassen. Eine Zensur findet nicht statt, lediglich ein Aussortieren allzu übler Gesinnungen, mit denen man sich nicht gemein machen möchte. Alle Beiträge werden am gleichen Tag gepostet, eine jeweils nach- oder vorzuordnende Linkliste soll alle Beiträge zum interaktiven Online-Reader machen.

Vorschläge können an nichtidentisches@[löschmich]web.de gesandt werden.

Ungefährer Redaktionsschluss ist der 21.9.2008, Beiträge bitte so zeitnah wie möglich anmelden.

DIVIDED WE STAND, UNITED WE FALL!

Dark Knight, mien Mors

Wednesday, 03. September 2008 14:10

Es war nicht immer ganz einfach, den Anschein zu erwecken, anders als die anderen zu sein. Früher musste man sich wilden Filz in die Haare züchten, ohne Internet an bescheuerte Musik kommen, schwierige Bücher lesen und andere zeitaufwendige Dinge tun. Heute ist das alles bedeutend einfacher und in erster Linie durch Angelegenheiten bestimmt, an denen man gerade nicht partizipiert:

Flaggen ans Auto hängen, George W. scheiße finden oder den neuen Batman gucken. Der Haken an der Sache ist nur, dass die ganze Idee des Andersseins mit dem Aufwand auch ihren Reiz verloren hat. Allein diese Überlegung verschafft mir ein flaues Gefühl im Magen, wo andere in den letzten Wochen doch so engagiert ins Spannungsfeld von Gegenidentifikation und identitärer Sinnsuche getextet haben. War es nun richtig, sich da rauszuhalten? Nur weil man sich nicht angesprochen fühlte? Gut, ich lerne ein wenig Hebräisch und lese gelegentlich Adorno, und ich erkenne einen hoffnungslos bescheuerten Text, auch ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden. Aber trotzdem: Geht mich das alles wirklich nichts an? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch ehrlich gesagt sogar noch weniger als die Sache selbst.

Also wieder zurück zu den einfacheren und interessanten Fragen des Lebens: ‘Dark Knight‘ gucken - oder es doch lieber lassen? Einige Freunde hatten scheinbar Spaß im Kino, und die Kritik von Nichtidentisches hat meine Neugierde geweckt. »Nekrophile Faszination« empfinde ich nicht - das ist eine andere Geschichte, die von der Pubertät aus dem ersten Absatz und ‘The Crow‘ handelt. Daran hängen Film und Kritik aber ja nun auch nicht. …

Andere schreiben über Nolans vermeintlichen Realismus: »Er [Christopher Nolan] führt seinen Helden ein gutes Stück aus dem Comic-Universum sonstiger Superheldenfilme heraus und ein wenig hinein in die wirkliche Welt.«. Oder aber: »Hier liegt dann wohl das unübersehbare Glaubwürdigkeitsproblem. Gerade weil „The Dark Knight“ es sich aufbürdet, unsere Realität, unsere Angst, zu seinem Thema zu machen, ist die banale Scheinseriosität seiner Action-Klischees so unredlich, so hohl, so unnötig.«.

Ob das wirklich die entscheidende Frage ist, kann ich natürlich noch nicht beurteilen. Ich möchte es aber können und werde darum wohl doch ins Kino gehen müssen. Entscheidung getroffen, Mission erfüllt - Danke Karwan Baschi!

Nachtrag: Hier wurde ebenfalls gut geschrieben. Man kann dort auch mit Menschen diskutieren, die klug kommentieren und den Film sogar gesehen haben.

Tapetenwechsel

Wednesday, 03. September 2008 00:52

Unsere Fahrt zur komischen Antifa-Konferenz scheitert nun an abgesprungenen Mitfahrern. Und irgendwie das ist auch ganz gut so. Nun kann ich die ermüdende Vorbereitungsliteratur bis auf weiteres unter dem tiefsten aller Stapel vergraben und mich ungehindert diesem (nicht weniger bizarren) Text widmen:

Rainald Grebe: Global Fish

Therefore, a “slashup.”

Monday, 01. September 2008 14:29

Der einzigartige William Shatner hat vor ein paar Jahren den großartigsten aller Pulp-Songs gecovert. Was damals schon ganz weit vorne war, ist spätestens nach diesem Video-Mashup einfach nur noch lieb zu haben:

Drogenpause

Sunday, 31. August 2008 17:29

Während die Blogs immer ruhiger werden - dieses hier und auch ein Großteil der regelmäßig von mir gelesenen - wird die Liste meiner ‘Themen für demnächst‘ immer länger und unübersichtlicher. Neben den akuten (’ROM Hacker‘, ‘Pulp Nazis‘ und ‘Hartz IV‘) hat sich nun auch der Dauerbrenner ‘Rausch’ auf die Tagesordnung geschlichen. Anstatt nun aber weitere Texte anzukündigen, habe ich mich erst einmal bis zum gesegneten Weihnachtsfest auf abstinent geschaltet und meinen Drogenkonsum auf Koffein beschränkt. (Vollkommen wahnsinnig bin ich nicht geworden.)

Wenn ich die Zeit finde, werde ich zwischendurch mit der ein oder anderen Polemik gegen die Entsagungsideologie gegensteuern und ansonsten meine Gedanken sortieren, um gegen Jahresende wieder interessanter zu werden. Wer sich jetzt schon darauf freut, an Weihnachten mit mir ‘Doctor Who‘ zu gucken, muss sich wohl oder übel auch mit einem gelallten Steckel-Vortrag arrangieren. …

Kastrierter Molblin

Monday, 25. August 2008 18:54

Heute gibt es ein kleines Büchlein aus der guten (mittel-)alten Zeit der Videospiele. Das Bilderbuch ‘Molblin’s Magic Spear‘ erzählt eine kurze Episode aus den Abenteuern des Helden Link, der (langfristig gesehen) unterwegs ist, um die bezaubernde Prinzessin Zelda aus den Fängen des Unsympathen Ganon zu befreien. Hier geht es aber zunächst nur um den eher nebensächlichen Kampf gegen Ganons Gefolgsmann Molblin, der irgendwo auf halber Strecke die Gegend unsicher macht.

Darum ist es vielleicht noch etwas zu früh, um auf Eugen Drewermanns Interpretation des Märchens Dornröschen zu verweisen. Ich mache es trotzdem:

»Wer möchte solch ein Prinzgemahl nicht sein? Mutig durchs Gebüsch gedrungen, dann, ansichtig der Schönen, von der alle traumverloren reden, naßforsch die Gunst des Augenblickes nutzend - allein die Paßgenauigkeit, mit der Triebwunsch und und Rettungstat sich ineinander fügen, - o seltene Glückseligkeit!«

Selten - fürwahr! Mir kommt Drewermann in den Sinn, weil sich die »tiefenpsychologische Deutung« auch im Falle des Nintendo-Märchens geradezu aufdrängt. Spätestens, wenn Link das magische Kastrationsbesteck im Uterus-Shop erwirbt, beginnt der sexualisierte Spaß.

… aber lest selbst:

Molblin’s Magic Spear

Künstliche Antifas

Thursday, 21. August 2008 15:54

Gestern habe ich ihn noch einen Frechdachs genannt - heute schreibt Jakob in der ‘Jungle World, wofür man Hellboy schätzen sollte. Wenn er seine Blogabstinenz weiterhin derart produktiv umsetzt, bin ich wieder glücklich und entschuldige mich für meine anmaßende Beschwerde:

»Selbstredend ist »Big Red«, wie ihn seine Freunde nen­nen, aktiver Antifaschist. Seine Faschismusanalyse (»Ach, Kacke!«) mag ein bisschen hinter der von Indiana Jones (»Nazis! Ich hasse diese Typen!«) zurückbleiben, nicht aber sein Engagement.«

Und weil er so recht hat, präsentiere ich noch einmal zustimmend, was es hier schon gab:

Passt ja grad so schön.