Bürgergeeks habt Spaß damit

Freitag, 16. April 2010 19:55

Nach dem nur mittelmäßig lustigen WG-Spiel Chez Geek werden jetzt endlich mal Lebensumstände verkaspert, zu denen unsereins auch einen richtigen Bezug hat:

»In diesem Spiel werden du und deine Freunde zu Guerilleros in der Truppe des Ruhmreichen Anführers, die in einem stinkenden Dschungel hocken – und zwar so lange, wie ihr euch gegenseitig ertragen könnt. Das Ziel von Chez Guevara ist es, den aufmerksamen Blicken des Anführers zu entgehen, die Launen der höheren Dienstgrade zu ertragen (oder selbst so jemand zu werden) und als Erster 20 Slack zu erreichen, um in die Zivilisation zurückzukehren und seine »Freunde« zu verpfeifen.«

Und der Titel erst: Chez Guevara (Pegasus Spiele)

On Arbeit

Sonntag, 11. April 2010 15:09

Es ist schon bald zwei Jahre her, dass mich mit der Bitte um Arbeit ans Kapital gewendet habe und heute blogge ich live und direkt vom Arbeitsplatz. (Hauptsächlich übrigens, um es mal gemacht zu haben und weil grad so gar nichts los ist.) Vom und nicht über, wohlgemerkt – anders wäre es erstens ganz schrecklich langweilig und zweitens wahrscheinlich noch verbotener als meine Variante.

Dabei drängt sich der Zustand als Thema auf; als fast einziges mit denn Kollegen und erschreckend oft auch in der so genannten Freizeit (deren formale Existenz allein schon Skandal genug wäre).

… Schlagartig ist doch nicht mehr so wenig los und ich werde auch diesen wundervollen Gedanken für mich behalten. Irgendwann wollte noch auf Posiputts Arbeitssuche kommen, aber das muss dann wohl einfach so gehen. Bald ist Feierabend.

The Whisperer in Darkness

Donnerstag, 08. April 2010 20:58

Die in so ziemlich jeder Hinsicht großartige H.P. Lovecraft Historical Society hat in der letzten Woche einen Trailer für The Whisperer in Darkness veröffentlicht. Gut wird das, wieder:

Gefahr gebannt

Dienstag, 23. März 2010 18:31

Heute hat die Kriminalpolizei vollbracht, woran der Wecker zuvor gescheitert war, und mich halbwegs zeitig aus dem Bett geholt. Anlass für die Störung meiner Bettruhe war eine angeblich vorausgegangene Störung meinerseits – die des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. (Frei nach § 126 StGB) Gedroht hätte ich mittels eines YouTube-Videos, in dem durch eine Counterstrike-Map meiner alten Schule gelaufen wird.

Nach der polizeilich beaufsichtigten Löschung des Videos kann ich leider nur noch nacherzählen, was darin zu sehen war: Jemand läuft eilig durch das leere Treppenhaus einer Schule, bleibt kurz vor einer Tür stehen, dreht wieder um, springt über ein Geländer und läuft zu einer anderen Tür. Unter dem Titel »Montag, erste Stunde« erzählt der Kurzfilm dem Eingeweihten, wie ich zu spät zum Politik-LK komme und mich kurzfristig dazu entschließe, die Stunde doch lieber im Aufenthaltsraum zu verbringen. (Soll angeblich ein oder zwei mal vorgekommen sein.)

Darin die Ankündigung eines Amoklaufs (oder meinetwegen auch den Aufruf zu einem solchen) zu sehen, ist eine nicht ganz uninteressante Interpretation. Offensichtlich wurde die Engine des Killerspiels trotz der vollständigen Abwesenheit von Bewaffnung oder aggressiven Handlungen erkannt und geschlussfolgert. Die populäre Erzählung vom psychisch kranken Killerspieler ist offensichtlich nicht nur bei Boulevardjournalisten und verunsicherten Pädagogen bekannt, sondern auch in der Strafverfolgung wirksam. Das Thema liegt seit heute Morgen jedenfalls wieder oben auf dem Schreibtisch – wenn die Debatte schon Hausbesuche macht. …

Was der Polizei besonders wichtig war, sei hier nur als skurrile Randbemerkung angeführt: Ich hatte Text und Video unachtsamerweise ausgerechnet am 11. September gepostet. So wie übrigens auch das hier.

Fetisch Banalität

Freitag, 19. Februar 2010 12:19

Aus der Jungle Worldschen Stimmensammlung zum Dresdenspektakel:

Unser Ziel ist ganz simpel: Wir wollen den Nazis weh tun. Wichtig ist uns vor allem dabei, dass es die richtigen trifft, und nur die richtigen. Kollateralschäden nehmen wir nicht in Kauf. [...] Alles muss dann schnell gehen. Wenn die Gegner weglaufen, um Hilfe schreien oder zurückschlagen, dann haben wir etwas falsch gemacht. [...] Unsere Geduld wird nach einer Weile mit einer zufällig vorbeikommenden Gestalt belohnt, die einen Pullover der Marke Consdaple trägt. [...] Wenig später geht ein völlig überraschter Neonazi schwer angeschlagen zu Boden und verwandelt sich dort in ein wimmerndes Häuflein Elend.

So erklärt »Aldo Regen« Konzept, Vorgehen und Lustgewinn seiner listigen Truppe. Vom Pulloverträger über den nicht in Kauf genommenen Kollateralschaden direkt weiter zum wimmernden Häufchen Elend. Wer auf die selbstbewusst vorgetragene Freude an Verletzung und Demütigung auch heute noch mit verunsichertem Kopfschütteln reagiert, hat vermutlich in den 90ern diesen Vortrag hier verpasst: »Also, ich komme aus dem Osten, und ich muss sagen …« es folgte dann Gewaltporno über tatsächlich furchtbare Zustände und endete bei was mit Notwehr. Es war ja was dran und die Prügelei ganz bestimmt besser als Lichterketten. Heute, wo Opfersprech aus der Mode gekommen ist, läuft allerdings eine andere Platte.

Uns ist klar, dass dem Bedürfnis, andere zu verletzen oder zu bestrafen, nichts Emanzipatorisches innewohnt. Was wir machen, wird als »politisch unbedeutend«, bestenfalls als »Gegenterror« kritisiert werden.

Es wird werden! Man schreibt Geschichte. Erinnert an den Film-Bösewicht, dem sich argumentativ nicht beikommen lässt, weil er sich seiner Widersprüchlichkeit bewusst ist – kämpfend für eine Welt, in der kein Platz mehr für ihn ist, oder so. Von der Überschrift »Inglourious Basterds« an, dreht sich der Text im Brutalo-Gestus um dieses und andere aus Film und Fernsehen bekannte Gebilde. Die Plattheit ist zum Stilmittel erhoben und streitet alles ab, was nach richtigem Leben im falschen klingen könnte. »Wir machen es trotzdem«, heißt an einer Stelle. Und selbst das ist ausgelutscht – bestenfalls die Parodie der (Nicht-)Reflexion. Der frische Wind der Negation ist abgestanden und riecht streng nach Pipi.

Wir begegnen mehrfach aggressiven Nazigruppen, die auf der Jagd nach Linken sind, uns aber nicht als Antifaschisten erkennen.

Tja, wie auch? Mir ist auch nichts aufgefallen.

Sogar zum Kiffen zu blöd

Sonntag, 14. Februar 2010 12:44

Sicherlich überflüssig, sich darüber aufzuregen – aber etwas lustig ist er schon, dieser unzufriedene Leser von Walter Benjamins Haschischbuch:

»Schon auf den ersten Seiten wurde ich mit bewußt was ich mir daangetan habe. Oh Gott, der Schreibstil entspricht wirklich dem derErstauflage von 1972 bzw. eher dem 18 Jahrhundert. Noch nie mußte ich in einem Buch die Textpassagen mehrmals lesen um zu verstehen was der Autor zum Ausdruck bringen will. Man muß den Text Wort für Wort lesen, und nach jedem Satz darübernachdenken was der Autor jetzt eigentlich meint. Für die Genereration X absolut unbrauchbar. MfG«

Oder war das ein Witz?

Und wir so …

Freitag, 05. Februar 2010 20:23

Kunstkritik

Samstag, 30. Januar 2010 16:01

Auf Beatpunk wird ein Bildband von Bernd Langer besprochen: »Er liefert einer anachronistischen Szene das Lebensgefühl des ‚streetfighting man‘, und zementiert die Identität der kompromisslosen Kämpfer auf der Straße. Anstatt also den von ihm so sehr gewünschten Drang zur Veränderung zu schaffen, bietet Bernd Langer Lebensentwürfe an. Das ist grundsolide, aktionistisch und bestimmt auch gut gemeint, nur in irgendeiner Weise progressiv ist es ganz sicher nicht.«

Die Kunstsachverständigen der Polizei waren da – zumindest in der Tendenz – wohlwollender: »L. verwendete sehr kräftige Farben und malte professionel mit Staffelei, Malbrett und Fertigfarben aus Tuben.«

Tödliche Wasserknappheit

Montag, 07. Dezember 2009 11:28

Wenn Polizisten über ihre Gerätschaften ins Schwärmen geraten, klingt das immer irgendwie komisch. Auf SpOn erklärt einer, warum er bisher noch keine Demonstranten erschossen hat:

»Was sollen wir da machen? Gummigeschosse einsetzen oder scharf schießen? Das brauchen wir nicht, wenn wir auch mit Wasser zum Erfolg kommen können.«

Mir geht das ganze »Riot« – Gequatsche der Genossen seit Jahren nur noch auf den Geist. Weder »Widerstand« noch »Sport« können mich konzeptionell überzeugen und die Verrohung, der sich Schläger auf allen unterziehen müssen, ist und bleibt ein Problem. So weit. Wenn aber sich aber Menschen wie Karl-Heinz Meyer von der Bundespolizei und Achim Friedl aus dem Innenministerium über ihre »Kunden« in Laune phantasieren, ist  das ohne Brechreiz kaum noch lesbar.

Wer treibt denn hier »Sport« und macht auf Bandenkrieg? In diesem Fall sind es die, die in Nachrichtensprech hinterher immer ausrasten »mussten«. Ein kleines bisschen Vernunft rutscht aber aus Versehen noch in die kindliche Freude übers neue Spielzeug hinein: Müsste man den »Kunden« erschießen, ginge er am nächsten Tag nicht mehr zum Einkaufsladen und wäre Kunde mehr. Ein Hoch auf die nicht-letalen Waffensysteme!

same procedure

Sonntag, 06. Dezember 2009 13:26

Fast jeder Jahrgang fast jeden Gymnasiums unterhält eine Kasse für seine Anschaffungen, und muss die irgendwie mit Geld befüllen. Auf meiner alten Schule werden zu diesem Zweck mehr oder weniger lustige Partys ausgerichtet – viele andere machen das wohl auch so. Drum herum gibt es allerlei Diskussion, weil die Feiern erstens extrem wichtig für das soziale Klima der Dorfschule sind und es zweitens ziemlich schnell um ziemlich viel Geld geht.

Ein Klassiker, der scheinbar nicht tot zu kriegen ist, bleibt der Kommerzialisierungsstreit. Die immer gleiche Ausgangssituation: »Bis ganz kurz vor jetzt waren unsere Partys immer irre authentisch und jetzt geht es nur noch ums Geld.« Oder: »Die andere Schule (der andere Jahrgang) da verdient mehr Geld als wir, ist dafür aber nicht so irre authentisch.« Langweilig? Stimmt. Aber es ist trotzdem lustig, diesem Wiedergänger bei der Arbeit zuzugucken. Besonders, wenn er sowas macht:

Gästebuch»Liebe Sonja« box den um. Der taugt nichts.