Lynch im Museum

Donnerstag, 29. Oktober 2009 10:30

Wenn David Lynch nicht gerade Filme macht oder auf dem Teufelsberg »Universitäten des unbesiegbaren Deutschlands errichtet«, produziert er allerlei Kunst zum Angucken. Das Max Ernst Museum Brühl nennt sie »bildkünstlerischen Arbeiten« und stellt sie unter dem Titel Dark Splendor aus – vom 22.11.2009 bis zum 21.03.2010. Mehr dann später, wenn ich die Ausstellung gehen habe. …

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Selbst ist der – Gedanke

Mittwoch, 28. Oktober 2009 19:09

Manchmal braucht es nicht einmal zwei vollständige Sätze:

»Als Broder ein paar Jahre später verlautbarte, wegen des Antisemitismus der Deutschen und speziell der Linken, seiner einstigen Freunde, nach Israel auszuwandern, hätte man denken können: immerhin konsequent für einen, der, weil Eltern und Großeltern Opfer wurden, lieber gleich Täter werden will und nunmehr für den heiligen Boden in den besetzten Gebieten kämpft.«

(Mathias Bröckers über Henryk M. Broder)

Humor ist, wenn einer lacht

Mittwoch, 21. Oktober 2009 19:59

Nun ist sie doch noch gelaufen, die Zimmer Frei – Episode mit Martin Sonneborn. Eigentlich sollte das nicht mehr passieren, weil der Titanic-Herausgeber und Bundesvorsitzende von Die Partei aus Sicht der Redaktion »leider wenig zur Unterhaltung beizutragen wusste«, die vorausgehenden Absprachen verletzt habe und die Sendung darum schlicht nichts geworden sei. Besonders lustig war sie nun tatsächlich nicht und sie ging auch nur in seltenen Momenten über das – vorab von Sonneborn geschilderte – Fremdscham-Ereignis hinaus.

Als Fanboy und Dieparteigänger sieht man das natürlich anders und freut sich jetzt bei Twitter oder anderswo darüber, wie Sonneborn es Götz Alsmann und (vor allem) Christine Westermann gezeigt habe. Sicher, Sonneborn hat sich dem Format verweigert und dessen Vollstrecker eiskalt auflaufen lassen, wie vom Metaebenen-Fachblatt Tagesspiegel bereits ausgeführt wurde. (Übrigens nicht, ohne am Ende auf die Geschlechter-Konstelletation der Akteuere dieser peinlichen Lachnummer zu verweisen – »ein glasklares Mann-Frau-Ding«, nennt man das da.) Am gelungendsten ist beisher der Kommentar von Jochen Voß, für den Sonneborn lediglich den Finger auf die Schwächen einer Show gelegt habe, die mit den Jahren »selbstgefällig« und ein »Opfer ihrer eigenen Routine« geworden sei.

So betrachtet, ist es auch kein Wunder, dass die Verantwortlichen im WDR – wenn sie nicht gerade mit ihrer »Sorge um den Humorstandort Deutschland« beschäftigt sind – auch aus wirtschaftlichen Gründen nur wenig Begeisterung für diese Episode Zimmer Frei aufbringen konnten. Ich habe mich im Verlauf der Sendung jedenfalls endlich von meinem chronischen Phantasma kleiner anarchistischer Zellen im Untergrund der dritten Programme befreien können. Und wieder musste ein Überbleibsel meiner ganz persönlichen 90er Jahre dran glauben, in denen Subversion noch ohne Schwierigkeiten zu gleichen Teilen aus dem »Abendprogramm der Kommunalsender im Kampf gegen Plastikscheiße« und »MTV im Kampf gegen den bornierten Kulturschrott« bestehen konnte.

1000 Blank White Cards

Samstag, 10. Oktober 2009 18:53

Seit nunmehr knapp zehn Minuten scheitere ich daran, eine Einleitung zu formulieren, die ohne Magic: The Gathering auskommt. Es klappt nicht. Wer in den 90ern zur Schule gegangen ist und wenigstens zwei Nerds in seiner Umgebung hatte, kennt das Spiel wenigstens vom Sehen. Es ging dabei um bunte Karten, Tauscherei und immer wieder irgendwas mit »Manakosten«. Ich habe selbstverständlich auch gespielt und wieder damit aufgehört, bevor ich merken konnte, wie genial das Spiel tatsächlich ist. Dafür musste es dann erst das Internet und die Turnierszene geben, wo bedeutend wahnsinnigere Leute als ich mir vorführen konnten, was ich damals alles hätte tun können, wenn ich es nur besser kapiert hätte. Dafür bin ich mit geschätzten Kosten um die 300 Mark noch recht glimpflich davon gekommen …

Erzählen wollte ich aber eigentlich von einem anderen Spiel – von 1000 Blank White Cards. Im Grund funktioniert es wie ein gewöhnliches Trading Card Game, nur dass sämtliche Karten unmittelbar vor und während des Spiel selbst geschrieben werden. Das Spiel selbst gibt es in ungezählten Varianten. Hier die Discordian Intelligence Agency Edition als Beispiel.

Es kann nur einen geben

Es kann nur einen geben

Der Witz an der Sache liegt aber weniger in einzelnen – mehr oder weniger gelungenen – Karten, sondern vielmehr in der Möglichkeit, die Regeln während des Spiels über den Haufen zu werfen. Anstatt taktisch im Rahmen des Gegebenen herumzuwurschteln, wird dieser direkt angegangen und bei Missfallen über den Haufen geworfen. Den Spruch mit dem Kuchen und der Bäckerei verkneife ich mir an dieser Stelle.

Final Girl

Final Girl

Die Partie war jedenfalls ein interessantes Erlebnis – auch über spaßige Referenzscherzchen hinaus.

Das Wetter

Sonntag, 04. Oktober 2009 02:16

Nach zwei Romanen und vier Kurzgeschichten, scheint Sir Arthur Conan Doyle schlagartig aufgefallen zu sein, dass seine Sherlock Holmes Erzählungen vielleicht doch ein kleines bisschen was flavor vertragen könnten. Oder aber – wohlwollender spekuliert – es war Dr. Watson ein wenig schwer ums Herz, als er Die fünf Orangenkerne zu Papier brachte. (Sagt man ja so: »Any studies in Sherlock Holmes must be, first and foremost, studies in Dr. Watson.«) Was auch immer. Jedenfalls gibt es plötzlich Wetter, das mehr tut, als Spuren sichtbar zu machen oder für irgendwelche fragwürdigen De-, Ab- oder Induktionen vorzulegen:

»Er schüttelte uns die Hände und verabschiedete sich. Draußen kreischte der Wind noch immer, und der Regen spritzte und trommelte gegen die Fenster. Diese seltsame, wilde Geschichte schien aus den tobenden Elementen zu uns gekommen – über uns hergeweht wie ein Strang Seetang in einer Bö – und nun von ihnen wieder aufgesogen zu sein.«

Ungefähr so ging es mir heute auch – nur, dass niemand zu mir gekommen ist und ich darum selbst raus ins Scheißwetter musste. Wo ich so darüber nachdenken, war die Geschichte eigentlich auch weder seltsam noch sonderlich wild. Eigentlich war sie nur nervig kaum der Rede wert. Wenn ich sie auf das Wesentliche reduziere, bleibt eigentlich nur stehen, dass ich heute sieben mal über diese Brücke laufen musste und trotz der ungeraden Zahl wieder zu Hause angekommen bin:

Die BrückeMein Weg in die Zivilisation

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Dienstag, 29. September 2009 10:51

Auch wenn ich sie praktisch nie trage, bin auch ich im Besitz solcher Meinungsplättchen. (Ich hatte auch zu Lebzeiten der handtellergroßen Variante  schon drei Stück: »Mein Freund ist Ausländer«, »Gorleben soll leben« und »I ♥ Die Ärzte«) Jetzt habe ich ein paar zusammen gesucht, weil das schnieke Ding von nebenan in der Post war und jetzt weiß ich nicht so recht, wohin mit dem ganzen Blech. So am Mützchen, wie die noch jüngeren Genossen es gerne machen, geht natürlich gar nicht.

Buttons

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Das leicht vergrößerte Exemplar oben rechts, habe ich übrigens von fRemade persönlich zugesteckt bekommen, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass er nichts davon weiß.

Sachen, die mich von Sachen abhalten

Sonntag, 13. September 2009 23:05

Hegel

09/11

Freitag, 11. September 2009 22:24

Never Again

#nostalgie

Freitag, 11. September 2009 22:04

#nostalgie war heute vermutlich kein Top-Thema auf Twitter – gelesen habe ich es trotzdem hier und da. Gemeint sind verschiedene Dinge und beide haben kaum mit der #Todessehnsucht zu tun, auf die im Wörterbuch des trotz-allem-Wollenden eigentlich verwiesen sein sollte. Und die #Kunst? … hat wieder nur die alten Songs im Angebot. Immerhin:

Once in this old bar I sat alone on my chair
And I had another drink and I`ve looked into your eyes
And I`ve looked into your eyes that seem to be like stars
Just like stars

Later in this bar we had together our last drink
Then we went to your flat to might love to make love
Sleeping, sleeping…
Now in this old bar I`m alone again on my chair
`cause you left me next day, `cause you left me next day
And I`m looking for your eyes, looking for your eyes
That seem to be like stars, just like stars

Please give me my drink, `cause it`s the only way I know
To forget your eyes of stars to forget your eyes of stars

Sleeping, sleeping,… now.

… oder später.

Edit, um unnötiger Umsorgung vorzubeugen: Alles ist gut. Ich war gestern weder nostalgisch gestimmt, noch sonderlich todessehnsüchtig. Eigentlich wollte ich nur eine Watchmen-Watcherei am 11. September kommentieren, als mir die furchtbare Musik dazwischen kam. Dieses Wörterbuch sollte ich aber trotzdem bei Gelegenheit mal befüllen. ..

Geisterhaus, digital

Freitag, 11. September 2009 12:37

Vor sieben oder acht Jahren, als die erste Welle der Killerspiel-Hysterie von Columbine über Erfurt in mein eigenes Provinznest gerollt kam, war einer meiner Freund über Wochen damit beschäftigt, unsere Schule zu vermessen und abzufotografieren. Er hat Texturen für eine möglichst realitätsnahe Half-Life-Map unserer Schule gesammelt – ein Bedarf, den man einem passionierten Spieler kaum wird erklären müssen, der sich einer Restwelt auf der Suche nach Skandal und Ausnahmezustand aber ganz anders darstellen musste:

»Stets habe ich an einen Mehrspielerlevel, völlig ohne NPCs (Non-Player Characters = vom Programm gesteuerte Charaktere), gedacht – nie hingegen an ein Szenario, in dem man abschießbare Nachbildungen, real existierender Lehrer antrifft. Letztere Idee haben mir allerdings verblüffend viele Mitschüler kundgetan.«

Ich habe diese Map gestern zum ersten mal bespielt und kann die Triphaftigkeit dieser 20 Minuten kaum beschreiben. Anstatt es trotzdem zu versuchen, habe ich mich nun mit dem Designer dieses Geisterhauses verabredet, um seiner Schöpfung einen gemeinsamen Besuch abzustatten und auf dem Spaziergang über dies und das zu sprechen. Den dann traditionsgemäß doch nicht eingehaltenen Termin verkneife ich mir ausnahmsweise mal, einen kleinen Teaser gibt es aber schon: